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Sag's nicht weiter, Liebling
Sophie Kinsella

Emma Corrigan scheint vom Pech verfolgt. Alles in ihrem Leben geht schief, und jetzt auch noch das: Sie sitzt in einem von Turbule... Weiterlesen
Taschenbuch (kartoniert), 384 Seiten
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Beschreibung

Emma Corrigan scheint vom Pech verfolgt. Alles in ihrem Leben geht schief, und jetzt auch noch das: Sie sitzt in einem von Turbulenzen geschüttelten Flugzeug und sieht ihr letztes Stündlein gekommen. In Panik legt Emma eine dramatische Lebensbeichte ab: Jedes Geheimnis, jede jemals geäußerte Lüge bricht aus ihr heraus. Zu dumm, dass sich Emmas Sitznachbar ausgerechnet als ihr oberster - und zudem äußerst attraktiver - Chef entpuppt ...

absolut passend, um den Alltag für einige Stunden komplett zu vergessen und sich am Ende einfach gut zu fühlen.

Autorentext
Sophie Kinsella ist ehemalige Wirtschaftsjournalistin. Ihre Schnäppchenjägerin-Romane werden von einem Millionenpublikum verschlungen. Sophie Kinsella eroberte die Bestsellerlisten aber auch mit Romanen wie »Göttin in Gummistiefeln« oder »Frag nicht nach Sonnenschein«. Sie lebt mit ihrer Familie in London.

Leseprobe
Natürlich habe ich Geheimnisse.
Klar. Hat doch jeder. Ist doch ganz normal. Ich habe bestimmt nicht mehr als andere auch.
Ich meine ja keine großen, weltbewegenden Geheimnisse. Nicht die von der Sorte Der-Präsident-will-Japan-bombardieren-und-nur-Will-Smith-kann-die-Welt-retten. Nur ganz normale, kleine Alltagsgeheimnisse.

Ganz spontan fallen mir zum Beispiel diese hier ein:
1 Meine Kate-Spade-Tasche ist nicht echt.
2 Ich liebe süßen Sherry, das uncoolste Getränk der Welt.
3 Ich habe keine Ahnung, wofür die Abkürzung NATO steht. Oder was das überhaupt ist.
4 Ich wiege 59 Kilo. Nicht 53, wie mein Freund Connor glaubt. (Zu meiner Verteidigung muss ich allerdings sagen, dass ich eine Diät anfangen wollte, als ich das behauptet habe. Und außerdem war ja nur die zweite Ziffer ein bisschen geflunkert.)
5 Ich finde, Connor sieht ein bisschen aus wie Barbies Ken.
6 Manchmal würde ich, wenn wir gerade so richtig leidenschaftlichen Sex haben, plötzlich gerne lachen.
7 Ich bin von Danny Nussbaum im Gästezimmer entjungfert worden, als Mum und Dad unten saßen und Ben Hur guckten.
8 Ich habe den Wein, von dem Dad gesagt hat, ich soll ihn zwanzig Jahre liegen lassen, schon längst getrunken.
9 Der Goldfisch Sammy bei meinen Eltern ist nicht der Goldfisch, den Mum und Dad bei mir in Pflege gegeben haben, als sie nach Ägypten fuhren.
10 Wenn meine Kollegin Artemis mir so richtig auf die Nerven geht, gieße ich ihre Pflanze mit Orangensaft. (Also so ziemlich täglich.)
11 Ich hatte mal einen komischen lesbischen Traum über meine Mitbewohnerin Lissy.
12 Mein Stringtanga zwickt.
13 Ganz tief in mir drin war ich schon immer davon überzeugt, dass ich anders bin als andere und dass schon hinter der nächsten Ecke ein unglaublich aufregendes neues Leben auf mich wartet.
14 Ich habe keinen Schimmer, wovon der Typ im grauen Anzug spricht.
15 Und seinen Namen habe ich auch schon wieder vergessen.

