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Das geheime Spiel

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Leseprobe
Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs kommt Grace Bradley als Dienstbotin nach Riverton Manor. Selbst noch nicht erwachsen, bewu... Weiterlesen
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Beschreibung

Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs kommt Grace Bradley als Dienstbotin nach Riverton Manor. Selbst noch nicht erwachsen, bewundert sie die Hartford-Mädchen Hannah und Emmeline, die mit ihrer unbeschwerten Fröhlichkeit für Leben auf dem Anwesen sorgen. Doch die Begegnung mit dem jungen Dichter Lord Robert Hunter wird Hannah und Emmeline für immer verändern. Als einzige Vertraute versucht Grace die beiden Schwestern vor Unheil zu bewahren - vergeblich ...

Mehr als 75 Jahre bewahrt Grace das Geheimnis, bis sie endlich die Wahrheit über jene Tage preisgibt.

Zwei Schwestern, ein geheimes Spiel und eine verbotene Liebe

Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs kommt Grace Bradley als Dienstbotin nach Riverton Manor. Selbst noch nicht erwachsen, bewundert sie die Hartford-Mädchen Hannah und Emmeline, die mit ihrer unbeschwerten Fröhlichkeit für Leben auf dem Anwesen sorgen. Doch die Begegnung mit dem jungen Dichter Lord Robert Hunter wird Hannah und Emmeline für immer verändern. Als einzige Vertraute versucht Grace die beiden Schwestern vor Unheil zu bewahren - vergeblich ...

Mehr als 75 Jahre bewahrt Grace das Geheimnis, bis sie endlich die Wahrheit über jene Tage preisgibt.



"Großartige Mischung aus Jane-Austen-Roman und der englischen TV-Serie 'Das Haus am Eaton Place'."

Autorentext
Kate Morton, geboren 1976, wuchs im australischen Queensland auf und studierte Theaterwissenschaften in London und Englische Literatur in Brisbane. Ihre Romane erschienen weltweit in 34 Sprachen und 42 Ländern und eroberten ein Millionenpublikum. Alle Romane sind SPIEGEL-Bestseller. Kate Morton lebt mit ihrer Familie in Australien und England.

Klappentext

Zwei Schwestern, ein geheimes Spiel und eine verbotene Liebe

Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs kommt Grace Bradley als Dienstbotin nach Riverton Manor. Selbst noch nicht erwachsen, bewundert sie die Hartford-Mädchen Hannah und Emmeline, die mit ihrer unbeschwerten Fröhlichkeit für Leben auf dem Anwesen sorgen. Doch die Begegnung mit dem jungen Dichter Lord Robert Hunter wird Hannah und Emmeline für immer verändern. Als einzige Vertraute versucht Grace die beiden Schwestern vor Unheil zu bewahren - vergeblich ...

Mehr als 75 Jahre bewahrt Grace das Geheimnis, bis sie endlich die Wahrheit über jene Tage preisgibt.



Zusammenfassung
Zwei Schwestern, ein geheimes Spiel und eine verbotene Liebe

Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs kommt Grace Bradley als Dienstbotin nach Riverton Manor. Selbst noch nicht erwachsen, bewundert sie die Hartford-Mädchen Hannah und Emmeline, die mit ihrer unbeschwerten Fröhlichkeit für Leben auf dem Anwesen sorgen. Doch die Begegnung mit dem jungen Dichter Lord Robert Hunter wird Hannah und Emmeline für immer verändern. Als einzige Vertraute versucht Grace die beiden Schwestern vor Unheil zu bewahren vergeblich

Mehr als 75 Jahre bewahrt Grace das Geheimnis, bis sie endlich die Wahrheit über jene Tage preisgibt.



Leseprobe
eil 1

Drehbuch
Endgltige Fassung, November 1998, Seiten 14

Nebelschwaden
Buch und Regie Ursula Ryan 1998

Musik: Titelmelodie. Wehmtige Musik, wie sie um die Zeit des Ersten Weltkriegs populwar. Eine romantische Melodie, in der gleichzeitig etwas Unheilvolles mitschwingt.

