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Absolutismus, ein unersetzliches Forschungskonzept? L'absolutisme, un concept irremplaçable?

  • Fester Einband
  • 240 Seiten
Die Frühe Neuzeit kannte eine Vielzahl von Diskursen, Performanzen und Repräsentationen, die auf eine Überhöhung des Monarchen abz... Weiterlesen
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Beschreibung

Die Frühe Neuzeit kannte eine Vielzahl von Diskursen, Performanzen und Repräsentationen, die auf eine Überhöhung des Monarchen abzielten, ohne sich jedoch zu einer kohärenten Gesamtheit zusammenzufügen. Ist das umfassende Forschungskonzept "Absolutismus" diesem heterogenen Befund angemessen? Die Beiträge gehen dieser Frage im Wesentlichen anhand von französischen Beispielen nach. Sie sehen Absolutismus dabei im Sinne neuerer kulturhistorischer Ansätze nicht als "objektive" Gegebenheit oder real existierende gesellschaftliche Struktur, sondern als frühneuzeitliche Konstruktion, als sozial und kulturell konstruierte Vorstellungswelt, in der Einflussmöglichkeiten und Herrschaftsansprüche zu allererst symbolisch repräsentiert wurden.

Zusammenfassung
"Schillings Band steht als einem wichtigen Beitrag zur Erforschung von Staatsbildungsprozessen große Aufmerksamkeit zu. Die weitere Forschungsdiskussion zum Absolutismus, die angesichts der Plädoyers zur Abschaffung des Begriffs nichts auf sich warten lassen wird, kann und sollte auf ihm aufbauen. In der Lehre lässt sich der Band gut einsetzen. 'Absolutismus, ein unersetzliches Forschungskonzept? - L'absolutisme, un concept irremplaçable?' darf in keiner Bereichsbibliothek und keinem einschlägigen Semesterapparat fehlen." Johannes Dillinger, sehepunkte 07/2009

