

Beschreibung
Über die wunderbaren Wirkungen der Musik: Affekttheorie in der Musik des 17. und 18. Jahrhunderts Das vorliegende Buch mit dem Charakter eines Nachschlagewerks beschäftigt sich erstmals umfassend mit der Bedeutung der sogenannten Affekttheorie für Verständnis ...Über die wunderbaren Wirkungen der Musik: Affekttheorie in der Musik des 17. und 18. Jahrhunderts Das vorliegende Buch mit dem Charakter eines Nachschlagewerks beschäftigt sich erstmals umfassend mit der Bedeutung der sogenannten Affekttheorie für Verständnis und Interpretation der Musik des 17. und 18. Jahrhunderts. Anhand zahlreicher historischer Quellen wird gezeigt, wie die Auffassung von Musik als Nachahmung menschlicher Emotionen (Affekte) bis weit ins 19. Jahrhundert überaus detailliert und entscheidend das musikalische Denken prägte. Der Notentext ist demnach als komplexe Reihe von Symbolen zu verstehen, die es zu entschlüsseln und dem jeweiligen Affekt gemäß wiederzugeben gilt. Im Einklang mit den historischen Aussagen zeigt sich deutlich, dass es gar nicht möglich ist, adäquate interpretatorische Entscheidungen in Bezug auf Tempo, Artikulation, Dynamik und Ornamentik zu treffen, ohne den jeweiligen Affekt der Komposition zu kennen.
Autorentext
Dagmar Glüxam, Musikhistorikerin, Geigerin und Malerin, ist Spezialistin für die Musik des 17. und 18. Jahrhunderts und ihre Aufführungspraxis und publizierte zahlreiche wissenschaftliche Fachbücher sowie Kinderbücher mit Musikthematik. Ihre Dissertation "Die Violinskordatur in der Geschichte des Violinspiels" (1999) und die Habilitationsschrift "Instrumentarium und Instrumentalstil in der Wiener Hofoper zwischen 1705 und 1740" (2006) gelten als Standardwerke zu den jeweiligen Themen. Sie ist als Universitätsdozentin für Historische Musikwissenschaft an der Universität Wien, an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien sowie an der Kunstuniversität in Ostrava tätig. Gastprofessuren an der University of Arts in Ostrava und an der University of Chengdu.
Klappentext
Dagmar Glüxam legt mit diesem Band, einem Nachschlagewerk für alle Interpreten und Musiklehrenden, die erste umfassende Beschreibung und Analyse der sogenannten Affekttheorie für Verständnis und Interpretation der Musik ab ca. 1600 bis Anfang des 19. Jahrhunderts vor. Anhand von zahlreichen musikhistorischen Dokumenten wird gezeigt, dass es tatsächlich nicht möglich ist, fundierte interpretatorische Entscheidungen in Hinsicht auf Tempo, Artikulation, Dynamik oder Ornamentik zu treffen, ohne den jeweiligen "Affekt" der Komposition zu kennen. Mit Hilfe dieser Anleitung kann der häufige interpretatorische Ansatz "man spielt es so" kritisch hinterfragt werden. Dieses Buch eröffnet völlig neue interpretatorische Horizonte in Hinblick auf Komponisten wie Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadé Mozart, Joseph Haydn oder Ludwig van Beethoven.
Inhalt
Einführung Aus der Seele muß man spielen, und nicht wie ein abgerichteter Vogel Der Komponist steht im Vordergrund Die vermittelnde Rolle des Interpreten Der Notentext und seine symbolische (Affekt-)botschaft Die zentrale Rolle der Nachahmung nach dem Prinzip der Analogie Die etwas andere Art des richtigen Notenlesens Wie arbeitet man mit diesem Buch? Woher bekommen wir die Information? Musiktheoretische Werke Musiklexika Lehrwerke Sekundärliteratur Teil I Historische Grundlagen der Affektdarstellung in der Musik Zu den Begriffen Affekt, Leidenschaft, Gemütsbewegung, Empfindung, Gefühl, Charakter Affect / Affekt / Leidenschaft Empfindung, Gefühl Character / Charakter Die Musik und ihre Wirkung: ein kurzer geschichtlicher Überblick Antike Redekunst und Affekt Mittelalter Renaissance Die Musik des 17. und 18. Jahrhunderts Die wunderbaren Wirkungen der Musik Wie wirkt Musik? Musik als Nachahmung der Natur Nachahmung nach dem Prinzip der Analogie Nachahmung versus Ausdruck? Ausdruck nach dem Prinzip der analogen Nachahmung Musik als Nachahmung der Sprache Über die besonders starke affekterregende Wirkung der textgebundenen Musik Instrumentalmusik und Affekt Instrumentalmusik als Nachahmung des Gesangs Der Text