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Helle Tage

  • Kartonierter Einband
  • 400 Seiten
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Leseprobe
Eine furiose Hommage an eine einzigartige Stadt - an New York City. Der preisgekrönte Autor Michael Cunningham erzählt drei Geschi... Weiterlesen
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Beschreibung

Eine furiose Hommage an eine einzigartige Stadt - an New York City. Der preisgekrönte Autor Michael Cunningham erzählt drei Geschichten aus drei Jahrhunderten, die auf raffinierte Weise miteinander verflochten sind, unter anderem durch die Verse Walt Whitmans, des großen romantischen Dichters Amerikas. Ein kunstvoller, immens vergnüglicher, ungewöhnlicher Roman über die verwundete amerikanische Seele und den unverbrüchlichen Lebensmut, der die Menschen dieser Stadt seit jeher prägt.

Ein wunderbarer, poetischer Roman.

Autorentext
Michael Cunningham wurde 1952 in Cincinnati, Ohio, geboren und wuchs in Pasadena, Kalifornien, auf. Er lebt in New York City, lehrt an der Yale University und hat mehrere Romane und Erzählungen veröffentlicht. Sein Roman »Die Stunden« wurde vielfach preisgekrönt, u. a. mit dem Pulitzerpreis und dem PEN/Faulkner-Award, und wurde in 22 Sprachen übersetzt. Die überaus erfolgreiche Verfilmung »The Hours« mit Meryl Streep, Julianne Moore und Nicole Kidman wurde mit einem Oscar ausgezeichnet.

Georg Schmidt, geb. 1952 in Oberfranken, ist Journalist und Lektor sowie der Übersetzer von u.a. James Lee Burke, James Crumley, James Ellroy, Richard Lourie, Paco Ignacio Taibo, Michael Cunningham und Andrew Vachss.

Zusammenfassung
Eine furiose Hommage an eine einzigartige Stadt an New York City. Der preisgekrönte Autor Michael Cunningham erzählt drei Geschichten aus drei Jahrhunderten, die auf raffinierte Weise miteinander verflochten sind, unter anderem durch die Verse Walt Whitmans, des großen romantischen Dichters Amerikas. Ein kunstvoller, immens vergnüglicher, ungewöhnlicher Roman über die verwundete amerikanische Seele und den unverbrüchlichen Lebensmut, der die Menschen dieser Stadt seit jeher prägt.



Leseprobe
IN DER MASCHINE Walt sagte, daß die Toten zu Gras werden, aber dort, wo sie Simon begraben hatten, war kein Gras. Er war bei den Iren auf der anderen Seite des Flusses, wo es nur Erde und Kiesel gab und Namen auf Steinen. Catherine glaubte, daß Simon in den Himmel gekommen war. Sie hatte ein Medaillon mit seinem Bild darin und einer Haarsträhne von ihm. »Sein Platz ist im Himmel«, sagte sie. »Er war zu gut für diese Welt.« Sie schaute unsicher aus dem Wohnzimmerfenster auf die Straße, als erwartete sie, daß eine glitzernde Kutsche mit Simon an Bord vorbeirollte, friedlich in seiner unbekümmerten, milchweißen Schönheit, winkend und grinsend, während er sich freudig an den Ort begab, wo er schon immer hingehörte. »Wenn du meinst«, antwortete Lucas. Catherine befingerte das Medaillon. Ihre Hände waren schmal und zierlich. Sie konnte so feine Nähte stechen, daß man sie nicht sah. »Und trotzdem ist er noch immer bei uns«, sagte sie. »Spürst du es nicht?« Sie spielte mit der Kette des Medaillons herum, als wäre sie ein Rosenkranz. »Ich nehm's an«, sagte Lucas. Catherine dachte, Simon wäre in dem Medaillon, im Himmel und immer noch bei ihnen. Hoffentlich erwartete sie nicht von ihm, daß er froh darüber war, so viele Simons zu haben, mit denen er sich auseinandersetzen mußte. Die Gäste waren aufgebrochen, und Lucas' Vater und Mutter waren zu Bett gegangen. Nur noch Lucas und Catherine waren im Wohnzimmer, mitsamt den Überresten. Leere Teller, die Kruste eines Schinkens. Der Schinken war für Catherines und Simons Hochzeit gedacht gewesen. Es war also eine glückliche Fügung, daß sie ihn statt dessen für die Totenwache hatten. Lucas sagte: »Ich habe gehört, was die Schwätzer schwatzen, Geschwätz von Anfang und Ende. Ich aber schwatze nicht vom Anfang oder vom Ende.« Er hatte nicht sprechen wollen wie das Buch. Er wollte es nie, aber wenn er aufgeregt war, konnte er nicht anders. »Ach, Lucas«, sagtesie. Sein Herz flatterte und pochte an den Knochen. »Ich mache mir Sorgen um dich«, sagte sie. »Du bist so jung.« »Ich bin fast dreizehn«, sagte er. »Es ist ein schrecklicher Ort. Die Arbeit ist so schwer.« »Ich habe Glück gehabt. Es war eine Gefälligkeit von denen, daß sie mir Simons Stelle gegeben haben.« »Und keine Schule mehr.« »Ich brauche keine Schule. Ich habe Walts Buch.« »Du kennst das ganze Ding, nicht wahr?« »O nein. Da steht viel mehr drin, dazu brauche ich Jahre.« »Du mußt dich in acht nehmen im Werk«, sagte sie. »Du mußt « Sie hörte auf zu sprechen, doch ihre Miene änderte sich nicht. Sie bot weiterhin ihr Profil dar, das so ernst und schön war wie das einer Frau auf einer Münze. Sie schaute weiter auf die Straße hinab, wartete auf den Vorbeimarsch des himmlischen Geleitzugs, mit Simon obenauf, dem Stolz der Familie, dem neuen Prinz der Toten. »Du mußt dich auch in acht nehmen«, sagte Lucas. »Ich muß mich vor nichts in acht nehmen, mein Lieber. Für mich gibt es nur morgen und den nächsten Tag.« Sie streifte sich die Kette des Medaillons wieder über den Kopf. Das Medaillon verschwand in ihrem Kleid. Lucas wollte ihr sagen was? Er wollte ihr sagen, daß er aufgekratzt und wachsam war und unbändig allein, daß sein Leib sein unstetes Herz enthielt und noch etwas anderes, etwas, das er spüren, aber nicht beschreiben konnte: porös und stachlig, wabernd vor Gedankenfetzen, Drang und Geld; mit Glimmer gesprenkelt, weiß und grün und fahlgold funkelnd, wie Sterne; etwas, das die Sterne liebte, weil es aus dem gleichen Stoff gemacht war. Er mußte ihr sagen, daß es unmöglich, unerträglich war, fortwährend fälschlich für einen mißgebildeten Jungen mit Glubschauge und Kürbiskopf gehalten zu werden, der die Angewohnheit hatte, in Versen zu sprechen.

Produktinformationen

Titel: Helle Tage
Untertitel: Roman
Autor:
Übersetzer:
EAN: 9783442736850
ISBN: 978-3-442-73685-0
Format: Kartonierter Einband
Herausgeber: BTB Tb.
Genre: Romane & Erzählungen
Anzahl Seiten: 400
Gewicht: 322g
Größe: H189mm x B118mm x T26mm
Veröffentlichung: 01.02.2008
Jahr: 2008
Land: DE

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