

Beschreibung
Autorentext Der Name Bruno Heter ist ein Pseudonym. Der Vorname wird seit vielen Jahren in Schulklassen verwendet. Bruno ist ein Schüler, der nie anwesend ist, aber dennoch immer alles weiss. Er schreibt Tagebuch für die Klasse und gibt den SchülerInnen bei Sc...Autorentext
Der Name Bruno Heter ist ein Pseudonym. Der Vorname wird seit vielen Jahren in Schulklassen verwendet. Bruno ist ein Schüler, der nie anwesend ist, aber dennoch immer alles weiss. Er schreibt Tagebuch für die Klasse und gibt den Schüler*Innen bei Schulaustritt einen humorvollen Rückblick ab. Der Nachname ist eine Kurzform des Maori-Wortes Hetiheti, was Igel bedeutet. Auf der zweimonatigen Reise durch Neuseeland hat Bruno den Übernamen Hetiheti erhalten, weil er seine Haare immer sehr kurz trug und damit einem Igel ähnlichsah. Geboren 1967, im Sommer der Liebe. Aufgewachsen ist Bruno Heter im Wynental, Kanton Aargau in der Schweiz. Er hat drei Schwestern, ist der zweitjüngste der Familie. Nach der Schule hat er die Ausbildung zum Oberstufenlehrer angetreten. Sein Studium führte ihn von Aarau bis nach Montpellier in Südfrankreich. Seit seiner Schulzeit liest und schreibt Christoph Hofer sehr gerne und viel.
Leseprobe
1 WEF? WTF! Autsch. Scheiße, wo bin ich? Hotel? Ich sollte nicht mehr so viel trinken! Sebastian Bachofen, du bist ein vierzigjähriger Idiot; du bist nun mal nicht mehr zwanzig! Aber heute Morgen fühlt es sich echt an wie siebzig. Schwarze Bettwäsche? Ist das Seide? In welchem Hotel bin ich denn; mein Kopf ist schwer. Meine Beine sind schwer. Mein Körper ist unglaublich schwer. Aber die Kleine gestern wie hieß sie nochmal? die hatte Klasse. Dass ich mich nicht mehr an ihren Namen erinnern kann, ist ungewöhnlich. Aber ihre Beine, ihr Hintern, ihre wunderbaren B Börk Augen; daran erinnere ich mich. Sie hat mich so angesehen. Meine Augen sind schwer; alles noch verschwommen. Ich erhebe mich schwerfällig und suche meine Pantoffeln. Komisch, an das Bild kann ich mich nicht erinnern. USFlagge im Hotelzimmer? Scheiß WEF; die würden besser die Davoser Alpen abbilden, dann wüssten die Idioten von Wirtschaftsbossen immerhin, in welchem Land sie sind, so mit Schnee anstatt mit Sand. Jetzt erinnere ich mich: Sandee das war die Kleine; Amerikanerin. Sicherheitsbeamte für irgend so einen reichen Arsch. Hehe, ich erinnere mich auch, dass sie meinen Namen nicht hat aussprechen können. Sagte immer 'Beethoven' als ob ich komponieren könnte. Nun, englisch ausgesprochen klingt Bachofen auch ähnlich, zugegeben. Aber dann könnte man auch 'dumb' sagen anstatt von Trump würde eh keiner merken. Shit, ich muss pissen. Komm schon, Körper du stellst dich doch sonst nicht so dämlich an. Mit meinen Augen stimmt aber echt was nicht; wo zum Teufel ist mein Schwanz? Langsam torkle ich ohne Pantoffeln ins Badezimmer. Es scheint mir weiter zu sein als noch gestern. Als ob mein Hotelzimmer in der Nacht gewachsen wäre. Und nicht nur das ich habe das Gefühl, eine gewaltige Trommel vor mir zu tragen. Mein Bauch scheint auch gewachsen zu sein. Erinnert mich irgendwie an diesen dämlichen Weihnachtsfilm mit Tim Allen. Pissen geht zum Glück auch blind einfach fühlen. Was denn echt jetzt? Hier stimmt was nicht! Wie soll ich mit dem Streichholz anständig pissen? Wo ist mein Ich sollte nicht mehr so viel saufen. Nach der Wohltat untenrum schnell etwas Wasser ins Gesicht. What the fuck ? Ein markerschütternder Schrei durchdringt sämtliche Sicherheitstüren des Davoser Nobelhotels. Die Security Beauftragten kommen angerannt. Bevor sie die Tür öffnen, klopft der Sicherheitschef dezent an. Mister President? Alles in Ordnung bei Ihnen? Mister President? Ich renne aus dem Badezimmer. Im Spiegel hat mich soeben Donald Trump angesehen und er sah nicht aus wie siebzig eher wie neunzig. Jemand klopft an meine Tür. Ein Mann spricht Englisch. Was ist hier los zum Teufel nochmal? Ich halluziniere! Der Mann klopft erneut und ruft wieder nach seinem Präsidenten. Der meint mich! Ja, alles gut! Ich habe mir den Fuß gestoßen; geht schon!, rufe ich doch es klingt nicht nach mir. Akzentfreies Ami; heisere MickyMausStimme. Das