Leseprobe
HOF UND ABSOLUTISMUS (S. 143) Was bleibt von Norbert Elias Theorie? Voyez-vous, avec l homme à qui j ai affaire (c était le Roi), il faut que je me mette bas, bas, bas comme cela (montrant de la main), pour m élever haut après1. Wenn man dem Duc de Saint-Simon vertrauen will, dem üblichen Kronzeugen aller klassischen Interpretationen des französischen Hofes unter Ludwig XIV., so waren es diese gestikulierenden Worte, mit denen der Oberkammerherr Duc de Gesvres ihm 1699 sein Amtsverständnis als einer der ranghöchsten und königsnächsten Hofwürdenträger erläuterte. Freilich ist jenes "wenn" kein kleines Wort bei einem Autor wie diesem, der so großartig deutlich auf der Basis persönlicher Antipathien schrieb und der gerade hier hinreichenden Grund dafür hatte, die entsprechenden Passagen mit Noirceur étrange du duc de Gesvres zu überschreiben. Saint-Simon hatte Gesvres darum gebeten, sich bei der Huldigung des Herzogs von Lothringen vor Ludwig XIV. von seinem Sohn vertreten zu lassen, damit nicht aus der Tatsache, daß der Lothringer Hut, Degen und Handschuhe in die Hand eines Oberkammerherren von herzoglichem Range geben werde, später ein zeremonieller Präzedenzfall zugunsten der in Versailles etablierten Lothringer Prinzen und zum Nachteil der französischen Herzöge gemacht werden könne. Gesvres erklärte ihm zuerst mit den zitierten Worten die Schwierigkeiten einer solchen Verweigerung, machte ihm aber damit auch Hoffnung, er werde sich tatsächlich absentieren können. Gleich darauf berichtete er jedoch dem Herrscher und allen mächtigen Verwandten des Lothringers spottend von Saint-Simons Ansinnen, ironisierte den petit duc als lächerlichen jugendlichen Unruhestifter und übernahm, obwohl der König das nach Intervention weiterer Herzöge gar nicht mehr verlangte, den Dienst auch während der Huldigungszeremonie, um dem Monarchen zu beweisen, wie sein treuer Diener selbst die kollektiven Ranginteressen seiner Standesgenossen dem reibungslosen Ablauf eines international sichtbaren Zeremonialaktes unterzuordnen bereit war, fünf Wochen später wurde ihm für seine unverheiratete Tochter eine jährliche Pension von 2000 écus verliehen. Überspringen wir, wie Saint-Simon charakteristischerweise über eine Hofchargeninhaberin von seinem Unglück erfuhr, wie er drei weitere verwandte und befreundete Hofchargeninhaber noch rechtzeitig mit Richtigstellungen beauftragen konnte, um Schlimmeres zu verhüten, oder wie er darauf verzichtete, sich bei der ebenfalls wütenden, aber als oiseau de passage3 für seine Karriere unwesentlichen Herzogin von Lothringen entschuldigen zu lassen. Überspringen wir selbst die schönen Zeremonialargumente und Präzedenzfälle aus dem 15. Jahrhundert, mit denen sich Saint-Simon später die Hut-, Handschuh- und Degen-Dienstleistung eines duc pair am Lothringer als hochmütig-überlegenes Entreißen der Herrschaftsinsignien schönredete, und kehren wir zum eingangs angeführten Zitat zurück, dessen Problematik nunmehr sichtbar genug geworden sein dürfte. Ob Gesvres wirklich ein Mann von so entschieden serviler Gesinnung gewesen sei, wird sich kaum ermitteln lassen und muß hier auch gewiß am wenigsten interessieren. Ganz unabhängig davon erscheint das Zitat geeignet, in diesen Aufsatz einzuführen, ist es hier doch ausgerechnet der polemische Kronzeuge der Theorie vom entmachteten Adel selber, der den Weg zu einer nuancierteren Interpretation weist. Wenn Saint-Simon mit dem Zusatz "en cela, il n avait pas tort" seinem ärgsten Widersacher, dem verachteten und beneideten Gegner ein Bild höfischer Interaktion in den Mund legen konnte, in dem der hohe Adel am Ende aller symbolischen Unterordnung doch wieder ganz oben stand.

Inhalt

Der Absolutismus in der deutschen und französischen Forschung L'absolutisme dans les historiographies allemande et française Lothar Schilling: Vom Nutzen und Nachteil eines Mythos Fanny Cossandey: L'absolutisme: un concept irremplacé Der Absolutismus als Diskurs - L'absolutisme comme discours Albert Rigaudière: Jean Juvénal des Ursins. Précurseur de l'absolutisme Denis Crouzet: Langages de l'absoluité royale (1560-1576) Der Widerspenstigen Zähmung? Absolutismus, Hof und Adel La domestication des rebelles? Absolutisme, cour et noblesse Leonard Horowski: Hof und Absolutismus. Was bleibt von Norbert Elias' Theorie? Gerrit Walther: Protest als schöne Pose, Gehorsam als "event". Zur Formation des ludovizianischen Absolutismus aus dem Geiste der Fronde Jenseits des Absolutismus? Au-delà de l'absolutisme? Armelle Lefebvre: Sémantiques absolutistes et comparatisme des discours politiques. Essai métahistorique de définition de l'absolutisme Achim Landwehr: Absolutismus oder "gute Policey". Anmerkungen zu einem Epochenkonzept Wolfgang Reinhard: Zusammenfassende Schlußüberlegungen

Produktinformationen

Titel: Absolutismus, ein unersetzliches Forschungskonzept? L'absolutisme, un concept irremplaçable?
Untertitel: Eine deutsch-französische Bilanz. Une mise au point franco-allemande
Editor:
EAN: 9783486580952
ISBN: 978-3-486-58095-2
Format: Fester Einband
Herausgeber: De Gruyter Oldenbourg
Genre: Neuzeit bis 1918
Anzahl Seiten: 240
Gewicht: 459g
Größe: H224mm x B142mm x T19mm
Jahr: 2008
Land: DE

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