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Artifizielle Körper lebendige Technik

Noch vor wenigen Jahrzehnten wurden Begriffe wie «Cyborg», «Hybrid», «Android», die Mischwesen aus Mensch und Maschine bezeichnen,... Weiterlesen
Kartonierter Einband (Kt), 286 Seiten  Weitere Informationen
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Beschreibung

Noch vor wenigen Jahrzehnten wurden Begriffe wie «Cyborg», «Hybrid», «Android», die Mischwesen aus Mensch und Maschine bezeichnen, hauptsächlich in der schrillen Welt der Science Fiction Literatur verwendet. Heute gehören sie zu den dominanten Metaphern eines Diskurses, der das Zeitalter des Posthumanismus aufscheinen sieht. Die symbiotische Vereinigung von Körper und Technik, so befürchten viele und feiern manche, soll durch neueste Entwicklungen in Feldern wie der Künstlichen Intelligenz und Neuroprothetik, der Bio- und Gentechnik und seit jüngstem der Nanotechnologie vor ihrer Vollendung stehen. Chips im Gehirn, manipulierte Keimzellen oder die kontrollierte Steuerung biologischer Substrate auf der Nanoebene - die biotechnischen Forschungspotenziale scheinen unbegrenzt. Ohne Kontrolle werden sie den Menschen, so wird orakelt, zu einer gefährdeten Spezies machen. Entgegen jedem posthumanistischem Credo gehen die in diesem Band versammelten Autoren von der Grundannahme aus, dass der menschliche Körper nicht gesamthaft technisierbar ist, sich folglich auch nicht in Technik auflösen wird. Diese Annahme beruht nicht so sehr auf einer Vorstellung von den Grenzen des technisch Machbaren, die prometheische Visionen immer wieder auf den Boden der Realität zurückholt. Zwar kann die lange Geschichte der Körpertechnologien vielfach von dem Widerspruch zwischen Fakt und Fiktion, programmatisch Entworfenem und tatsächlich Erreichtem erzählen. Ungeachtet dessen war der menschliche Körper jedoch zu keinem Zeitpunkt ein vorgängig gegebenes Objekt technischer Manipulation. Vielmehr wurden in wechselnden historischen Konstellationen immer wieder neue Vorstellungen vom Körper durch ein Gefüge verschiedenster Verfahren, Diskurse und Praktiken erzeugt, die als Ausgangspunkt für technische Versuche zur Verbesserung einzelner Körperfunktionen dienten. Aufschlussreicher als das abstrakte evolutionäre Denken einer uneinholbar fortschreitenden technischen Auflösung des Menschlichen ist daher die konkrete Untersuchung einzelner Projekte,

Autorentext
Barbara Orland ist geschäftsführende Oberassistentin am Kompetenzzentrum ´Geschichte des Wissens´, Professur für Wissenschaftsforschung an der ETH Zürich. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Biomedizin sowie Biotechnologie in Landwirtschaft und Ernährung. Daneben ist sie damit befasst, eine Online-Einführung in die Technikgeschichte zu entwickeln. Veröffentlicht hat sie zu Konsum- und Alltagsgeschichte, Geschlechtergeschichte und Entstehung der Populärwissenschaft. In Buchform erschienen sind unter anderem: Wäsche Waschen. Technik- und Sozialgeschichte der häuslichen Wäschepflege, 1991; Haushaltsträume. Ein Jahrhundert Rationalisierung und Technisierung im Haushalt, 1990; Das Geschlecht der Natur, 1995, hg. mit Elvira Scheich.

