

Beschreibung
Lena ist fast dreißig, liebt ihren Lehrerjob, romantische Komödien, das Schreiben von Listen und insbesondere ihren selbstverfassten Lebensplan und obwohl das darin nicht vorgesehen war, ist sie immer noch Single. Nach all den enttäuschten Hoffnungen und der Z...Lena ist fast dreißig, liebt ihren Lehrerjob, romantische Komödien, das Schreiben von Listen und insbesondere ihren selbstverfassten Lebensplan und obwohl das darin nicht vorgesehen war, ist sie immer noch Single. Nach all den enttäuschten Hoffnungen und der Zeit auf dem VIP-Zuschauerplatz beim Familienglück ihrer Freundinnen fühlt sich ihr Leben an wie auf Standby. Zu allem Übel muss sie sich nun auch noch gegen die wohlmeinenden Omis ihrer Gemeinde und deren Ratschläge zum Thema Partnersuche behaupten sowie gegen ihren Bruder, der sie mit seinem Mitarbeiter Benjamin verkuppeln will. Was, wenn nie der Richtige kommt? Sollte sie vielleicht ihre Ansprüche herunterschrauben? Oder ist das mit der Liebe am Ende doch ganz anders, als sie immer geglaubt hat?
Autorentext
Johanna-Lynnea Sand ist eine deutschsprachige Romanautorin. Schon als kleines Mädchen war sie eine begeisterte Leseratte und liebt vor allem Sachbücher, die sich an der Bibel orientieren, und zeitgenössische Romane mit Tiefgang und Happy End. Sie erzählt auf tiefgreifende und schonungslos ehrliche Weise von den inneren und äußeren Kämpfen, die sich im Leben ganz gewöhnlicher junger Frauen abspielen und davon, wie überraschend, herausfordernd und vor allem befreiend Gottes Wirken darin sein kann.
Leseprobe
Kapitel eins Lehrerin sein ist toll. Ich stelle meine braune Vintage-Ledertasche auf das Pult im Klassenraum der 9C und hole das hellblaue Englischbuch mit dem gelben Känguruschild heraus. »Tom und Lennart, wollt ihr heute noch im Krankenhaus landen?«, rufe ich den beiden Jungen zu, die sich gerade einer Verfolgungsjagd über Tische und Stühle hingeben. Du-rummm, domm domm domm domm. »Aaaaah!«, kreischt Tom aus Leibeskräften. Du-rumm, domm domm domm domm. »Aaa-hahaaa!«, schreit Lennart und seine mutierende Stimme überschlägt sich dabei. Offenbar bin ich die Einzige, die um das Wohl der beiden besorgt ist, denn die anderen Kinder nehmen von dem halsbrecherischen Getrampel keinerlei Notiz. Vielleicht, weil sich diese Szene in jeder einzelnen kleinen Pause wiederholt. Vielleicht aber auch, weil Justin und Linus da hinten in der Ecke gerade einen Wettkampf ausfechten, der ziemlich genauso aussieht wie diese Lakritzschnecken-aufroll-runterschluck-wieder-rauszieh-Geschichte, die mein Cousin vor zwanzig Jahren zur Perfektion beherrschte. Der Kreislauf des Lebens. Ich tue so, als hätte ich sie nicht bemerkt. »Okay, everybody, sit down and take out your homework!«, versuche ich, den Lärm zu übertönen, und mache mir dabei ernsthafte Sorgen um meine Stimmbänder und um das Trommelfell meiner Kollegin in der Nachbarklasse. Irgendwie schaffe ich es, mir bei meinen Schülern Gehör zu verschaffen, und irgendwann sitzen alle auf ihrem Platz. Mein Unterricht kann beginnen. Ich erinnere mich noch an die Zeit, in der alle Welt versuchte, mir weiszumachen, dass Lehrerin der perfekte Beruf für mich sei, wenn ich einmal Ehefrau und Mutter werden wolle. Ich sehe noch die begeistert funkelnden Augen meines Vaters vor mir. »Dann hast du gleichzeitig mit deinen Kindern Ferien und kannst mit deiner Familie zusammen in den Urlaub fahren!« Mein Vater hat langjährige Erfahrung mit dem Lehrerberuf. Er ist Maschinenbauingenieur. Und hier bin ich nun. Mitten in der Blüte des Lebens und jeden Tag umringt von Kindern, mit denen ich zwar gleichzeitig Ferien habe, aber nicht zusammen in den Urlaub fahren kann. Oder wollen würde. Aber merkwürdigerweise liebe ich meine Arbeit. So nervenaufreibend sie ist und so anstrengend die Schüler auch manchmal sein mögen. Eine Dreiviertelstunde später ertönt das obligatorische Knacken im Lautsprecher, das jedem Pausengong vorangeht, und sofort schmeißen Tom und Lennart Stifte und Hefte hin, um ihre Verfolgungsjagd wieder aufzunehmen. Ich tue so, als würde ich schimpfen, weil mein Schimpfen von vor dem Unterricht offensichtlich