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Wunder
Gabriela Signori

Historische Einführungen Herausgegeben von Frank Bösch (Gießen), Angelika Epple (Hamburg), Andreas Gestrich (Trier/London), Inge M... Weiterlesen
Kartonierter Einband (Kt), 200 Seiten  Weitere Informationen
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Beschreibung

Historische Einführungen Herausgegeben von Frank Bösch (Gießen), Angelika Epple (Hamburg), Andreas Gestrich (Trier/London), Inge Marszolek (Bremen), Barbara Potthast (Köln), Susanne Rau (Dresden), Hedwig Röckelein (Göttingen), Gerd Schwerhoff (Dresden) und Beate Wagner-Hasel (Hannover)

Die Geschichte des Wunders reicht vom antiken Griechenland bis in die heutige Zeit. Da sie den Stoff für zahllose Erzählungen bilden, sind Wunder ein wichtiges Thema für alle, die sich für die Geschichte abendländischer Frömmigkeitspraktiken und religiöser Vorstellungen interessieren. Das Wunder ist keine Marginalie, kein Kuriosum, es steht vielmehr im Mittelpunkt des Religiösen, auch im Vergleich der Konfessionen und Religionen. Gabriela Signori erklärt in dieser Einführung, welche Ereignisse als Wunder galten und gelten, wann die ersten Wunder wahrgenommen wurden und man darüber berichtet, wie sie zertifiziert wurden und welche Rolle sie bei der Heiligsprechung spielten. Sie zeigt, wie die Reformation die Wahrnehmung und Darstellung von Wundern verändert hat und wie und warum Wunder bis heute in der christlichen Welt präsent sind.

Autorentext
Gabriela Signori ist Professorin für Geschichte des Mittelalters an der Universität Konstanz. Zahlreiche Publikationen aus dem Bereich der Historischen Anthropologie, der Rechts- sowie Wirtschafts- und Sozialgeschichte.

Zusammenfassung
"Eine trotz ihrer Kürze beeindruckende Publikation." (Das Historisch-Politische Buch, 15.12.2007)

Leseprobe
Das Christentum unterscheidet zwei Wunderarten: Die einen vollbringt der Heilige zu Lebzeiten, "in vita", die anderen bewirkt er "post mortem", also nach seinem Tod (Sigal 1983). Beide Wunderarten sind über die Jahrhunderte hinweg als "signum sanctitatis" konstitutiv für das christliche Heiligkeitsverständnis. Trotzdem sind und waren sie nicht zu allen Zeiten und in allen Gesellschaftskreisen gleich gern gelitten (Moore 1997). Den "invita "-Wundern gegenüber war insofern Zurückhaltung geboten, als die Gefahr groß schien, dass sie sich zum ethisch-moralischen Problem verkehrten. Denn sie setzen voraus, dass der Heilige selbst, wie dereinst Christus, erkennt, dass er heilig ist, und dieses Wissen könnte, glaubte man, "praesumptio" (Anmaßung) oder "superbia" (Hochmut) auslösen. Das sind keine Charaktereigenschaften, sondern im christlichen Verständnis Sünden, ja bis ins 13. Jahrhundert hinein sogar die beiden Hauptsünden (Todsünden), denen lange vor Adam und Eva die Engel des Lichts zum Opfer gefallen waren (Little 1971). Der Bezug zwischen "vita" und "miracula", Heiligenleben und Wunderkraft, verändert sich nicht nur auf der Zeitachse, sondern auch je nach der Trägerschaft des Kultes (Reformkreise, Pfarrklerus etc.), ja zuweilen selbst je nach Gebrauchskontext der hagiographischen Schriften. Die "Athleten Christi" zum Beispiel, die sich in der Nachfolge des Antonius Magnus in die Wüste Ägyptens, Palästinas und Syriens zurückzogen, wollten zumeist keine Wunder bewirken, obwohl sie es gekonnt hätten. Wunder nämlich, fürchteten sie, zögen Menschenscharen an, notleidende gleichermaßen wie neugierige Menschen, welche die Meditation, das Zwiegespräch der Asketen mit Gott störten. Vor ihnen floh manch ein Gottsuchender noch tiefer in die Wüste (Demm 1975; Ward 1999), aber nicht jeder, wie unter anderem der Reisebericht des Rufinus von Aquileja ( 410) zeigt (Frank 1998). Die Wüstenväter - so nennt die Forschung die nach Vollkommenheit strebenden bärtigen Greise der spätantiken Welt - waren lebendige Heilige, Heilige zum Anfassen, Heilige zum Ansehen (Frank 2000). Das gilt auch für den heiligen Martin ( 397), so wie ihn sein Freund und langjähriger Gefährte Sulpitius Severus ( 420) darstellte. Häufig wird Heiligkeit jedoch erst später, Jahrzehnte, wenn nicht gar Jahrhunderte nach dem Ableben des Heiligen erkannt. In diesen Fällen kann das Wunder die Tugendhaftigkeit nicht gefährden (was aber nicht besagt, alle Heiligen seien wirklich tugendhaft gewesen). Das Wunder erscheint "post mortem" sozusagen als 'Stimme' der Toten. Es hilft, die Zeit zu überbrücken, verleiht dem längst verstorbenen Heiligen Aktualität, macht ihn gegenwärtig.