1. Aunaufnahme: Eine Landstra Abendderung
Eine Landstra, die an endlosen grnen Feldern vorbeifhrt. Es ist 20:00 Uhr. Die Sommersonne zgert noch am fernen Horizont, als strte sie sich dagegen unterzugehen. Wie ein glender schwarzer Kr gleitet ein Automobil der Zwanzigerjahre ber die schmale Landstra, ft an alten Brombeerhecken vorbei, die im Abendlicht blau schimmern und deren Ranken ber die Stra hen.
Die Lichtkegel der Scheinwerfer wackeln, wend das Auto ber die holprige Stra ft. Wir holen langsam auf, bis wir neben dem Wagen herfahren. Die Sonne ist inzwischen untergegangen, es ist Nacht. Der Vollmond wirft weis Licht auf die dunkle, glende Khlerhaube.
Im dunklen Innern des Wagens erkennen wir die Profile der Insassen: ein MANN und eine FRAU in Abendgarderobe. Der Mann sitzt am Steuer. Die Pailletten auf dem Kleid der Frau schimmern, wenn das Mondlicht darauf ft. Beide rauchen, die orangefarben glhenden Spitzen ihrer Zigaretten bewegen sich im Takt mit den Autoscheinwerfern. Die FRAU lacht ber etwas, das der MANN gesagt hat, wirft den Kopf zurck, sodass ihr blasser, schlanker Hals unter der Federboa zum Vorschein kommt.
Sie halten vor einem gron, schmiedeeisernen Tor, hinter dem eine von hohen Ben berschattete Allee zu sehen ist. Der Wagen biegt in die Einfahrt ein und ft durch den dunklen Korridor aus Baumkronen. Wir schauen durch die Windschutzscheibe, bis das dichte Laub sich teilt und den Blick auf unser Ziel freigibt.
Vor uns auf einem Hgel erhebt sich ein herrschaftliches englisches Herrenhaus: drei Stockwerke mit jeweils zwlf spiegelnden Fenstern; Gauben und Kamine ragen aus dem Schieferdach. Im Vordergrund, mitten auf einem perfekt gepflegten Rasen, prangt ein gror marmorner, von Laternen beleuchteter Springbrunnen: riesige Ameisen, mtige Adler und gewaltige feuerspeiende Drachen, dazwischen Wasserfontn, die fast dreig Meter hoch in die Luft schien.
Wir behalten unsere Position bei und verfolgen, wie der Wagen ohne uns um den runden Brunnen herumft. Als er vor dem Hauseingang h, ffnet ein junger DIENER die Wagentr und hilft der FRAU beim Aussteigen.
Untertitel: Riverton Manor, England. Sommer 1924.

2. Innenaufnahme: Dienstbotentrakt Abend
Der warme, schwach beleuchtete Dienstbotentrakt von Riverton Manor. Eine Atmosph emsiger Betriebsamkeit. Wir befinden uns auf Knchelhhe und sehen die Beine der Dienerschaft in alle Richtungen ber den grauen Steinboden eilen. Im Hintergrund knallen Champagnerkorken, werden Befehle erteilt, Kchenmhen gescholten. Eine Glocke let. Immer noch auf derselben Sichthhe folgen wir dem DIENSTMCHEN in Richtung Treppe.

3. Innenaufnahme: Treppenhaus Abend
Wir folgen dem DIENSTMCHEN die schwach beleuchtete Treppe hinauf; ein leises Klimpern verruns, dass ihr Tablett mit Champagnerglrn beladen ist. Mit jedem Schritt hebt sich unser Blick von ihren schmalen Kncheln zu ihrem schwarzen Rocksaum, weiter zu den wein Spitzen der Schrzenschleife und hin zu den blonden Locken in ihrem Nacken bis wir die Umgebung schlieich mit ihren Augen sehen.
Die Gerche aus dem Dienstbotentrakt werden leiser, wend die Musik und das Lachen der Ge lauter werden. Am Ende der Treppe ffnet sich vor uns die Tr.