Dabei habe ich ihn erst vor zehn Minuten kennen gelernt.
»Wir halten viel von logistischen Allianzen«, leiert er mit näselnder Stimme, »auch über die eigene Branche hinaus.«
»Unbedingt!«, antworte ich strahlend, als ob ich sagen wollte: »Das tun wir doch alle.«
Logistisch. Was heißt das noch mal?
O Gott. Hoffentlich fragen sie mich das nicht.
Krieg dich wieder ein, Emma. Sie werden wohl kaum plötzlich fragen: »Was heißt eigentlich logistisch?« Ich bin schließlich auch Marketing-Profi. Natürlich kenne ich mich mit diesen Dingen aus.
Wenn sie wieder davon anfangen, wechsle ich einfach das Thema. Oder ich sage, ich bin postlogistisch oder so.
Vor allem muss ich mich weiterhin selbstsicher und souverän geben. Das kann ich. Das hier ist schließlich meine große Chance, und die werde ich nicht ungenutzt verstreichen lassen.
Ich sitze in einem Büro der Zentrale von Glen Oil in Glasgow, und wenn ich mein Spiegelbild so im Fenster betrachte, sehe ich doch wirklich aus wie eine Top-Businessfrau. Meine Haare sind glattgeföhnt, ich trage dezente Ohrringe, wie es in den So-bekommen-Sie-Ihren-Traumjob-Artikeln immer geraten wird, und das raffinierte neue Jigsaw-Kostüm. (Jedenfalls ist es fast neu. Ich habe es aus dem Second-Hand-Laden der Krebshilfe und musste nur einen fehlenden Knopf ersetzen, fällt fast gar nicht auf.)
Ich vertrete die Panther Corporation, bei der ich angestellt bin. Bei dem Treffen soll eine gemeinsame Marketing-Aktion zwischen dem neuen Panther Prime Sportdrink mit Preiselbeergeschmack und Glen Oil zum Abschluss gebracht werden, und dafür bin ich heute Morgen extra aus London hierher geflogen. (Hat alles die Firma bezahlt!)
Als ich ankam, legten die Marketing-Typen von Glen Oil gleich mit einer langatmigen Wer-ist-am-weitesten-gereist-Angeberei los, über Flugmeilen und Transatlantikflüge ich glaube, ich habe ganz überzeugend geblufft. (Außer als ich sagte, ich sei mit der Concorde nach Ottawa geflogen, und sich herausstellte, dass die Concorde gar nicht nach Ottawa fliegt.) Ehrlich gesagt bin ich jetzt überhaupt zum ersten Mal geschäftlich irgendwohin gereist.
Okay. Wenn ich ganz ehrlich sein soll: Dies ist mein erster Geschäftstermin überhaupt, Punkt. Ich bin seit elf Monaten als Marketing-Assistentin bei der Panther Corporation, und bisher durfte ich nur tippen und kopieren, die Meetings anderer Leute organisieren, Sandwiches besorgen und dem Chef die Kleider aus der Reinigung holen.
Das hier ist also der Durchbruch. Und insgeheim hoffe ich, dass ich vielleicht befördert werde, wenn es gut läuft. In der Stellenanzeige stand damals »Beförderung nach einem Jahr möglich«. Am Montag findet das jährliche Beurteilungsgespräch mit meinem Chef Paul statt. Ich habe »Beurteilungsgespräch« im Personalhandbuch nachgeschlagen, und dort steht, das sei »die ideale Gelegenheit, über die nächsten Karriereschritte zu sprechen«.
Karriere! Bei dem Gedanken spüre ich gleich wieder dieses stechende Verlangen in der Brust. Dann würde Dad endlich mal sehen, dass ich keine Totalversagerin bin. Und Mum. Und Kerry. Ich könnte nach Hause fahren und beiläufig erwähnen, »ach, übrigens, ich bin zum Marketing Executive befördert worden«.
Emma Corrigan, Marketing Executive.
Emma Corrigan, Stellv. Geschäftsführerin (Marketing).

