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Intellektuelle in der Opposition

  • Kartonierter Einband
  • 169 Seiten
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Campus Forschung Der Begriff der Zivilgesellschaft verdankt seine Wiederentdeckung unter anderem den friedlichen Revolutionen in O... Weiterlesen
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Beschreibung

Campus Forschung Der Begriff der Zivilgesellschaft verdankt seine Wiederentdeckung unter anderem den friedlichen Revolutionen in Ostmitteleuropa. Am Beispiel Polens rekonstruiert Agnes Arndt die Zivilgesellschaftskonzepte prominenter Oppositioneller. Dabei zeigt sie nicht nur die Charakteristika des polnischen Zivilgesellschaftsdiskurses, sondern beleuchtet auch den tatsächlichen Stellenwert des Konzepts für die polnische Opposition. Sie leistet damit einen wichtigen Beitrag sowohl zu den aktuellen Debatten über Zivilgesellschaft als auch zum Verständnis des Umbruchs in Polen.

Vorwort
Campus Forschung

Autorentext
Agnes Arndt ist Historikerin und war wissenschaftliche Mitarbeiterin am Wissenschaftszentrum für Sozialforschung. Zurzeit ist sie Doktorandin an der FU Berlin.

Leseprobe
Der friedliche Systemwechsel in Ostmitteleuropa gehört zu den zentralsten Erfahrungen des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Zu den stärksten Bildern, die wir mit dieser Erfahrung verbinden, gehören die der streikenden polnischen Arbeiter und der sie beratenden Intellektuellen. Diese am Runden Tisch mit der kommunistischen Regierung verhandelnden Experten, wie Bronis?aw Geremek, Tadeusz Mazowiecki und Adam Michnik, gelten vielen von uns noch immer als Repräsentanten dessen, was seitdem als "Renaissance der Zivilgesellschaft in Ostmitteleuropa" Eingang in politische Debatten und wissenschaftliche Auseinandersetzungen fand. Doch nicht nur die Pointe des Witzes, der seit einiger Zeit in der polnischen Hauptstadt kursiert und der über Zivilgesellschaft sagt, es handele sich dabei ungefähr um das gleiche Phänomen wie den Rasen vor dem Buckingham Palace - "es ist sehr einfach ihn zu kultivieren, man muss nur gießen und mähen, gießen und mähen, so mehr oder minder zweihundert Jahre lang" - wirft auf die bislang übliche Lesart der Ereignisse in Ostmitteleuropa ein anderes Licht. Denn was hierzulande teilweise euphorisch als die Wiederkehr eines lange verschütteten Terminus gefeiert und in neue demokratietheoretische Überlegungen überführt worden ist , hat ein Zeitzeuge des Systemwechsels in Polen kürzlich eher nüchtern paraphrasiert. Die Solidarno?? - so Leszek Koczanowicz in der Gazeta Wyborcza - habe zwar "durch die Einführung ethischer Wertmaßstäbe" in das politische und gesellschaftliche Leben "einen neuen politischen Raum" entwickelt, den man jedoch lediglich "aufgrund des Mangels an besseren Bezeichnungen spo?ecze?stwo obywatelskie (deutsch: Zivilgesellschaft) nannte." Und Jacek Kuro?, einer der Köpfe der demokratischen Opposition in Polen, beklagte bereits Mitte der neunziger Jahre, dass gesellschaftliche Partizipation in seinem Land immer noch in den Kategorien des "Wir" und "Sie" anstatt in der Sprache der Zivilgesellschaft ausgetragen würde. Die Selbstkritik der historischen Akteure begleitet eine nicht minder kritische Bewertung derjenigen, die das Konzept Zivilgesellschaft als historische Kategorie in Zweifel ziehen und als sozialwissenschaftliches Analyseinstrument ablehnen. Arbeiten, die den Begriff Zivilgesellschaft im Titel führen, stehen daher aus mindestens vier Gründen unter einem besonderen Rechtfertigungsdruck. Sie orientieren sich erstens an einer Forschungsthese, die sich mit den historischen Erfahrungen und zeitgenössischen Bewertungen der Adressaten dieser These offenbar nur zum Teil deckt. Sie wecken zweitens den Verdacht der unreflektierten Nutzung eines als Modebegriff apostrophierten Schlagworts des zeitgenössischen Sprachgebrauchs. Sie setzen sich drittens dem Vorwurf aus, wissenschaftspolitischen Trends zu folgen und sich des Begriffes unter lediglich pragmatischen Gesichtspunkten zu bedienen. Und sie stehen viertens in der Pflicht, den Beweis der Operationalisierbarkeit sowie des forschungsrelevanten Mehrwertes eines Konzeptes zu erbringen, das in den Augen seiner Kritiker längst der analytischen Unbrauchbarkeit überführt worden ist. Trotz der mittlerweile unbestreitbaren Leistungen derjenigen Forschungsansätze, die beispielsweise durch die konsequente Historisierung des Begriffes zu seiner Präzisierung beigetragen und sein Profil als historische Kategorie geschärft haben , gehört das Konzept der Zivilgesellschaft augenblicklich zu einem der oszillierendsten aber auch umstrittensten Bestandteile der wissenschaftlichen Terminologie und der politisch-sozialen Sprache in Europa und den USA. Ziel der folgenden Arbeit ist es, den Begriff Zivilgesellschaft an einem der Orte aufzusuchen, an dem er - folgt man der internationalen Forschungsliteratur zum Thema - seine Wirkungskraft entfaltet und seinen erfolgversprechenden Charakter verwirklicht hat. Am Beispiel der Volksrepublik Polen zwischen 1968 und 1989 soll der Prozess der Konzeptionalisierung von Zivilgesellschaft dargestellt, die Bedingungen, Voraussetzungen und Stationen dieses Prozesses aufgezeigt, seine Rolle bei der friedlichen Revolution von 1989 ausgelotet und folgende Fragen beantwortet werden: War Zivilgesellschaft ein Leitbegriff des oppositionellen Gedankenguts im kommunistischen Polen? Und wenn ja, welche intellektuellen Quellen und Ressourcen, welche ideengeschichtlichen Traditionen und welche transnationalen Bezüge fanden Eingang in die Konzeptionalisierung von Zivilgesellschaft in Polen? Mit welchen Chiffren und semantischen Umschreibungen und unter Verwendung welcher moralisch-ethischer Handlungsimperative wurde Zivilgesellschaft definiert? Welche Rolle spielten Religion und politische Kultur? Und an welche Grenzen stieß beziehungsweise zwischen welchen Parametern (Staat - Markt - Gesellschaft) bewegte sich das polnische Verständnis von Zivilgesellschaft? Die Untersuchung leitet die übergeordnete Frage, ob dem Begriff Zivilgesellschaft im oppositionellen Diskurs polnischer Intellektueller tatsächlich der Stellenwert zukam, der ihm in der westeuropäischen und amerikanischen Forschungsliteratur der vergangenen 15 Jahre unterstellt worden ist. Die Beantwortung dieser Frage ist nicht nur das zentrale Anliegen, sondern auch das bestimmende Element des Zuschnitts dieser Arbeit. Denn obwohl die Gesamtheit der oppositionellen Diskurse in der Volksrepublik Polen ein ebenso unerforschtes wie interessantes Untersuchungsobjekt wäre, liegt der Fokus der vorliegenden Studie nur auf einem ihrer Teilaspekte: den Diskursen zur Zivilgesellschaft und denjenigen Akteuren, die rückblickend in der historischen und sozialwissenschaftlichen Forschung wohl mit am häufigsten mit diesen Diskursen assoziiert worden sind. Im Zentrum der Untersuchung steht deshalb das intellektuelle, in untergeordneter Hinsicht auch das politische Wirken dreier Männer: des Mediävisten und ehemaligen Außenministers Bronis?aw Geremek, des Juristen und ersten demokratisch gewählten Premierministers Tadeusz Mazowiecki und des Historikers, Publizisten und Chefredakteurs der Gazeta Wyborcza Adam Michnik.

