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Das Psychodrama in der pädagogischen Arbeit mit auffälligen Kindern und Jugendlichen

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Beschreibung

Inhaltsangabe:Einleitung: Während meines achtmonatigen Praktikums in einer kinder- und jugendpsychiatrischen Ambulanz und Tagesklinik in Höxter habe ich in zwei Psychodramagruppen für auffällige Kinder und Jugendliche mitgearbeitet. Diese fanden einmal pro Woche mit Kindern und Jugendlichen beiderlei Geschlechts im Alter zwischen sechs und fünfzehn Jahren statt. Die Gruppenzusammenstellung änderte sich während der Dauer meines Praktikums sowohl hinsichtlich der einzelnen Teilnehmer, als auch in Bezug auf die Altersspanne der teilnehmenden Kinder und Jugendlichen. Geleitet wurde die ‘Spielgruppe’, wie sie genannt wurde, von einer Heilpädagogin mit zusätzlicher Qualifikation in diesem Bereich. Die Beobachtung, dass die Kinder in von ihnen inszenierten psychodramatischen Spielen mit so viel Begeisterung und Freude agierten und solch eine Energie und Intensität in das Spiel ‘ihrer Themen’ legten, hat mich sehr beeindruckt. Es war faszinierend zu beobachten, wie die Kinder an Konfliktthemen arbeiteten und trotzdem viel Spaß am Spiel hatten. Während dieser Zeit ließen sich auch bei einzelnen Kindern und Jugendlichen immer wieder Veränderungen großer und kleiner Art, sowohl im Handeln, als auch im Spiel selbst, feststellen. Diese Eindrücke gaben den Anstoß, mich im Rahmen dieser Diplomarbeit genauer mit den Annahmen und Anwendungen des Psychodramas als Methode in der pädagogischen Arbeit mit auffälligen Kindern und Jugendlichen zu beschäftigen. Aber nicht nur mein persönliches Interesse, sondern auch die gesellschaftlich akute Problemlage dieser Zielgruppe war ausschlaggebend, mich mit dieser Thematik genauer zu beschäftigen. Bedingt durch einen niedrigen sozialökonomischen Standard, allgemeinen gesellschaftlichen Umbrüchen, veränderten familiären Rahmenbedingungen, steigenden Anforderungen (bspw. in der Schule) an Kinder und Jugendliche und neuen Lebens- und Familienformen steigt die Zahl an auffälligen Kindern und Jugendlichen in Deutschland stetig an. Aktuelle Studien zeigen, dass bei ca. 22 Prozent der untersuchten Kinder und Jugendlichen Hinweise auf psychische Auffälligkeiten vorliegen. Auch in weiten Teilen der Bevölkerung geht, mit der gestiegenen und stetig wachsenden Anzahl an auffälligen Kindern und Jugendlichen, die Forderung nach wirksamen und angemessenen Konzepten und Methoden einher, die speziell auf die Bedürfnisse und Anforderungen dieser Zielgruppe ausgerichtet sind. Eine adäquate Antwort hierauf stellt meiner Ansicht nach das [...]

