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Grenzpolitik der Experten

  • Kartonierter Einband
  • 242 Seiten
Kategoriale Grenzkonstruktionen wie gesund/krank oder Leben/Tod dienen der Orientierung und Entscheidungsentlastung in der Medizin... Weiterlesen
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Beschreibung

Kategoriale Grenzkonstruktionen wie gesund/krank oder Leben/Tod dienen der Orientierung und Entscheidungsentlastung in der Medizin. Nun ergeben sich nicht zuletzt im Zuge des biowissenschaftlichen Fortschritts Überforderungen dieser institutionalisierten Entscheidungskonventionen und damit neuartige Entscheidungs- und Gestaltungszwänge.

Autorentext

Alexander Bogner, geb. 1969, arbeitet am Institut für Technikfolgen-Abschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Arbeitsschwerpunkte: Wissenschafts- und Technikforschung, Methoden empirischer Sozialforschung. Veröffentlichungen: »Kritik der Life-Politics - zum Grenzziehungsdiskurs der Humangenetik«, in: Österreichische Zeitschrift für Soziologie 29, 2004; »Bioethical Controversies and Policy Advice - The Production of Ethical Expertise and its Role for the Substantiating of Political Decision Making«, in: Peter Weingart/Sabine Maasen: Democratization of Expertise? Exploring Novel Forms of Scientific Advice in Political Decision-Making, Sociology of Sciences Vol. 24, Dordrecht: Kluwer, 2005 (zus. mit W. Menz).



Klappentext

Die Bemühungen um eine Neubestimmung von Unterscheidungen wie gesund und krank oder Leben und Tod lassen sich als notwendige Reaktion auf neue Uneindeutigkeiten verstehen. Grenzpolitik der Experten ist daher nicht einfach gleichbedeutend mit strategi-scher Rhetorik zur Durchsetzung wissenschaftlicher Autonomieansprüche; sie ist vielmehr Ausdruck einer Suche nach Neuorientierungen jenseits überkommener Leitdifferenzen und Unterscheidungen. Für die Wissenschaftsforschung sind gerade die den konkreten Grenzarbeiten zugrunde liegenden Rationalitäten und Orientierungen von Interesse. Im vorliegenden Buch wird am Beispiel pränataler Diagnostik und Beratung gezeigt, dass die Grenzpolitik der Experten maßgeblich durch den impliziten Rekurs auf gesellschaftliche Leitwerte und Normalitäts-vorstellungen strukturiert ist. Diese enge Kopplung von expertiellen Handlungsorientie-rungen und gesellschaftlichen Leitwerten, so die These, erweist sich gerade in jenen Grenzfällen, wo das für die moderne Medizin konstitutive Kategoriensystem an interpreta-tiver Kraft verliert, als funktional für die Legitimation professioneller Autorität. Sie trägt dazu bei, die Zuständigkeit der klinischen Pränataldiagnostik für uneindeutige, den medi-zinischen Code transzendierende Phänomene zu plausibilisieren. Tatsächlich werden die Experten in vielen Fällen mit Phänomenen konfrontiert (wie zum Beispiel genetischen Anomalien und Behinderungen), die heute nicht mehr ohne weiteres einem medizinischen Deutungs- und Relevanzrahmen subsumierbar sind; traditionelle Entscheidungs- und (Be-)Handlungsroutinen werden in der Folge diskursiv aufgebrochen. Dies hat Folgen für die genetische Beratung. Die Konfrontation der Experten mit Unge-wissheit und Nichtwissen resultiert in der Aufwertung eines wertneutralen und klienten-zentrierten Beratungsideals und damit zentraler Leitwerte wie Autonomie und individuelle Entscheidungsfreiheit. Das heißt, nicht zuletzt in Abgrenzung zu eugenischen Praktiken werden für die moderne Humangenetik das Individuum und die individuellen Wertvorstel-lungen zum maßgeblichen Bezugspunkt professionellen Handelns. Diese Aufwertung der Laienposition lässt sich nun leicht als ein Indiz für die Herausbildung eines reflexiven Expertentyps lesen. Die vorliegende Analyse geht jedoch in eine andere Richtung. Mit Blick auf die den konkreten Entscheidungsprozessen zugrunde liegenden Rationalitäten und Relevanzsetzungen wird argumentiert, dass eine solche Entstaatlichung und Individua-lisierung der Biopolitik (Life-Politics) nicht gleichbedeutend ist mit einer reflexiven Praxis. Reflexivität im normativen Sinn, so das abschließende Plädoyer, hätte eine Institu-tionalisierung von alternativen Wissensformen und Rationalitäten zur Voraussetzung.



