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Dezentrale erneuerbare Energien damals und heute. Genossenschaftliche Elektrifizierung in den 1920er Jahren am Beispiel von Großbardorf

  • Kartonierter Einband
  • 124 Seiten
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In den 1920er Jahren partizipierten viele BürgerInnen in Energiegenossenschaften, um die Elektrifizierung in Deutschland voranzubr... Weiterlesen
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Beschreibung

In den 1920er Jahren partizipierten viele BürgerInnen in Energiegenossenschaften, um die Elektrifizierung in Deutschland voranzubringen. Obwohl es zeitweise über 6.000 Elektrizitätsgenossenschaften gab, wurde die historische dezentrale Stromversorgung bisher in der Forschung kaum beachtet. Das vorliegende Buch bietet eine umfassende Betrachtung der Elektrifizierung eines landwirtschaftlich geprägten Dorfes durch eine Genossenschaft. 1921 baute Großbardorf ein elektrisches Windrad, eine Batteriespeicheranlage und ein Inselstromnetz auf, statt sich an das Überlandwerk anzuschließen. Unter der Anwendung genossenschaftlicher Organisationsgrundsätze konnte die Anlage 16 Jahre lang betrieben werden. Die Gemeinde gewann auf ihrem Sonderweg eine früher funktionierende Versorgung sowie die Sicherung der lokalen Wertschöpfung und der Entscheidungshoheit über die Energieversorgung. Heute errichtet das Dorf wieder erneuerbare Energieanlagen und ist mit dem Titel "Bioenergiedorf" ausgezeichnet. Basierend auf den Erkenntnissen über das Scheitern eines dezentralen Versorgungssystems in den 1930er Jahren werden abschließend die Strukturwandlungsmöglichkeiten in der Energiewende kommentiert.

Autorentext
Ann-Morla Meyer, geb. 1988 in Berlin, wuchs in der Lüneburger Heide auf, wo sie sich bereits sehr früh für die Themen Energie und Klimaschutz engagierte. Aus diesem Grund entschied sie sich ein Studium der Regenerativen Energien an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin aufzunehmen. Nachdem sie sich ein Verständnis der technischen Grundlagen der Energieerzeugung angeeignet hatte, schloss sie ein Masterstudium der Technikgeschichte an der Technischen Universität Berlin an. Dort verstand sie, dass die gesellschaftlichen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Etablierung neuer Technologien entscheidend sind. Als Koordinatorin eines interdisziplinären Promotionskollegs im Bereich "Mikroenergie-Systeme" vertiefte sie ihre Kenntnisse im Bereich der dezentralen Energieversorgung. Als Tutorin an der Humboldt-Universität zu Berlin konzipierte sie eine Lehrveranstaltung samt Ergebnispräsentation auf Wikipedia und dem Jungen Kongress der Geographie zu diesem Thema. Die Ergebnisse der in diesem Buch veröffentlichten Studie wurden zusätzlich vor 100 EinwohnerInnen von Großbardorf und bei der Jahrestagung des Projektes Energiesysteme der Zukunft ESYS der Akademie der Technikwissenschaften acatech vorgestellt. Seit Juli 2016 arbeitet die Autorin als Projektmanagerin in der Abteilung Innovation von DIN e.V. in Berlin.