Klappentext

Inhaltsangabe:Einleitung: Während meines achtmonatigen Praktikums in einer kinder- und jugendpsychiatrischen Ambulanz und Tagesklinik in Höxter habe ich in zwei Psychodramagruppen für auffällige Kinder und Jugendliche mitgearbeitet. Diese fanden einmal pro Woche mit Kindern und Jugendlichen beiderlei Geschlechts im Alter zwischen sechs und fünfzehn Jahren statt. Die Gruppenzusammenstellung änderte sich während der Dauer meines Praktikums sowohl hinsichtlich der einzelnen Teilnehmer, als auch in Bezug auf die Altersspanne der teilnehmenden Kinder und Jugendlichen. Geleitet wurde die Spielgruppe , wie sie genannt wurde, von einer Heilpädagogin mit zusätzlicher Qualifikation in diesem Bereich. Die Beobachtung, dass die Kinder in von ihnen inszenierten psychodramatischen Spielen mit so viel Begeisterung und Freude agierten und solch eine Energie und Intensität in das Spiel ihrer Themen legten, hat mich sehr beeindruckt. Es war faszinierend zu beobachten, wie die Kinder an Konfliktthemen arbeiteten und trotzdem viel Spaß am Spiel hatten. Während dieser Zeit ließen sich auch bei einzelnen Kindern und Jugendlichen immer wieder Veränderungen großer und kleiner Art, sowohl im Handeln, als auch im Spiel selbst, feststellen. Diese Eindrücke gaben den Anstoß, mich im Rahmen dieser Diplomarbeit genauer mit den Annahmen und Anwendungen des Psychodramas als Methode in der pädagogischen Arbeit mit auffälligen Kindern und Jugendlichen zu beschäftigen. Aber nicht nur mein persönliches Interesse, sondern auch die gesellschaftlich akute Problemlage dieser Zielgruppe war ausschlaggebend, mich mit dieser Thematik genauer zu beschäftigen. Bedingt durch einen niedrigen sozialökonomischen Standard, allgemeinen gesellschaftlichen Umbrüchen, veränderten familiären Rahmenbedingungen, steigenden Anforderungen (bspw. in der Schule) an Kinder und Jugendliche und neuen Lebens- und Familienformen steigt die Zahl an auffälligen Kindern und Jugendlichen in Deutschland stetig an. Aktuelle Studien zeigen, dass bei ca. 22 Prozent der untersuchten Kinder und Jugendlichen Hinweise auf psychische Auffälligkeiten vorliegen. Auch in weiten Teilen der Bevölkerung geht, mit der gestiegenen und stetig wachsenden Anzahl an auffälligen Kindern und Jugendlichen, die Forderung nach wirksamen und angemessenen Konzepten und Methoden einher, die speziell auf die Bedürfnisse und Anforderungen dieser Zielgruppe ausgerichtet sind. Eine adäquate Antwort hierauf stellt meiner Ansicht nach das Psychodrama in der vorliegenden Form dar. Das Psychodrama geht von einer Grundnatur des Menschen aus. Diese ist neugierig, lebensbejahend, lernwillig und von menschlicher Interaktion abhängig. Voraussetzung dafür sind spontane und kreative Potenziale im Menschen. Diese Potenziale beobachtete Moreno im Spiel der Kinder. Um das Psychodrama bei Kindern und Jugendlichen erfolgreich anwenden zu können, bedarf es aber, aufgrund der andersgearteten Bedürfnisse und Eigenheiten dieser Zielgruppe, einer Modifikation des klassischen Psychodramas. Daraus ergibt sich für mich einerseits die Problemstellung der Strukturierung und Gestaltung, andererseits die praktischen Umsetzungsmodalitäten des Psychodramas, damit es sich für die betreffende Zielgruppe eignet. Hierbei werde ich der Argumentation folgen, dass das Psychodrama, wenn es in Theorie und Praxis an die Bedürfnisse und inhärenten Eigenschaften von Kindern und Jugendlichen angepasst ist, sich positiv auf deren Entwicklung auswirkt, und zu einer Abnahme der Ausprägung oder im Idealfall sogar zu einer vollständigen Behebung der Auffälligkeiten führen kann. Das Psychodrama für Kinder und Jugendliche wird in diesem