Inhalt

Vorbemerkung Einleitung 1. Problemhorizont und Themenwahl 2. Theoretische Prämissen und Fragestellungen 3. Gliederung der Arbeit A UNSICHERHEIT, RISIKO, NICHTWISSEN: THEORETISCHE BEZUGSPUNKTE DER INTERPRETATION I. Soziologie der Humangenetik 1. Subjektivierung und Selbstsorge: Anknüpfungen an Foucault 2. 'Boundary-work': die wissenschaftssoziologische Perspektive 3. Reflexive Experten: die professionssoziologische Perspektive 4. Strategische Diskurse: die risikosoziologische Perspektive II. Soziologie der Unsicherheit 1. Die soziologische Aneignung des Risikos 2. Dimensionen risikogesellschaftlicher Enttraditionalisierung 3. Historische und systematische Bestimmungen des Risikos 4. Grenzen der Rationalität 5. Soziologie der Unsicherheit als Vernunftkritik III. Modernisierung und Institutionenkrise 1. Modernisierung als Selbstaufklärung der Moderne 2. Luhmann und die 'zweite' Moderne 3. Reizbegriff Reflexivität 4. Grenzkonstruktionen: die wissenssoziologische Perspektive IV. Soziologie des Nichtwissens 1. Nichtwissen in der Wissensgesellschaft 2. Nichtwissen und Reflexivität: die modernisierungskritische Perspektive 3. Nichtwissen und der 'unmarked space': die konstruktivistische Perspektive B DAS EXPERTENINTERVIEW: METHODOLOGISCHE UND METHODISCHE ÜBERLEGUNGEN ZUR DATENPRODUKTION I. Das Experteninterview als Instrument der Theoriegenerierung 1. Experteninterviews - zwischen qualitativem und quantitativem Paradigma 2. Wer ist ein Experte? 3. Interaktionskonstellationen im Experteninterview II. Experteninterviews in der Praxis 1. 'Na, wenn Sie schon mal da sind': Der dornige Weg zu den Daten 2. 'Sie sind ja eh intelligent': Interaktionssituationen III. Theoretische und praktische Grundlagen der Auswertung 1. Sagen die Experten die Wahrheit? 2. Forschungslogik und Methodik datenbasierter Theorie 3. Zum Auswertungsverfahren C GRENZPOLITIK DER EXPERTEN: EINE EMPIRISCHE REKONSTRUKTION EXPERTIELLER ENTSCHEIDUNGEN UND HANDLUNGSORIENTIERUNGEN IN DER PRÄNATALDIAGNOSTIK I. Präliminarien: Ungewissheit, Nichtwissen und Definitionsmacht 1. Grenzen des medizinischen Kategoriensystems 2. Eine Typologie des Nichtwissens 3. Professionelle Autorität, Definitions- und Gestaltungsmacht II. Humangenetik und Eugenik - zur Grenzarbeit der Experten 1. Wissenschaftliche Rationalität und politische Utopie 2. Wissen und Werte 3. Kollektivismus und Individualismus 4. Exkurs: Die Diskursivierung von Behinderung III. Die Verwissenschaftlichung der Expertenpraxis 1. Die Antiquiertheit der Altersindikation 2. Die Universalisierung des Risikos und neue Rationalitätsansprüche 3. Reine Wissenschaft? IV. Der Funktionswandel von Experte und Expertenwissen 1. Beratung und die Konstitution von Bedeutung 2. Der Experte als 'Informator' 3. Expertenwissen und Entscheiden 4. Exkurs: Die Konstruktion von Gewissheitsäquivalenten V. Gestaltungszwänge und Grenzziehungen - zur kulturellen Prägung professioneller Handlungsorientierungen 1. Sex-Selection: Gesellschaftliche Diskurse und Expertenhandeln 2. Spätabtreibungen: Die pränatale Grenze zwischen Leben und Tod 3. Klinikkultur: Die Expertenpolitik der Moral 4. Die Pluralisierung der Leben/Tod-Unterscheidung 5. Exkurs: Verrechtlichung und Definitionsmacht RESÜMEE 1. Professionelle Handlungsorientierungen und gesellschaftliche Leitwerte 2. Reflexive Experten? 3. Kritik der Life-Politics ANHANG Transkriptionsregeln Glossar LITERATUR

Produktinformationen

Titel: Grenzpolitik der Experten
Untertitel: Vom Umgang mit Ungewissheit und Nichtwissen in pränataler Diagnostik und Beratung
Autor:
EAN: 9783938808054
ISBN: 978-3-938808-05-4
Format: Kartonierter Einband
Herausgeber: Velbrueck GmbH
Genre: Ganzheitsmedizin
Anzahl Seiten: 242
Gewicht: 386g
Größe: H225mm x B141mm x T22mm
Jahr: 2005
Auflage: 1. Aufl. 09.11.2005
Land: DE
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