

Beschreibung
Niederbayerische Sagen und Geschichten Martin Buchner (geb. 1869 auf ei- ner kleinen Bauern-Sölde in Laberweinting bei Mallersdorf in Nie- derbayern, gest. 1959 in Passau) war lange Zeit Volksschullehrer in Passau und danach Schulrat für Passau-Land und Wegsch...Niederbayerische Sagen und Geschichten Martin Buchner (geb. 1869 auf ei- ner kleinen Bauern-Sölde in Laberweinting bei Mallersdorf in Nie- derbayern, gest. 1959 in Passau) war lange Zeit Volksschullehrer in Passau und danach Schulrat für Passau-Land und Wegscheid und trat bereits ab 1909 als feinsinniger und heimatverbundener Dichter hervor (z. B. Lied und Leben, Lied vom Inn Passauer Nibelungenspiel, Stromgold). 1922 brachte er im Selbstverlag seine Sammlung Niederbayerische Sagen und Geschichten als Begleitstoff zur heimatlichen Erdkunde heraus, die dann 1950 in erweiterter Form eine zweite Auflage im Passauer Verlag Ablaßmayer und Penninger erlebte. Diese 175 Sagentexte erscheinen nun im Morsak Verlag in einer neuen Buchausgabe, besorgt von Hans Göttler und treffend illustriert von Jörg Mangold. Aus dem Geleitwort des Herrn Regierungspräsidenten von Niederbayern, Rainer Haselbeck: Göttler gelingt es, mit dieser Neuauflage einem bedeutsamen regionalen Kulturschatz aus vergangenen Zeiten in der niederbayerischen Gegenwartsliteratur eine neue Heimat zu geben. Lebendig und ausdrucksstark, mit Zeichnungen des bekannten Jagdschriftstellers und -illustrators Dr. med. Jörg Mangold, wird die Neuauflage von Buchners Werk die Leserschaft wie einst in ihren Bann ziehen.
Autorentext
Zum Herausgeber Dr. Hans Göttler 1953 in Simbach am Inn geboren 1972 Abitur am Tassilogymnasium Simbach am Inn 1972-78 Studium in München (Germanistik, Politische Wissenschaften, Geschichte) 1978-83 Schuldienst an verschiedenen bayerischen Gymnasien (Pfarrkirchen, Simbach am Inn, Weilheim i. OB, Pocking) 1979 Promotion zum Dr. phil. mit einer Arbeit über die Stellung des Pfarrers im Erzählwerk des Schweizer Pfarrerdichters Albert Bitzius (1854), der unter dem Pseudonym Jeremias Gotthelf schrieb 1983-2020 Dozent für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur an der Universität Passau; seit 1998 Akad. Direktor; im Ruhestand seit 01.04.2020 2005 Münchner Turmschreiber Veröffentlichungen (u.a.): - Editionen zur Literaturlandschaft Niederbaiern (Emerenz Meier, Katharina Koch, Wilhelm Diess, Robert Erbertseder, Ponzauner Wigg) - Übersetzungen ins Niederbairische (Max und Moritz, Der Sturw- welpeter, The Tale of Peter Rabbit) - Eigenständige Buchtexte (Wirtsbuam-Turmschreibereien, Endstation Schwimmbad-Bibliothek, Meine erschdn tausad Weadda af Boarisch)
Leseprobe
Vorwort des Herausgebers der Neuausgabe 2023 Vor einhundert Jahren, also anno 1922, hat der Passauer Lehrer und spätere (ab 1923) Schulrat für den Bereich Passau-Land und Wegscheid Martin Buchner im Selbstverlag sein Büchlein Niederbayerische Sagen und Geschichten als Begleitstoff zur heimatlichen Erdkunde herausgebracht, das für das 4. bzw. 5. Schuljahr konzipiert war. Buchner stand bereits im Alter von damals 53 Jahren, hatte sich aber schon seit 1909 literarisch eingebracht und einen Namen gemacht, vor allem durch Sammlungen eigener Gedichte und Verserzählungen. Das Sagenbuch umfasste 120 Seiten und wurde in einer Auflage von 2.000 Stück in der Clemens Attenkoferschen Buch- und Kunstdruckerei in Straubing gedruckt. Die 131 Sagen, die aus der Feder verschiedener Sammler und Martin Buchners selbst stammten, wurden in die folgenden 14 Teilkapitel eingefügt: Passau (11 Einzeltexte) An der Donau hinab (1) An der Donau hinauf (14) In der Heimat der Ilz (15) Dem Arber zu (9) In den oberen Wald (9) Im Regengebirge (9) Am Inn und an der Rott aufwärts (5) An der Vils hinauf (11) An der Isar (14) An der Laber (6) In der Hallertau (3) Hinab zur Donauenge (7) Da und dort (12) Im Jahre 1950 legte der dann gut 80 Jahre alte und längst pensionierte Schulmann Buchner eine zweite und wesentlich erweiterte Auflage seines Sagenbuches aus den 1920er Jahren vor. Das Buch wurde gedruckt und verlegt bei Ablaßmayer & Penninger GmbH. Passau: Theresienstraße 32-34 und zählte 147 