Bereich sowohl von Pädagogen als auch von Psychologen angeleitet. Aus diesem Grund erscheint es mir in der vorliegenden Arbeit zunächst notwendig, beide Disziplinen genauer zu betrachten und zu versuchen, sie voneinander abzugrenzen (2. Kapitel). Anknüpfend daran ergibt sich die Frage nach der spezifischen Qualifikation und den implizierten Kompetenzanforderungen an den Psychodramaleiter (2.1 und 2.2). Im darauf folgenden Kapitel werde ich kurz auf die bisherigen prägnanten Bewegungen des Kinder- und Jugendlichen Psychodramas (KJPD) und ihre jeweilige Schwerpunktsetzung eingehen, um mich in Kapitel 4 mit den entwicklungspsychologischen Bezügen zum Themenkomplex zu beschäftigen, in deren Rahmen ich auch die vorliegende Zielgruppe operationalisieren werde. Diesem schließen sich die relevanten spieltheoretischen Grundlagen, welche den Ausgangspunkt für das KJPD bilden, an (5. Kapitel). Mit dem folgenden 6. Kapitel der Intentionen des Psychodramas werde ich diese in Bezug auf ihre differenzierte Zielvorstellung bestimmen, um im 7. Kapitel die Basis zur Umsetzung dieser Ziele herauszuarbeiten. Dazu wird zunächst das theoretische Basiskonzept beleuchtet, um hieraus die dazugehörigen psychodramatischen Interventionsmethoden abzuleiten. Auf diese Grundannahmen und Interventionstechniken aufbauend widmen sich die folgenden Kapitel dann der Umsetzung dieser, die dann sowohl auf den Interventionsebenen der drei Bühnen (8. Kapitel), als auch in den einzelnen Phasen (9. Kapitel) der Psychodramasitzung, ihre Verwendung finden. Psychodrama spielt sich nicht nur im aktiven dramatischen Spiel ab, sondern bereits beim ersten Sichtkontakt mit dem Klienten. Die Darstellung, auf welcher dieser verschiedenen Bühnen mit auffälligen Kindern und Jugendlichen gearbeitet wird, obliegt dem 8. Kapitel. Mit dem nachfolgenden 9. Kapitel wird der Ablauf einer Psychodramasitzung mit ihren aufeinander bezogenen Phasen betrachtet, um hier die besonderen Anforderungen einer klaren Struktur für die genannte Zielgruppe aufzuzeigen. Um die vorangegangenen Kapitel in die Praxis einzubetten, werde ich anschließend die praktische Durchführung, also die Variationen und unterschiedlichen Einsatzfelder des psychodramatischen Spiels mit auffälligen Kindern und Jugendlichen, vorstellen (10. Kapitel). Untergliedert wird das Kapitel in die psychodramatische Arbeit mit Gruppen, dem Individuum (Monodrama) und der Anwendung mit der Familie. Eine abschließende Betrachtung werde ich im 11. Kapitel vornehmen, in dem ich rückblickend, auf die vorangegangenen Kapitel, Chancen und Grenzen des Psychodramas mit Kindern und Jugendlichen aufzeigen werde, und es einer kritischen Würdigung unterziehe. Im Rahmen eines Ausblickes werde ich noch auf weitere Einsatzfelder des Psychodramas in präventiver Form eingehen. Der Gebrauch vorwiegend männlicher Bezeichnungen verfolgt ausschließlich das Interesse der Kürze und besseren Lesbarkeit. Die Bezeichnungen beziehen sich in der Regel auf beide Geschlechter. Inhaltsverzeichnis:Inhaltsverzeichnis: Inhaltsverzeichnis1 Abbildungsverzeichnis3 Abkürzungsverzeichnis4 1Einleitung5 2Abgrenzung zwischen therapeutischem und pädagogischem Handeln9 2.1Erweiterung der pädagogischen Handlungsbefugnis12 2.2Kompetenzen des Leiters12 3Entwicklung des Psychodramas15 4Entwicklungspsychologische Bezüge19 5Spieltheoretische Grundannahmen24 5.1Kategorisierung des psychodramatischen Spiels25 5.2Motivation und Charakteristika des Spieles26 6Intentionen des Psychodramas30 6.1Förderung der Gesamtpersönlichkeit30 6.2Förderung der Sozialisation in der Gruppe32 6.3Heilung der spezifischen Auffälligkeiten33 7Konzeption und Prämissen des KJPD36 