4. Innenaufnahme: Eingangshalle Abend
Gleindes Licht, als wir die imposante, mit Marmor geflieste Eingangshalle betreten. An der Decke ein glitzernder Kronleuchter. Der BUTLER ffnet die Haustr, um das elegant gekleidete Paar aus dem Auto zu begrn. Ohne innezuhalten durchqueren wir die Eingangshalle und gehen zu der breiten, doppelflgeligen Glastr, die auf die Terrasse fhrt.

5. Innenaufnahme: Terrasse Abend
Die Glastren ffnen sich. Musik und Lachen schwellen an: Wir befinden uns mitten in einer glamoursen Party. Eine Atmosph von Nachkriegsextravaganz: Pailletten, Federn, Seide, so weit das Auge reicht. Bunte chinesische Lampions schaukeln an einer ber den Rasen gespannten Schnur im leichten Sommerabendwind. Eine Jazzband spielt, und Frauen tanzen Charleston. Wir bewegen uns durch die Menge lachender Gesichter. Sie wenden sich uns zu, He nehmen ein Glas Champagner vom Tablett: eine Frau mit leuchtend roten Lippen; ein dicker Mann, dessen gertetes Gesicht von Erregung und ausgiebigem Alkoholgenuss zeugt; eine magere alte Dame, ber und ber mit Schmuck beht, eine lange Zigarettenspitze mit aufsteigenden Rauchkringeln in der knochigen Hand.
Pltzlich ertnt ein lauter KNALL, und alle Blicke richten sich nach oben, wo ein riesiges Feuerwerk den Nachthimmel erleuchtet. Freudenschreie und Applaus. Bunte Feuerrr spiegeln sich in den staunenden Gesichtern, die Kapelle spielt noch lauter, und die Frauen tanzen immer schneller.
Schnitt

6. Aunaufnahme: See Abend
Einen halben Kilometer weit entfernt steht ein JUNGER MANN am dunklen Ufer des Riverton-Sees. Im Hintergrund sind Partygerche zu hren. Der JUNGE MANN schaut in den Himmel. Wir nrn uns und sehen, wie das rote Licht des Feuerwerks auf seinem schnen Gesicht spielt. Obwohl elegant gekleidet, strahlt er etwas Wildes, Ungeztes aus. Sein braunes Haar ist zerzaust, ft ihm in die Stirn und verdeckt beinah seine dunklen Augen, mit denen er in panischer Angst in den Nachthimmel starrt. Er senkt den Blick und schaut an uns vorbei zu jemandem hinber, der im Schatten nicht zu erkennen ist. Seine Augen sind feucht, er wirkt pltzlich entschlossen. Seine Lippen ffnen sich, als wollte er etwas sagen, aber er seufzt nur.
Wir hren ein KLICKEN. Unser Blick geht nach unten. Der JUNGE MANN h eine Pistole in der zitternden Hand. Er bewegt die Pistole aus unserem Gesichtsfeld hinaus. Wir hren einen Schuss.
Seine andere Hand, die an seiner Seite herabht, zuckt pltzlich und erstarrt dann. Der JUNGE MANN strzt auf den schlammigen Boden am Seeufer. Eine Frau schreit, wend die Partymusik weiterspielt.
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Abspann: Nebelschwaden

Der Brief
Ursula Ryan Focus Film Productions 1264 N. Sierra Bonita Ave 32 West Hollywood, CA 90046 USA
Mrs Grace Bradley Heathview Pflegeheim 64 Willow Road Saffron Green Essex, CB10 IHQ UK

