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Das Orchideenhaus

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Leseprobe
Als junges Mädchen verbrachte Julia Forrester jede freie Minute bei ihrem Großvater, einem bekannten Orchideenzüchter, im Gewächsh... Weiterlesen

Beschreibung

Als junges Mädchen verbrachte Julia Forrester jede freie Minute bei ihrem Großvater, einem bekannten Orchideenzüchter, im Gewächshaus von Wharton Park. Nach einem schweren Schicksalsschlag führt der Zufall Julia Jahre später noch einmal zu dem Anwesen zurück. Der jetzige Besitzer Kit Crawford überreicht ihr ein altes Tagebuch, das bei den Renovierungsarbeiten gefunden wurde und womöglich Julias Großvater gehörte. Als Julia ihre Großmutter Elsie mit dem Tagebuch konfrontiert, drängt ein jahrelang gehütetes Familiengeheimnis ans Licht, das auch Julias Leben komplett verändern wird.

In "Das Orchideenhaus" von Lucinda Riley steht das Leben von Julia Forrester im Mittelpunkt. Julia hat in einem kleinen Cottage nahe Wharton Park viel Zeit ihrer Kindheit verbracht. Auf dem Anwesen arbeiteten beide Grosseltern als Angestellte der Hausherrin und Julias Grossvater galt als erfolgreicher Orchideenzüchter. Jahre später erleidet die nun erfolgreiche Pianistin Julia einen schweren Schicksalsschlag und der Zufall führt sie an den Ort zurück, der ihre Kindheit geprägt hat: das Anwesen mit Orchideenhaus, das nun dem neuen Besitzer Kit Crawford gehört. Doch "Das Orchideenhaus" von Wharton Park im gleichnamigen Roman von Lucinda Riley birgt ein dunkles Geheimnis. Der neue Besitzer hat bei den Renovierungsarbeiten ein altes Tagebuch gefunden, das Julias Grossvater gehörte. Julia begibt sich in "Das Orchideenhaus" von Lucinda Riley auf die Spuren der Vergangenheit. Sie konfrontiert ihre Grossmutter Elsie mit den Aufzeichnungen, die der Grossvater im Zweiten Weltkrieg verfasst hat. Diese Aufzeichnungen sind gegen den Willen von Grossmutter Elsie Auslöser dafür, dass schließlich ein Familiengeheimnis aufgedeckt wird, das jahrelang streng gehütet wurde. Die Wahrheit wird auch Julias Leben komplett verändern. In "Das Orchideenhaus" von Lucinda Riley wird schlussendlich die Geschichte von zwei Familien erzählt, deren Schicksal auf tragische Weise miteinander verwoben ist.

"Ein Roman voll Spannung und großer Gefühle."

Autorentext
Lucinda Riley wurde in Irland geboren und verbrachte als Kind mehrere Jahre in Fernost. Sie liebt es zu reisen und ist nach wie vor den Orten ihrer Kindheit sehr verbunden. Nach einer Karriere als Theater- und Fernsehschauspielerin konzentriert sich Lucinda Riley heute ganz auf das Schreiben und das mit sensationellem Erfolg: Seit ihrem gefeierten Roman »Das Orchideenhaus« stürmte jedes ihrer Bücher die internationalen Bestsellerlisten. Lucinda Riley lebt mit ihrem Mann und ihren vier Kindern an der englischen Küste in North Norfolk und in West Cork, Irland.

Klappentext

Jedes Haus hat sein Geheimnis. Und jede Liebe ihren Preis

Als junges Mädchen verbrachte Julia Forrester jede freie Minute bei ihrem Großvater, einem bekannten Orchideenzüchter, im Gewächshaus von Wharton Park. Nach einem schweren Schicksalsschlag führt der Zufall Julia Jahre später noch einmal zu dem Anwesen zurück. Der jetzige Besitzer Kit Crawford überreicht ihr ein altes Tagebuch, das bei den Renovierungsarbeiten gefunden wurde und womöglich Julias Großvater gehörte. Als Julia ihre Großmutter Elsie mit dem Tagebuch konfrontiert, drängt ein jahrelang gehütetes Familiengeheimnis ans Licht, das auch Julias Leben komplett verändern wird ...