bin nicht ich. Ich habe einen warmen Bass, der die Herzen der Frauen zum Schmelzen bringt. Brauchen Sie einen Arzt? Der Typ lässt nicht locker. Eher einen Psychiater oder einen Entgifter; einen Exorzisten, vielleicht? Nein, wirklich alles gut. Ich geh dann wieder schlafen. Haben Sie vielen Dank. Wer immer Sie auch sind. Ich gehe nicht mehr schlafen auf keinen Fall. Nur zögerlich wanke ich zum großen Spiegel im Wohnzimmer der unbekannten Suite. Das muss ein Traum sein. Allerdings ein ziemlich gut gemachter KITraum in 4K. Das sieht alles verdammt echt aus. Diese Bildqualität, diese Grafik das hat ein Vermögen gekostet! Im Spiegel steht Donald Trump; da besteht kein Zweifel. In meinem Kopf aber fühlt es sich noch an wie die verkaterte Version von Sebastian Bachofen. Licht. Ich ziehe die schweren Vorhänge zur Seite. Die Sonne strahlt vom wolkenlosen, kitschig blauen Himmel über Davos in mein Gesicht. Licht schmerzt noch. Kaffee! Ich brauche Kaffee. Noch immer ohne Pantoffeln schlurfe ich über den flauschig dicken Teppich zur Tür und lausche zuerst, ob da noch jemand ist. Hallo? Sind Sie noch da?, rufe ich durch die geschlossene Tür; ich höre mich wie ein Idiot an. Mr. President? Ich höre Sie. Könnte ich vielleicht etwas Kaffee kriegen? Wenn es geht? Aber sicher, kommt sofort. Dauert eine Sekunde. Ich höre, wie der Mann Befehle erteilt, selbst jedoch offenbar vor meiner Tür stehenbleibt. Scheint zu klappen. Tatsächlich klopft jemand kurz danach an. Ich öffne und sehe einen bulligen Mann könnte Jake Blues sein, seinem schwarzen Anzug und der Sonnenbrille nach zu urteilen. Eine attraktive Serviceangestellte tritt ein, macht einen Knicks und schwebt wortlos zum runden Tisch im Wohnzimmer. Dort stellt sie die Kanne und die Tasse hin, zusammen mit einem kleinen Korb herrlich duftender Backwaren. Sie verschwindet ebenso wortlos wieder. Danke!, rufe ich ihr nach, doch der Blues Brother an der Tür schliesst ebendiese bereits wieder. In welche Scheiße bin ich hier geraten? Das gibt's doch gar nicht! Ich gieße Kaffee ein, trete ans Fenster und kaue genüsslich ein Hörnchen. Vor dem Hotel steht eine Gruppe Menschen mit Fotoapparaten. Sie sehen nicht nach Touristen aus. Als ich das Fenster öffne, beginnen sie zu mir hochzuschreien und Fotos zu machen. Security Männer treiben sie weg. Ich hebe die Hand zum Gruß und lächle. Mr. President. Sie sollten nicht so nah ans Fenster treten. Der Blues Brother steht plötzlich neben mir. Ich beschließe, ihn Jake zu nennen. Entschuldigen Sie. Ich wollte etwas frische Luft. Darf ich auf den Balkon treten? Bitte warten Sie, bis wir das Okay dazu haben. Jake plappert wieder in seinen Ohrstöpsel. Er lauscht, nickt, lauscht. Dann öffnet er die Balkontür. Bitte, es ist sicher. Sie können draußen sitzen. Ich bringe Ihnen noch Ihren Morgenmantel. Danke. Ich setze mich in die Morgensonne und genieße den Kaffee. Dabei befinde ich mich wie in Trance. Langsam kommen die Erinnerungen wieder. Ich bin in Davos. Während des WEF ist das eigentlich doof, doch ich hatte das Zimmer schon gebucht. Die internationalen Partys sollen umwerfend sein, hat man mir gesagt. Jede Menge gelangweilter und reicher Damen, die auf einen Mann wie mich warten. Ein Gesicht wie der MarlboroMann, ein Körper wie der Typ von der Unterhosenwerbung, harte Muskeln wie der Bachelor, aber deutlich mehr Hirn. Hier wollte ich mein Glück versuchen. Eine von den Reichen abschleppen, mich für ein Jahr finanzieren lassen Geschäft. Dazu ist das WEF doch da. Ich schweife ab. Auf der Party gab es nicht nur jede Menge Drinks, da waren auch noch Pillen und diverse Pülverchen. Ich hätte das Zeugs nicht durcheinander einwerfen sollen. Aber Sandee sie war der Hammer. Meine Kaffeetasse ist leer. Ich gieße nach. An diesen Balkon mit dieser Aussicht könnte ich mich gewöhnen. Jakobshorn zum Greifen nah. Wenn ich mich anstrenge, kann ich gar einzelne Skifahrer erkennen. Meine Augen sind offensichtlich wieder in Ordnung viel mehr SEINE Augen! Wie ist das möglich? Ich dreh noch durch. Vor einigen Jahren habe ich mal ein Buch über eine Frau gelesen, die starb und dann als Ameise wiedergeboren wurde, um…