7.1Theoretisches Basiskonzept36 7.1.1Tele36 7.1.2Spontaneität und Kreativität37 7.1.3Rolle40 7.1.4Das soziale Atom42 7.1.5Surplus Reality45 7.2Psychodramatische Interventionsmethoden47 7.2.1Doppeln und der Doppelgänger47 7.2.2Die Spiegel-Technik51 7.2.3Der Rollentausch53 8Interventionsanwendung auf den drei Bühnen57 9Struktur einer Psychodramasitzung61 9.1Erwärmungsphase61 9.2Aktionsphase66 9.3Abschlussphase67 10Variationen und Anwendungsformen des Psychodramas70 10.1Gruppenpsychodrama71 10.2Monodrama75 10.2.1Figurenarbeit78 10.3Familienorientiertes Psychodrama80 10.3.1Figurenarbeit81 10.3.2Rollenspiel82 11Schlussbetrachtung86 12 Ausblick91 Literaturverzeichnis96 Textprobe:Textprobe: Kapitel 3, Entwicklung des Psychodramas: Zwar weist Moreno selbst immer wieder darauf hin, dass das Psychodrama seine Vorläufer in unterschiedlichen Kontexten hat und die verwendeten Techniken auf verschiedenste Sitten und Gebräuche alter Kulturen zurückverfolgt werden können, wie zum Beispiel dem sokratischen Dialog, so ist das Psychodrama doch eng an seine Person gebunden. Geboren wird Jakob Levy Moreno am 18. Mai 1889 in Bukarest/Rumänien als Sohn einer jüdisch-sephardischen Familie. Er verbringt die ersten fünf Lebensjahre in Bukarest, bevor die Familie 1895 nach Wien umzieht. Dort gewinnt Moreno inspiriert von Fantasiespielen der Kinder in den Gärten Wiens seine Idee zum Psychodrama. In späteren Jahren erinnert er sich noch daran, sein erstes Psychodrama im Alter von vier oder fünf Jahren inszeniert zu haben. Er spielte nach dem Besuch der Bibelschule, bei dem ihm von Gott erzählt wurde, das Gehörte mit anderen Kindern nach. Bei dem Versuch als Gott zu fliegen brach er sich einen Arm. Diese beiden Erlebnisse waren ausschlaggebend für seine Idee zum Psychodrama. Nach der Übersiedelung seiner Familie nach Berlin kehrt Moreno mit 16 Jahren ohne seine Eltern nach Wien zurück, wo er bei einer befreundeten Familie wohnt. Kurz darauf trennen sich seine Eltern. Bereits 1910, während seines Studiums der Medizin und Philosophie arbeitet er mit Kindergruppen und verdient sich während dieser Zeit seinen Lebensunterhalt als Privatlehrer für die Kinder wohlhabender Familien. In der Zeit von 1915-1916 ist Moreno als Amtsarzt im Flüchtlingslager Mittendorf bei Wien tätig. In dieser Zeit entwickelt er auch seine ersten grundlegenden Gedanken zur Soziometrie, mit der es möglich ist, soziale Spannung durch eine räumliche Umgruppierung aufzulösen, und so konkret einen Teil der Probleme im Lager zu lindern. 1919 nimmt Moreno nach Abschluss seines Studiums (1917) eine Stelle als Gemeindearzt in Bad Vöslau an und arbeitet zusätzlich noch als Amtsarzt in einer Kammgarnfabrik. Neben diesen Tätigkeiten entwickelt Moreno erste Ansätze seines Psychodramas. Wesentlich beeinflusst ihn hierbei auch die Beschäftigung mit diversen Theaterkonzepten und die Gründung seines Stehgreiftheaters in der Zeit von 1921-1924. Das Stehgreiftheater, in welchem er mit verschiedensten Improvisationstechniken an Beziehungsproblemen arbeitet, gilt als eigentlicher Ursprungsort des Psychodramas. 1925 verlässt er Österreich und siedelt nach Amerika über. Dort hält er 1932 einen Vortrag zu seinem Konzept der Gruppenpsychotherapie. 1936 gründet er im Staate New York das Beacon Hill Sanatorium auf dessen Gelände sowohl die Patienten, als auch das Personal mit ihren Familien wohnen. In den darauffolgenden Jahren veröffentlicht Moreno zahlreiche Publikationen und Zeitschriften. Am 14. Mai 1974 stirbt Moreno, gezeichnet von mehreren Schlaganfällen, in Beacon im Staate New York, durch die Verweigerung der Essensaufnahme. 