Zusammenfassung
Jedes Haus hat sein Geheimnis. Und jede Liebe ihren Preis

Als junges Mädchen verbrachte Julia Forrester jede freie Minute bei ihrem Großvater, einem bekannten Orchideenzüchter, im Gewächshaus von Wharton Park. Nach einem schweren Schicksalsschlag führt der Zufall Julia Jahre später noch einmal zu dem Anwesen zurück. Der jetzige Besitzer Kit Crawford überreicht ihr ein altes Tagebuch, das bei den Renovierungsarbeiten gefunden wurde und womöglich Julias Großvater gehörte. Als Julia ihre Großmutter Elsie mit dem Tagebuch konfrontiert, drängt ein jahrelang gehütetes Familiengeheimnis ans Licht, das auch Julias Leben komplett verändern wird



Leseprobe
In Siam sagt man, wenn ein Mann sich leidenschaftlich und unwiderruflich in eine Frau verliebe, sei er in der Lage, sie f r sich zu gewinnen und sie dazu zu bringen, dass er ihr wichtiger sei als alle anderen M er.
Es war einmal ein Prinz von Siam, der sich so in eine Frau seltener Sch nheit verliebte. Er warb um sie und errang sie, doch wenige N te vor der Hochzeit, anl lich derer landesweite Feiern stattfinden sollten, wurde der Prinz unsicher.
Er wusste, dass er ihr seine Liebe mit einer eindrucksvollen und heroischen Tat beweisen musste, um sie f r alle Zeiten an sich zu binden. Dass er etwas finden musste, das genauso selten und sch n war wie sie.
Nach langem Nachdenken rief er seine drei treuesten Diener zu sich und erkl e ihnen, was sie tun sollten.
Ich habe von der Schwarzen Orchidee geh rt, die in meinem Reich w st, hoch oben in den Bergen des Nordens. Die sollt ihr f r mich aufsp ren und mir in den Palast bringen, damit ich sie meiner Prinzessin an unserem Hochzeitstag schenken kann. Den, der sie findet, mache ich zum reichen Mann. Die beiden, denen es nicht gelingt, werden meine Hochzeit nicht erleben.
Die Herzen der drei M er, die sich vor ihrem Prinzen verneigten, waren voller Angst, denn sie wussten, dass sie dem Tod ins Auge blickten. Die Schwarze Orchidee war eine sagenumwobene Blume. Wie die juwelengeschm ckten goldenen Drachen an den Bugen der k niglichen Barkassen, in denen der Prinz zum Tempel gleiten w rde, um mit der Prinzessin den Bund f rs Leben zu schlie n, geh rte sie ins Reich der Legenden.
An jenem Abend kehrten alle drei M er zu ihren Familien zur ck, um Abschied zu nehmen. Einer von ihnen, der in den Armen seiner weinenden Frau lag, war schlauer als die anderen.
Bis zum Morgen dachte er sich einen Plan aus und machte sich auf den Weg zu den schwimmenden M ten, wo man Gew rze, Seide und Blumen erwerben konnte.
Dort erstand er eine pr tige, tiefrot-rosafarbene Orchidee mit dunklen, samtigen Bl tenbl ern. Mit ihr fuhr er durch die schmalen klongs von Bangkok, bis er einen Schreiber fand, der inmitten seiner Schriftrollen in einem dunklen, feuchten Arbeitsraum hinter seinem Laden sa
Der Diener kannte den Schreiber, der einmal im Palast gearbeitet hatte, jedoch seiner mangelhaften Schrift wegen f r unw rdig befunden worden war.
Sawadee Krup, Schreiber , begr e der Diener ihn und legte die Orchidee auf seinen Tisch. Ich h e eine Aufgabe f r dich. Wenn du mir hilfst, kann ich dir Reicht mer bieten, von denen du bisher nur getr t hast.
Der Schreiber, der sich, seit er nicht mehr im Palast arbeitete, seinen Lebensunterhalt nur mit M he verdiente, sah den Diener an. Was kann ich f r dich tun?
Der Diener zeigte auf die Blume. Ich m chte dich bitten, dein Geschick mit Tinte an dieser Orchidee zu beweisen und ihre Bl tenbl er schwarz anzumalen.
Der Schreiber bedachte den Diener mit einem Stirnrunzeln, bevor er die Pflanze musterte. Ja, das ist m glich, aber wenn sie neue Bl ten treibt, sind diese nicht schwarz, und der Schwindel fliegt auf.
Wenn sie neue Bl ten treibt, sind wir beide viele Meilen weit weg und leben wie der Prinz, dem ich diene , erwiderte der Diener.
Der Schreiber nickte und dachte ber die Bitte des Dieners nach. Komm bei Einbruch der Nacht wieder, um deine Schwarze Orchidee zu holen.
Der Diener kehrte nach Hause zur ck, wo er seiner Frau sagte, sie solle ihre wenigen Habseligkeiten packen, und ihr versprach, dass sie sich bald schon alles leisten k nne, was ihr Herz begehre. Au rdem werde er ihr einen wundersch nen Palast an einem Ort weit, weit weg errichten.
Als er am Abend zum Schreiber zur ckkehrte, seufzte er beim Anblick der Schwarzen Orchidee auf dessen Tisch vor Freude auf.
Er betrachtete ihre Bl tenbl er genau und erkannte, dass der Schreiber hervorragende Arbeit geleistet hatte.
Die Tinte ist trocken und wird nicht an den Fingern Neugieriger haften bleiben , erkl e der Schreiber. Das habe ich ausprobiert. Versuch es ruhig selber.
Der Diener versuchte es, und tats lich: Seine Finger wiesen keine Tintenflecken auf.
Aber ich kann nicht beurteilen, wie lange die Farbe halten wird. Die Feuchtigkeit, die die Pflanze selbst erzeugt, wird die Tinte befeuchten. Und nat rlich darf sie nicht in den Regen kommen.
