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LA MOSCA BIANCA

  • Kartonierter Einband
  • 101 Seiten
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"Mosca bianca" heißt wörtlich ins Deutsche übersetzt "Weiße Fliege". Gemeint ist damit etwas Seltenes, Außerge... Weiterlesen
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Beschreibung

"Mosca bianca" heißt wörtlich ins Deutsche übersetzt "Weiße Fliege". Gemeint ist damit etwas Seltenes, Außergewöhnliches. Und das waren Vater und Sohn Dolce, die hier ihre Erinnerungen vorlegen, im Vergleich zu den "typischen" italienischen Gastarbeitern, die seit 1955 nach Deutschland kamen. Wie sie ihre Situation erlebt haben, welche Erfahrungen sie mit der deutschen Gesellschaft gemacht haben, schildern sie pointiert und geistreich. So spiegelt sich in den Episoden und Begegnungen, von denen sie erzählen, auch der soziale Wandel der beiden Länder in den sechziger und siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Vorwort
Im Deutschland der 50er und 60er Jahre, den Jahren des Wirtschaftswunders, der ersten Eisdielen und der ersten Gastarbeiter, war mein Vater etwas, das man in Italien eine weiße Fliege nennt: eine ganz seltene Spezies. Er war ein junger, wissenschaftlich qualifizierter Facharzt für Neurologie. Er sah die deutsche Gesellschaft und die Wirtschaftswunderdeutschen, nur wenige Jahre nach der Stunde Null, genauso wie die vielen anderen Gastarbeiter auch. Er konnte nur das, was er sah, aufgrund seines Hintergrundes anders einordnen. Ihm fiel die besondere deutsche Frühstückskultur auf die bis heute gepflegt wird und auch die deutsche Feierabendkultur. Der Stacheldraht und die Bauweise der Baracken, in denen die italienischen Arbeitnehmer, nach Geschlechtern getrennt, von ihren Arbeitgebern untergebracht waren, erinnerte meinen Vater zumindest optisch an andere lagerartige Einrichtungen der jüngsten deutschen Vergangenheit. Und wenn er einen Aufseher (sprich: Pförtner) eines solchen Heims fragte, wozu denn der Stacheldraht gut sei, und er die Antwort erhielt: Wegen der Ordnung!, lernte er den Stellenwert der Ordnung kennen. Mein Vater bewundert Deutschland wie die meisten Italiener, die nach Deutschland gekommen sind. Schon in den 50er Jahren war die deutsche Gesellschaft wesentlich offener als die italienische. Als mein Vater beschloss, wieder als Neurologe und Psychiater zu arbeiten, bewarb er sich 1959 einfach in einer Klinik in Bad Salzuflen. Er dachte, Bad Salzuflen sei in der Nähe von Frankfurt, wo er die Städte Bad Homburg, Bad Soden und Bad Vilbel kannte, also hielt er Bad Salzuflen für ein weiteres Stadtviertel von Badstadt. Er wurde ohne jegliche Empfehlung, ohne raccomandazione, eingestellt nicht denkbar in Italien, in dem jeder Gefallen einen Anspruch auf einen Gegengefallen begründet. Die wilden 50er, in denen man für deutsche Patienten einen Psychiater einstellte, der kaum Deutsch konnte und dessen erste Aufgabe darin bestand, die sich seit Tagen in ihrem Zimmer verschanzende Oberärztin einzuweisen, gingen zu Ende. Ich, der Sohn, Jahrgang 55, kann mich über meine Jugend, die 70er und 80er, noch fern von Aids-Ängsten und von der Vorarbeit der 68er Generation profitierend, nicht beschweren. Was mir aber alte Frankfurter allen voran mein Onkel, der Hauptversorger der 68er Bewegung, von dem noch zu berichten sein wird über die 50er erzählten, fand ich großartig. Alles fing von vorne an, alle waren da, keiner fragte, woher. 32 Tanzcafés allein auf der Kaiserstraße einer Straße in Frankfurt mit nur 80 Hausnummern und überall Party. Mein Vater lernte schnell, welche Grundsätze der Interaktion mit der deutschen Nachkriegsfrau galten. Mein Onkel hatte sie ihm prägnant zusammengefasst: Wenn ein deutsches Mädchen mit dir ausgeht, ins Kino geht, Tanzen geht, denk dir bloß nichts dabei das ist hier, anders als in Italien, völlig normal. Nur wenn sie dich vor ihrer Haustür einlädt, einen Kaffee zu trinken, dann ist die Sache unter Dach und Fach. Egal, wie der Kaffee schmeckt. Ich denke, er hat nachts oft Kaffee trinken dürfen. Seine Voraussetzungen waren gut: Arzt, Italiener, großgewachsen und vor allen Dingen Witwer mit einem fünfjährigen Sohn. Spätestens das süße Kind hat wohl viele Herzen geöffnet, sodass ich schon damals funktional eingesetzt werden konnte. Ich bin dann in Deutschland groß geworden und hier geblieben. Mein Vater hat nach 15 Jahren Deutschland, wo er zuletzt in der medizinischen Forschung gearbeitet hat, den Heimweg angetreten. Ich wurde mit 19 Jahren also alleingelassen, habe Jura studiert und in Frankfurt am Main 1983 eine Kanzlei eröffnet, die zunächst Anlaufstelle für viele Italiener war. Und ich habe viele Geschichten gehört, die mich an die meines Vaters erinnerten. Im Jahr 2008 wurde das 50jährige Jubiläum des ersten Anwerbeabkommens zwischen Italien und Deutschlands gefeiert, sozusagen die Geburtsstunde des Gastarbeiters. Ich habe zu dieser Gelegenheit einen Vortrag gehalten, den zu veröffentlichen ich gebeten wurde, da er Dinge enthielte, die für viele Deutsche neu waren so das Käseglockensyndrom, womit gemeint ist, dass in den Ausländervierteln der deutschen Städte Traditionen und Denkweisen überleben, die in Italien selbst längst ausgestorben sind. Als ich mit meinem Vater darüber sprach, packte er aus und erzählte mir Crime- und Sex-Geschichten, die meine in den Schatten stellten. Daraus entwickelte sich die Idee, gemeinsam ein Buch zu schreiben, eine Antwort auf die vielen Bücher und Filme, in denen die italienische Mentalität immer aus der Sicht eines Deutschen erklärt wird: Entweder heiratet dieser in eine italienische Familie ein und berichtet dann wohlwollend von ihren Eigenarten, oder er fühlt sich in einer italienischen Pizzeria aufgehoben und glaubt, Teil einer Familie zu sein. Eine ernst gemeinte und ernst zu nehmende Auseinandersetzung mit der italienischen Alltagskultur ist das natürlich nicht. Mein Vater und ich, wir haben lange über den Aufbau des Buches gerätselt sollte es ein Roman werden, der über uns beide berichtet, der das ganze Material an Geschichten so miteinander verknüpft, dass der Leser alles mitnehmen kann und sich doch fragen kann: Wie geht's weiter? Wird er wieder heiraten? Wird er die Stelle an der Uni annehmen? Was wird aus dem Jungen? Sollte der erste Teil dem Vater, der zweite Teil dem Sohn gewidmet sein? Sollte ein Erzähler die verschiedenen Geschichten miteinander verknüpfen? Ein Roman ist es nicht geworden dafür sind die Geschichten, die mein Vater mir erzählt hat, alle authentisch. Es gibt sicher Archive, die vieles belegen könnten. Auch meine Geschichten sind echt. Um die Einordnung der Geschichten zu erleichtern, stellen wir nun unsere Biografien voran. So können die Geschichten zeitlich und vom Sachzusammenhang leichter eingeordnet werden.