Wenn das heute bloß gut geht. Paul sagte, der Deal sei längst unter Dach und Fach, ich müsse nur noch nicken und ein paar Hände schütteln, und das könne selbst ich hinkriegen. Und ich würde sagen, bis jetzt läuft es richtig gut.
Na gut, neunzig Prozent von dem, was die reden, verstehe ich nicht. Aber in der mündlichen Französischprüfung habe ich damals auch nicht viel verstanden und trotzdem eine Zwei bekommen.
»Rebranding Analyse Rentabilität «
Der Mann im grauen Anzug schwafelt immer noch irgendwas. So unauffällig wie möglich ziehe ich seine Visitenkarte zu mir herüber, um sie lesen zu können.
Doug Hamilton. Ach ja, richtig. Okay, das kann ich mir merken. Doug klingt wie Dog, das ist einfach. Ich merke mir einen Hund. Mit Ham, einem Schinken. Das passt irgendwie nicht zusammen
Na gut, vergessen wir das. Ich schreibe es mir einfach auf.
Ich notiere mir »Rebranding« und »Doug Hamilton« und rutsche unbehaglich herum, weil es so zwickt. Herrgott, mein Slip ist vielleicht unbequem. Ich meine, selbst der tollste String ist nicht bequem, finde ich, aber dieser ist besonders schlimm. Was daran liegen könnte, dass er zwei Nummern zu klein ist.
Was möglicherweise daran liegen könnte, dass Connor ihn mir gekauft und der Wäscheverkäuferin erzählt hat, ich würde 53 Kilo wiegen. Weshalb sie ihm Größe sechsunddreißig verkauft hat. Größe sechsunddreißig!
(Ehrlich gesagt glaube ich, die Frau war einfach gemein. Sie muss doch gewusst haben, dass das geschwindelt war.)
Also packe ich bei der Bescherung an Heiligabend dieses entzückende zartrosa Seidenhöschen aus. Größe sechsunddreißig. Und habe nur zwei Möglichkeiten:
A: Beichten: »Ehrlich gesagt, das ist zu klein, ich brauche eher vierzig, und übrigens wiege ich auch nicht 53 Kilo, wenn wir schon mal dabei sind.« Oder
B: Mich hineinzwängen.
Eigentlich ging es. Man konnte die roten Striemen auf der Haut nachher kaum sehen. Und außerdem brauchte ich dann nur noch schnell sämtliche Etiketten aus meiner Kleidung zu schneiden, damit Connor nichts merkt.
Seither habe ich dieses Wäschestück kaum je getragen, ist ja klar. Aber gelegentlich, wenn ich es da so hübsch und teuer in der Schublade liegen sehe, denke ich, ach, was soll's, so eng wird's schon nicht sein, und quetsche mich irgendwie hinein. So auch heute Morgen. Ich dachte sogar, ich hätte wohl abgenommen, weil es sich gar nicht so schlimm anfühlte.
Vollkommen idiotische Selbsttäuschung. » leider, wegen unseres Rebrandings noch mal gründlich überdenken müssen alternative Synergien erwägen « Bislang saß ich nur da und nickte und fand so einen Geschäftstermin ziemlich locker. Aber jetzt dringt Doug Hamiltons Stimme plötzlich in mein Bewusstsein durch. Was redet der da?
» zwei divergierende Produkte nicht mehr kompatibel «
Wie, nicht mehr kompatibel? Wieso noch mal gründlich überdenken? Plötzlich bin ich alarmiert. Möglicherweise ist das doch nicht nur Geschwätz. Möglicherweise sagt er tatsächlich etwas. Hör mal besser zu.
»Wir haben die effektive und synergetische Zusammenarbeit zwischen Panther und Glen Oil stets sehr zu schätzen gewusst«, sagt Doug Hamilton. »Aber Sie sehen ja selbst, dass wir unterschiedliche Richtungen einschlagen.«
Unterschiedliche Richtungen?
Darüber redet er die ganze Zeit?
Mir dreht sich der Magen um.
Er kann doch nicht
Will er den Deal platzen lassen?
