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Geld und Magie

  • Kartonierter Einband
  • 168 Seiten
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Leseprobe
Spätestens seit Aufkommen der modernen Wissenschaften gilt Alchimie als Aberglaube. Der bekannte Nationalökonom Hans Christoph Bin... Weiterlesen
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Beschreibung

Spätestens seit Aufkommen der modernen Wissenschaften gilt Alchimie als Aberglaube. Der bekannte Nationalökonom Hans Christoph Binswanger hält provozierend dagegen: Die Versuche zur Herstellung künstlichen Goldes wurden nicht deswegen aufgegeben, weil sie nichts mehr taugten, sondern weil sich eine Alchimie in anderer Form durchsetzte. Die moderne Wirtschaft hatte die Verwandlung eines minderwertigen Stoffs in ein hochwertiges Symbol erfunden - mit ihr ließ sich aus Papier Geld machen. Und der Nationalökonom geht in seiner Analyse sogar noch ein Stück weiter: Der alchemistische Trick der Wirtschaft wird über kurz oder lang auffliegen. Ohne reale Gegenleistung wird das Wachstum aus dem Nichts ein sicheres Ende haben. Dies ist eine überarbeitete und aktualisierte Fassung der Erstausgabe.

Von Alchemie redet heute niemand mehr. Niemand braucht heute mehr Gold künstlich herzustellen, behauptet Hans Christoph Binswanger, weil sich die moderne Geldwirtschaft als so erfolgreich erwiesen hat, dass es des mühsamen Zusammenbrauens in dunklen Küchen nicht mehr bedarf. Binswanger zieht in "Geld und Magie" Querverbindungen zwischen der Experimentierfreudigkeit der Alchemisten und den zart anlaufenden Geldmärkten zu Goethes Zeit. In beiden Fällen wird etwas Neues kreiert, aus Ingredienzien wird ein neuer Stoff, im besten Fall Gold, aus Papier wird Papiergeld und noch mehr Geld. Süffisant weist Binswanger darauf hin, dass die Alchemisten die Suche nach dem Stein der Weisen, der Gold, Gesundheit und ewiges Leben versprechen soll, seit einiges Zeit den Ökonomen überlassen haben. In diesem 1985 erstmals veröffentlichten Buch gelingt es Binswanger, die Weitsicht und Skepsis Goethes bezüglich der modernen Ökonomie hervorzuheben. Die wundersame Geldvermehrung entpuppt sich als mephistophelische Blendung und die Wirtschaft als Nullsummenspiel. (Financial Times Deutschland, 15. März 2005)Den "Faust" und namentlich dessen zweiten Teil als Abhandlung über das Wirtschaftswachstum - die Ultima Ratio der modernen Gesellschaft - zu lesen, ist ein kühnes, aber keineswegs abwegiges Unterfangen. Das große Menschheitsdrama ist eben auch die Geschichte eines Investors, dessen Bemühung auf die tendenziell unendliche Vermehrung seines Kapitals zielt. Der Nationalökonom Hans Christoph Binswanger deckt in seiner Abhandlung "Geld und Magie" eine Fülle von Motiven auf, die zeigen, wie wichtig für Goethe die Alchemie ist und was diese wiederum für die moderne Wirtschaft bedeutet. Die ursprüngliche alchemistische Verwandlung ist die "Transmutation" von Blei zu Gold. Denkt man an die durchaus irrationalen Sensibilitäten der heutigen Börse, dann erkennt man, wie modern "Faust" gerade in dem ist, was sich nicht der bloßen Rationalität verdankt - zum Beispiel im Blick auf die Magie des Geldes. (Neue Züricher Zeitung, 11./12. Juni 2005)"Nostra res agitur - Goethes Faust ist von einer kaum fassbaren Aktualität", so Hans Christoph Binswangers Urteil über das epochale Drama des Weimarer Dichterfürsten. Während der Faust üblicherweise als Liebesdrama und Wissenschaftsparabel rezipiert werde (1. Teil), offenbart Goethe insbesondere im weithin unterschätzten und schwer zugänglichen 2. Teil seine analytische Kraft als genialer Interpret der modernen Wirtschaft. Goethe, so der renommierte und querdenkende Schweizer Ökonom, fasse die Wirtschaft als einen alchemistischen Prozess auf: "als die Suche nach dem künstlichen Gold, eine Suche, die sich für denjenigen, der sich ihr einmal verschrieben hat, schnell in eine Sucht verwandelt." Wer die Alchemie der Wirtschaft nicht versteht, so lautet die Botschaft von Goethes Faust, kann die ungeheuerliche Dimension der modernen Wirtschaft nicht erfassen. (Zeitschrift für Sozialökonomie, 147/2005)