Das gen gt v llig , sagte der Diener und nahm die Pflanze an sich. Ich gehe jetzt zum Palast. Komm um Mitternacht hinunter zum Fluss. Dort wirst du deinen Lohn erhalten.
Am Abend seines Hochzeitstages und der gro n landesweiten Feier betrat der Prinz seine privaten Gem er.
Die Prinzessin blickte von der Terrasse hinunter auf den Chao-Phraya-Fluss, der noch immer von dem Feuerwerk zur Feier ihrer Hochzeit ergl hte. Der Prinz gesellte sich zu ihr.
Liebste, ich habe etwas f r dich, etwas, das deine einzigartige Sch nheit und Vollkommenheit symbolisiert.
Er reichte ihr die Schwarze Orchidee in einem juwelengeschm ckten Topf aus reinem Gold.
Die Prinzessin betrachtete die Pflanze, deren nachtschwarze Bl tenbl er mit der schweren Farbe zu ringen schienen. Sie wirkte m de und welk . _ und unnat rlich d ster.
Doch die Prinzessin wusste, welchen Schatz sie in H en hielt und was der Prinz f r sie getan hatte.
Mein Prinz, sie ist wundersch n! Wo hast du sie entdeckt?
Ich habe im ganzen K nigreich danach suchen lassen. Und ich bin mir sicher, dass es keine zweite ihrer Art gibt, genauso wenig, wie es eine Zweite wie dich gibt. Er sah sie voller Liebe an.
Sie streichelte sanft sein Gesicht, um ihm ihre ewige Liebe zu zeigen.
Ich danke dir von Herzen.
Er ergriff ihre Hand und begann ihre Finger zu k ssen. Schon bald wollte er sie ganz besitzen. Es war ihre Hochzeitsnacht, und er hatte lange gewartet. Der Prinz nahm die Orchidee, stellte sie auf die Terrasse, schlang die Arme um die Prinzessin und k sste sie leidenschaftlich.
Komm mit hinein, meine Prinzessin , fl sterte er ihr ins Ohr.
Sie lie die Schwarze Orchidee auf der Terrasse und folgte ihm ins Schlafgemach.
Kurz vor Tagesanbruch erhob die Prinzessin sich von ihrem Nachtlager und ging hinaus, um den ersten Morgen ihres neuen gemeinsamen Lebens zu begr n.
Die Pf tzen verrieten ihr, dass es in der Nacht geregnet hatte. Obwohl der neue Tag bereits heraufd erte, verbarg die Sonne sich noch zum Teil hinter den B en auf der anderen Seite des Flusses.
Auf der Terrasse stand eine tiefrot-rosafarbene Orchidee in dem Topf aus reinem Gold, den der Prinz ihr berreicht hatte.
Die Prinzessin lie l elnd die Finger ber ihre Bl tenbl er gleiten, die, vom Regen gereinigt, so gesund wirkten und viel, viel sch ner als am Abend zuvor. Die Pf tze rund um den Topf war leicht grau gef t.
Da begriff sie und hob die Pflanze hoch, um ihren himmlischen Geruch einzuatmen. Sie berlegte, was zu tun sei: War es besser, mit der Wahrheit zu verletzen oder mit einer L ge zu sch tzen?
Wenige Minuten sp r schlenderte sie ins Schlafgemach zur ck und schmiegte sich wieder in die Arme des Prinzen.
Mein Prinz , fl sterte sie, als er erwachte, meine Schwarze Orchidee ist heute Nacht gestohlen worden.
Der Prinz richtete sich entsetzt auf, um die Wachen zu rufen. Doch sie beruhigte ihn mit einem L eln.
Nein, Liebster, sie wurde uns nur f r eine Nacht geschenkt, f r die Nacht, in der unsere Liebe erbl hte und wir eins und Teil der Natur wurden. Wir durften nicht erwarten, dass wir etwas so Magisches f r uns behalten k nnten. Au rdem wird sie ohnehin irgendwann welken und sterben. Und das k nnte ich nicht ertragen. Sie nahm seine Hand und k sste sie. Lass uns an ihre Macht glauben und daran, dass ihre Sch nheit uns in der ersten Nacht unseres gemeinsamen Lebens gesegnet hat.
Der Prinz dachte eine Weile nach. Und weil er die Prinzessin aus ganzem Herzen liebte und sich so sehr dar ber freute, dass sie nun die Seine war, rief er die Wachen nicht.
Ihrer harmonischen Verbindung entsprang ein Kind, das in jener Nacht gezeugt wurde und auf das noch viele weitere folgten. Der Prinz glaubte den Rest seines Lebens, dass die sagenumwobene Schwarze Orchidee sie an ihrer Magie hatte teilhaben lassen.
Am Morgen nach der Prinzenhochzeit sa ein armer Fischer am Ufer des Chao Phraya, wenige hundert Meter flussaufw s vom k niglichen Palast. Da er in den vergangenen beiden Stunden nichts gefangen hatte, berlegte er, ob die Fische durch das Feuerwerk in der Nacht auf den Grund vertrieben worden waren. Er hatte nichts, was er verkaufen konnte, und seine gro Familie w rde hungern m ssen.
Als die Sonne ber die B e auf der anderen Seite des Flusses kletterte und sein Wasser erstrahlen lie entdeckte der Fischer etwas Gl endes zwischen den gr nen Schlingpflanzen. Er legte seine Rute beiseite und watete ins Wasser, um es zu holen.
Was f r ein Anblick bot sich ihm, als er die Pflanzen entfernt hatte!
Der Topf bestand aus reinem Gold und war verziert mit Diamanten, Smaragden und Rubinen.
Der Fischer, der in der Aufregung die Rute verga verstaute den Topf in seinem Korb und machte sich auf den Weg zum Edelsteinmarkt in der Stadt. Er wusste, dass seine Familie nie wieder hungern m sste.