27. Januar 1999

Sehr geehrte Mrs Bradley,
bitte verzeihen Sie, dass ich mich erneut an Sie wende, aber ich habe leider keine Antwort erhalten auf meinen letzten Brief, in dem ich Ihnen mein Filmprojekt Nebelschwaden vorgestellt habe. Bei dem Film handelt es sich um eine Liebesgeschichte, die Geschichte des Dichters R.S. Hunter, um sein Verhnis mit den Hartford-Schwestern und seinen Selbstmord im Jahr 1924. Zwar haben wir die Genehmigung erhalten, die Aunaufnahmen vor Ort in Riverton Manor zu drehen, werden die Innenszenen jedoch im Studio aufnehmen.
Viele Sets konnten wir anhand von alten Fotos und Beschreibungen rekonstruieren, aber ich wrde sie gern von jemandem beurteilen lassen, der sie aus erster Hand kennt. Der Film liegt mir sehr am Herzen, und ich mchte um jeden Preis historische Ungenauigkeiten vermeiden, seien sie auch noch so gering. Ich w Ihnen also sehr zu Dank verpflichtet, wenn Sie sich bereit erklen, sich den Set einmal anzusehen.
Ich habe Ihren Namen (Ihren Mhennamen) auf einer Liste in einem von mehreren Notizbchern gefunden, die dem Museum of Essex geschenkt wurden. Auf die Verbindung zwischen Ihnen und Grace Reeves bin ich nur gekommen, weil ich im Spectator ein Interview mit Ihrem Enkel Marcus McCourt gelesen habe, in dem er kurz die weit zurckreichende Verbundenheit seiner Familie mit dem Dorf Saffron Green erwt.
Beiliegend finden Sie einen kurzen Artikel aus der Sunday Times ber meine bisherigen Filme, damit Sie sich ein Bild von meiner Arbeit machen knnen, sowie einen Artikel aus der LA Film Weekly ber Nebelschwaden. Sie werden feststellen, dass es uns gelungen ist, eine Reihe hervorragender Schauspieler fr die Rollen von Hunter, Emmeline Hartford und Hannah Luxton unter Vertrag zu nehmen, unter anderen Gwyneth Paltrow, die krzlich fr ihre Rolle in Shakespeare in Love einen Golden Globe erhalten hat.
Bitte verzeihen Sie mir meine Aufdringlichkeit, aber wir werden bereits Ende Februar in den Shepperton Studios nrdlich von London mit den Dreharbeiten beginnen, und ich brenne darauf, Sie persnlich kennenzulernen. Ich hoffe sehr, Ihr Interesse fr dieses Projekt geweckt zu haben, und wrde mich freuen, wenn Sie uns Ihre Untersttzung zusagen knnten.
Sie erreichen mich unter folgender Adresse: Mrs Jan Ryan, 5/45 Lancaster Court, Fulham, London SW6.
Mit freundlichen Grn Ursula Ryan