Inhalt
Inhalt Vorwort von Jürgen Kocka9 1. Einleitung13 1.1 Thema, Fragestellung und Aufbau13 1.2 Forschungsstand und Quellen21 1.3 Begriffe und Methoden27 2. Diskurs und Praxis - Gesellschaft als Thema und Ort intellektueller Auseinandersetzung in der Volksrepublik Polen32 2.1 Intellektuelle und Gesellschaft in Polen: eine Standortbestimmung32 2.2 Bronis?aw Geremek, Tadeusz Mazowiecki, Adam Michnik: eine Auswahl37 3. Chronologie und Kontextualisierung - Phasen, Hintergründe und Entwicklung demokratischer Opposition und zivilgesellschaftlichen Ideenguts im sozialistischen Polen45 3.1 Ende des Revisionismus (1968-1974) 47 3.2 Programmatische Formierung (1975-80)50 3.3 Konzentration und Konsolidierung (1981-89)55 4. Sprache und Politik - Konzeptionen von Zivilgesellschaft im oppositionellen Diskurs polnischer Intellektueller59 4.1 Schlüsselbegriffe und Definitionen: Gesellschaft, Subjekthaftigkeit, Evolutionismus59 4.2 Leitfragen und Achsenthemen: Demokratie, Sozialismus, Totalitarismus75 4.3 Affinitäten und Differenzen: "My, spo?ecze?stwo" - "oni, wladza" oder "mit der Kirche gegen den Staat"82 4.4 Traditionslinien und Transferleistungen: historischer Erfahrungshorizont und zeitgenössische Interpretationen89 5. Die Renaissance der Zivilgesellschaft - revisited100 5.1 Neuentdeckung oder Wiedergeburt? Der Begriff der Zivilgesellschaft in der Volksrepublik Polen100 5.2 Kooperation oder Kulturimport? Die Renaissance der Zivilgesellschaft in transnationaler Perspektive121 6.Zusammenfassung und Ausblick137 7.Quellen und Literatur148 8.Dank168

Produktinformationen

Titel: Intellektuelle in der Opposition
Untertitel: Diskurse zur Zivilgesellschaft in der Volksrepublik Polen
Autor:
Schöpfer:
EAN: 9783593383262
ISBN: 978-3-593-38326-2
Format: Kartonierter Einband
Herausgeber: Campus Verlag GmbH
Genre: 20. Jahrhundert (bis 1945)
Anzahl Seiten: 169
Gewicht: 246g
Größe: H216mm x B139mm x T17mm
Jahr: 2007
Auflage: 1. Aufl. 06.2007

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