

Beschreibung
Sehr zugänglich, sehr vergnüglich, sehr persönlich. In diesen kurzen, ursprünglich für eine portugiesische Tageszeitung geschriebenen Geschichten zeigt sich Lobo Antunes, der in seinen Romanen die Abgründe der menschlichen Seele erforscht, von seiner sonnigen ...Sehr zugänglich, sehr vergnüglich, sehr persönlich.
In diesen kurzen, ursprünglich für eine portugiesische Tageszeitung geschriebenen Geschichten zeigt sich Lobo Antunes, der in seinen Romanen die Abgründe der menschlichen Seele erforscht, von seiner sonnigen Seite. Heitere Episoden aus der Kindheit, Spaziergänge durch Lissabon, Anekdoten aus seiner Zeit als Psychiater, Geschichten über Fußball, Tarzan, Gott, die Buchmesse, die Ehe, Erziehung, Strandleben, Karneval, alte und junge Frauen Lichtblicke des Lebens, festgehalten mit einem Augenzwinkern.
"Man möchte aus dem Buch, das noch dazu hervorragend übersetzt ist, unentwegt jemandem vorlesen, das Leseglück teilen."
Autorentext
António Lobo Antunes wurde 1942 in Lissabon geboren. Er studierte Medizin, war während des Kolonialkriegs 27 Monate lang Militärarzt in Angola und arbeitete danach als Psychiater in einem Lissabonner Krankenhaus. Heute lebt er als Schriftsteller in seiner Heimatstadt. Lobo Antunes zählt zu den wichtigsten Autoren der europäischen Gegenwartsliteratur. In seinem Werk, das mittlerweile mehr als dreißig Titel umfasst und in vierzig Sprachen übersetzt worden ist, setzt er sich intensiv und kritisch mit der portugiesischen Gesellschaft auseinander. Er erhielt zahlreiche Preise, darunter den »Großen Romanpreis des Portugiesischen Schriftstellerverbandes«, den »Jerusalem-Preis für die Freiheit des Individuums in der Gesellschaft« und den Camões-Preis.
Klappentext
Sehr zugänglich, sehr vergnüglich, sehr persönlich.In diesen kurzen, ursprünglich für eine portugiesische Tageszeitung geschriebenen Geschichten zeigt sich Lobo Antunes, der in seinen Romanen die Abgründe der menschlichen Seele erforscht, von seiner sonnigen Seite. Heitere Episoden aus der Kindheit, Spaziergänge durch Lissabon, Anekdoten aus seiner Zeit als Psychiater, Geschichten über Fußball, Tarzan, Gott, die Buchmesse, die Ehe, Erziehung, Strandleben, Karneval, alte und junge Frauen - Lichtblicke des Lebens, festgehalten mit einem Augenzwinkern.
Zusammenfassung
Sehr zugänglich, sehr vergnüglich, sehr persönlich.
In diesen kurzen, ursprünglich für eine portugiesische Tageszeitung geschriebenen Geschichten zeigt sich Lobo Antunes, der in seinen Romanen die Abgründe der menschlichen Seele erforscht, von seiner sonnigen Seite. Heitere Episoden aus der Kindheit, Spaziergänge durch Lissabon, Anekdoten aus seiner Zeit als Psychiater, Geschichten über Fußball, Tarzan, Gott, die Buchmesse, die Ehe, Erziehung, Strandleben, Karneval, alte und junge Frauen Lichtblicke des Lebens, festgehalten mit einem Augenzwinkern.