»Entschuldigen Sie, Doug«, sage ich so lässig wie möglich. »Ich habe Ihnen natürlich sehr genau zugehört.« Ich schenke ihm ein irrsinnig professionelles Lächeln. »Aber können Sie das vielleicht noch mal äh, für uns alle zusammenfassen «
Und zwar in einfachen Worten, bitte ich still.
Doug Hamilton und der andere Typ werfen sich Blicke zu.
»Wir sind nicht ganz glücklich mit Ihren Brand Values«, sagt Doug Hamilton.
»Meinen Brand Values?« Langsam werde ich panisch.
»Den Brand Values des Produkts«, sagt er und sieht mich komisch an. »Wie ich bereits erklärt habe, stecken wir hier bei Glen Oil gerade mitten im Rebranding. Unser neues Image ist das eines fürsorglichen Brennstoffs, wie man am neuen Logo mit der Narzisse sehen kann. Und da finden wir Panther Prime, mit dem Schwerpunkt auf Sport und Wettbewerb, einfach zu aggressiv.«
»Aggressiv?« Völlig verwirrt starre ich ihn an. »Aber wir reden hier von Fruchtsaft!«
Was soll das denn? Glen Oil ist qualmendes, umweltzerstörendes Benzin. Panther Prime ist ein harmloses Getränk mit Preiselbeergeschmack. Wie kann das zu aggressiv sein?
»Es geht um die Werte, die damit vermittelt werden.« Er zeigt auf die Werbebroschüren auf dem Tisch. »Panther ist dynamisch. Elitär. Maskulin. Schon der Slogan Don't Pause zeigt das deutlich. Ehrlich gesagt, das ist doch überholt.« Er zuckt mit den Schultern. »Wir erachten eine gemeinsame Aktion einfach nicht mehr für sinnvoll.«
Nein. Nein. Das kann doch wohl nicht wahr sein. Der kann doch jetzt keinen Rückzieher machen.
Im Büro werden alle glauben, es wäre meine Schuld. Sie werden glauben, dass ich es vermasselt habe und total bescheuert bin.
Mein Herz hämmert. Mein Gesicht brennt. Das darf ich nicht zulassen. Aber was soll ich sagen? Ich bin überhaupt nicht vorbereitet. Paul hat schließlich gesagt, es sei alles geklärt und ich müsse denen bloß noch die Hände schütteln.
»Natürlich müssen wir noch mal darüber sprechen, bevor wir das endgültig entscheiden«, sagt Doug und lächelt mich kurz an. »Und wie gesagt würden wir die Zusammenarbeit mit der Panther Corporation gerne fortsetzen, sodass dieses Meeting auf jeden Fall seinen Zweck «
Er schiebt seinen Stuhl zurück.
Das kann ich doch nicht so stehen lassen! Ich muss sie noch überzeugen. Ich muss versuchen, den Deal doch noch abzuschießen.
Abzuschließen. Das meine ich natürlich.
»Moment«, höre ich mich sagen. »Nur noch einen Moment! Ich hätte dazu noch ein paar Anmerkungen zu machen.«
Was rede ich da eigentlich? Ich habe überhaupt keine Anmerkungen zu machen.
Auf dem Tisch steht eine Dose Panther Prime, nach der ich in der Hoffnung auf Inspiration greife. Um Zeit zu gewinnen, stehe ich auf, gehe in die Mitte des Raums und halte die Dose hoch, sodass alle sie sehen können.
»Panther Prime ist ein Sportdrink.«
Ich breche ab. Höfliches Schweigen. Mein Gesicht kribbelt.
»Er ähm er ist sehr «
O Gott. Was mache ich hier eigentlich?
Los, Emma. Denk nach. Denk an Panther Prime denk an Panther Cola denk an denk nach
Ja! Natürlich!
Okay, noch mal von vorne.
»Seit wir Ende der achtziger Jahre Panther Cola auf den Markt gebracht haben, stehen die Panther-Drinks für Power, Dynamik und Qualität«, bringe ich flüssig heraus.
Gott sei Dank. Das ist der Standardspruch aus dem Panther-Cola-Marketing. Ich habe ihn zig Millionen Mal getippt und hätte ihn im Schlaf herbeten können.
»Die Panther-Drinks sind ein Marketing-Phänomen«, fahre ich fort. »Der Panther ist weltweit eins der bekanntesten Logos, der Slogan Don't Pause steht bereits in Wörterbüchern. Wir bieten Glen Oil nun exklusiv die Möglichkeit, mit dieser weltbekannten Qualitätsmarke zusammenzuarbeiten.«