Teil eins Norfolk, England
Winter
Ich habe jede Nacht denselben Traum. Darin kommt es mir vor, als w rde mein Leben in die Luft geworfen und regnete in kleinen St cken wieder herab verdreht und von innen nach au n gest lpt. Alles Teile meines Lebens und doch in der falschen Reihenfolge.
Es hei , Tr e seien wichtig und verrieten einem Dinge, die man vor sich selbst verheimliche.
Ich verheimliche mir nichts; ich w nschte, ich k nnte es.
Ich lege mich schlafen, um zu vergessen und Ruhe zu finden, weil ich den ganzen Tag damit verbringe, mich zu erinnern.
Ich bin nicht verr ckt, auch wenn ich in letzter Zeit viel dar ber nachgedacht habe, was verr ckt bedeutet. Abermillionen Menschen, jeder anders, mit seinem eigenen DNS-Profil, seinen eigenen Gedanken und seiner eigenen Wahrnehmung der Welt.
Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass wir Menschen letztlich nur das K rperliche teilen k nnen, mit dem wir geboren wurden. Jeder reagiert anders auf Kummer, und keine dieser Reaktionen ist falsch. Manche Menschen weinen monate-, ja jahrelang; sie tragen Schwarz und trauern. Andere scheint ihr Verlust nicht zu ber hren. Sie begraben ihn und leben weiter wie bisher, als w nichts geschehen.
Ich wei nicht so genau, wie meine Reaktion aussieht. Ich habe seit Monaten nicht mehr geweint. Letztlich habe ich kaum geweint.
Aber ich habe es auch nicht vergessen. Das werde ich nie.
Unten h re ich jemanden. Ich muss aufstehen und so tun, als w ich bereit, dem Tag ins Auge zu blicken.
Alicia Howard lenkte ihren Landrover an die Bordsteinkante, schaltete den Motor aus und lief den kleinen H gel zum Cottage hinauf, dessen T r, das wusste sie, niemals verschlossen war. Sie ffnete sie und ging hinein.
Sie betrat zitternd das dunkle Wohnzimmer und zog die Vorh e am Fenster zur ck. Dann sch ttelte sie die Kissen auf dem Sofa auf und brachte die drei leeren Kaffeetassen, die herumstanden, in die K che.
Dort machte sie den K hlschrank auf, in dem eine einzelne, halb leere Flasche Milch stand. Au rdem entdeckte sie einen abgelaufenen Joghurt, ein wenig Butter sowie eine verschrumpelte Tomate. Alicia schloss die K hlschrankt r und warf einen Blick in den Brotkasten. Wie vermutet leer. Alicia setzte sich seufzend an den Tisch.
Sie dachte an ihre eigene warme, gut ausgestattete K che, den heimeligen Duft des Abendessens im Aga-Herd, den Klang von Kinderschritten und das fr hliche Lachen der Kleinen das Herz ihres Zuhauses und ihres Lebens.
Wie anders dieser d stere kleine Raum war, entging ihr nicht. Letztlich illustrierte er sehr deutlich das gegenw ige Dasein ihrer j ngeren Schwester: Julias Leben und Herz waren gebrochen.
Da h rte Alicia Schritte auf der knarrenden Holztreppe. Als ihre Schwester die K chent r erreichte, war Alicia wie immer beeindruckt von ihrer Sch nheit. Mit ihren blonden Haaren und der hellen Haut h e Alicia sich nicht st er von der dunklen, exotischen Julia unterscheiden k nnen. Julias fein geschnittenes Gesicht wurde eingerahmt von einer dichten M e mahagonifarbenen Haares, und ihre mandelf rmigen, bernsteinfarbenen Augen und hohen Wangenknochen traten jetzt, da sie ein paar Kilo abgenommen hatte, noch deutlicher hervor.
Julia trug, weil sie momentan nur wenige Sachen ihr Eigen nannte, nicht die richtige Kleidung f r das Januarwetter: ein rotes, bunt besticktes Kaftanoberteil und eine weite schwarze Baumwollhose, die ihre d nnen Beine kaschierte. Alicia bemerkte die G ehaut an den nackten Armen Julias. Sie stand vom Tisch auf und nahm ihre widerstrebende Schwester in den Arm.