1993 werden Morenos sterbliche Überreste auf den Wiener Zentralfriedhof überführt. Die Inschrift auf seinem Grabstein lautet: Hier ruht der, der das Lachen in die Psychiatrie gebracht hat . Obwohl inspiriert von seinen prägenden Kindheitserlebnissen, dem Spiel der Kinder als auch der Erinnerung an die Behandlung des fünfjährigen Jungen Karl in seiner Wiener Zeit um 1922, konzipierte er das Psychodrama, jedoch nur für Erwachsene. Im Laufe der Zeit haben sich entsprechend der vielfältigen Anwendungsgebiete, wie zum Beispiel in Ambulanzen, psychotherapeutischen Privatpraxen, Beratungsstellen, psychiatrischen Kliniken und pädagogischen Einrichtungen, unterschiedlichste Formen und Stile des Psychodrama herausgebildet. In Bezug auf das Psychodrama mit Kindern und Jugendlichen lassen sich folgende drei Hauptströmungen differenzieren: Im Amerika der 60er und 70er Jahre entwickelte sich eine Kindertherapieform des Psychodramas, welche sich stark am klassischen Psychodrama für Erwachsene orientierte. Es wurde hier vor allem als protagonistenzentrierte Einzeltherapie in der Gruppe durchgeführt. Etwa zur gleichen Zeit gab es eine konträre Entwicklung in Frankreich: Hauptsächlich Psychoanalytiker griffen hier das psychodramatische Konzept Morenos auf und entwickelten das vorwiegend analytisch orientierte Kinderpsychodrama. Sie arbeiteten meist nur mit einem Kind und nicht mit einer ganzen Gruppe. Das Spiel wird in dieser Form als Ausdruck des Unbewussten interpretiert und ausschließlich auf das dramatische Spiel reduziert. Ein besonderes Augenmerk wird hierbei verstärkt auf die Phänomene der Übertragung und Gegenübertragung gerichtet. Im deutschsprachigen Raum wurde zunächst mit dem Psychodrama nach amerikanischem Vorbild gearbeitet, was aber massiven Widerstand vonseiten der Kinder erzeugte. So bemerkte Aichinger, dass die Kinder und Jugendlichen unruhig wurden, wenn sie keine guten oder gar keine Rollen übernehmen durften, sie konnten sich nicht so gut in die Rollen einfühlen, die von anderen vorgegeben wurden, und gestalten diese dann nach eigenen Wünschen aus, ohne auf die Vorgaben des Protagonisten zu achten. Der Versuch, belastende oder gar traumatische Erlebnisse nachzuspielen, führte oft auch erneut zu einer Belastung und verstärkte so die innerpsychischen Konflikte noch weiter. Aufgrund dieser Erfahrungen ging er dazu über, Konflikte auf der Symbolebene darstellen zu lassen. Psychodrama wird hier als soziale Interaktion und nicht nur als Ausdruck des Unterbewussten wie in Frankreich gesehen. So wurde Morenos Konzept in Deutschland und Österreich mit Elementen des französischen und amerikanischen KJPD weiterentwickelt und zu einer in sich geschlossenen Methode zusammengefügt. Das gruppenzentrierte Psychodrama wurde und wird von Alfons Aichinger und später in Zusammenarbeit mit seinem Kollegen Walter Holl konzipiert und optimiert. Sie grenzen sich sowohl vom amerikanischen, als auch vom französischen ab, übernehmen daraus aber auch gewisse Elemente. Sie setzen bei der Umsetzung verstärkt auf die positiven Effekte von Peer Groups. Heika Straub dagegen beschäftigt sich vor allem mit dem Ansatz und der Wirkweise des Puppenspiels im KJPD, sowohl in der Umsetzung als Gruppenmethode, als auch im Zwei-Personen-Setting des Monodramas. Das Monodrama für Kinder und Jugendliche wurde in Österreich vorwiegend von Hildegard Pruckner konzipiert und intensiviert. Kapitel 4, Entwicklungspsychologische Bezüge: Die Zielgruppe, um die es in dieser Diplomarbeit geht, sind auffällige Kinder und Jugendliche im Alter zwischen sechs und achtzehn Jahren. Die Auffälligkeiten können sich sowohl auf Verhaltensauffälligkeiten, aber auch auf Fehlentwicklungen im emotionalen und sozialen Bereich