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Die Drehung der Schraube

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Nervenkitzel auf höchstem literarischem Niveau Mit "The Turn of the Screw" gelang Henry James ein sprachliches wie kompo... Weiterlesen
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Beschreibung

Nervenkitzel auf höchstem literarischem Niveau Mit "The Turn of the Screw" gelang Henry James ein sprachliches wie kompositorisches Meisterwerk, ein Solitär des Thriller-Genres. Psychologisch brillant und von überragender erzählerischer Raffinesse, zieht es den Leser unaufhaltsam in seinen Bann. "Eine absolut wunderbare, giftige kleine Horrorgeschichte." Oscar Wilde Zwei engelsgleiche Zöglinge, ein märchenhaft schönes Landhaus - für eine junge Erzieherin scheint sich gleich die erste Anstellung als glückliche Wahl zu erweisen. Einzig ein Mann und eine Frau, die sich ihr mehrfach auf mysteriöse Weise zeigen, um kurz darauf wieder zu verschwinden, trüben die Unbeschwertheit und nähren ihre Zweifel: Warum wurde Miles - ein doch offenbar braver Junge - der Schule verwiesen? Weiß die kleine Flora mehr als sie zugibt? Sind Liebreiz und Unschuld der beiden Kinder nur Fassade? Und warum verweigert der Dienstherr, der charmante Onkel der Zöglinge, jede Hilfe? Dem Leser als staunendem Zeugen des Geschehens stellt sich schon bald eine ganz andere Frage: die nach der Verlässlichkeit der Erzieherin und Erzählerin der vorliegenden Geschichte. Henry James' Novelle ist eines der rätselhaftesten Werke der Weltliteratur. Mit jeder neuen Wendung weckt es aufs Neue die Dämonen der Phantasie. "Ein Buch, das mit der unerklärlichen Magie seiner Szenen den stillschweigenden Glauben an die Ordnung der Dinge zerstört", urteilt Paul Ingendaay in seinem Nachwort.

»Unergründlich, dafür aber umso lesenswerter.«

Autorentext
Henry James (18431916), in New York geborener Sohn aus wohlhabender Familie, genoss eine kosmopolitische Erziehung. 1875 ging er zunächst als Korrespondent nach Paris und zog dann nach England. Er schrieb zwanzig Romane, daneben Theaterstücke und Reiseberichte sowie über hundert Erzählungen, die ihm höchste Anerkennung eintrugen.

Klappentext

Nervenkitzel auf höchstem literarischem Niveau

Mit «The Turn of the Screw» gelang Henry James ein sprachliches wie kompositorisches Meisterwerk, ein Solitär des Thriller-Genres. Psychologisch brillant und von überragender erzählerischer Raffinesse, zieht es den Leser unaufhaltsam in seinen Bann. «Eine absolut wunderbare, giftige kleine Horrorgeschichte.» Oscar Wilde

Zwei engelsgleiche Zöglinge, ein märchenhaft schönes Landhaus - für eine junge Erzieherin scheint sich gleich die erste Anstellung als glückliche Wahl zu erweisen. Einzig ein Mann und eine Frau, die sich ihr mehrfach auf mysteriöse Weise zeigen, um kurz darauf wieder zu verschwinden, trüben die Unbeschwertheit und nähren ihre Zweifel: Warum wurde Miles - ein doch offenbar braver Junge - der Schule verwiesen? Weiß die kleine Flora mehr als sie zugibt? Sind Liebreiz und Unschuld der beiden Kinder nur Fassade? Und warum verweigert der Dienstherr, der charmante Onkel der Zöglinge, jede Hilfe? Dem Leser als staunendem Zeugen des Geschehens stellt sich schon bald eine ganz andere Frage: die nach der Verlässlichkeit der Erzieherin und Erzählerin der vorliegenden Geschichte.

Henry James' Novelle ist eines der rätselhaftesten Werke der Weltliteratur. Mit jeder neuen Wendung weckt es aufs Neue die Dämonen der Phantasie. «Ein Buch, das mit der unerklärlichen Magie seiner Szenen den stillschweigenden Glauben an die Ordnung der Dinge zerstört», urteilt Paul Ingendaay in seinem Nachwort.