Mein Selbstvertrauen wächst, ich laufe in dem Konferenzraum herum und gestikuliere mit der Dose in der Hand.
»Mit dem Erwerb eines Panther-Gesundheitsdrinks demonstriert der Kunde, dass für ihn nur das Beste gut genug ist.« Ich schlage mit der anderen Hand auf die Dose. »Er erwartet das Beste von seinem Energydrink, er erwartet das Beste von seinem Benzin, er erwartet das Beste von sich selbst.«
Ich kann fliegen! Ich bin fantastisch! Wenn Paul mich jetzt sehen könnte, er würde mich vom Fleck weg befördern!
Ich gehe wieder zum Tisch und schaue Doug Hamilton in die Augen. »Wenn der Panther-Kunde die Dose öffnet, trifft er eine bewusste Entscheidung. Er zeigt allen, wer er ist. Und Glen Oil kann jetzt dasselbe tun.«
Dann setze ich die Dose schwungvoll mitten auf den Tisch und ziehe mit überlegenem Lächeln an dem Ring.
Ein Vulkan bricht aus.
Preiselbeerlimonade spritzt laut zischend aus der Dose und platscht auf den Tisch, ertränkt Papiere und Schreibunterlagen in knallroter Flüssigkeit und, nein, bitte nicht landet auf Doug Hamiltons Hemd.
»Scheiße!«, japse ich, »ich meine, tut mir wirklich Leid «
»Herr im Himmel«, flucht Doug Hamilton gereizt, steht auf und zieht ein Taschentuch heraus. »Geht das Zeug wieder raus?«
»Äh «, ich greife hilflos nach der Dose. »Ich weiß nicht.«
»Ich hole mal einen Lappen«, sagt der andere und springt auf.
Die Tür schließt sich hinter ihm, und es ist still, nur das langsame Tröpfeln des Preiselbeerdrinks auf den Boden ist zu hören.
Ich starre Doug Hamilton an, mein Gesicht glüht, und in den Ohren rauscht mir das Blut.
»Bitte «, sage ich und muss mich erst mal räuspern, »erzählen Sie das nicht meinem Chef.«
Jetzt habe ich es doch noch vermasselt.
Ich lungere in der Wartehalle des Glasgower Flughafens herum und bin völlig niedergeschlagen. Doug Hamilton war dann eigentlich noch ganz süß. Er sagte, der Fleck würde bestimmt rausgehen, und er hat versprochen, dass er es Paul nicht erzählt. Aber seine Meinung über den Deal hat er trotzdem nicht mehr geändert.
Mein erstes wichtiges Meeting. Meine erste große Chance und dann so was. Am liebsten würde ich gleich alles hinschmeißen. Am liebsten würde ich im Büro anrufen und sagen: »Das war's, ich komme nicht mehr, und übrigens war ich das damals mit dem Papierstau im Kopierer.«
Geht aber nicht. Das ist meine dritte Stelle in vier Jahren. Diesmal muss es funktionieren. Schon für mein Selbstwertgefühl. Für mein Selbstbewusstsein. Und außerdem, weil ich meinem Dad viertausend Pfund schulde.
»Was darf's denn sein?«, fragt ein Australier, und ich schaue benommen zu ihm auf. Ich war eine Stunde zu früh am Flughafen und habe schnurstracks die Bar angesteuert.
»Ähm «, mein Kopf ist ganz leer. »Äh ein Weißwein. Oder halt, einen Wodka-Tonic, bitte.«
Als er geht, sacke ich wieder auf dem Barhocker zusammen. Zwei Plätze weiter setzt sich eine Stewardess mit Mozartzopf. Sie lächelt mich an, und ich lächle schwach zurück.
Ich habe keine Ahnung, wie andere Leute ihr Berufsleben auf die Reihe kriegen, echt nicht. Zum Beispiel meine alte Freundin Lissy. Sie wollte schon immer Rechtsanwältin werden und jetzt, ta-daah! ist sie Fachanwältin für Betrugsangelegenheiten. Ich hatte nach der Schule keine Ahnung, was ich werden wollte. Zuerst habe ich bei einem Immobilienmakler gearbeitet. Aber nur, weil ich schon immer gerne Häuser angeguckt habe, und außerdem hatte ich auf einer Jobbörse eine Frau mit rot lackierten Fingernägeln kennen gelernt, die mir erzählte, dass sie so viel Geld verdient, dass sie sich mit vierzig zur Ruhe setzen könnte.