Leseprobe
Textprobe: Kapitel 3.2 Die Entwicklung der Elektrizitätsgenossenschaften: Es gab verschiedene rechtliche Formen, die bei gemeinschaftlicher Elektrifizierung im ländlichen Bereich in Frage kamen. Bedeutend waren die Genossenschaften, die in vielen landwirtschaftlich geprägten Dörfern schon etabliert waren, um bei geringem Vermögen der Einzelnen als Zusammenschluss die Teilhabe an technischen Neuerungen zu ermöglichen. Anders als zu der allgemeinen Entwicklung der Elektrizitätswirtschaft gibt es kaum technikhistorische Forschung zur Bedeutung der Elektrizitätsgenossenschaften bei der Etablierung einer Versorgungsstruktur für Elektrizität in Deutschland. Es folgt ein kurzer Einblick sowohl in die Entstehung von Elektrizitätsgenossenschaften als auch deren zahlenmäßiger Entwicklung über den Untersuchungszeitraum in Deutschland, Bayern und Unterfranken. Eine Genossenschaft ist ein "kollektiver Zusammenschluss zur wirtschaftlichen Selbsthilfe". Das Besondere, das sie von anderen kollektiven Wirtschaftsformen unterscheidet, ist, dass "jeder Genosse [sich] in persona, d. h. nicht nur mit finanziellen, sondern mit höchstpersönlichen Werten an ihr beteiligt". Das bedeutet unter anderem, dass "Gemeinschaftsarbeit mit den anderen Genossen" geleistet wird. Die landwirtschaftlichen Genossenschaften schlossen sich meist dem Genossenschaftsgedanken von Friedrich Wilhelm Raiffeisen an, der vor allem die kleinbäuerliche Landwirtschaft und das ländliche Handwerk im Blick hatte. Durch sein Wirken als Bürgermeister kannte er die Bedingungen in strukturschwachen, entlegenen Dörfern. Seine Arbeit war zudem religiös fundiert. Deshalb strebten Genossenschaften, die in seinem Sinne errichtet worden waren, nicht nur nach wirtschaftlichem Aufschwung, sondern auch dem Heben der geistigen und sittlichen Moral. Laut Schmidt war die starke Einbeziehung von Lehrern und Geistlichen in seinem Sinne. Lehrer und Pfarrer galten als "gebildete, sittliche und religiöse und mit den ländlichen Verhältnissen wohlvertraute Persönlichkeiten". Auch bei der ländlichen Elektrifizierung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts spielten Genossenschaften eine Rolle. Auf dem Land war man häufig kritisch gegenüber Beschlüssen aus dem Landratsamt oder den Gewinninteressen einer überregionalen Unternehmung. Außerdem wollte man sich das eigene Land nicht wegnehmen lassen, dass für die bäuerlichen Familien Lebensgrundlage bot. Grund und Boden zu besitzen war eine wichtige Voraussetzung für die Kapitalbeschaffung von genossenschaftlichen Vereinen nach dem Motto. Wer schon etwas hat, kann darauf aufbauen - oder diesen Besitz mit einer Bürgschaft belasten, um die Finanzierung von Projekten anzuschieben. Eine Bestandsaufnahme aus dem Jahr 1934 gibt Aufschluss darüber, wie bedeutend Elektrizitätsgenossenschaften im nationalen Kontext waren. Laut Statistik der Reichshauptabteilung III des Reichsnährstandes waren am "1. Hornung [Anm. d. Verf.: Februar] 1934" 40.929 landwirtschaftliche Genossenschaften eingetragen. Fast die Hälfte davon waren Spar- und Darlehenskassen, über 6.000 Molkereigenossenschaften und an dritter Stelle folgen rund 5.600 Elektrizitätsgenossenschaften. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Bedeutung der Elektrizitätsgenossenschaften allerdings soweit abgesunken, dass sie im Buch "Die Genossenschaft" von 1949 unter Sonstige Genossenschaften aufgeführt werden. Die Genossenschaften werden auch hier nicht als Betreiber von Elektrizitätswerken beschrieben, sondern als Leitungsbauer und -betreiber, die außerdem für den Bezug von Zählern und Motoren zuständig waren. Die umfassende Statistik über die Entwicklung von Energiegenossenschaften von den 1880er Jahren bis in die Jetztzeit von Holstenkamp et al. Bietet weiteres Zahlenmaterial. Die Studie spricht von einem Energiegenossenschaftsboom, der von den Nachkriegsjahren bis zum Ende der 1920er Jahre anhält. Rund 6.000 Elektrizitätsgenossenschaften gab es zu Höchstzeiten

Produktinformationen

Titel: Dezentrale erneuerbare Energien damals und heute. Genossenschaftliche Elektrifizierung in den 1920er Jahren am Beispiel von Großbardorf
Autor:
EAN: 9783959349857
ISBN: 978-3-95934-985-7
Format: Kartonierter Einband
Herausgeber: Diplomica Verlag GmbH
Genre: Elektrotechnik
Anzahl Seiten: 124
Gewicht: 205g
Größe: H223mm x B162mm x T10mm
Jahr: 2016

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