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Polarsommer

  • Kartonierter Einband
  • 234 Seiten
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Beschreibung

»Jemand kam zu unserem Haus. Jemand kam mit Kaj, eingewickelt in eine gelbe Steppjacke.« Kaj sammelt Fliegen und behauptet, daß sie unter Wasser atmen kann. Kaj ist bald dreiundzwanzig und schneidet Unglücksmeldungen aus der Zeitung aus, um sie an den Kühlschrank zu heften. Kristian ist ihr Lieblingsbruder und in das feuchtkühle Haus seiner Kindheit zurückgekehrt, um ein paar Wochen auf Kaj aufzupassen. Während die Tage in der Sommerhitze verstreichen, braut sich unaufhaltsam eine Katastrophe zusammen. Eine Familie in der Krise. Und jedes Familienmitglied hat seine eigene Version der Geschichte.»Was ein allzu perfektes psychologisches Drama hätte werden können, oder ein weiterer Angriff auf die Kernfamilie, hinterläßt statt dessen ein Gefühl von Zuneigung. Zuneigung für die sechs Personen, so armselig in ihrer Menschlichkeit, so großartig in ihren viel zu großen Gefühlen.« (»Göteborgs-Posten«)

Anne Swä;rd ü;ber sich und ihr Debü;t Polarsommer:
Jeder Text beginnt mit einem Bild. Ich bin nie vorbereitet, wenn es geschieht. Plö;tzlich - inner-halb weniger Sekunden - wird es in meinem Hinterkopf entwickelt wie eine Fotografie im Ent-wicklungsbad. Dann werde ich es nicht los, ich trage es mit mir herum, tage-, wochen-, monate-ang. Schließ;lich kann ich nicht anders, ich muß; mich hineinbegeben, um herauszufinden, was es bedeutet. Und wenn ich die Szene betrete, verwandelt es sich. Es ist wie ein Standbild, das in Bewegung versetzt wird. Es erfä;hrt eine Erweiterung in Zeit und Raum.

Mein Roman Polarsommer begann mit einer Handvoll unterschiedlicher Bilder, die zuerst ü;ber-haupt nichts miteinander zu tun zu haben schienen. Ich begriff nicht, wie sie miteinander verkoppelt waren, bevor die Szenen begannen, sich zu einer Geschichte zu erweitern, die sich ü;ber dreiß;ig Jahre erstreckte. Da sah ich plö;tzlich die Fä;den, die von Bild zu Bild gingen. Von der ersten Szene mit einem Mä;dchen, das in eine gelbe Winterjacke eingewickelt war. Wie sie eines kalten Winterabends bei einer Familie abgegeben wird, von einer Fremden, die behauptet, daß; das Mä;dchen die Tochter des Vaters ist. Zu der Szene, wo eine Frau durch den Schnee stapft, einen toten Hund auf einem Schlitten, auf dem Weg zu einem Eisloch in dem zugefrorenen See. Weiter zu dem Paar, das in einem der dunklen Zimmer des Hotels, in dem sie arbeiten, Liebe macht; der Sekundenzeiger der Wanduhr bewegt sich, sie haben es eilig. Und dann das Kind, das in einem Lastwagen zur Welt kommt, der mit polnischen Obstkonserven beladen ist. Schließ;lich die Kirche, die der Sand unter sich begrä;bt. Ich folgte den Fä;den - in alle Richtungen gleichzeitig - und sah, daß; alles zusammenhing.

Das Schreiben ist eine notwendige Drainierarbeit, wenn der Kopf mit Bildern und Assoziationen voll ist. Ein Shunt, der den Druck verringert. Die Bilder sind ein Geschenk. Das Schreiben hingegen ist eine Arbeit.

Das Ursprungsbild ist das rote Kreuz auf der Karte. Wenn ich mich in meinem eigenen Text verirre, was die ganze Zeit geschieht, da der Text stä;ndig mehr zu einem ü;berwucherten Ort wird, orientiere ich mich erneut an dem roten Kreuz. Dort liegt der Antrieb, der all die Stunden vor dem Computer rechtfertigt (Stunden des Flow, des Widerstands, der Monotonie). Dort liegt das Rä;tsel, das sich nicht beantworten lä;ß;t, bevor der letzte Buchstabe geschrieben ist. Vielleicht nicht einmal dann. Das allererste Bild fungiert wie eine Stimmgabel direkt in den Text hinein. Und es hat eine Aufladung, die stä;rker wird, je mehr ich es erforsche.