Schwesterherz , sagte sie, dir ist kalt. M chtest du dir selbst w ere Kleidung kaufen, oder soll ich dir ein paar von meinen Pullovern vorbeibringen?
Ich brauche nichts , antwortete Julia und l ste sich aus der Umarmung ihrer Schwester. Kaffee?
Es ist nicht viel Milch da; ich hab gerade in den K hlschrank geschaut.
Kein Problem. Ich trink ihn sowieso schwarz. Julia ging zur Sp le, f llte den Wasserkocher und schaltete ihn ein.
Wie geht's dir? , erkundigte sich Alicia.
Gut. Julia holte zwei gro Kaffeetassen aus dem Regal.
Alicia verzog das Gesicht. Gut war Julias Standardantwort, mit der sie neugierige Fragen abblockte.
Hast du diese Woche mit irgendjemandem gesprochen?
Nein.
Willst du wirklich nicht wieder eine Weile zu uns kommen? Mir gef t der Gedanke, dass du ganz allein hier bist, nicht.
Danke f rs Angebot, aber ich komme zurecht.
Julia, du siehst nicht gut aus. Du hast weiter abgenommen. Isst du berhaupt noch was? Klar. Willst du nun Kaffee oder nicht?
Nein danke.
Okay. Julia stellte die Milchflasche mit Schwung zur ck in den K hlschrank. Als sie sich umdrehte, funkelten ihre bernsteinfarbenen Augen zornig. Ich wei dass du das alles nur tust, weil du dir Sorgen um mich machst. Aber ich bin keins von deinen Kindern, Alicia, und brauche keinen Babysitter. Ich bin gern allein.
Egal , sagte Alicia in fr hlichem Tonfall, jedoch auch ein wenig ungeduldig, hol mal lieber deine Jacke. Wir gehen raus.
Ich hab heut schon was vor.
Dann sag ab. Ich brauche deine Hilfe.
Wobei?
Dad hat n ste Woche Geburtstag, falls du das vergessen haben solltest. Ich w rde ihm gern ein Geschenk kaufen.
Und dazu brauchst du meine Hilfe, Alicia?
Es ist sein f nfundsechzigster. Er geht in Rente.
Das wei ich. Er ist schlie ich auch mein Vater.
Alicia hatte M he, Fassung zu bewahren. Heute Mittag findet in Wharton Park eine Haushaltsaufl sung statt. Ich dachte mir, wir k nnten hingehen und sehen, ob wir gemeinsam etwas f r Dad finden.
In Julias Augen flackerte Interesse auf. Wharton Park wird verkauft?
Ja, wusstest du das nicht?
Julia lie die Schultern h en. Nein. Warum?
Vermutlich die alte Geschichte: Schulden. Angeblich verkauft der gegenw ige Eigent mer das Anwesen einem Typ aus der City, der gar nicht wei wohin mit seinem Geld. Keine moderne Familie kann sich ein solches Haus leisten. Der letzte Lord Wharton hat es leider schrecklich herunterkommen lassen. F r die Renovierung ist ein Verm gen n tig.
Wie traurig , murmelte Julia.
Ja , pflichtete Alicia ihr bei, die sich ber Julias Interesse freute. Es war ein wichtiger Teil unserer Kindheit, besonders deiner. Deswegen finde ich, wir sollten uns ein Erinnerungsst ck f r Dad sichern. Wahrscheinlich bieten sie sowieso nur Krempel an, und die guten Sachen landen bei Sotheby's, aber wer wei
Zu Alicias erraschung nickte Julia. Gut, ich hole meine Jacke.
F nf Minuten sp r lenkte Alicia den Wagen die schmale Highstreet des h bschen K stenortes Blakeney entlang und dann nach links, um die f nfzehnmin tige Fahrt nach Wharton Park zu beginnen.
Wharton Park , murmelte Julia.
Die Besuche in Gro ater Bills Treibhaus geh rten zu ihren lebhaftesten Kindheitserinnerungen: der berw igende Duft der exotischen Gew se, die er darin z chtete, und die Geduld, mit der er erkl e, welcher Gattung sie angeh rten und woher sie stammten. Sein Vater wie auch dessen Vater hatten als G ner f r die Crawford-Familie gearbeitet, die Eigent mer von Wharton Park, einem weitl igen Anwesen, bestehend aus vierhundert Hektar fruchtbaren Farmlandes.
