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Deutsche Metrik
Christian Wagenknecht

Das mittlerweile als Standardwerk geltende Buch führt in die metrische Formensprache der deutschen Dichtung ein. Die theoretischen... Weiterlesen
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Beschreibung

Das mittlerweile als Standardwerk geltende Buch führt in die metrische Formensprache der deutschen Dichtung ein. Die theoretischen und methodischen Voraussetzungen werden einleitend nach Grundsätzen der linguistischen Poetik bestimmt. In seinen Hauptstücken ist das Buch historisch angelegt, stellt also die im Deutschen gebräuchlichen metrischen Systeme im geschichtlichen Zusammenhang vor. Für die 5. Auflage wurde das Buch um drei Kapitel zur mittelalterlichen Dichtung erweitert. Es umfaßt jetzt die ganze deutsche Metrik von den Anfängen in der germanischen Stabreimdichtung bis zur Prosaischen Lyrik der Gegenwart. Das ausführliche Register kann zugleich als Lexikon der deutschen Metrik benutzt werden.

Christian Wagenknecht ist emeritierter Professor für Deutsche Philologie an der Universität Göttingen.

Das mittlerweile als Standardwerk geltende Buch führt in die metrische Formensprache der deutschen Dichtung ein. Die theoretischen und methodischen Voraussetzungen werden einleitend nach Grundsätzen der linguistischen Poetik bestimmt. In seinen Hauptstücken ist das Buch historisch angelegt, stellt also die im Deutschen gebräuchlichen metrischen Systeme im geschichtlichen Zusammenhang vor. Für die 5. Auflage wurde das Buch um drei Kapitel zur mittelalterlichen Dichtung erweitert. Es umfaßt jetzt die ganze deutsche Metrik von den Anfängen in der germanischen Stabreimdichtung bis zur Prosaischen Lyrik der Gegenwart. Das ausführliche Register kann zugleich als Lexikon der deutschen Metrik benutzt werden.

Christian Wagenknecht ist emeritierter Professor für Deutsche Philologie an der Universität Göttingen.

Autorentext
Christian Wagenknecht ist emeritierter Professor für Deutsche Philologie an der Universität Göttingen.

Leseprobe
3. Reimpaardichtung

3.1 Übersicht

Die erzählende, dramatische und lehrhafte Dichtung des Mittelalters ist wesentlich, in Teilen sogar ausschließlich, durch den Endreim bestimmt, den gegen Ende des 9. Jahrhunderts erstmals Otfried von Weißenburg in einem Werk größeren Umfangs durchgehend verwendet. Als Vorbild haben wahrscheinlich die binnengereimten ('leoninischen') Hexameter der frühchristlichen Epik gedient. Nachdem dann eine ganze Weile lang (soweit wir wissen) vor allem lateinisch geschrieben worden ist, setzt gegen Ende des 11. Jahrhunderts das Dichten in Reimpaaren aufs neue ein. Die zunächst noch ziemlich ungefügen Verse gewinnen mit der Zeit beträchtlich an Glätte und Eleganz - bis hin zu den streckenweise geradezu jambischen Vierhebern im Spätwerk Konrads von Würzburg.
3.2 Prosodie

Die Prosodie der altdeutschen Endreimdichtung faßt einen Teil des Wortmaterials in Reimgruppen zusammen, zu deren Bildung zunächst schon eine ungefähre Übereinstimmung der Schlußsilben genügt. Entsprechend reimen im Evangelienbuch Otfrieds von Weißenburg etwa "fram" auf "arm", "hant" auf "gizalt", "ander" auf "mêr", "got" auf "nôt" - und zum Beispiel "alle" nicht nur auf "falle", sondern ebenso auf "snelle", "wille", "wolle", ja auf "thanne" und "giwerre" sowie auf sich selbst. Im Hinblick auf die Versbildung kommt es außer auf Anzahl und Lage der Tonsilben auch auf deren Länge oder Kürze an - weshalb zum Beispiel "singen" und "sagen" nicht von vornherein äquivalent sind. Dabei gelten als 'kurz' nur die auf kurzen Vokal ausgehenden ('offenen') Silben: "sagen". Eine 'lange' Silbe kann entweder 'naturlang' sein, durch langen Vokal oder Diphthong: "lägen", "l_ogen", oder 'positionslang', wenn einem kurzen Vokal mindestens ein Konsonant folgt: "man", "hant".
3.3 Versifikation

Dem Dichten in Reimpaaren liegt, aufs Ganze gesehen, nur eine Regel zugrunde: daß je zwei aufeinanderfolgende Segmente des Textes (die eben dadurch als Verse zu erkennen sind) durch Endreim miteinander verbunden werden. Das Reimgeschlecht des Paares (einsilbig oder zweisilbig, männlich oder weiblich) spielt keine Rolle; zunächst sind auch weder Reinheit des Reims noch gleiche Länge der Verse verlangt. Insofern ähneln die Reimpaare des frühen Mittelalters großenteils dem sogenannten Freien Knittelvers der frühen Neuzeit.

Aus dem 'Leben Jesu' der Frau Ava (um 1100):

Do er do zwene tage

ger_wet in dem grabe,

in der friste

do zestorte er die helle ueste.

er uùr mit levven chreften,

die grintel mùsen bresten.

Als er da zwei Tage

in dem Grab geruht hatte ,

in dieser Zeit

zerstörte er die Höllenfestung.

Er fuhr [hinein] mit Löwenkraft ,

die Riegel mußten bersten.

Aus dem 'Rolandslied' des Pfaffen Konrad (um 1170):

do gedachte der haiden:

"unter disen uir stainen

da erstirbet R_lant.

Durndarten nim ich ze miner hant

unt Oliuantem.

so sage ich dem lante,

daz wir gesiget haben

unt ich habe R_lanten erslagen.

des frùt sich imer mere

elliu arabiskiu erde."

Dieser Heide dachte:

"Zwischen diesen vier Steinen

wird Roland sterben.

Dann nehme ich Dumdart

und Olifant

und melde zuhause ,

daß wir gesiegt haben

und ich es war, der Roland erschlug.

Das wird alle arabischen Länder

mit nicht endendem Jubel erfüllen."

Erst gegen Ende des 12. Jahrhunderts bildet sich das Ideal des 'reinen' Reims und der 'gleichen' Verse heraus, und erst um 1300 gibt Heinrich von Hesler auch die Regeln an, nach denen sich (wie er meint) die "meister" gerichtet haben. Ausdrücklich verboten wird der v

Produktinformationen

Titel: Deutsche Metrik
Untertitel: Eine historische Einführung
Autor: Christian Wagenknecht
EAN: 9783406689017
ISBN: 978-3-406-68901-7
Format: PDF
Herausgeber: C.H.Beck
Genre: Deutsche Sprachwissenschaft, Deutschsprachige Literaturwissenschaft
Anzahl Seiten: 172
Veröffentlichung: 25.11.2015
Jahr: 2015
Auflage: 5. Aufl.
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