beziehen. Auch die Gruppe der Schul- oder Leistungsverweigerer wird mit einbezogen. Es soll daher nicht um eine störungsspezifische Gruppe, sondern generell um Kinder und Jugendliche gehen, deren Eltern die Belastung, welche durch die konflikthafte Beziehung entstanden ist, nicht mehr bewältigen können, oder angeregt durch andere Institutionen wie Kindergarten, Schule oder Jugendamt, Hilfe in diversen Einrichtungen suchen. Zumeist überschneiden sich die Bereiche des Psychodramas für Kinder und Jugendliche ohne Auffälligkeiten mit der Gruppe der Auffälligen. Deshalb werde ich, um den Lesefluss nicht zu behindern, nur an manchen Stellen gesondert auf die spezifische Zielgruppenausrichtung der auffälligen Kinder und Jugendlichen explizit hinweisen. In Anbetracht der vielfältigen Entwicklungstheorien, die es aktuell gibt, kann Morenos entwicklungstheoretischer Versuch lediglich als eine Richtung der Entwicklungspsychologie verstanden werden, die dem Psychodrama zugrunde liegt. Er sieht die Entwicklung des Kindes an die Wechselbeziehung zu anderen individuellen Organismen gebunden. Die Entwicklung wird als interaktionaler Prozess verstanden. Dabei unterscheidet er die Entwicklung in zwei Stufen, in die so genannten psychischen Universen . Das erste psychische Universum (0-3 Jahre): Das Kind erlebt sich in diesem Stadium als mit der Welt identisch. Es unterscheidet nicht in Ich oder Du (im Sinne von seiner Umwelt). Sein Zeiterleben ist auf die Gegenwart, also die aktuelle unmittelbare Situation beschränkt. Es kann weder Fantasie von Realität, noch lebendige von leblosen Objekten unterscheiden. Zentraler Bestandteil seines Universums ist die Mutter, die ihm den lebenswichtigen Kontakt zur Brust, den Schutz vor Kälte, die Versorgung u.a.m. vermittelt. Mutter und Kind befinden sich im Ablauf ihrer Interaktionen in komplementären Rollen, was als Urmuster für alle späteren Teleprozesse gesehen werden kann. Das Kind (im Gegensatz zur Mutter) handelt ohne seine Rolle (z.B. als Trinkender) zu perzipieren.(Stadium der All- Identität ) Gegen Ende des ersten psychischen Universums beginnt das Kind langsam, zwischen sich und der ihm umgebenden Umwelt zu unterscheiden, und diese sogar teilweise wieder zu erkennen. Es befindet sich nun im Stadium der All-Realität . Das zweite psychische Universum (ab 3 Jahre): Das Kind kann nun Realität und Fantasie unterscheiden. Das Zeitempfinden ist um die Komponenten der Vergangenheit und Zukunft erweitert, was eine basale Voraussetzung für die Fähigkeit zur gedanklichen Problemlösung darstellt. Neben den somatischen- und noch undifferenzierten somatopsychischen Rollen des ersten psychischen Universums treten nun die psychischen und sozialen Rollen in den Vordergrund. Es ist ab diesem Zeitpunkt in der Lage, andere Rollen zu erkennen und sich in diese auch hineinzuversetzen und im Spiel nachzuahmen. Nach und nach kann es sich auch aus der Rolle anderer Personen wahrnehmen und betrachten, wodurch sich seine Identität und sein Selbstbild entwickeln. Aus dem Ablauf der frühkindlichen Entwicklung leitet Moreno die zentralen psychodramatischen Techniken des Doppelgängers, Spiegelns und des Rollentausches ab. Die adoleszente Entwicklung stellt einen komplexen Entwicklungsprozess dar, bei dem das Kind zu einem Jugendlichen und in der Folge zu einem Erwachsenen heranreift. In diesem Zuge kommt es zu einer ganzen Reihe von intrapsychischen Struktur- und interpsychischen Beziehungsveränderungen . Dabei spielen vor allem Ablöse- und Trennungsprozesse, als auch die Entdeckung und Entwicklung einer eigenen Identität, eine große Rolle. Es gilt hierbei vor allem, neue Antworten auf alte Situationen