Autorentext
Hans Christoph Binswanger wurde 1969 als Professor für Volkswirtschaftslehre an die Universität St. Gallen berufen. Für seine Arbeit auf dem Gebiet der Nationalökonomie hat er zahlreiche Ehrungen erhalten.

Klappentext

Goethes "Faust" ist von einer kaum fassbaren Aktualität. Denn von nichts Geringerem handelt Goethes Hauptwerk als von diesem uns alle beschäftigenden Dogma der Moderne: Das Wachstum der Wirtschaft ist der Maßstab für die Entwicklung der Menschheit. Er deutet den "Faust" als Werk über die Kräfte der Alchemie, und er legt bestechend dar, dass der "Faust 2" ein böses Märchen über die vergebliche Suche nach der einfachen Geldvermehrung ist. Carl Friedrich von Weizsäcker forderte die Leser auf: "Ich kann nur sagen: Nimm und lies!" Der Nationalökonom Hans Christoph Binswanger führt mit der neuen Ausgabe von Geld und Magie seine Auslegung des Faust noch näher an die tagesaktuellen Debatten heran - und verblüfft abermals mit seiner Auslegung des Hauptwerkes der deutschen Literatur, denn als Wirtschaftsfachmann wurde Goethe bisher nicht wahrgenommen.



Inhalt

TEIL I
Die moderne Wirtschaft als alchemistischer Prozess
Der historische Faust als Alchemist
Alchemie: Die Herstellung des künstlichen Goldes und die Überwindung der Vergänglichkeit
"Faust ist ein alchemistisches Drama von Anfang bis Ende"
Die "Chymische Hochzeit" von Quecksilber und Schwefel
Vom Gold zum Geld
Das philosophische Mercurium:
Die erste Stufe des alchemistischen Prozesses
Das philosophische Sulphur:
Die zweite Stufe des alchemistischen Prozesses
Das philosophische Sal:
Die dritte Stufe des alchemistischen Prozesses
Das große Werk
Die moderne Wirtschaft:
Fortsetzung der Alchemie mit anderen Mitteln
Die Wirtschaft als Schöpfungs-Tat
Tat und Untat
Die zwei Wetten im Faust-Drama
Das Scheitern Fausts
Die Zeit wird Herr
Plus ultra
TEIL II
Der Mensch als Herr der Zeit?
Wissenschaft, Kunst und Wirtschaft als faustischer
Versuch zur Überwindung der Vergänglichkeit
Auf der Suche nach dem Weg zum Baum des Lebens
Der Weg der Wissenschaft
Der Weg der Kunst
Wissenschaft, Kunst und Wirtschaft im Wettstreit mit der Zeit
Die Wirtschaft als Herrschaft über die Zeit
TEIL III
Goethe und die Ökonomie
Die ökonomische Praxis:
Wirtschaftliche Aufgaben am Weimarer Hof
Justus Möser als Vorbild: Der gemäßigte Liberale
Johann Georg Schlosser und die Physiokratie:
Die Idee der "imaginären Bedürfnisse"
Georg Satorius und die Lehre Adam Smiths:
Zustimmung und Kritik
Eine ethische Grundlage des Wirtschaftens?
Der technische Fortschritt und die "großen Projekte"
Der Saint- Simonistische Irrtum
Die Kritik am Maschinenwesen und
der Zauberlehrling von Simonde de Sismondi
Das Geld als Schlüsselgröße
Anmerkungen
Autorenverzeichnis

Produktinformationen

Titel: Geld und Magie
Untertitel: Eine ökonomische Deutung von Goethes Faust
Autor:
EAN: 9783938017258
ISBN: 978-3-938017-25-8
Format: Kartonierter Einband
Herausgeber: Murmann Verlag
Genre: Volkswirtschaft
Anzahl Seiten: 168
Gewicht: 231g
Größe: H212mm x B139mm x T12mm
Jahr: 2005
Auflage: 3. A.
Land: DE