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Technologien der Seele

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Beschreibung

Russlands Politik gegen innere und äußere "Feinde" hält die Welt in Atem. "Wir brauchen Filme, Bücher, Ausstellungen, Videospiele, patriotisches Internet, Radio, Fernsehen. Wir müssen einen Gegenangriff starten in diesem Krieg um die Seelen", hieß es im Januar 2015 auf einer kremlnahen Website. Polittechnologen und Medienschaffende, Künstler und Schriftsteller arbeiten daran, Russland seine Größe, den Bürgern ihren Nationalstolz zurückzugeben. Welcher Mechanismen bedienen sie sich? Wo wächst Widerstand gegen ihre Manipulationen? Innenansichten einer Gesellschaft, die ihren Nachbarn immer rätselhafter wird.

Ulrich Schmid, geboren 1965, lehrt Kultur und Geschichte Russlands in St. Gallen und ist Mitarbeiter der Neuen Zürcher Zeitung. 2010 erschien seine Kurzbiographie Lew Tolstoi .


Russlands Politik gegen innere und äußere »Feinde« hält die Welt in Atem. »Wir brauchen Filme, Bücher, Ausstellungen, Videospiele, patriotisches Internet, Radio, Fernsehen. Wir müssen einen Gegenangriff starten in diesem Krieg um die Seelen«, hieß es im Januar 2015 auf einer kremlnahen Website. Polittechnologen und Medienschaffende, Künstler und Schriftsteller arbeiten daran, Russland seine Größe, den Bürgern ihren Nationalstolz zurückzugeben. Welcher Mechanismen bedienen sie sich? Wo wächst Widerstand gegen ihre Manipulationen? Innenansichten einer Gesellschaft, die ihren Nachbarn immer rätselhafter wird.

<p>Ulrich Schmid, geboren 1965, lehrt Kultur und Geschichte Russlands in St. Gallen und ist Mitarbeiter der Neuen Zürcher Zeitung. 2010 erschien seine Kurzbiographie <em>Lew Tolstoi</em>.</p>

Autorentext

Ulrich Schmid, geboren 1965, lehrt Kultur und Geschichte Russlands in St. Gallen und ist Mitarbeiter der Neuen Zürcher Zeitung. 2010 erschien seine Kurzbiographie Lew Tolstoi.



Klappentext

Russlands Politik gegen innere und äußere »Feinde« hält die Welt in Atem. »Wir brauchen Filme, Bücher, Ausstellungen, Videospiele, patriotisches Internet, Radio, Fernsehen. Wir müssen einen Gegenangriff starten in diesem Krieg um die Seelen«, hieß es im Januar 2015 auf einer kremlnahen Website. Polittechnologen und Medienschaffende, Künstler und Schriftsteller arbeiten daran, Russland seine Größe, den Bürgern ihren Nationalstolz zurückzugeben. Welcher Mechanismen bedienen sie sich? Wo wächst Widerstand gegen ihre Manipulationen? Innenansichten einer Gesellschaft, die ihren Nachbarn immer rätselhafter wird.



Zusammenfassung
Russlands Politik gegen innere und äußere »Feinde« hält die Welt in Atem. »Wir brauchen Filme, Bücher, Ausstellungen, Videospiele, patriotisches Internet, Radio, Fernsehen. Wir müssen einen Gegenangriff starten in diesem Krieg um die Seelen«, hieß es im Januar 2015 auf einer kremlnahen Website. Polittechnologen und Medienschaffende, Künstler und Schriftsteller arbeiten daran, Russland seine Größe, den Bürgern ihren Nationalstolz zurückzugeben. Welcher Mechanismen bedienen sie sich? Wo wächst Widerstand gegen ihre Manipulationen? Innenansichten einer Gesellschaft, die ihren Nachbarn immer rätselhafter wird.

