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Dezentrale erneuerbare Energien damals und heute. Genossenschaftliche Elektrifizierung in den 1920er Jahren am Beispiel von Großbardorf
Ann-Morla Meyer

In den 1920er Jahren partizipierten viele BürgerInnen in Energiegenossenschaften, um die Elektrifizierung in Deutschland voranzubr... Weiterlesen
Kartonierter Einband (Kt), 124 Seiten  Weitere Informationen
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Beschreibung

In den 1920er Jahren partizipierten viele BürgerInnen in Energiegenossenschaften, um die Elektrifizierung in Deutschland voranzubringen. Obwohl es zeitweise über 6.000 Elektrizitätsgenossenschaften gab, wurde die historische dezentrale Stromversorgung bisher in der Forschung kaum beachtet. Das vorliegende Buch bietet eine umfassende Betrachtung der Elektrifizierung eines landwirtschaftlich geprägten Dorfes durch eine Genossenschaft. 1921 baute Großbardorf ein elektrisches Windrad, eine Batteriespeicheranlage und ein Inselstromnetz auf, statt sich an das Überlandwerk anzuschließen. Unter der Anwendung genossenschaftlicher Organisationsgrundsätze konnte die Anlage 16 Jahre lang betrieben werden. Die Gemeinde gewann auf ihrem Sonderweg eine früher funktionierende Versorgung sowie die Sicherung der lokalen Wertschöpfung und der Entscheidungshoheit über die Energieversorgung. Heute errichtet das Dorf wieder erneuerbare Energieanlagen und ist mit dem Titel "Bioenergiedorf" ausgezeichnet. Basierend auf den Erkenntnissen über das Scheitern eines dezentralen Versorgungssystems in den 1930er Jahren werden abschließend die Strukturwandlungsmöglichkeiten in der Energiewende kommentiert.

Leseprobe
Textprobe: Kapitel 3.2 Die Entwicklung der Elektrizitätsgenossenschaften: Es gab verschiedene rechtliche Formen, die bei gemeinschaftlicher Elektrifizierung im ländlichen Bereich in Frage kamen. Bedeutend waren die Genossenschaften, die in vielen landwirtschaftlich geprägten Dörfern schon etabliert waren, um bei geringem Vermögen der Einzelnen als Zusammenschluss die Teilhabe an technischen Neuerungen zu ermöglichen. Anders als zu der allgemeinen Entwicklung der Elektrizitätswirtschaft gibt es kaum technikhistorische Forschung zur Bedeutung der Elektrizitätsgenossenschaften bei der Etablierung einer Versorgungsstruktur für Elektrizität in Deutschland. Es folgt ein kurzer Einblick sowohl in die Entstehung von Elektrizitätsgenossenschaften als auch deren zahlenmäßiger Entwicklung über den Untersuchungszeitraum in Deutschland, Bayern und Unterfranken. Eine Genossenschaft ist ein "kollektiver Zusammenschluss zur wirtschaftlichen Selbsthilfe". Das Besondere, das sie von anderen kollektiven Wirtschaftsformen unterscheidet, ist, dass "jeder Genosse [sich] in persona, d. h. nicht nur mit finanziellen, sondern mit höchstpersönlichen Werten an ihr beteiligt". Das bedeutet unter anderem, dass "Gemeinschaftsarbeit mit den anderen Genossen" geleistet wird. Die landwirtschaftlichen Genossenschaften schlossen sich meist dem Genossenschaftsgedanken von Friedrich Wilhelm Raiffeisen an, der vor allem die kleinbäuerliche Landwirtschaft und das ländliche Handwerk im Blick hatte. Durch sein Wirken als Bürgermeister kannte er die Bedingungen in strukturschwachen, entlegenen Dörfern. Seine Arbeit war zudem religiös fundiert. Deshalb strebten Genossenschaften, die in seinem Sinne errichtet worden waren, nicht nur nach wirtschaftlichem Aufschwung, sondern auch dem Heben der geistigen und sittlichen Moral. Laut Schmidt war die starke Einbeziehung von Lehrern und Geistlichen in seinem Sinne. Lehrer und Pfarrer galten als "gebildete, sittliche und religiöse und mit den ländlichen Verhältnissen wohlvertraute Persönlichkeiten". Auch bei der ländlichen Elektrifizierung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts spielten Genossenschaften eine Rolle. Auf dem Land war man häufig kritisch gegenüber Beschlüssen aus dem Landratsamt oder den Gewinninteressen einer überregionalen Unternehmung. Außerdem wollte man sich das eigene Land nicht wegnehmen lassen, dass für die bäuerlichen Familien Lebensgrundlage bot. Grund und Boden zu besitzen war eine wichtige Voraussetzung für die Kapitalbeschaffung von genossenschaftlichen Vereinen nach dem Motto. Wer schon etwas hat, kann darauf aufbauen - oder diesen Besitz mit einer Bürgschaft belasten, um die Finanzierung von Projekten anzuschieben. Eine Bestandsaufnahme aus dem Jahr 1934 gibt Aufschluss darüber, wie bedeutend Elektrizitätsgenossenschaften im nationalen Kontext waren. Laut Statistik der Reichshauptabteilung III des Reichsnährstandes waren am "1. Hornung [Anm. d. Verf.: Februar] 1934" 40.929 landwirtschaftliche Genossenschaften eingetragen. Fast die Hälfte davon waren Spar- und Darlehenskassen, über 6.000 Molkereigenossenschaften und an dritter Stelle folgen rund 5.600 Elektrizitätsgenossenschaften. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Bedeutung der Elektrizitätsgenossenschaften allerdings soweit abgesunken, dass sie im Buch "Die Genossenschaft" von 1949 unter Sonstige Genossenschaften aufgeführt werden. Die Genossenschaften werden auch hier nicht als Betreiber von Elektrizitätswerken beschrieben, sondern als Leitungsbauer und -betreiber, die außerdem für den Bezug von Zählern und Motoren zuständig waren. Die umfassende Statistik über die Entwicklung von Energiegenossenschaften von den 1880er Jahren bis in die Jetztzeit von Holstenkamp et al. Bietet weiteres Zahlenmaterial. Die Studie spricht von einem Energiegenossenschaftsboom, der von den Nachkriegsjahren bis zum Ende der 1920er Jahre anhält. Rund 6.000 Elektrizitätsgenossenschaften gab es zu Höchstzeiten

Produktinformationen

Titel: Dezentrale erneuerbare Energien damals und heute. Genossenschaftliche Elektrifizierung in den 1920er Jahren am Beispiel von Großbardorf
Autor: Ann-Morla Meyer
EAN: 9783959349857
ISBN: 978-3-95934-985-7
Format: Kartonierter Einband (Kt)
Herausgeber: Diplomica Verlag GmbH
Genre: Wärme- und Energietechnik
Anzahl Seiten: 124
Gewicht: 205g
Größe: H223mm x B162mm x T10mm
Jahr: 2016

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