

Beschreibung
Das Buch stellt die Psychoanalyse der Gegenwart mit zahlreichen klinischen Beispielen und gesellschaftlichen Analysen aus der Feder eines ihrer bedeutendsten Vertreter dar. Hermann Beland schafft eine Synthese der klassischen psychoanalytischen Theorien mit de...Das Buch stellt die Psychoanalyse der Gegenwart mit zahlreichen klinischen Beispielen und gesellschaftlichen Analysen aus der Feder eines ihrer bedeutendsten Vertreter dar. Hermann Beland schafft eine Synthese der klassischen psychoanalytischen Theorien mit denen des englischen Psychoanalytikers Wilfred R. Bion.
»Es ist Belands Kunst, gleichzeitig in Bewegung und Balance zu bleiben, im Wechsel zwischen seinem klinisch empirischen Standbein und seinem intellektuellen Spielbein, das mit Leichtigkeit und weitem theoretischem Überblick auszuschreiten scheint, auch in wissenschaftliches Neuland, sowohl klinisch wie gesellschaftlich und ideologiekritisch.« Helmut Hinz, Zeitschrift für psychoanalytische Theorie und Praxis Hermann Beland ist eine der international bekanntesten Persönlichkeiten der Psychoanalyse in Deutschland. Beeinflusst von der Theorie Wilfred Bions will sein eigener theoretischer Beitrag ein zentrales klinisches Problem lösen: das der Fixierung, der Einsetzung und der Aufhebung wahnhafter Überzeugungen. Das Spektrum der von ihm untersuchten Themen ist breit und reicht von den psychoanalytischen Grundsätzen der Ethik bis zur Ersetzung des destruktiv allwissenden Über-Ichs; von der Übertragung als sozialem Grundmuster bis zur Verifizierung psychoanalytischer Erkenntnisse; von der Klärung des Allmachtsbegriffs bis zur Rolle der Projektion bei individueller und kollektiver Gewalt. Anschaulich berichtet er auch von den von deutschen und israelischen Analytikern veranstalteten »Nazareth-Konferenzen«, die Beland mitbegründete und die die kollektiven Identitätsstörungen nach dem größten Trauma durch die Gegenwart der anderen Gruppe erfahrbar machen.
Autorentext
Hermann Beland ist Psychoanalytiker, tätig in eigener Praxis in Berlin, sowie Supervisor und Lehranalytiker am Berliner Psychoanalytischen Institut - Karl-Abraham-Institut. Darüber hinaus bekleidet er leitende Positionen in der Deutschen und Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung. Er veröffentlicht unter anderem zur Theorie der Psychoanalyse, besonders zur Persönlichkeitsstruktur, zum Traum und zur Psychosomatik und ist Mitorganisator von internationalen Gruppenkonferenzen für nationale und internationale Gruppen im Konflikt. Stand: Januar 2020
Inhalt
Inhalt I Zur Theorieentwicklung 1 Psychische Strukturen als herrschende Bedeutungen Begriff, Genese, Stabilität, Veränderbarkeit, Realitätstreue, Realitätsverleugnung 2 Validierung des klinischen Prozesses Vier Objektivierungsmöglichkeiten für die Subjektivität von Verstehen, geprüft in einer kritischen Behandlungsphase 3 Die Sorge für Wahrheit und Leben Psychoanalytische Beiträge zur Ethik (Freud, Klein, Bion) 4 Der Allmachtsbegriff ideengeschichtlich Von der Allmacht des Gedankens (Freud) zur Allmacht über das Denken (Klein) 5 Neun Thesen zur psychoanalytischen Methode Wissenschaftstheoretischer Ort, Subjektivität, Objektivität, Verifizierung, Wahrheitskriterien II Zur Klinik 6 Theorie der Therapie: Aufhebung struktureller Bedeutungen Eine Auseinandersetzung mit Freuds »Die endliche und die unendliche Analyse« 7 Bion zur analytischen Haltung - ein Überblick 8 Übertragung als soziales Grundmuster Vom »Erraten der Übertragung« (Freud) zur »Vorahnung« (Bion). Eine Fallgeschichte 9 Das Verlangen nach völliger Übereinstimmung und die Angst vor Denken und Tun Oblomows Retreat (Gontscharow) als Paradigma des psychosozialen Mechanismus 10 Das destruktiv-allwissende Überich und der melancholische Mechanismus 11 Psychoanalytische Gewaltforschung Die Rolle der Projektion bei individueller und kollektiver Gewalt III Zur Gesellschaft 12 Umwälzungen gebären alte Geister neu - Die Wiederkehr des Verdrängten in Mittel- und Osteuropa nach 1989 13 Psychoanalytische Antisemitismustheorien im Vergleich: Kollektiv-ideologische Projektion von Schuld und Neid 14 Religiöse Wurzeln des Antisemitismus 15 »Und doch läßt sich die Gegenwart ihr ungeheures Recht nicht rauben« Die Herrschaft psychotischer Symbole in der Gesellschaft der Wahlverwandtschaften Goethes 16 Wie verstehen sie sich selbst? Zur Geschichte der Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit in der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung 17 Erfahrungen auf einer Tavistock-Gruppenkonferenz in Israel OFEK, Sichron Jakov 1992 18 Kollektivsymptome unter verändernden Erfahrungen Bericht der fünf »Nazareth-Konferenzen« 1994-2006: Von »The Past in the Present« (Nazareth 1994) bis »Shaping the Future by Confronting the Past« (Zypern 2006) Literatur Nachweis Personenregister Sachregister