Ich wohne seit zehn Jahren in Ö;sterlen . Hier ist mein Basislager. Auf dem Boden und dem Tisch in meinem Arbeitszimmer liegen haufenweise Bü;cher, Skizzen, Pinsel, Farben, Kaffeetassen, Kinderspielsachen, Reiseerinnerungen. Die weiß;en Wä;nde sind zerstochen von Nadeln, die Fotos, Zeitungsausschnitte, Zeichnungen und Gedä;chtnisnotizen hinterlassen haben, die in dicken Schichten hä;ngen und manchmal unter ihrem eigenen Gewicht abstü;rzen. Vor dem Fenster ist der Himmel hoch und hell. Alles, was man hö;rt, ist der Wind der Ostsee, und ich sehne mich fort. Mental bin ich immer auf dem Weg woandershin. Weg von vollgepropften Leerrä;umen und engen Flä;chen. Ich wü;rde mir wü;nschen, daß; das Leben genauso einfach und offen wä;re wie der Himmel drauß;en. Wie ein Text, bevor ich begonnen habe, ihn zu schreiben. Aber Kreativitä;t entsteht aus Chaos - eine andere Methode kenne ich nicht.

Was mich kü;nstlerisch inspiriert, sind unter anderem die Bilder des tschechischen Fotografen Josef Koudelka, die das Leben mitten in einer Bewegung einfangen, die letzte Serie Selbstporträ;ts der finnischen Malerin Helene Schjerfbeck, Janis Joplins Stimme und die rohe, exakte Lyrik der Franzö;sin Leslie Kaplan.

Aus: Svensk Bokhandel Nr. 11 2003 © Anne Swä;rd

Autorentext
Anne Swärd, geboren 1969 in Südschweden, studierte in Stockholm Sozialanthropologie und Kunst, als Austauschstudentin verbrachte sie einige Zeit in Irland. Seit 1993 lebt sie mit ihrer Familie an der Küste von Österlen, im Südosten Schwedens. Zu ihren großen Interessen zählt sie das Reisen, zuletzt war sie in China, Kuba und im Osten Europas unterwegs, ihre nächste Tour soll sie nach Vietnam führen. Das Schreiben beschreibt sie als eine lebenslange Ver-liebtheit, der sie sich über Kunststudien, die Arbeit als Künstlerin, Illustratorin und Bildpädagogin sowie über Creative-Writing-Seminare genähert hat. Der von den Kritikern sehr gelobte Roman Polarsommer ist Anne Swärds erstes Prosawerk, zuvor veröffentlichte sie Gedichte in verschiedenen literarischen Magazinen. Als eines der sechs besten schwedischen Werke im Jahr 2003 wurde Polarsommer für den prestigereichen Augustpreis nominiert, 2004 erhielt Anne Swärd das Literaturstipendium der Sparbankstiftung Skånes.

Geboren 1961 in Regensburg, Studium der Philosophie und Germanistik in Regensburg und Berlin, u.a. Tätigkeit als Deutschlehrerin in Finnland, 1995 Preisträgerin des Open Mike der Literaturwerkstatt Berlin, lebt in Berlin und Malmö/Schweden. Im Jahr 2000 erschien »ihr perfektes Debüt«, der Erzählband Streit. Die Literaturkritikerin Manuela Reichart bescheinigte ihr in der Süddeutschen Zeitung »gute Chancen, damit zum Sprachrohr ihrer Generation ausgerufen zu werden.« Im März 2003 erschien ihre zweite Erzählung Das Mädchen Franz.

Produktinformationen

Titel: Polarsommer
Untertitel: Roman
Autor:
Übersetzer:
EAN: 9783518456941
ISBN: 978-3-518-45694-1
Format: Kartonierter Einband
Herausgeber: Suhrkamp
Genre: Romane & Erzählungen
Anzahl Seiten: 234
Gewicht: 256g
Größe: H190mm x B118mm x T25mm
Jahr: 2005
Auflage: 3. A.

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