Leseprobe
2. Die Tradition des Wahr-Sagens in der russischen Kultur

In der russischen Kultur gibt es eine Reihe von "verfluchten Fragen", die sich in verkürzter Form wie folgt formulieren lassen: Wer sind wir? Wohin gehen wir? Was tun? Wer ist schuld? Dabei werden diese Probleme jedoch nicht nüchtern erörtert, sondern münden oft in eine Wahrheitsfrage. Die Position, die vertreten wird, soll sich nicht nur argumentativ begründen lassen, sondern muss darüber hinaus über die metaphysische Weihe einer höheren Wahrheit verfügen. Darin liegt ein deutlicher Unterschied zu westlichen Wahrheitskonzeptionen, in denen der Skeptizismus und die immer mögliche Falsifikation einer einmal gewonnenen Position eine wichtige Rolle spielen. Natürlich gibt es von jeher auch kritisches Denken in Russland, allerdings hat es sich oft im Schatten der Macht entwickelt. Auch heute bewegen sich Oppositionelle und Nonkonformisten in ganz anderen Begründungszusammenhängen als die Regierung, wenn sie ihre Kritik an den herrschenden Zuständen formulieren. Dabei sind sie jedoch gegenüber der staatlichen Herrschaft immer in der schwächeren Position, weil sie ihre Wahrheit nicht mit der gleichen Effizienz in den Massenmedien verbreiten können.

Michel Foucault hat die abendländische Wissensordnung als einen Wettbewerb von "Veridiktionen" beschrieben.[ 1 ] Eine Veridiktion ist für Foucault eine Wahr-Sagung im engen Sinn des Wortes: In der Arena einer politischen Ordnung kämpfen verschiedene Wahrheitsentwürfe miteinander. Die Geltung einer bestimmten "Wahrheit" wird öffentlich propagiert, juristisch kodifiziert und polizeilich kontrolliert. Ein klassisches Beispiel ist die gesellschaftliche Ausgrenzung des "Wahnsinns", dem in der bürgerlichen Gesellschaft keine Wahrheitschancen zugetraut werden. Foucault identifiziert im Irrenhaus jene Institution, die mit einer Reihe von Überwachungs- und Disziplinierungsmechanismen den "Wahnsinn" domestiziert und ihn in einer gesellschaftlich etablierten "Normalität" bewältigbar erscheinen lässt.

In der Sowjetunion war der Machtapparat das entscheidende Mittel, um Veridiktionen durchzusetzen. Die Kremlführer ließen sich in ihrem politischen Handeln vom Bewusstsein leiten, dass "Genosse Mauser"[ 2 ] das letzte Wort haben würde. Deutlich kam diese Haltung zum Ausdruck, als Stalin den Einfluss des Katholizismus mit der Bemerkung "Wie viele Divisionen hat der Papst?" für vernachlässigbar erklärte.[ 3 ] Es ist eine der Ironien der Geschichte, dass der Zusammenbruch des kommunistischen Machtsystems gerade im katholischen Polen begann - eine wichtige Rolle spielte dabei der Schulterschluss zwischen dem Gewerkschaftsführer Lech Wale_sa und Papst Johannes Paul II .

Die Sowjetideologen wähnten sich im Besitz einer absoluten Wahrheit. Deutlich zeigte sich dies im Titel der Prawda , des offiziellen Publikationsorgans des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei, die sich nach einem geflügelten Wort von Lenin als "Verstand, Ehre und Gewissen" der Epoche verstand. Bis heute steht auf dem Moskauer Theaterplatz ein Karl-Marx-Denkmal, in das folgendes Lenin-Zitat in Stein gemeißelt ist: "Die Lehre von Marx ist allmächtig, weil sie wahr ist."

Im Russischen gibt es zwei Termini für "Wahrheit": Prawda und Istina . Etymologisch ist Prawda von der Wurzel für "Recht" abgeleitet, Istina geht auf das Wortfeld "Sein" zurück. Prawda ist der ältere Begriff, der zunächst die "Göttliche Gerechtigkeit" bezeichnet. Später bezeichnete Prawda auch den Wahrheitsanspruch säkularer Herrschaftsakte. Demgegenüber verweist Istina auf das wahrhaft Seiende, das auf einen göttlichen Ursprung zurückgeht. In der Sowjetkultur wurde der Begriff Istina seiner metaphy

Produktinformationen

Titel: Technologien der Seele
Untertitel: Vom Verfertigen der Wahrheit in der russischen Gegenwartskultur
Autor:
EAN: 9783518742952
ISBN: 978-3-518-74295-2
Digitaler Kopierschutz: Wasserzeichen
Format: E-Book (epub)
Herausgeber: Suhrkamp Verlag AG
Genre: Politik, Gesellschaft, Wirtschaft
Anzahl Seiten: 350
Veröffentlichung: 06.12.2015
Jahr: 2015
Auflage: Originalausgabe
Dateigrösse: 5.8 MB