Geister regen sich
Letztes Jahr im November hatte ich einen Albtraum. Es war das Jahr 1924, und ich war wieder in Riverton. Alle Tren standen weit offen, seidene Vorhe bauschten sich im Sommerwind. Ein Orchester spielte auf dem Hgel unter dem alten Ahornbaum. Schwungvolle Geigenmelodien, helles Lachen und das Klirren von Kristall erfllten die warme Luft, und der Himmel erstrahlte in einem Blau, von dem wir alle geglaubt hatten, der Krieg he es fr immer geraubt. Einer der Diener, adrett in Schwarz und Weigekleidet, goss Champagner in das oberste Glas eines Turms aus Sektflten, und alle klatschten Beifall und amsierten sich ber diese kstliche Verschwendung. Wie es oft in Tren der Fall ist, konnte ich mich selbst zwischen den Gen sehen. Ich bewegte mich sehr langsam, viel langsamer, als es in Wirklichkeit mglich ist, und nahm die anderen nur noch verschwommen als Meer aus Seide und Pailletten wahr. Ich suchte jemanden. Dann erte sich das Bild, und ich befand mich in der N des Sommerhauses, nur dass es nicht das Sommerhaus von Riverton war das konnte es unmglich sein. Es war nicht das nagelneue Haus, das Teddy selbst entworfen hatte, sondern ein alter Schuppen, umrankt von Efeu, das durch die Fenster hineinkroch und sich wie wrgend um die sttzenden Balken schlelte.
Eine Frauenstimme, die ich erkannte, rief vom Seeufer hinter dem Haus meinen Namen. Als ich den Weg hinunterging, streiften meine He das Schilf. Am Ufer hockte eine Gestalt.
Es war Hannah in ihrem Hochzeitskleid, die am Oberteil applizierten Rosen waren mit Schlamm bespritzt. Sie blickte mit bleichem Gesicht zu mir auf. Als ich ihre Stimme hrte, lief mir ein eiskalter Schauer ber den Rcken. Du kommst zu sp Sie zeigte auf meine He. Du kommst zu sp
Ich betrachtete meine He, junge, mit dunklem Flussschlamm bedeckte He; sie hielten den kalten, steifen Krper eines toten Jagdhundes.
Natrlich weiich, was den Traum verursacht hat. Es war der Brief von dieser Filmemacherin. Ich bekomme schon lange kaum noch Post: hin und wieder mal eine Urlaubskarte von pflichtbewussten Freunden, einen nichtssagenden Brief von der Bank, bei der ich ein Sparkonto unterhalte, eine Einladung zur Taufe eines Kindes, dessen Eltern, wie mir dann pltzlich bewusst wird, inzwischen selbst keine Kinder mehr sind.
Ursulas Brief war an einem Dienstagmorgen Ende November eingetroffen, und Sylvia hatte ihn mir ans Bett gebracht. Mit hochgezogenen Brauen hatte sie mit dem Brief in der Luft gewedelt.
Post fr Sie. Irgendwas aus den Staaten, nach den Briefmarken zu urteilen. Vielleicht von Ihrem Enkel? Ihre linke Braue krmmte sich zu einer Art Fragezeichen, und sie senkte die Stimme zu einem heiseren Flstern. Schreckliche Sache. Einfach schrecklich. Dabei ist er doch so ein netter junger Mann.
Wend Sylvia seufzend den Kopf schttelte, bedankte ich mich fr den Brief. Ich mag Sylvia. Sie gehrt zu den Wenigen, die hinter meinem faltigen Gesicht die Zwanzigjige erkennen knnen, die noch immer in mir lebendig ist. Aber in ein Gespr ber Marcus lasse ich mich deswegen noch lange nicht von ihr verwickeln.
Als ich sie bat, die Vorhe aufzuziehen, schrzte sie einen Moment lang die Lippen, dann ging sie zu einem ihrer anderen Lieblingsthemen ber: das Wetter. Sie berlegte, wie grodie Wahrscheinlichkeit war, dass wir zu Weihnachten Schnee bekn, und was fr eine Katastrophe das fr die alten, gebrechlichen Leute w. Ich antwortete auf ihre Fragen, war jedoch eigentlich mit dem Umschlag auf meinem Schobeschigt, wunderte mich ber die krakelige Schrift, die auslischen Briefmarken, die zerknitterten Ecken, die darauf schlien lien, dass der Brief einen langen Weg hinter sich hatte.
Kommen Sie, ich lese Ihnen den Brief vor, sagte Sylvia, wend sie meine Kissen noch einmal aufschttelte. Dann knnen Sie Ihre Augen ein bisschen ausruhen.
Nein danke. Aber wrden Sie mir bitte meine Brille reichen?