zu finden, also im Sinne Morenos spontan zu sein . Zum Moment der Identitätsentwicklung gehört sowohl eine reflektierte Betrachtung der eigenen Person und des eigenen Standpunktes, die Fähigkeit einen angemessenen Perspektivenwechsel vollziehen zu können, als auch ganz maßgeblich die Wahrnehmung der ihn umgebenden Umwelt und den sich darin befindlichen Personen. Das Psychodrama bietet mit seiner Methodik ein ideales Hilfsmittel zur Lösung dieser Entwicklungsaufgabe. Es ermöglicht, beispielsweise durch das Erproben von neuen Rollen und Rollenmustern in einem geschützten Rahmen und der damit einhergehenden Erweiterung des Rollenrepertoires, die Möglichkeit, entscheidende Schritte in Bezug auf die Identitätsentwicklung zu tun. Kinder und Jugendliche befinden sich also in einem ständigen Prozess der Identitätsfindung. Sie versuchen herauszufinden, wer sie sind, oder wer sie gerne sein möchten. Dabei begegnen sie stetig Problemen, die es zu bewältigen gilt: [ ] von der Anerkennung des Kleinkindes und seiner Bedürfnisse durch die Welt der Erwachsenen bis zur Findung der Identität des Jugendlichen und den Krisen seiner Reifung zur eigenständigen Persönlichkeit . Durch die Ressourcen- und Lösungsfokussierung des Psychodramas erleben die Kinder sich selbst als handelnd und regulierend, was sich entwicklungspsychologisch gesehen positiv auf die Entwicklung ihres Selbstwertes und somit auch auf ihre Identitätsbildung auswirkt. Besonders in dieser Zeit größter Umbrüche, einer Art natürlicher Krise , gewinnt der Jugendliche selbst den Aspekt Schöpfer von sich selbst zu sein. Speziell in dieser Phase oft größter Unsicherheit kann das Psychodrama Halt und Orientierung geben. Das formale Denken, welches als vollkommene Intelligenz charakterisiert wird, bildet sich etwa ab einem Alter von 12 Jahren aus. Erst ab diesem Entwicklungsstand entsteht die Fähigkeit, Theorien und eine grundsätzliche Denkweise, welche nicht mehr vorwiegend an die Gegenwart gebunden ist, zu entwickeln (vgl. Piaget 2000, passim). Der Jugendliche konstruiert Theorien über Verschiedenstes und findet Vergnügen an Betrachtungen, die sich nicht auf die Gegenwart beziehen. Jüngere Kinder hingegen sind in ihrem Denken an das Hier und Heute gebunden. Sie können keinen echten Rollentausch vollziehen, da ihnen die Fähigkeit fehlt, ihre eigene Rolle von der des Anderen zu unterscheiden. Durch Piagets Sicht über die Entwicklung des Denkens, nach welcher die Kinder nicht über die Möglichkeit einer reflexiven Denkweise verfügen, ergibt sich auch der Umstand, dass diese nicht zu verinnerlichten Gesprächen fähig sind. Aus diesen Gründen ist es unabdingbar, das Psychodrama für Kinder und Jugendliche zu modifizieren. Das KJPD findet im Vergleich zum Erwachsenenpsychodrama weniger als protagonistenzentriertes statt, und die Gespräche, die sich an die Handlungen anschließen, sind von geringerer Bedeutung, sondern vielmehr die Aktionsphasen selbst rücken in den Vordergrund. Die Widerstände oder Effekte, die eine protagonistenzentrierte Anwendung bei Kindern und teilweise auch bei Jugendlichen auslösen kann, beschreibt Aichinger in seinem 1996 erschienenen Aufsatz zum Ursprung des Psychodramas. Für eine ausführliche Darstellung der Zusammenhänge von Persönlichkeitsentwicklung und Psychodrama sei auf Michael Schacht: Spontaneität und Begegnung verwiesen, in welchem er unter anderem eine psychodramatische, kombiniert mit einer entwicklungspsychologischen Sicht, auf Störungen vornimmt. Eine detaillierte Gegenüberstellung und Analogie von Psychodrama und Adoleszenz gibt Kurt Weber in seinem Artikel zur psychodramatischen Arbeit mit Jugendlichen: Spielend zur Identität?