Zusammenfassung
Noch vor wenigen Jahrzehnten wurden Begriffe wie ´Cyborg´, ´Hybrid´, ´Android´, die Mischwesen aus Mensch und Maschine bezeichnen, hauptsächlich in der schrillen Welt der Science Fiction Literatur verwendet. Heute gehören sie zu den dominanten Metaphern eines Diskurses, der das Zeitalter des Posthumanismus aufscheinen sieht. Die symbiotische Vereinigung von Körper und Technik, so befürchten viele und feiern manche, soll durch neueste Entwicklungen in Feldern wie der Künstlichen Intelligenz und Neuroprothetik, der Bio- und Gentechnik und seit jüngstem der Nanotechnologie vor ihrer Vollendung stehen. Chips im Gehirn, manipulierte Keimzellen oder die kontrollierte Steuerung biologischer Substrate auf der Nanoebene - die biotechnischen Forschungspotenziale scheinen unbegrenzt. Ohne Kontrolle werden sie den Menschen, so wird orakelt, zu einer gefährdeten Spezies machen. Entgegen jedem posthumanistischem Credo gehen die in diesem Band versammelten Autoren von der Grundannahme aus, dass der menschliche Körper nicht gesamthaft technisierbar ist, sich folglich auch nicht in Technik auflösen wird. Diese Annahme beruht nicht so sehr auf einer Vorstellung von den Grenzen des technisch Machbaren, die prometheische Visionen immer wieder auf den Boden der Realität zurückholt. Zwar kann die lange Geschichte der Körpertechnologien vielfach von dem Widerspruch zwischen Fakt und Fiktion, programmatisch Entworfenem und tatsächlich Erreichtem erzählen. Ungeachtet dessen war der menschliche Körper jedoch zu keinem Zeitpunkt ein vorgängig gegebenes Objekt technischer Manipulation. Vielmehr wurden in wechselnden historischen Konstellationen immer wieder neue Vorstellungen vom Körper durch ein Gefüge verschiedenster Verfahren, Diskurse und Praktiken erzeugt, die als Ausgangspunkt für technische Versuche zur Verbesserung einzelner Körperfunktionen dienten. Aufschlussreicher als das abstrakte evolutionäre Denken einer uneinholbar fortschreitenden technischen Auflösung des Menschlichen ist daher die konkrete Untersuchung einzelner Projekte, die unter je spezifischen epistemischen Voraussetzungen das Verhältnis von Mensch und Maschine, Technik und Körper neu zu gestalten versuchten. An Beispielen wie dem künstlichen Auge, Ohr oder Herzen, der technischen Wiederherstellung des kriegsversehrten Körpers oder der Selbsterschaffung durch Wellnesstechnologien und Schönheitschirurgie zeigen HistorikerInnen und WissenschaftsforscherInnen in diesem Band, dass die lange Zeit unhinterfragte Dichotomie von ´Natur´ und ´Technik´ nicht erst in Folge jüngster Entwicklungen fragwürdig geworden ist.

Inhalt

Einführung
Barbara Orland: Wo hören Körper auf und fängt Technik an? Historische Anmerkungen zu posthumanistischen Problemen
Jakob Tanner: Leib-Arte-Fakt. Künstliche Körper und der technische Zugriff auf das Leben

Parallelen zwischen Mensch und Automat
Jessica Riskin: Künstliches Leben produzieren. Denkparallelen im Automatenbau des 18. Jahrhunderts und heute
Adelheid Voskuhl: 'Bewegung' und 'Rührung'. Musik spielende Androiden und ihre kulturelle Bedeutung im späten 18. Jahrhundert

Technik an der Grenze des Lebens
Christina Benninghaus: Eine 'unästhetische Prozedur'. Debatten über 'künstliche Befruchtung' um 1910
Silke Bellanger/Aline Steinbrecher: 'Der Tod wird nicht von einer Maschine entschieden'. Hirntoddiagnostik in der Schweiz von 1960 bis 2000

Aufgerüstete Körper
Heather R. Perry: Brave Old World. Recycling der Kriegskrüppel während des Ersten Weltkrieges
Cornelius Borck: Das künstliche Auge. Zur Geburt des Cyborgs in der Sinnesprothesenforschung

Medizinisches Body Engineering
Shelley McKellar: 'Der Dracula der Medizintechnik'. Das künstliche Herz als therapeutische Technik für kardiovaskulare Krankheiten
Markus Christen: Der Einbau von Technik in das Gehirn. Das Wechselspiel von Informationsbegriffen und Technologieentwicklung am Beispiel des Hörens

Wunschkörper und Konsumfreiheiten
Carmen Baumeler: Kleider machen Cyborgs. Zur Geschichte der Wearable-Computing-Forschung
Sabine Maasen: Schönheitschirurgie. Schnittflächen flexiblen Selbstmanagements
Stefanie Duttweiler: 'Körper, Geist und Seele bepuscheln.'. Wellness als Technologie der Selbstführung

Produktinformationen

Titel: Artifizielle Körper lebendige Technik
Untertitel: Technische Modellierungen des Körpers in historischer Perspektive
Editor: Barbara Orland
EAN: 9783034006903
ISBN: 978-3-0340-0690-3
Format: Kartonierter Einband (Kt)
Herausgeber: Chronos
Genre: Sonstiges
Anzahl Seiten: 286
Gewicht: 468g
Größe: H226mm x B154mm x T29mm
Jahr: 2005
Auflage: 03.2005
Land: DE

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