Zusammenfassung
Nervenkitzel auf höchstem literarischem Niveau

Mit «The Turn of the Screw» gelang Henry James ein sprachliches wie kompositorisches Meisterwerk, ein Solitär des Thriller-Genres. Psychologisch brillant und von überragender erzählerischer Raffinesse, zieht es den Leser unaufhaltsam in seinen Bann. «Eine absolut wunderbare, giftige kleine Horrorgeschichte.» Oscar Wilde

Zwei engelsgleiche Zöglinge, ein märchenhaft schönes Landhaus für eine junge Erzieherin scheint sich gleich die erste Anstellung als glückliche Wahl zu erweisen. Einzig ein Mann und eine Frau, die sich ihr mehrfach auf mysteriöse Weise zeigen, um kurz darauf wieder zu verschwinden, trüben die Unbeschwertheit und nähren ihre Zweifel: Warum wurde Miles ein doch offenbar braver Junge der Schule verwiesen? Weiß die kleine Flora mehr als sie zugibt? Sind Liebreiz und Unschuld der beiden Kinder nur Fassade? Und warum verweigert der Dienstherr, der charmante Onkel der Zöglinge, jede Hilfe? Dem Leser als staunendem Zeugen des Geschehens stellt sich schon bald eine ganz andere Frage: die nach der Verlässlichkeit der Erzieherin und Erzählerin der vorliegenden Geschichte.

Henry James' Novelle ist eines der rätselhaftesten Werke der Weltliteratur. Mit jeder neuen Wendung weckt es aufs Neue die Dämonen der Phantasie. «Ein Buch, das mit der unerklärlichen Magie seiner Szenen den stillschweigenden Glauben an die Ordnung der Dinge zerstört», urteilt Paul Ingendaay in seinem Nachwort.