als treibende Kraft des Ausdrucks in der Instrumentalmusik Musik und Rhetorik Rhetorik und musikalischer Vortrag Musikalische Darstellung der Affekte nach dem Prinzip der Analogie Haupt- und Nebenaffekte Übersicht der Affekte Liebe Verlangen Zärtlichkeit Die Empfindungen des Anmutigen und Lieblichen Das Niedliche Ruhe, Zufriedenheit, das Angenehme Unschuld Wollust Schmerz, Trauer, Melancholie Missvergnügen Verzweiflung Freude Fröhlichkeit Lachen / Weinen Furcht Zweifel, Wankelmut Mitleid, Erbarmen Trost Hoffnung Stolz und Hochmut Demut, Geduld Ungeduld Mut Feigheit Zorn, Rache, Gewalt Wut und Raserei Hass, Kaltsinn Eifersucht Neid Reue Das Pathetische, Erhabene, Prächtige Das Große Ehrbegierde, Liebe zum Ruhm (Ehrliebe, Ehrgeiz) Schamhaftigkeit Sorglosigkeit Verspottung und Ironie Teil II Das Erkennen von Affekten Wie lassen sich Affekte erkennen? Kurzer historischer Überblick über Aussagen zur Affekterkennung Stil Allgemeines Drei wichtige Kategorien: der Kirchen-, der Theater- und der Kammerstil Kirchenstil Theaterstil Kammerstil Die Auswirkung des Stils auf die Interpretation Nationalstil Hohe, mittlere, niedrige Schreibart Die Auswirkung der hohen, der mittleren und der niedrigen Schreibart auf Affekterkennung und Vortrag Gattungen, Formen Allgemeines Vokalinstrumentale Musik Oper Pastorale Oratorium Kantate Arie (Arien-)Ritornell Arioso Rezitativ Chor Lied Choral Instrumentalmusik Ouverture Sinfonia, Sinfonie, Symphonie Intrada Concerto grosso / Concerto / Konzert Divertimento Marche Rondeau Saltarella Serenata, Serenada Solo Sonata, Sonate Fantasie Fuga Lamento, Lamentatione Romanze Orgelvor- und -zwischenspiele Instrumentalmusik Tanzsätze Übersicht der Tänze (alphabetisch) Allemanda, Allemande Bourrée Bransle / Branle Canarie Chaconne, Ciacona Courante Entrée Folie d'Espagne Forlane Furie Galliarda, Galliarde Gavotte Gigue Ländler Loure Menuett Musette Passacaille, Passacaglia Passamezzo Passepied Pastorale Pavane / Paduana Polonaise Rigaudon Sarabande Siciliano Tambourin Villanella Tonart Allgemeines Kirchentonarten Charakteristiken der einzelnen Kirchentonarten Dur-Moll-Tonarten Drei Aspekte der Tonartencharakteristika Charakteristiken der einzelnen Dur- und Moll-Tonarten C-Dur G-Dur D-Dur A-Dur E-Dur H-Dur Gis-Dur a-Moll e-Moll h-Moll fis-Moll as-Moll / gis-Moll cis-Moll F-Dur B-Dur Es-Dur As-Dur Des-Dur / Cis-Dur Ges-Dur / Fis-Dur d-Moll g-Moll c-Moll f-Moll b-Moll es-Moll Das Prinzip der Reinheit als Hilfe zur Bestimmung des (Affekt-)Charakters einer Tonart Melodie Allgemeines Melodie als Nachahmung: das Analogieprinzip Tonlage Höhe der Stimmung Intervalle Intervallschritt, Intervallsprung / Gradus, saltus Terminologischer Exkurs Intervallsymbolik Übersicht der einzelnen Intervalle Kleine Sekund Die Position der kleinen Sekund als bestimmend für den affektiven Charakter verschiedener Tonfolgen Chromatische Fortschreitungen Große Sekund Verminderte Terz, kleine Terz Große Terz Quarte Übermäßige Quarte Quinte Kleine Sexte Große Sexte Septime Oktav Melodierichtung Anabasis catabasis Circulatio Melodieumfang Hyperbole hypobole Regelmäßigkeit / Unregelmäßigkeit des melodischen Verlaufs Rhythmus Allgemeines Der symbolische Wert der Notenwerte Verbindung von Melodie und Rhythmus Verschiedene Formen von Tonrepetitionen Repetierte Sechzehntelnoten genere (stile) concitato Repetierte Achtelnoten Rhythmische Bewegung in Kombination mit melodischer Bewegung Sekundwiederholungen, Triller Die sog. wesentlichen Manieren Verschiedene Intervalle in Verbindung mit kurzen Notenwerten als Ausdruck von heftigen oder flüchtigen Affekten Exclamatio Tirata Passagien Fuga Gebrochene Akkorde Passagen bzw. gebrochene Akkorde mit Bindebögen Akkordzerlegungen Punktierter Rhythmus Punktierte Rhythmen in Kombination mit Bindebögen Der unterschiedliche Vortrag der punktierten Rhythmen Der sog. lombardische Rhythmus und sein Vortrag Versfüße Die Charakteristik der einzelnen Versfüße Zweisilbige Versfüße Spondäus Pyrrhichius Jambus Trochäus Dreisilbige Versfüße Anapäst Daktylus Tribrachys Molossus Bacchius Amphimacer Amphibrachys Palymbacchius Viersilbige Versfüße Pæon Epitr…