Julias Gro ltern hatten in einem heimeligen Cottage in einem h bschen Winkel von Wharton Park gewohnt, umgeben von all den anderen Bediensteten, die sich um den Grund, das Haus und die Crawford-Familie selbst k mmerten. Julias und Alicias Mutter Jasmine war in dem Cottage zur Welt gekommen und aufgewachsen.
Ihre Gro utter Elsie war genau so gewesen, wie man sich die perfekte Oma vorstellt, wenn auch ein wenig exzentrisch.
Bei ihr hatten sie immer Trost gefunden und etwas K stliches zu essen bekommen.
Wenn Julia an ihre Zeit in Wharton Park zur ckdachte, fielen ihr der blaue Himmel und die bunten Farben der Blumen ein, die in der Sommersonne bl hten. Wharton war einmal ber hmt gewesen f r seine Orchideenzucht. Seltsam, dass diese kleinen, empfindlichen Pflanzen, die eigentlich aus tropischen Gefilden stammten, im k hlen n rdlichen Norfolk gediehen.
Als Kind hatte Julia sich das ganze Jahr ber auf die Sommerferien in Wharton Park mit der Ruhe und W e der Gew sh er in einer Ecke des K chengartens gefreut, wo sie vor den heftigen Nordseewinden gesch tzt waren. F r sie stellten sie wie das gro lterliche Cottage einen Ort des Friedens dar. In Wharton erte sich nie etwas. Hier gaben nicht Wecker und Stundenpl den Takt an, sondern die Natur.
Sie erinnerte sich gut an die klassische Musik, die von morgens bis abends aus dem alten Bakelitradio ihres Gro aters erklang.
Blumen lieben Musik , sagte ihr Gro ater Bill, wenn er sich um seine wertvollen Pflanzen k mmerte. Julia sa gern auf einem Hocker in der Ecke beim Radio, sah ihm zu und lauschte der Musik. Damals lernte sie Klavierspielen und entdeckte ihr Talent daf r.
Im kleinen Wohnzimmer des Cottage stand ein Klavier, auf dem sie nach dem Abendessen oft vorspielte. Ihre Gro ltern sahen anerkennend und bewundernd zu, wie Julias zarte Finger ber die Tasten glitten.
Das ist eine von Gott gegebene Begabung, Julia , stellte Gro ater Bill eines Abends mit Tr n in den Augen fest. Versprich mir, dass du sie nicht vergeudest, ja?
Zu ihrem elften Geburtstag schenkte Gro ater Bill ihr eine Orchidee.
Die habe ich eigens f r dich gez chtet, Julia. Sie hei Aerides odorata.
Julia begutachtete die zarten, elfenbein-rosafarbenen Bl tenbl er der Topfpflanze, die sich samten anf hlten unter ihren Fingern.
Wo kommt die her, Gro ater Bill? , fragte sie.
Aus Asien, genauer gesagt aus der Gegend von Chiang Mai im n rdlichen Thailand.
Ach. Und welche Art von Musik, glaubst du, gef t ihr?
Mozart scheint sie besonders zu m gen , antwortete ihr Gro ater schmunzelnd. Und wenn sie zu welken droht, solltest du es mit Chopin versuchen!
Julia pflegte im Wohnzimmer ihrer zugigen viktorianischen Wohnung in den Au nbezirken von Norwich sowohl ihre Orchidee als auch ihre musikalische Begabung und spielte der Pflanze flei g vor, so dass diese immer wieder bl hte.
Sie tr te von der exotischen Heimat ihrer Orchidee. Dann war sie pl tzlich nicht mehr in ihrem Wohnzimmer in England, sondern in den Weiten fern stlicher Dschungel, vernahm die Ger che von Geckos und V geln und roch die berauschenden D fte der Blumen, die auf den B en und im Unterholz wuchsen.
Sie wusste, dass sie eines Tages selbst dorthin reisen w rde, um alles mit eigenen Augen zu sehen.