Leseprobe
Ich bin in einem Vorort von Lissabon, in Benfica, aufgewachsen, damals Villen mit Gärten, kleine Gassen, niedrige Häuser, und ich hörte, wie in der Abenddämmerung die Mütter Vííííííííítor riefen, mit einem Schrei, der, von der Rua Ernesto da Silva ausgehend, die Störche auf den Wipfeln der höchsten Bäume erreichte und die Pfauen im Teich unter den Ulmen ertränkte. Ich wuchs auf neben dem kleinen burgartigen Stadtor, das uns von Venda Nova und der Estrada Militar trennte, in einem Land, dessen Grenzposten die Drogerie von Senhor Jardim, der Krämerladen vom Glatzkopf und die Konditorei von Senhor Madureira und der Kurzwarenladen Havaneza von Senhor Silvino waren, und verbrachte die Nachmittage in der Schusterwerkstatt von Senhor Florindo, der in einem dunklen Kabuff, umringt von auf kleinen Schemeln sitzenden Blinden, in den Geruch von Leder und Armut gehüllt, der bis heute der einzige mir bekannte Geruch der Heiligkeit ist, Sohlen hämmerte. Dona Maria Salgado, klein, mager, immer in Trauerkleidern, trug die Heilige Familie von Villa zu Villa, und vierzehn Tage lang beherbergten meine Großeltern diese drei Tonfiguren unter dem beschlagenen Glassturz, den die Dienstmädchen mit Öldochten beleuchteten. Ich wuchs auf zwischen Senhor Paulo, der mit Bindfäden und Rohrstöckchen die Flügel der Spatzen richtete, und den »Papageiennasen«, deren Tante mit einem Zigeuner auf und davon war und am Strand aus Händen die Zukunft las, schwarz gekleidet wie die Witwe eines Seemanns, der die Küste nie erreicht
hat. Meine Freunde hatten unglaubliche Vornamen (Lafaiete, Jaurés)und wohnten in Erdgeschossen, deren Fenster auf Straßenhöhe lagen und in denen riesige Radioapparate, Blumentöpfe mit Basilikum und Gevatterinnen in Pantoffeln zu erkennen waren. Der Hund der Gerberei zündete in den Julinächten, in denen Akazienpollen auf meine Augenlider regneten, phosphoreszierendes Gebell an, ich fand mich, vor Liebe zur Frau von Sandokan ersterbend, im Schulklo eingeschlossen als Einhorn wieder, und der Brigadier Maia stieg, die Baskenmütze auf dem Kopf, mit ausladenden Gesten auf die Regierung schimpfend, zur Adega dos Ossos hinunter. Damals, als ich dreizehnjährig im Fußballclub Benfica das erste Mal Rollschuhhockey spielte, stellte der mit den Schulterpolstern eines mittelalterlichen Barons versehene Torwart den staunenden Kameraden mich mit
Der Vater vom Blondschopf ist Doktor vor, was sofort in dem Augenblick meinen ersten sportlichen Ruhm und die erste finstere Verantwortung herstellte, als der Trainer, indem er meine Muskeln mit den Augen abtastete, mit zweifelnd verzogenem Gesicht meinte Mal sehen, ob du die fertigmachst, Blondschopf, dein Vater war nämlich auf der Rollschuhbahn ein ziemlicher Raufbold.
Der Besitzer der Apotheke União war Stockkämpfer, die Gattin des Besitzers der Apotheke Marques eine üppige Griechin mit amphorenförmigem Hinterteil und glühenden Augen, die mich die Frau von Sandokan vergessen ließ, wenn ich sie sonntags auf dem Weg zur Kirche sah, der Glöckner, der Zé-der-Hammer genannt wurde und während der Elevation der Mittagsmesse »Papagaio Loiro« anstelle des vorgeschriebenen »Am dreizehnten Mai« spielte, besaß ein Beerdigungsinstitut, dessen Prospekt mit den Worten begann »Wozu unbedingt weiterleben, wenn Sie für hundert Escudos eine schöne Beerdigung haben können?«, und ich schrieb in den Hockeypausen Gedichte, rauchte heimlich, war zwischen Jesus Correia und Camões hin- und hergerissen, und ich war unverschämt glücklich.
Wenn ich heute nach Benfica zurückkehre, finde ich Benfica nicht mehr. Die Pfauen schweigen, kein Storch hockt mehr auf der Palme bei der Post
(die Palme bei der Post gibt es nicht mehr, das Landgut der Lobo Antunes ist verkauft worden)
Senhor Silvino, Senhor Florindo und Senhor Jardim sind gestorben, mehrstöckige Gebäude wurden an der Stelle der Häuser hochgezogen, doch ich habe den Verdacht, daß unter diesen Gebäuden mit fünf, sechs, sieben, acht, neun Stockwerken, irgendwo unter den verglasten Veranden und Bankfilialen, Senhor Paulo noch immer mit Bindfäden und Rohrstöckchen die Flügel der Spatzen richtet, Dona Maria Salgado noch immer mit dem beschlagenen Glassturz mit der Heiligen Familie von Villa zu Villa trabt, Lafaiete und Jaurés auf der Calçada do Tojal von Basilikumtöpfen und Gevatterinnen in Pantoffeln umringt Kippel-Kappel spielen. Es gibt keine Pfauen und keine Störche mehr, doch die Akazie meiner Eltern hält beharrlich stand. Vielleicht hält nur die Akazie stand, bleibt allein sie aus dieser Zeit wie der die Wellen durchbrechende Mast eines versunkenen Schiffes. Die Akazie reicht mir. Die Läden und die Hinterhöfe haben sie abgerissen, sie spielen nicht mehr »Papagaio Loiro« mit den Glocken, doch die Akazie hält stand. Hält stand. Und ich weiß, daß ich bei ihrem Stamm, wenn ich die Augen schließe und das Ohr an den Stamm lege, die Stimme meiner Mutter hören werde, die
Antóóóóóónio ruft, und ein weizenblonder Junge wird durch den Garten kommen, in der Hosentasche ein Säckchen mit Murmeln, er wird an mir vorübergehen, ohne mich zu sehen, und dort oben in seinem Zimmer verschwinden und davon träumen, daß die Frau von Sandokan ihn jedenfalls niemals zwingen würde, beim quälenden Abendessen Kartoffelpüree und Suppe mit Kohlrübenblättern zu essen.
Der große Barrigana
In …