Leseprobe
ie Geschichte hatte uns, die wir um das Kaminfeuer versammelt waren, in einigermaßen atemloser Spannung gehalten, doch abgesehen von der naheliegenden Feststellung, sie sei gruselig gewesen, ganz so, wie es sich für eine am Weihnachtsabend in einem alten Haus erzählte merkwürdige Geschichte geziemt, kann ich mich an keinen Kommentar erinnern, der geäußert worden wäre, bis jemand bemerkte, dies sei der einzige ihm bekannte Fall, in dem ein Kind Opfer einer solchen Heimsuchung geworden sei. Dabei handelte es sich, wie ich erwähnen darf, um eine Erscheinung just in einem solch alten Haus wie dem, das uns damals beherbergte - eine Erscheinung grauenvoller Art, die sich einen kleinen Jungen aussuchte, der mit seiner Mutter in einem Zimmer schlief und diese in seinem grenzenlosen Entsetzen aufweckte; und sie erwachte nicht etwa, um seine Angst zu zerstreuen und ihn wieder in den schlaf zu wiegen, sondern wurde, noch ehe sie das vermochte, selbst dem Anblick ausgesetzt, der ihn so bestürzt hatte. Es war diese Bemerkung, die Douglas - nicht sofort, sondern im Verlauf des Abends - eine Erwiderung entlockte, welche dann die denkwürdige Folge zeitigte, auf die ich die Aufmerksamkeit lenken möchte. Jemand aus unserem Kreis erzählte eine nicht sonderlich fesselnde Geschichte, der er, wie ich merkte, gar nicht zuhörte. Darin sah ich ein Zeichen, dass er selbst etwas zum Besten zu geben hatte und dass wir nur zu warten brauchten. Tatsächlich mussten wir bis zum übernächsten Abend warten; aber noch am selben Abend, bevor wir auseinandergingen, deutete er an, was ihn beschäftigte.
«Ich räume - in Hinblick auf Griffins Geist oder was immer es war - durchaus ein, dass der Umstand, dass er zunächst dem kleinen Jungen erschien, einem Kind in so zartem Alter, der Geschichte einen besonderen Reiz verleiht. Aber es ist nicht die erste mir bekannte Begebenheit dieser übersinnlichen Art, von der ein Kind betroffen ist. Und wenn schon das eine Kind die Spannung in die Höhe schraubt, was sagen Sie dann erst zu zwei Kindern.
«Selbstverständlich sagen wir», rief jemand, «dass zwei Kinder die Spannung doppelt erhöhen! Und dass wir ihre Geschichte hören wollen.»
Ich sehe Douglas noch vor mir; er war aufgestanden, hatte sich mit dem Rücken zum Kaminfeuer gestellt und blickte, die Hände in den Taschen, auf den Sprecher hinunter. «Niemand außer mir hat sie bisher gehört. Sie ist einfach zu entsetzlich.» Natürlich erhoben sich sofort mehrere Stimmen, die erklärten, dass gerade das die Sache äußerst lohnend erscheinen lasse, worauf unser Freund mit souveräner Gelassenheit seinen Triumph vorbereitete, indem er seinen Blick über uns hinweggleiten ließ und fortfuhr: «Sie übertrifft alles. Nichts, aber auch rein gar nichts, was ich kenne, reicht an sie heran.»
«Weil sie gar so schaurig ist?», erinnere ich mich gefragt zu haben.
Er schien sagen zu wollen, dass es so einfach nicht sei, schien wirklich nicht zu wissen, wie er sie charakterisieren sollte. Er fuhr sich mit der Hand über die Augen, verzog eine Sekunde lang das Gesicht zu einer zuckenden Grimasse. «Weil sie so grauen, so grauenvoll ist.»
«Ach wie köstlich!», rief eine der Frauen.
Douglas schenkte ihr keine Beachtung; er blickte mich an, allerdings so, als sähe er nicht mich, sondern das, wovon er sprach. «Weil sie durch und durch unheimlich, abstoßend, entsetzlich und erschütternd ist.»
«Nun, dann setzen Sie sich und fangen Sie an zu erzählen», forderte ich ihn auf.
Er drehte sich zum Feuer, trat mit dem Fuß gegen ein Holzscheit und betrachtete es einen Augenblick. Dann wandte er sich wieder uns zu. «Das kann ich nicht. Ich muss dazu erst jemanden nach London schicken.» Dies wurde mit allgemeinem Aufstöhnen und großem Gemurre aufgenommen, worauf er in seiner gedankenverlorenen Art erklärte: «Die Geschichte ist niedergeschrieben. Sie liegt in einer verschlossenen Schublade - seit Jahren habe ich sie nicht herausgenommen. Ich könnte meinem Diener ein paar Zeilen schreiben und ihm den Schlüssel beilegen; er könnte das Päckchen herschicken, sowie er es gefunden hat.» Er schien sich mit diesem Vorschlag insbesondere an mich zu wenden - schien fast darum zu bitten, ich möge ihn darin bestärken, mit der Ausführung nicht zu zögern. Er hatte eine dicke Eisschicht durchbrochen, die über viele Winter hinweg entstanden war, hatte seine Gründe für sein langes Schweigen gehabt. Die anderen nahmen ihm den Aufschub übel, mich hingegen reizten gerade seine Skrupel. Ich beschwor ihn, gleich mit der ersten Post einen Brief abzuschicken und mit uns einen baldigen Termin für die Lesung zu verabreden; dann fragte ich ihn, ob er die betreffende Begebenheit selbst erlebt habe. Seine Antwort kam prompt. «Nein, gottlob nicht!»
«Aber der Bericht, der stammt von Ihnen? Sie haben die Sache festgehalten?»
«Nur den Eindruck. Den halte ich hier fest» - er schlug sich an die Brust. « Ich bin ihn nie mehr losgeworden.»
«Dann ist Ihr Manuskript