Gro ater Bill starb, als sie vierzehn war. Julia erinnerte sich deutlich an das Gef hl des Verlustes - er und die Treibh er waren f r sie das einzig Sichere in ihrem jungen, bereits schwierigen Leben gewesen. Sie hatte ihn als klugen, freundlichen und aufgeschlossenen Mann empfunden, eher ein Vater, als ihr eigener es jemals war. Mit achtzehn bekam sie ein Stipendium f r das Royal College of Music in London. Gro utter Elsie zog zu ihrer Schwester nach Southwold, und fortan besuchte Julia Wharton Park nicht mehr.
Jetzt, mit einunddrei g, lebte sie wieder hier. W end Alicia von ihren vier Kindern erz te, erlebte Julia, als sie aus dem R ckfenster blickte, um Gate Lodge nicht zu verpassen, das den Eingang von Wharton Park markierte, wie fr her im Auto ihrer Eltern die Vorfreude.
Da kommt die Abzweigung! , rief Julia aus, als Alicia fast daran vorbeifuhr.
Mein Gott, stimmt. Mein letzter Besuch ist so lange her, dass ich fast den Weg vergessen h e.
Als sie in die Auffahrt einbogen, sah Alicia ihre Schwester an und entdeckte so etwas wie Erwartung in ihrem Blick.
Du hast diesen Ort immer geliebt, stimmt's?
Ja, du nicht?
Ehrlich gesagt, hab ich mich hier meistens gelangweilt. Ich konnte es gar nicht erwarten, wieder in die Stadt, zur ck zu meinen Freunden, zu kommen.
Du warst eher ein Stadtmensch , stellte Julia fest.
Ja. Und was ist aus mir geworden? Mit vierunddrei g wohne ich in einem Farmhaus auf dem platten Land, mit einem Stall voller Kinder, drei Katzen, zwei Hunden und einem Aga-Herd. Wo, zum Teufel, sind die hellen Lichter der Stadt geblieben? Alicia l elte selbstironisch.
Du hast dich verliebt und eine Familie gegr ndet.
Und am Ende hast du die hellen Lichter abbekommen , sagte Alicia ohne Neid.
Ja . Da dr ben ist das Haus. Es sieht aus wie fr her.
Alicia richtete den Blick auf das Geb e vor ihnen. Ich finde, sogar noch besser. Ich hatte ganz vergessen, wie sch n es ist.
Ich nicht , murmelte Julia.
Sie folgten der Schlange von Fahrzeugen, beide in ihre eigenen Gedanken versunken. Wharton Park war im klassischen Georgian Style f r den Neffen des ersten Premierministers von Gro ritannien erbaut worden, der allerdings starb, bevor der Bau vollendet war. Das fast v llig aus Aislaby-Stein errichtete Geb e hatte im Lauf seines mehr als dreihundertj igen Bestehens eine sanftgelbe Farbe angenommen.
Die sieben Erker und die Doppeltreppe, die zu einer Terrasse mit Blick auf den Park f hrte, verliehen dem Ensemble franz sischen Glanz. An jeder Ecke stand ein Kuppelturm, und der riesige Portikus wurde von vier hohen ionischen S en getragen. Eine br ckelnde Statue der Britannia, die fr hlich auf der Spitze hockte, gab dem Ganzen ein majest sches, wenn auch ziemlich exzentrisches Aussehen.
Wharton Park war weder gro noch stilistisch rein genug, als dass man es als herrschaftliches Anwesen h e bezeichnen k nnen; die von sp ren Crawford-Generationen in Auftrag gegebenen seltsamen Anbauten st rten den Gesamteindruck. Doch aus genau diesem Grund besa es nicht die abschreckende Kargheit, die anderen gro n Geb en dieser Epoche anhaftete.
Da dr ben sind wir immer links gegangen , bemerkte Julia, die sich an den Weg um den See herum zum Cottage ihrer Gro ltern am Rand des Anwesens erinnerte.
M chtest du nach der Haushaltsaufl sung noch einen Blick auf das alte Cottage werfen? , fragte Alicia.
Julia zuckte mit den Achseln. Schauen wir mal.
Gelb gekleidete Parkw ter wiesen den Autos Pl e zu.