Zusammenfassung
Inhaltsangabe:Einleitung:Während meines achtmonatigen Praktikums in einer kinder- und jugendpsychiatrischen Ambulanz und Tagesklinik in Höxter habe ich in zwei Psychodramagruppen für auffällige Kinder und Jugendliche mitgearbeitet. Diese fanden einmal pro Woche mit Kindern und Jugendlichen beiderlei Geschlechts im Alter zwischen sechs und fünfzehn Jahren statt. Die Gruppenzusammenstellung änderte sich während der Dauer meines Praktikums sowohl hinsichtlich der einzelnen Teilnehmer, als auch in Bezug auf die Altersspanne der teilnehmenden Kinder und Jugendlichen. Geleitet wurde die ?Spielgruppe?, wie sie genannt wurde, von einer Heilpädagogin mit zusätzlicher Qualifikation in diesem Bereich.Die Beobachtung, dass die Kinder in von ihnen inszenierten psychodramatischen Spielen mit so viel Begeisterung und Freude agierten und solch eine Energie und Intensität in das Spiel ?ihrer Themen? legten, hat mich sehr beeindruckt. Es war faszinierend zu beobachten, wie die Kinder an Konfliktthemen arbeiteten und trotzdem viel Spaß am Spiel hatten. Während dieser Zeit ließen sich auch bei einzelnen Kindern und Jugendlichen immer wieder Veränderungen großer und kleiner Art, sowohl im Handeln, als auch im Spiel selbst, feststellen. Diese Eindrücke gaben den Anstoß, mich im Rahmen dieser Diplomarbeit genauer mit den Annahmen und Anwendungen des Psychodramas als Methode in der pädagogischen Arbeit mit auffälligen Kindern und Jugendlichen zu beschäftigen. Aber nicht nur mein persönliches Interesse, sondern auch die gesellschaftlich akute Problemlage dieser Zielgruppe war ausschlaggebend, mich mit dieser Thematik genauer zu beschäftigen.Bedingt durch einen niedrigen sozialökonomischen Standard, allgemeinen gesellschaftlichen Umbrüchen, veränderten familiären Rahmenbedingungen, steigenden Anforderungen (bspw. in der Schule) an Kinder und Jugendliche und neuen Lebens- und Familienformen steigt die Zahl an auffälligen Kindern und Jugendlichen in Deutschland stetig an. Aktuelle Studien zeigen, dass bei ca. 22 Prozent der untersuchten Kinder und Jugendlichen Hinweise auf psychische Auffälligkeiten vorliegen. Auch in weiten Teilen der Bevölkerung geht, mit der gestiegenen und stetig wachsenden Anzahl an auffälligen Kindern und Jugendlichen, die Forderung nach wirksamen und angemessenen Konzepten und Methoden einher, die speziell auf die Bedürfnisse und Anforderungen dieser Zielgruppe ausgerichtet sind. Eine adäquate Antwort hierauf stellt meiner Ansicht nach das []

Produktinformationen

Titel: Das Psychodrama in der pädagogischen Arbeit mit auffälligen Kindern und Jugendlichen
Autor:
EAN: 9783836640411
ISBN: 978-3-8366-4041-1
Digitaler Kopierschutz: frei
Format: E-Book (pdf)
Herausgeber: Diplom.de
Genre: Sonderpädagogik
Anzahl Seiten: 115
Veröffentlichung: 05.01.2010
Jahr: 2010
Dateigrösse: 0.8 MB

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