Nachdem sie sich mit dem Versprechen verabschiedet hatte, noch einmal zurckzukommen und mir beim Anziehen zu helfen, sobald sie ihre Runde gemacht hatte, nahm ich mit meinen stig zitternden Hen den Brief aus dem Umschlag, in der vagen Hoffnung, dass Marcus endlich wieder nach Hause kommen wrde.
Doch der Brief war nicht von ihm. Er kam von einer jungen Frau, die einen Film ber die Vergangenheit drehte. Sie wollte, dass ich mir ihre Kulissen ansah, dass ich mich an Dinge und Ereignisse erinnerte, die lange zurckliegen. Als he ich mich nicht mein Leben lang bemht, all das zu vergessen.
Ich schenkte dem Brief keine weitere Beachtung. Ich faltete ihn sorgfig wieder zusammen und steckte ihn in ein Buch, das zu Ende zu lesen ich lst aufgegeben hatte. Und dann atmete ich tief durch. Es war nicht das erste Mal, dass ich an das erinnert wurde, was Robbie und den Hartford-Schwestern auf Riverton widerfahren war. Einmal hatte ich das Ende eines Dokumentarfilms im Fernsehen gesehen, eine Sendung ber Soldatendichter, die Ruth sich gerade anschaute. Als Robbies Gesicht auf dem Bildschirm erschien, darunter sein Name in geraden Buchstaben, lief ein Prickeln ber meine Haut. Aber nichts passierte. Ruth zuckte nicht zusammen, der Sprecher fuhr fort, und ich trocknete weiter die Teller ab.
Ein anderes Mal entdeckte ich beim Studieren der Fernsehzeitschrift einen vertrauten Namen in einer Filmbeschreibung. Es ging um eine Sendung mit dem Titel Siebzig Jahre britischer Film. Mit klopfendem Herzen notierte ich mir die Uhrzeit, berlegte, ob ich es wirklich wagen wrde, mir das anzusehen. Am Ende schlief ich wend der Sendung ein. Emmeline wurde nur flchtig erwt. Ein paar Fotos, von denen keins ihre wahre Schnheit zeigte, und ein Ausschnitt aus einem ihrer Stummfilme, The Venus Affair, in dem sie einen recht merkwrdigen Eindruck machte, hohlwangig und mit ruckartigen Bewegungen wie eine Marionette. Es gab keine Hinweise auf ihre anderen Filme, die beinahe einen Skandal ausgelst hen. Wahrscheinlich ist so etwas heute, in Zeiten der sexuellen Freizgigkeit, nicht mehr der Rede wert.
Ich war also durchaus schon mit solchen Erinnerungen konfrontiert worden, aber Ursulas Brief war etwas anderes. Zum ersten Mal seit ber siebzig Jahren brachte jemand mich in Verbindung mit den Ereignissen, zum ersten Mal erinnerte sich jemand daran, dass eine junge Frau namens Grace Reeves in jenem Sommer auf Riverton gewesen war. Ich fhlte mich irgendwie verwundbar, ertappt und schuldig.
Nein. Ich wrde diesen Brief auf keinen Fall beantworten.
Und dabei blieb ich.
Aber dann passierte etwas sehr Merkwrdiges. Erinnerungen, die lange in den dunkelsten Ecken meines Unterbewusstseins geschlummert hatten, begannen durch Ritzen zu sickern. Bilder tauchten vor meinem geistigen Auge auf, so klar und frisch, als w nicht inzwischen eine halbe Ewigkeit vergangen. Und dann, nach den ersten vereinzelten Rinnsalen, kam die Sintflut: ganze Gespre, wortwrtlich, mit allen Einzelheiten, Szenen, die wie Kurzfilme vor mir abliefen.
Ich wundere mich ber mich selbst. Wend mein Gedtnis mich schon seit einigen Jahren oft schmich im Stich lt, stehen meine Erinnerungen an diese lst vergangenen Ereignisse klar und deutlich vor mir. Sie kommen immer higer, die Geister der Vergangenheit, und zu meiner eigenen erraschung beunruhigen sie mich gar nicht sonderlich. Lst nicht so sehr, wie ich befrchtet hatte. Im Gegenteil, die Gespenster, vor denen ich ein Leben lang davongelaufen bin, haben inzwischen beinahe etwas Trstliches, ich freue mich auf sie wie auf eine von diesen Fernsehserien, von denen Sylvia dauernd schwt, wenn sie sich beeilt, um mit ihrer Runde pnktlich zum Sendebeginn fertig zu sein. Ich hatte wohl ganz vergessen, dass unter all den dsteren Erinnerungen auch einige heitere wiederzuentdecken sind.


Produktinformationen

Titel: Das geheime Spiel
Untertitel: Roman
Autor:
Übersetzer:
EAN: 9783453290310
ISBN: 978-3-453-29031-0
Format: Taschenbuch
Herausgeber: Heyne Taschenb.
Genre: Romane & Erzählungen
Anzahl Seiten: 688
Gewicht: 414g
Größe: H189mm x B118mm x T38mm
Jahr: 2007
Land: DE