

Beschreibung
Über die Wehrmacht im Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion ist viel geschrieben und gestritten worden. Jedoch wusste man bisher wenig über jene höchsten Generale, die das deutsche Heer auf Befehl Hitlers nach Osten führten, unter ihnen so bekannte Namen wie...Über die Wehrmacht im Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion ist viel geschrieben und gestritten worden. Jedoch wusste man bisher wenig über jene höchsten Generale, die das deutsche Heer auf Befehl Hitlers nach Osten führten, unter ihnen so bekannte Namen wie Bock, Guderian, Kluge, Manstein und Rundstedt. Was dachten und wie handelten die Oberbefehlshaber der Heeresgruppen und Armeen, die über Leben und Tod von vielen Millionen Soldaten und Zivilisten zu entscheiden hatten? Johannes Hürter zeichnet erstmals ein genaues Porträt dieser militärischen Elite und darüber hinaus das Panorama eines beispiellosen Feldzugs, in dem traditionelles "Kriegshandwerk" und nationalsozialistischer Rassenwahn eine unheilvolle Verbindung eingingen.
Pressestimmen
"Eine Darstellung, die ihresgleichen sucht." Prof. Dr. Klaus Hildebrand
"eine richtungweisende Studie" Prof. Dr. Hans-Ulrich Thamer in: FAZ "grundlegend" Dr. Christian Streit in: Die Zeit
"großartige wissenschaftliche Leistung" Benjamin Obermüller in: rezensionen.ch
"Hürters biographisch-soziologischer Ansatz und nicht zuletzt sein anschaulicher Stil schließt die bisherige Forschungslücke über die Struktur der Ost-Heeresgeneralität überzeugend." Knud von Harbou in: Süddeutsche Zeitung
"Johannes Hürter legt nun eine Art Kollektivbiographie von 25 Generälen vor. ... Er liefert solch eine Fülle von Einzelbelegen zur alltäglichen Beteiligung der Generalität an den Mordaktionen, dass die Beteiligung der Wehrmacht an Kriegsverbrechen nunmehr unumstößlich als gesichert gelten darf." Dirk Walter in: Münchner Merkur "Es ist zu wünschen, dass andere Historiker Hürters Beispiel folgen und genauso sauber gearbeitete Grundlagenstudien für die Zeit ab 1942 und die übrigen Kriegsschauplätze, etwa für Italien oder den Balkan, vorlegen. Für die weiteren Studien des IfZ zur Geschichte der Wehrmacht hat Hürter mit der vorliegenden Arbeit den Maßstab vorgegeben.
" Alexander Brakel in: H-Soz-u-Kult "... kann Hürters hervorragende Arbeit jedoch nur als 'großer Wurf' gewertet werden, der die bisher gängigen Erklärungsmuster kritisch hinterfragt und die Diskussion um die Gründe für die Beteiligung der deutschen Oberbefehlshaber an der massenmörderischen deutschen Kriegführung gegen die Sowjetunion auf eine neue Ebene bringt." Enrico Syring in: Militärgeschichtliche Zeitschrift
Wehrmacht in der NS-Diktatur Über die Wehrmacht im Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion ist viel geschrieben und gestritten worden. Jedoch wusste man bisher wenig über jene höchsten Generale, die das deutsche Heer auf Befehl Hitlers nach Osten führten, unter ihnen so bekannte Namen wie Bock, Guderian, Kluge, Manstein und Rundstedt. Was dachten und wie handelten die Oberbefehlshaber der Heeresgruppen und Armeen, die über Leben und Tod von vielen Millionen Soldaten und Zivilisten zu entscheiden hatten? Johannes Hürter zeichnet erstmals ein genaues Porträt dieser militärischen Elite und darüber hinaus das Panorama eines beispiellosen Feldzugs, in dem traditionelles "Kriegshandwerk" und nationalsozialistischer Rassenwahn eine unheilvolle Verbindung eingingen.
Autorentext
Johannes Hürter, geboren 1963, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Zeitgeschichte München-Berlin; Redakteur der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte; Redakteur der Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, Lehrbeauftragter an der Universität der Bundeswehr München und Privatdozent an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz.