Es scheint sich herumgesprochen zu haben , sagte Alicia, als sie den Wagen abstellte. Dann wandte sie sich ihrer Schwester zu und legte ihr eine Hand aufs Knie. Bereit?
Julia f hlte sich berw igt von so vielen Erinnerungen. Als sie aus dem Auto stieg, erkannte sie sogar die Ger che wieder: nach feuchtem, frisch gem em Gras, dazu ein Hauch Jasmin an den R ern des Rasens vor dem Haus. Sie folgten den Besuchern die Stufen hinauf zum Haupteingang des Geb es.
2
Ich bin elf und stehe in der gewaltigen Eingangshalle, die mir vorkommt wie eine Kathedrale. Die Decke hoch ber mir ist mit Wolken und feisten nackten Putten bemalt. Ihr Anblick fasziniert mich so sehr, dass ich nicht merke, wie mich jemand von der Treppe aus anstarrt.
Kann ich dir helfen, junge Dame?
Ich zucke zusammen und lasse fast den wertvollen Topf fallen, den ich in H en halte. Mein Gro ater hat mich hergeschickt, um ihn Lady Crawford zu geben. Wohl ist mir dabei nicht, weil ich Angst vor ihr habe. Aus der Ferne wirkt sie alt und d nn und m rrisch. Doch Gro ater Bill wollte unbedingt, dass ich herkomme.
>Sie ist sehr traurig, Julia. Vielleicht muntert die Orchidee sie auf. Nun lauf schon los. Sei ein gutes M hen.
Die Person auf der Treppe ist definitiv nicht Lady Crawford, sondern ein junger Mann, etwa vier oder f nf Jahre er als ich, mit dichtem, kastanienbraunem Lockenhaar, die er, finde ich, f r einen Jungen viel zu lang tr . Er ist ziemlich gro und schrecklich d nn; seine Arme sehen unter den hochgerollten Hemds eln aus wie St cke.
Ja, ich suche Lady Crawford, der ich das hier aus dem Gew shaus bringen soll , stammle ich.
Er schlendert die brigen Stufen herunter und bleibt mit ausgestreckten H en vor mir stehen.
Wenn du m chtest, bringe ich ihr den Topf.
Mein Gro ater hat gesagt, ich soll ihn ihr pers nlich geben , erwidere ich nerv s.
Leider hat sie sich gerade hingelegt. Ihr geht es nicht so gut.
Das wusste ich nicht. Am liebsten w rde ich ihn fragen, wer er ist, doch ich traue mich nicht. Offenbar err er meine Gedanken, denn er sagt: Ich bin mit Lady Crawford verwandt, also kannst du mir vertrauen.
Gut. Hier. Ich gebe ihm die Orchidee, insgeheim erleichtert dar ber, dass ich sie nicht pers nlich aush igen muss. K nntest du Lady Crawford bitte von meinem Gro ater sagen, dass das eine neue Ich habe M he, mich an den Ausdruck zu erinnern. ^ Hybride ist, die Bl te gerade aufgegangen?
Wird gemacht.
Ich bleibe stehen, unsicher, was ich als N stes tun soll. Ihm geht es genauso.
Nach einer Weile fragt er: Und, wie hei du?
Julia Forrester. Die Enkelin von Mr. Stafford.
Er hebt eine Augenbraue. Ja, klar. Ich bin Christopher Crawford. Meine Freunde nennen mich Kit.
Er streckt mir die Hand hin, die nicht die Orchidee h , und ich sch ttle sie.
Sch n, dich kennenzulernen, Julia. Ich habe geh rt, dass du ziemlich gut Klavier spielst.
Ich werde rot. Das glaube ich nicht , widerspreche ich.
Sei nicht so bescheiden , r gt er mich. Ich habe die K chin und deine Gro utter heute Morgen ber dich reden h ren. Komm mit.
Er zieht mich durch die Eingangshalle und eine Reihe riesiger R e voll strenger M bel, die das Geb e aussehen lassen wie ein bergro s Puppenhaus.

Produktinformationen

Titel: Das Orchideenhaus
Untertitel: Roman
Autor:
Übersetzer:
EAN: 9783442475544
ISBN: 978-3-442-47554-4
Format: Taschenbuch
Herausgeber: Goldmann
Genre: Belletristik
Anzahl Seiten: 560
Gewicht: 473g
Größe: H187mm x B126mm x T39mm
Veröffentlichung: 02.05.2011
Jahr: 2010
Land: DE

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