Aber dann fand ich es vom ersten Moment an schrecklich. Es war furchtbar, solche Floskeln zu benutzen wie »in reizvoller Lage«. Und es war furchtbar, dass wir, wenn jemand nach eigenen Angaben 300.000 Pfund zahlen konnte, ihm Häuser ab 400.000 Pfund vorstellen und ihn schräg angucken sollten, wie um zu sagen: »Sie haben nur 300.000? Ach Gott, wie armselig.«
Also habe ich nach sechs Monaten verkündet, dass ich lieber Fotografin werden wollte. Das war so ein toller Moment, wie im Film oder so. Mein Dad lieh mir das Geld für den Kurs und die Kamera, und ich schlug diesen großartigen neuen, kreativen Weg ein, der der Beginn eines neuen Lebens werden sollte
Nur hat das nicht ganz geklappt.
Ich meine, haben Sie eine Ahnung, was man als Foto-Assistentin so verdient?
Nichts. Echt nichts.
Was mir sogar egal gewesen wäre, wenn man mir nur eine Stelle als Foto-Assistentin angeboten hätte.
Ich seufze tief und starre mein trauriges Spiegelbild hinter der Bar an. Zu allem Überfluss ist mein Haar, das ich heute Morgen so sorgsam glatt gegelt habe, ganz kraus. Typisch.
Wenigstens war ich nicht die Einzige, aus der nichts geworden ist. Von den acht Leuten aus meinem Kurs hatte eine sofort Erfolg und macht jetzt Fotos für Vogue und so, einer knipst auf Hochzeiten, eine hatte ein Verhältnis mit dem Kursleiter, eine ist auf Reisen gegangen, eine hat ein Baby bekommen, einer arbeitet bei Snappy Snaps und einer bei Morgan Stanley.
Ich habe mich im Laufe der Zeit immer mehr verschuldet, habe Zeitarbeit gemacht und mich auf Stellen beworben, die einfach nur bezahlt wurden. Und vor elf Monaten habe ich schließlich als Marketing-Assistentin bei der Panther Corporation angefangen.
Der Barkeeper stellt mir den Wodka-Tonic hin und sieht mich fragend an. »Kopf hoch«, sagt er, »so schlimm kann es doch gar nicht sein.«
»Danke«, sage ich aufatmend und trinke einen Schluck. Fühlt sich schon besser an. Beim zweiten Schluck klingelt mein Handy.
Mein Magen macht einen nervösen Hüpfer. Wenn es das Büro ist, tue ich einfach so, als hätte ich es nicht gehört.
Ist es aber nicht, das Display zeigt unsere eigene Nummer.
»Hi«, sage ich, als ich auf den grünen Knopf drücke.
»Hallo!«, ruft Lissys Stimme. »Ich bin's nur. Und, wie war's?«
Lissy ist meine Mitbewohnerin und meine älteste Freundin. Sie hat wuscheliges dunkles Haar und einen IQ von ungefähr 600 und ist der süßeste Mensch, den ich kenne.
»Es war die Hölle«, jammere ich.
»Was ist denn passiert? Ist der Deal geplatzt?«
»Der Deal ist nicht nur geplatzt, sondern ich habe außerdem noch den Marketingchef von Glen Oil in Johannisbeerlimo ertränkt.«
Die Stewardess an der Bar unterdrückt ein Lächeln, und ich merke, wie ich rot werde. Na toll. Dann weiß es ja jetzt die ganze Welt.



Produktinformationen

Titel: Sag's nicht weiter, Liebling
Untertitel: Roman
Autor: Sophie Kinsella
Übersetzer: Isabel Bogdan
EAN: 9783442456321
ISBN: 978-3-442-45632-1
Format: Taschenbuch (kartoniert)
Herausgeber: Goldmann
Genre: Romane & Erzählungen
Anzahl Seiten: 384
Gewicht: 313g
Größe: H183mm x B116mm x T28mm
Jahr: 2004
Land: DE

Filialverfügbarkeit

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