Leseprobe
Zwischenergebnis (S. 196-197)
Der Querschnitt durch die Biographie von 25 Generalen und durch die deutsche Militärgeschichte von der Kaiserzeit bis in den Zweiten Weltkrieg hinein konnte nicht jedes Detail einer Gruppenbiographie sichtbar werden lassen, wohl aber verdeutlichen, in welcher professionellen, politischen und geistigen Landschaft sich diese Offiziere bis zu ihrem exponierten Einsatz im deutsch-sowjetischen Krieg bewegten. Dass ausgerechnet sie mit der Aufgabe betraut wurden, die Heeresgruppen und Armeen im ersten Jahr des gewaltigsten und gewalttätigsten aller von Deutschen geführten Kriege zu befehligen, war weder Zufall noch gezielte Personalpolitik eines Diktators. Vielmehr war die Zusammensetzung dieser kleinen, aber bedeutenden Positionselite das Ergebnis eines sehr langen und konventionellen Ausleseprozesses, der im Kaiserreich begann. Sowohl die Gruppe der Oberbefehlshaber vom Juni 1941 als auch ihr bis zum Januar 1942 auf neun Positionen verändertes und geringfügig verjüngtes Personal bestand durchgehend aus sehr erfahrenen Berufsoffizieren. Die Homogenität dieser konservativen Generalselite ermöglichte die Analyse von Grundzügen gemeinsamer Prägungen und Entwicklungen.
Bereits die Herkunft, Bildung und Ausbildung dieser Offiziere wiesen kaum gravierende Unterschiede auf. Sie kamen fast alle aus den "erwünschten Kreisen" der höheren Beamten und Akademiker, auf die sich die Monarchie stützte – auffallend häufig sogar aus der "zuverlässigsten" aller Schichten, aus Offiziersfamilien. Sie besuchten Humanistische Gymnasien oder Kadettenanstalten, die eine elitäre Schulbildung und nationalkonservative "Charaktererziehung" boten. Sie schlugen unmittelbar nach der Schule den Offiziersberuf ein und legten als Adjutanten, Kriegsakademiker oder Generalstäbler meist schon vor dem Ersten Weltkrieg die Grundlage für eine hervorragende Laufbahn. Zum exklusiven Sozialpro- fil und einem entsprechend konservativen Erziehungs- und Bildungsprofil kam ein sehr gutes Ausbildungs- und Berufsprofil, das diesen Offizieren mehrheitlich wohl auch ohne Krieg und Diktatur zu Karrieren bis in die Generalsränge verholfen hätte. Die späteren Oberbefehlshaber des Ostheeres wurden aus dem besten Teil des alten Offizierkorps rekrutiert.
Die Verwurzelung in der sozialen und politischen Ordnung des Kaiserreichs hätte stärker nicht sein können. Sie vermittelte den jungen Offizieren das Selbstbewusstsein, zu den staatstragenden Schichten einer starken und aufstrebenden Monarchie zu gehören. Ein weiteres Fundament war ein Standesethos, das die feudalen Traditionen von Ehre, Treue und Gehorsam bewahrte. Die Geborgenheit dieser geordneten Welt ließ die Offiziere in geradezu "kindlicher Passion" ihrem Beruf nachgehen. Die Nervosität der Jahre vor 1914 und die zahlreichen Widersprüche dieser Zeit werden nur die wenigsten beunruhigt haben. Das Selbstgefühl einer bevorzugten Kaste unterdrückte die Zweifel. Der Gegensatz von Tradition und Moderne gerade auch im militärischen Bereich wurde kaum wahrgenommen.
Das Militärwesen des Industriezeitalters verlangte zugleich den Spezialisten und Generalisten, da die militärischen Aufgaben im Kleinen immer detaillierter und komplizierter, im Großen immer komplexer und immer abhängiger von nichtmilitärischen Faktoren wurden. Die zunehmende Arbeitsteiligkeit im Offi- ziersberuf förderte jedoch die einseitige Konzentration auf das militärische Fachgebiet und drohte die ursprünglich weiter angelegten Ehrbegriffe wie Pflicht und Gehorsam auf das bloße "Funktionieren" von professionellen Experten zu verengen.
Inhalt
1;Inhalt;8
2;Vorwort;10
3;Prolog;12
4;Einleitung;25
5;I. Voraussetzungen;32
5.1;1. Wurzeln: Kaiserreich;34
5.1.1;a. Herkunft;34
5.1.2;b. Bildung;44
5.1.3;c. Beruf;57
5.1.4;d. Ethos und Politik;71
5.2;2. Umbrüche: Erster Weltkrieg und Republik;81
5.2.1;a. Kriegserfahrungen;81
5.2.2;b. Revolution;97
5.2.3;c. Republik;107
5.2.4;d. Lehren;122
5.3;3. Irrwege: Diktatur;134
5.3.1;a. Nationalsozialismus;134
5.3.2;b. Erfolge;153
5.3.3;c. Feldzüge 1939/40;167
5.3.4;d. Schattenseiten 1939/40;188
5.4;4. Zwischenergebnis;207
6;II. Ostkrieg;214
6.1;1. Vorbereitungen;216
6.1.1;a. Kriegsziele und Feindbilder;216
6.1.2;b. Militäri…
Tief- preis
