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RENKO

  • Kartonierter Einband
  • 164 Seiten
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Über den Autor Köpfe mit und ohne Bart. Ein Schulausflug war angesagt, ich muss so um die zehn Jahre alt gewesen sein. ... Weiterlesen
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Beschreibung

Autorentext

Über den Autor Köpfe mit und ohne Bart. Ein Schulausflug war angesagt, ich muss so um die zehn Jahre alt gewesen sein. Wir Schüler hatten klassenweise anzutreten, wurden vorher kontrolliert, damit unser Erscheinungsbild einer sozialistischen Persönlichkeit entspreche - dann hieß es: An­getreten in Zweierreihe! - und schon ging es los, zu Fuß über die Dörfer zum sechs Kilometer entfernten Flughafen. Dort stundenlanges Warten am Straßenrand. Plötzlich rauschten innerhalb eines kurzen Augenblickes mehrere schwarze Limousinen die holprige Straße entlang. Besuch des Staats­oberhauptes eines sozialistischen Bruderstaates. In einem der Autos saß hinter verdunkelten Scheiben Nicola Ceausescu. Wir winkten und jubelten auf Geheiß unserer Lehrer und gaben doch eher unserer Freude Ausdruck, dass das elende, fast zweistündige Warten am trostlosen Straßenrand nun ein Ende hatte. Am nächsten Tag sahen wir Ceausescus Kopf in der Zeitung. Den Kopf meines Deutschlehrers sah ich regelmäßig und ich erinnere mich, wie er erzürnt ruft, er wolle hier doch keinen Kümmel spalten. Mir ist bis heute nicht begreiflich, was er damit wohl gemeint haben könnte; als Ausdruck für pedanti­sche Kleinlichkeit verwendete er das Sprichwort sicherlich nicht, denn er stellte es immer in direkten Zusammenhang mit seiner Unzufriedenheit über die Leistung, die Konzentration, die Mitarbeit oder die allgemeine Klassendisziplin. Ein Mann, der stolz auf die Errungenschaften des Sozialismus und seiner Partei, der SED, war. Der sozialistische Realismus, der Bitter­felder Weg. Trotzdem hat mir das Fach Deutsch Spaß bereitet. Rot ist er, der Kopf meines Lehrmeisters in der Leipziger Aus­bildungsdruckerei. Vom Alkohol verfärbt. Niedergedrückt vom Druckerdasein oder seiner inneren Leere, wer weiß das schon, hangelte er sich von einer »Besprechungspause« zur nächsten.Eines Tages, schon einige Besprechungen intus, übergab er mir und meinem Lehrlingskollegen die Verantwortung über die laufende Druckmaschine, gleichzeitig jedoch sollten wir, weit entfernt von der Maschine, eine Schmutzecke säubern. Das war sozialistischer Realismus. Und da ist er, Erich Honecker. Nun gut, den gab es ja immer und überall, also auch auf der Wandzeitung der Lehrwerkstatt, hier allerdings mit angemaltem Bart. Bärte waren aber nur Marx, Lenin und Engels zugebilligt. Man kann sich vorstellen, welch Aufwand die Bartpolizei auf der Jagd nach dem Maler betrieben hat. Doch die Suche blieb erfolglos.



Klappentext

»Ich kenne den Mann!« - »Die Frau habe ich doch schon mal gese­hen!« - das war meine Reaktion, als ich die Fotos der Spannaus-Skulpturen zum ersten Mal sah. Und sie sprachen zu mir. Nein, besser: Sprachen aus mir. Es gab da offenbar etwas, von dem ich nichts gewusst hatte, etwas, das verschüttet, begraben gewesen war, und das von diesen Gesichtern jetzt exhumiert und ans Licht gebracht wur­de. Eigentlich ein Vorgang, den ich seit meinem siebzehnten Le­bensjahr - da las ich zum ersten Mal Benn - immer wieder er­lebt hatte. In Bezug auf die Kunst ist es ja gott­lob nicht wie in Bezug auf den ersten Kuss, das erste An­fassen, die erste Nacht, die erste Trennung. Kunst vermag dieses »erste Mal« immer und immer wieder zu erzeugen. Man könnte auch sagen: Sonst ist sie keine. Ein Paradox. Aber es war mir lange nicht geschehen. Nur deshalb er­kannte ich nicht sofort: Das war ja exakt meine Reaktion auf Benn ge­wesen, auf Rilke, Kafka, Th. Mann, Carver; auf van Gogh, Picasso, Janssen, Richter; auf Rodin und Giacometti, von den großen Komponisten ganz zu schweigen. Und nun also Dietwald Spannaus. Unbegreiflich, dass diese wundervollen und ergreifenden Skulpturen nicht in allen Museen der Welt zu finden sind. (Hans-Joachim Griebe Hrsg.)

Produktinformationen

Titel: RENKO
Untertitel: Siebzehn Kopfgeschichten
Autor:
EAN: 9783944643182
ISBN: 978-3-944643-18-2
Format: Kartonierter Einband
Herausgeber: Verlag Rote Zahlen
Genre: Romane & Erzählungen
Anzahl Seiten: 164
Gewicht: 250g
Größe: H211mm x B146mm x T12mm
Jahr: 2013