

Beschreibung
Texas 1893: Neill, der jüngste der Archer-Brüder, träumt davon, finanziell endlich auf eigenen Füßen zu stehen. In dem kleinen Ort Dry Gulch will er sich genug Geld für eigenes Ackerland verdienen. Doch es ist gar nicht so einfach, das Vertrauen der Einheimisc...Texas 1893: Neill, der jüngste der Archer-Brüder, träumt davon, finanziell endlich auf eigenen Füßen zu stehen. In dem kleinen Ort Dry Gulch will er sich genug Geld für eigenes Ackerland verdienen. Doch es ist gar nicht so einfach, das Vertrauen der Einheimischen zu gewinnen und einen Job zu finden. Zum Glück spielt ihm ein Unbekannter einen Zettel zu: Dachdecker benötigt, um Heim von Witwe zu reparieren. Da ihm jede Arbeit recht ist, beschließt Neill, die Frau aufzusuchen. Leider gestaltet sich der Empfang alles andere als vielversprechend. Doch Neill Archer ist keiner, der gleich aufgibt. Schnell schaut er hinter die Fassade der jungen Witwe und merkt, dass hier mehr gefragt ist als ein paar handwerkliche Fähigkeiten. Denn seine neue Arbeitgeberin schwebt in großer Gefahr
Autorentext
Karen Witemeyer liebt historische Romane mit Happy-End-Garantie und einer überzeugenden christlichen Botschaft. Nach dem Studium der Psychologie begann sie selbst mit dem Schreiben. Zusammen mit ihrem Mann und ihren drei Kindern lebt sie in Texas.
Leseprobe
Kapitel 1 Texas Panhandle Sommer 1893 Neill Archer seufzte und richtete sich in seinem Sattel auf, als er den ersten Blick auf Dry Gulch erhaschte. Wieder so eine ausgeblichene, verdorrte Stadt in der Mitte von nirgendwo. Wenn er daran dachte, dass er vor zwei Jahren die Ranch seiner Familie verlassen hatte, weil er sich nach der grenzenlosen Weite der Welt gesehnt hatte, konnte er nur den Kopf schütteln. Was würde er jetzt darum geben, die riesigen, wunderschönen Pinien des Archerhofes um sich zu haben. Doch er verdiente es nicht, dorthin zurückzukehren. Noch nicht. Seufzend schnalzte er mit der Zunge und drängte seinen robusten Rotschimmel vorwärts. Eine neue Stadt egal wie staubig sie auch war bedeutete eine neue Chance und die Gelegenheit zur Arbeit. Er hatte seine Heimat mit einem Ziel verlassen. Und das würde er nicht aus den Augen verlieren nicht jetzt, da er ihm schon so nahe gekommen war. Das tiefe Dröhnen einer Kirchenglocke schallte durch die klare Morgenluft und begleitete Neill auf die Hauptstraße von Dry Gulch. Die Stadtbewohner trotteten links und rechts auf den Bürgersteigen entlang, vorbei an einem Gemischtwarenladen, einer Bank und einem Imbiss. Vielleicht hatte Dry Gulch doch mehr zu bieten, als er zuerst gedacht hatte. Ein Wagen, die Ladefläche voll mit Kindern unterschiedlichen Alters, alle in feiner Sonntagskleidung, rollte vor ihm her. Das älteste Mädchen lächelte ihn schüchtern an, als er langsam vorbeiritt. Neill tippte sich an die Hutkrempe, was die Jungen zu lautem Grölen veranlasste und die kleineren Mädchen zu albernem Gekicher. Das arme Ding wurde knallrot und versuchte, sich unter seiner Haube zu verstecken. Doch sie schaffte es, sich zu rächen, und trat dem lautesten Quälgeist fest vors Schienbein. Neill versteckte sein Grinsen und trieb Mo zum Trab an. Er überholte den Wagen, bevor die Kinder sich so laut zanken konnten, dass die Eltern eingreifen mussten. Er und seine Brüder hatten sich ganz genauso gekabbelt. Natürlich hatte es keine Eltern gegeben, die sich hätten einmischen können. Deswegen hatte sich oft aus einem harmlosen Necken ein handfester Faustkampf entwickelt. Doch selbst in diesen Fällen hatten ihre Familienbande nie gewankt. Sie waren Brüder Brüder, die zusammenstanden, egal was kam. Er vermisste diese Sicherheit, die Garantie, dass immer jemand da war, der einem den Rücken stärkte. Doch gleichzeitig war das auch mit ein Grund gewesen, warum er von zu Hause weggegangen war. Er musste sich selbst und seinen Brüdern beweisen, dass er jetzt ein Mann war, der es allein in der Welt schaffen konnte. Er überquerte den Kirchplatz und ließ Mo unter ein paar Zedern zum Stehen kommen. Dort waren schon andere Pferde angebunden und knabberten an dem spärlichen Gras, das sich durch den steinharten Boden gedrückt