sehr viel gebracht hat, packe dabei das Englischbuch in meine Tasche und ignoriere die Lakritztüte, die in der letzten Reihe wieder zum Vorschein kommt. Meine Pubertätstoleranzgrenze ist offiziell erreicht. Zeit, den Abgang zu machen. Ich laufe durch den Flur, dessen Wände jedes Jahr von der Jahrgangsstufe 13 kunterbunt bemalt werden, bahne mir einen Weg durch die herumschwirrenden, lachenden und schreienden Kinder, nicke den Schülern, die bei mir Unterricht haben oder mal hatten, wie eine freundliche, seriöse Lehrerin zu, rette mich ins Lehrerzimmer und mache die Tür hinter mir zu. Selige Ruhe empfängt mich. Meine Kollegen sitzen um die runden Holztische herum und jeder kümmert sich leise um seinen eigenen Kram. Dieser Raum ist unsere Oase. Hier tanken wir Stille, bevor wir uns wieder dem Chaos da draußen stellen müssen. Der graublaue Teppichboden schluckt noch zusätzlich die Geräusche und macht unser Lehrerzimmer »hyggelig«, wie die Dänen sagen. Oder waren das die Schweden? Ich begrüße die Kollegen, die ich in der ersten großen Pause nicht gesehen habe, mit einem fröhlichen »Guten Morgen!«, bekomme von zweien griesgrämiges Gemurmel zurück, von den anderen ein freundliches Nicken, und laufe schnurstracks auf die winzige Kochecke zu, die man eigentlich kaum als solche bezeichnen kann. Ein minikleines Spülbecken, daneben ein noch kleineres Abtropfgestell und unser alter, mal weiß gewesener Kaffeeautomat. Kaum stehe ich vor dem Becken und bringe den Automaten auf Knopfdruck zum Gurgeln, da kommt Stefan angeschlendert, der anscheinend auch gerade jetzt ganz dringend einen Kaffee braucht. So wie jeden Tag, wenn ich da stehe. »Na? Brauchst du mal wieder 'nen Schuss?« Und genauso selbstbewusst wie jeden Tag. Ich bin höflich und lächle und sage: »Ja.« Mein Kollege steckt die Hände in die Hosentaschen seines dunkelblauen Adidas-Jogginganzugs und lehnt sich lässig in den Türrahmen. »Hattest du grade die 9C?« »Ja«, antworte ich und verdrehe die Augen. »Sei froh. Du hast es für heute hinter dir. Ich muss die gleich durch die Turnhalle jagen.« »Kleiner heißer Tipp: Konditionstraining. Für Tom und Len-nart bitte besonders intensiv.« Er grinst. »Wir dürfen niemanden bevorzugen. Schon vergessen?« »Würdest du nicht. Das ist Anpassung des Unterrichts an die individuellen Bedürfnisse der Schüler.« Seine Augenbrauen gehen in die Höhe. »So schlimm?«, fragt er amüsiert. »Du hast keine Ahnung.« Er lacht und fährt sich mit der Hand durch die dunkelblonden Haare. Stefan ist Sport- und Religionslehrer, genauso alt wie ich, supernett, humorvoll, attraktiv und, im Gegensatz zu den meisten jungen ledigen Männern, nicht zu Tode erschrocken oder empört oder peinlich berührt bei dem Gedanken an eine hübsche, junge, alleinstehende Frau, die zu Hilfe! Lehrerin ist. Als die Jungen in meinem Jugendkreis vor zwölf Jahren von meiner Studiengangswahl erfuhren, reagierten die einen mit purem Entsetzen und die anderen fingen an, alle möglichen blöden Witze über Lehrer von sich zu geben und sich selbst unglaublich lustig zu finden. Und ab jenem Tag gehörte ich in ihren Augen wohl irgendeiner unantastbaren Kaste an. »Macht dein Auto immer noch dieses komische Geräusch?« »Ja.« »Soll ich mal dabei gucken?« Ich schaue meinen netten, gut aussehenden Kollegen, der sich offenbar plötzlich auch noch mit Automechanik auskennt, an und überlege. Stefan ist zwar Religionslehrer, aber gleichzeitig einer der größten Atheisten, die mir jemals über den Weg gelaufen sind. In meiner Nachttischschublade liegt eine Liste. Und die sieht ziemlich genau so aus: überzeugter Christ kommunikationsfreudig humorvoll verständnisvoll (Verständnis für emotionale Aus- und Zusammenbrüche, konfuse Gedankengänge, meine komplizierte Art usw.) ungefähr gleich intelligent wie ich zielstrebig fleißig darf keine Probleme mit meinem Beruf haben Nichtraucher kein waghalsiger Abenteurer, der immer auf dem Sprung ist Ich bin ein Mensch, der Orientierungshilfen und Vorgaben im Leben braucht. Ich hasse es, nicht zu wissen, was ich als Nächstes tun oder wie ich etwas anpacken soll, denn dann fange ich an, meine Fingerkuppenhornhaut …