Inhalt
Vorwort: "Star of wonder . . . . . . . . . . 7 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9 1. Die christlichen Grundlagen . . . . . . . . . . . . . . 15 1.1. Augustinus von Hippo ( 430) . . . . . 16 1.2. Gregor von Tours (ca. 539-594) . . . . . . . . . . 23 1.3. Gregor der Große ( 604) . . . . . . . . . . . . . . 25 1.4. Kirchliche Wunderkritik . . . . . . . . . . . . 28 1.5. "Populäre" Wundervorbehalte . . . . 33 2. Wunderberichte: Hören und Sehen, Schreiben und Lesen . . . . . . . 40 2.1. Erzählen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43 2.2. Augenzeugen . . . . . . . . . . . . . . . . . 46 2.3. Dingzeugnisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50 2.4. Berufsschreiber und Schönschreiber . . . . . . . 52 2.5. Die Ordnung der Wunder . . . . . . . . . . . . 61 2.6. Abschreiben, Vervielfältigen, Drucken . . . . . . 62 2.7. Mirakelbilder - Votivbilder . . 66 3. Die soziale Welt des Wunders . . . . . . 74 3.1. Frauen und Männer . . . . . . . . . . . . . . . 75 3.2. Kinder . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 81 3.3. Klerus, Adel oder Städter? . . . . . . . . . . . . 86 3.4. Personenübergaben . . . 89 4. Wunderheilungen . . . . . . . . . . . . . . . . . 94 4.1. Der Heilschlaf . . . . . . . . . . . . . . . . . . 95 4.2. Biblische Heilungswunder . . . . . . . . 97 4.3. Das Gewicht der Tradition . . . . . . . . . . . 98 4.4. Häufigkeiten . . . . . . . . . . . . . . . 102 4.5. Moderne Ätiologien . . . . . . . . 103 4.6. Krankheiten ohne Namen . . . . . . . . . . 106 4.7. Geburtswunder . . . . . . . . . . . . . . . . 111 4.8. 'Verrückt' oder Besessen? . . . . . . . . . . . . 114 4.9. Magie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 122 4.10. Wunderglaube oder Ärztekunst? . . . . . . . . . 125 4.11. Der Beitrag der Seelenheilkunde . . . . . . . . 131 5. Gewalt und Wunder . . . . . . . . . . . . . . . . . . 137 5.1. Weltliche Übergriffe auf Klosterbesitz . . . . . . 138 5.2. Gefangenenbefreiungen . . . . . . . . . . . . . 141 5.3. Der Hundertjährige Krieg . . . . . . . . . . . . 143 5.4. Die Hussiten- und die Türkenkriege . . . . . . . 146 5.5. Das Galgenwunder . . . . . . 148 5.6. Wunder, Ritualmord- und Hostienfrevellegenden . 151 Fazit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 160 Quellen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 163 Auswahlbibliographie . . . . . . . . . . . . . . 167 Abbildungsnachweise . . . . . . . . . . . . . . . . . 193 Personen- und Ortsregister . . . . . . . . . . . . . . . . 194

Produktinformationen

Titel: Wunder
Untertitel: Eine historische Einführung
Illustrator: Guido Klütsch
Autor: Gabriela Signori
EAN: 9783593384535
ISBN: 978-3-593-38453-5
Format: Kartonierter Einband (Kt)
Herausgeber: Campus Verlag GmbH
Genre: Regional- und Ländergeschichte
Anzahl Seiten: 200
Gewicht: 270g
Größe: H212mm x B134mm x T17mm
Jahr: 2007
Auflage: 1. Aufl. 09.2007

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