hatte. Neill stieg ab, nahm seine Bibel aus der Satteltasche und tätschelte Mo den Rücken, bevor er auf die Kirchenstufen zuging. Es war noch früh, deshalb standen die Menschen draußen, plauderten mit Freunden und Nachbarn, während die Kinder in der Nähe Fangen spielten und sich austobten, bevor sie in eine Kirchenbank gezwängt werden würden. Neill trat auf eine Gruppe Männer zu und stellte sich vor. Neill Archer, sagte er und hielt jedem die Hand hin. Eine schöne Stadt ist das hier. Bei so vielen Menschen habe ich Hoffnung, Arbeit zu finden. Ein korpulenter Herr in einem feinen grauen Anzug beäugte ihn neugierig, aber nicht unfreundlich. Was für eine Arbeit suchen Sie denn, mein Sohn? Sohn? Neill schaffte es gerade noch, seine Abneigung für diese Ausdrucksweise zu verbergen. Sohn, Kind, Junge so hatte man ihn sein ganzes Leben lang genannt. Mittlerweile war er achtundzwanzig Jahre alt, verflixt noch mal. Wann war es endlich vorbei mit diesen Spitznamen? Doch sich jetzt aufzuregen, würde ihm auch keinen Job verschaffen, also schüttelte Neill seinen Unmut ab und wandte sich dem Mann zu, der ihm die Frage gestellt hatte. Ich habe schon alles gemacht. Farmhelfer, Viehtreiber Ich habe Eisenbahnschwellen verlegt, Windräder aufgestellt, Scheunen gebaut, Dächer repariert, Brunnen gegraben. Als hinter ihm jemand scharf die Luft einsog, drehte Neill sich um. Eine schlanke, blonde Frau wandte schnell den Kopf ab, als sein Blick auf sie fiel. Hatte er da Interesse in ihren blauen Augen gesehen? Er drehte sich wieder um und lächelte die Männer an. Ich bin offen für jede ehrliche Arbeit mit angemessener Bezahlung. Die Männer erwiderten sein Lächeln mit aufrichtiger Wärme und nickten verständnisvoll. Der alte Johnson könnte vielleicht Hilfe brauchen, schlug einer von ihnen vor. Seine Zipperlein machen ihm zu schaffen und er hat es nicht geschafft, den Zaun um seine Weide fertigzustellen. Neills Laune hob sich schlagartig, doch nur für einen kurzen Augenblick, denn einer der anderen schüttelte den Kopf. Nein, nein. Seine Söhne sind letzte Woche aus Amarillo gekommen und haben ihm geholfen. Gute Jungs, Thomas und Grant. Ich wünschte, meine würden mir nur halb so viel helfen. Sie müssen ihre eigene Farm bestellen, Yancy. Das weißt du doch. Schließlich kannst du nicht erwarten, dass sie sich um dein Land und ihr eigenes kümmern. Anscheinend konnte Yancy das doch, denn sofort driftete die Unterhaltung genau in diese Richtung ab. Neill schwieg, während die Männer darüber diskutierten, wie viel Einsatz Söhne ihren Vätern schuldeten. Vielleicht konnte er sein Anliegen später noch einmal vorbringen. Außerdem war sowieso gerade der Prediger aus der Kirche getreten und winkte die Gottesdienstbesucher herein. Als er durch die Tür trat, schaute er sich sofort nach der Frau um, die er draußen gesehen hatte. Vielleicht wusste sie, wo er hier in der Gegend Arbeit finden konnte. Er entdeckte eine hellblonde Frau, die schon weiter vorne Platz genommen hatte, konnte aber von hinten nicht sagen, ob es wirklich diejenige war, die er suchte. Nun, es würde nicht schaden, sich einen Sitzplatz in ihrer Nähe zu suchen. Eine Reihe vor ihr erspähte er einen freien Platz, schlüpfte hinein und drehte sich um, um sich vorzustellen. Doch die Frau war gerade in ein Gespräch mit dem Kind neben sich vertieft. Da er nicht stören wollte, wandte Neill sich nach vorne und schluckte ein ungeduldiges Seufzen hinunter. Er würde einfach bis nach dem Gottesdienst warten müssen, um mit ihr zu sprechen. Nur war sie nach dem Gottesdienst schon wieder verschwunden. Vielleicht war es seine Schuld, dass er sie verpasst hatte. Nach dem Schlussgebet hatte er noch einige Zeit mit gesenktem Kopf dagestanden und den Worten des Predigers seine persönlichen Bitten hinzugefügt vor allem bat er um Geduld und ein größeres Vertrauen zu dem himmlischen Vater. Er hätte also eigentlich nicht überrascht sein sollen, dass genau diese Eigenschaften nun auf die Probe gestellt wurden, da sich seine einzige Hoffnung auf eine schnelle Anstellung scheinbar in Luft aufgelöst hatte. Neill schüttelte den Kopf und lächelte über diese Iron…