Seiten. Die Kapitelüberschriften wurden z. T. übernommen, aber auch durch neue ergänzt und lauteten nunmehr: Passau (15 Einzeltexte) An der Donau hinab (14) An der Donau hinauf (22) In die Heimat der Ilz (24) Dem Arber zu (15) In den oberen Wald (13) Im Regengebirge (10) An Inn und Rott aufwärts (15) An der Vils hinauf (10) An der Isar (13) An der Laber (5) In die Hallertau (3) Hinab zur Donauenge (9) Da und Dort (14) Aus der ersten Zeit des Waldpropheten (3) Aus der zweiten Zeit des Waldpropheten (5) Zu den Texten in den Kapiteln 15 und 16 ist anzumerken, dass es sich dabei um acht Gedichte aus Martin Buchners eigener Sammlung Versunkenes Reich aus dem Jahre 1938 handelt, die sich z. T. recht kritisch mit der vergangenen Nazizeit auseinandersetzen. Die zweite Auflage von Buchners Sagensammlung enthält auch mehrere sie analysierende, empfehlende Texte, die im Anhang dieser Neuausgabe ebenso abgedruckt sind wie die Vorworte Buchners zur ersten (1922) und zur zweiten (1950) Auflage. Eine dritte Auflage nach 1950 bzw. 1959 (Tod Buchners) kam nie mehr zustande. Die zweite von 1950, über deren Höhe keine Informationen vorliegen, wurde in Pfarr- und Schulbibliotheken jahrelang vorgehalten und in den 1970er und 1980er Jahren aussortiert, in häuslichen Bücherschränken wohl verwahrt und in öffentlichen Bibliotheken und auch Antiquariaten angeboten, blieb aber spätestens nach der Jahrtausendwende wohl nur noch ausgewiesenen Kennern und Liebhabern altbairischer Kultur und Literatur im Bewusstsein. Was soll also anno 2023 eine solche Neuausgabe? Ist sie nicht eigentlich überflüssig? Sieht man einmal vom 100-jährigen Jubiläum des Buches als äußerem Anlass ab, so scheinen mir als Herausgeber folgende Aspekte für das alte/neue Buch relevant zu sein: Generell betrachtet, hat es den Anschein, dass Sagenliteratur derzeit einen guten Platz auf dem Buchmarkt einnimmt, nicht bloß auf dem deutschen, sondern insbesondere auf dem bairischen. Für den Bezirk Niederbayern kann man immer noch auf die vorbildlichen Anthologien früherer Zeiten auch in neueren Ausgaben zurückgreifen; gedacht ist dabei an Martin Buchners Lehrerkollegen Michael Waltinger (Niederbayerische Sagen) sowie die Bücher von Emmi Böck, aber auch an die Sagensammlungen von August Biberger, Paul Friedl (genannt Baumsteftenlenz), Alfons Lohr, Karl von Reinhardstoettner, Maximilian Schmidt (genannt Waldschmidt), Franz Xaver Siebzehnriebl u. a., die alle im Morsak Verlag Grafenau eine verlegerische Heimat gefunden haben. Besonders hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang all die vielen verdienstvollen Veröffentlichungen zum Thema Sagen und Legenden aus der kompetenten Feder von Reinhard Haller. Aus der neueren Zeit sei verwiesen auf die Auswahl-Sagensammlungen von Alois Angerpointner, Gertrud Maria Dietz, Hubertus Hinse/Toni Lauerer, Karl-Heinz Hummel, Marianne Huber/Mirko Finkentscher, Bastian Mahler, Gustl Motyka, Jan Reiser/Johann Wax, die mehr den oberbayerischen und oberpfälzerischen Raum abdecken und großteils auch durch zeitgenössische Illustrationen hervorstechen. Auf Sagen aus dem niederbayerischen Rottal hat zuletzt 2021 Gabi Geiersberger mit ihrem im Aurisium Verlag Doris Seibold (Pfarrkirchen) erschienenen Bändchen lus a weng zua Fast vergessene Sagen und Geschichten aus dem Rottal hingewiesen. Den natürlich sehr viel größeren Gesamtbezirk Niederbayern kann und soll nunmehr diese Neuausgabe der alten Buchner-Sammlung von 1922/1950 abdecken. Denn, wie oben angedeutet, Sagen aus Niederbayern sind z. Zt. en vogue, nicht bloß in Buchform, sondern auch als Dramatisierung: Bei der Landesgartenschau 2023 in Freyung war z. B. auch die Aufführung eines Stücks mit dem Titel D'Hex vom Rachelsee zu sehen, das auf einer Sage aus dem Bayerwald beruht. Fazit: In der großen Menge bairischer, insbesondere niederbairischer Sagen, die auch im 21. Jahrhundert in Buchform vorgehalten werden, soll und darf Martin Buchners Sammlung nicht fehlen und vergessen werden! Darüber hinaus hat es den Anschein, dass Persönlichkeit und Werk des Martin Buchner seit der Jahrhundertwende eine gewisse Art Renaissance erfahren. Ich selb…