Autorentext
Giuliano Dolce: Geboren am 29.5.1928 in Pula (damals Italien, heute Kroatien) studierte in Genua Medizin und lernte 1954 seine erste Ehefrau kennen, mit der er 1955 seinen Sohn Rodolfo Dolce bekam. Nach kurzer Ehe verstarb seine Ehefrau. Dieser Schicksalsschlag führte Giuliano zunächst ohne den Sohn nach Deutschland. Nach einem Jahr holte er seinen Sohn nach und nahm auch seinen Beruf als Arzt wieder auf. In den 60er Jahren gründete er ein Sozialzentrum für Italiener in Frankfurt und lernte seine 2. Ehefrau kennen. Am 21.02.2017 verstarb Giuliano Dolce als international anerkannter Fachmann für das "Apallische Syndrom" (Wachkoma). Rodolfo Dolce: Er wurde am 30.11.1955 in Monfalcone (Italien) geboren und ging in Deutschland zur Schule. Später studierte er sowohl in Deutschland als auch in Italien Jura. 1983 gründete er als deutsch-italienischer Anwalt mit seinem Partner Rudi Lauda die Anwaltskanzlei Dolce-Lauda in Frankfurt am Main. 1987 heiratete er und hat heute 4 erwachsene Kinder und einen Nachzügler. Er arbeitet als Fachanwalt für Arbeits- und internationales Wirtschaftsrecht, vereidigter Dolmetscher und Übersetzer der italienischen Sprache in seiner Anwaltskanzlei, die inzwischen 5 Standorte in Deutschland und Italien hat und nimmt Lehraufträge an verschiedenen Universitäten in Deutschland, Italien und Österreich wahr.

Klappentext
Ein Buch voller Klischees, die alle wahr sind. Die Geschichte eines italienischen Gastarbeiters, der u.a. als Psychiater tätig war. Und due seines Sohnes, der der erste italienische Rechtsanwalt in Frankfurt am Main war. Es ist nicht die Geschichte der Migration von hunderttausenden Italienern nach Deutschland und wie diese die deutschen Sitten verändert hat. Aber so ähnlich.

Zusammenfassung
Mosca bianca heißt wörtlich ins Deutsche übersetzt Weiße Fliege. Gemeint ist damit etwas Seltenes, Außergewöhnliches. Und das waren Vater und Sohn Dolce, die hier ihre Erinnerungen vorlegen, im Vergleich zu den typischen italienischen Gastarbeitern, die seit 1955 nach Deutschland kamen. Wie sie ihre Situation erlebt haben, welche Erfahrungen sie mit der deutschen Gesellschaft gemacht haben, schildern sie pointiert und geistreich. So spiegelt sich in den Episoden und Begegnungen, von denen sie erzählen, auch der soziale Wandel der beiden Länder in den sechziger und siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Produktinformationen

Titel: LA MOSCA BIANCA
Untertitel: Wie die Migration der italienischen Gastarbeiter die Bunderepublik veränderte
Autor:
EAN: 9783966980715
ISBN: 978-3-96698-071-5
Format: Kartonierter Einband
Herausgeber: Nova Md
Genre: Sonstige Literatur
Anzahl Seiten: 101
Gewicht: 235g
Größe: H211mm x B154mm x T15mm
Veröffentlichung: 27.08.2019
Jahr: 2019
Land: IT