«^ in alter, ausgeblichener Tinte und in der schönsten Handschrift geschrieben.» Er stockte kurz. «In der einer Frau. Sie ist seit zwanzig Jahren tot. Sie übersandte mir die fraglichen Seiten, bevor sie starb.» Nun hörten ihm alle zu, und natürlich fand sich jemand, der eine stichelnde Bemerkung oder wenigstens eine zweideutige Anspielung machen musste. Douglas überging die Anspielung ohne ein Lächeln, aber auch ohne jede Verärgerung. «Sie war eine äußerst bezaubernde Person, doch sie war zehn Jahre älter als ich. Sie war die Gouvernante meiner Schwester», sagte er ruhig. «Sie war die liebenswürdigste Vertreterin ihres Standes, die ich je kennengelernt habe; sie wäre jeder gesellschaftlichen Stellung würdig gewesen. Doch das ist lange her, und diese Ereignisse fanden noch früher statt. Ich besuchte damals das Trinity College1; als ich den zweiten Sommer nach Hause kam, traf ich sie dort an. Ich war in jenem Jahr oft zu Hause - es war ein herrliches Jahr; und in ihren freien Stunden unternahmen wir zuweilen Spaziergänge im Garten und führten Gespräche - Gespräche, in denen sie einen furchtbar klugen und netten Eindruck auf mich machte. Ja, ja, Sie brauchen gar nicht zu schmunzeln: Ich hatte sie ausnehmend gern, und bis auf den heutigen Tag stimmt mich der Gedanke froh, dass sie mich ebenfalls mochte. Andernfalls hätte sie mir ihre Geschichte nicht anvertraut. Sie hatte niemandem je davon erzählt. Nicht, dass sie das behauptet hätte; ich wusste ganz einfach, dass sie mit niemandem darüber gesprochen hatte. Ich war mir dessen sicher; ich konnte es sehen. Sie werden den Grund dafür mühelos erkennen, wenn Sie die Geschichte hören.»
«Weil die Sache gar so schrecklich war?»
Douglas hielt den Blick weiterhin auf mich gerichtet. «Sie werden es mühelos erkennen», wiederholte er. «Sie ganz gewiss.»
Ich erwiderte seinen Blick. «Ich verstehe. Sie war verliebt.»
Er lachte zum ersten Mal. « Sie sind in der Tat scharfsinnig. Ja, sie war verliebt. Das heißt, sie war es gewesen. Das kam an den Tag - sie konnte ihre Geschichte nicht erzählen, ohne dass es an den Tag kam. Ich sah es, und sie sah, dass ich es sah; aber keiner von uns beiden sprach darüber. Ich erinnere mich an die Stunde und den Schauplatz - an den Winkel des Gartens, den Schatten der großen Buchen und den langen, heißen Sommernachmittag. Es war kein Ort, der einen schaudern ließ, aber ach Er trat vom Kaminfeuer zurück und ließ sich wieder in seinen Sessel fallen.
«Sie werden das Päckchen am Donnerstagvormittag erhalten?», fragte ich.
«Vermutlich erst mit der zweiten Post.»
«Nun gut, dann nach dem Abendessen
«Sie werden alle hier sein?» Er blickte erneut in die Runde. «Reist denn niemand ab?» Fast klang es, als hoffte er darauf.
«Alle werden bleiben!»
«Ich bleibe - ich bleibe auch!», riefen die Damen, deren Abreise bereits festgelegt gewesen war. Mrs Griffin indes äußerte das Bedürfnis nach etwas mehr Aufklärung. «In wen war sie denn verliebt?»
«Das wird die Geschichte verraten», übernahm ich es zu antworten.
«Ach, ich kann's gar nicht erwarten, die Geschichte zu hören!»
«Die Geschichte wird es nicht verraten», sagte Douglas, «jedenfalls nicht platt und unverblümt.»
«Jammerschade. Das ist das Einzige, was ich verstehe.»
«Wollen Sie es uns nicht verraten, Douglas?», fragte ein anderer.
Douglas stand erneut auf. «Ja - morgen. Jetzt muss ich zu Bett. Gute Nacht.» Schnell ergriff er einen Kerzenleuchter und ließ uns ein wenig verwirrt zurück. An dem Ende der großen, eichengetäfelten Eingangshalle, an dem wir saßen, hörten wir seine Schritte auf der Treppe, woraufhin Mrs Griffin erklärte: «Nun, ich weiß zwar nicht, in wen sie verliebt war, aber ich weiß, in wen er verliebt war.»
«Sie war zehn Jahre älter», warf ihr Gatte ein.
«Raison de plus^ - in dem Alter! Aber seine lange Verschwiegenheit, die finde ich wirklich nett.»
«Vierzig Jahre!», entgegnete Griffin.
«Und nun endlich dieser Ausbruch.»
«Der Ausbruch», erwiderte ich, «wird den Donnerstagabend zu einem außerordentlichen Ereignis machen.» Alle stimmten mir vorbehaltlos zu, sodass wir angesichts dieser Erwartung jegliches Interesse an allem anderen verloren.
Die letzte Geschichte, obgleich unvollständig und bloßer Auftakt zu weiteren Fortsetzungen, war erzählt. Wir wünschten uns gegenseitig eine gute Nacht, «bewaffneten» uns, wie jemand sagte, mit Kerzenleuchtern und gingen zu Bett.
Am nächsten Tag erfuhr ich, dass mit der ersten Post ein Brief samt Schlüssel an Douglas' Londoner Wohnung abgegangen war; aber trotz - oder vielleicht gerade wegen - des allmählichen Durchsickerns dieser Nachricht ließen wir Douglas bis nach dem Abendessen weitgehend in Ruhe, ja bis zu jener Abendstunde, die wohl am ehesten der Art von Gemütsverfassung entspricht, an die sich unsere Hoffnungen knüpften. Dann aber wurde er so mitteilsam, wie wir es uns nur wünschen konnten, und nannte uns auch einen guten Grund dafür. Wieder lauschten wir ihm vor dem Kaminfeuer in der Halle, wo wir schon am Abend zuvor manch sanften Schauder erlebt hatten. Offenbar bedurfte die Geschichte, die vorzulesen er uns versprochen hatte, zum rechten Verständnis tatsächlich einiger Worte der Einführung. Lassen Sie mich an dieser Stelle ein für alle Mal deutlich sagen, dass es ebendiese Geschichte ist, die ich, nach einer erst viel später von mir angefertigten genauen Abschrift, im Folgenden erzählen werde.
Der arme Douglas vertraute mir - als er seinen Tod herannahen sah - das Manuskript an, das ihn damals am dritten Tag erreichte und das er am Abend des vierten Tages am selben Ort mit ungeheurer Wirkung unserem verstummten kleinen Kreis vorzulesen begann. Die Damen, die im Begriff gewesen waren abzureisen, dann aber erklärt hatten, sie wollten bleiben, waren gottlob natürlich doch nicht geblieben: Sie waren aufgrund bereits getroffener Verabredungen abgereist, gepeinigt von rasender Neugier, wie sie bekannten, infolge der Andeutungen, mit denen Douglas uns bereits in größte Spannung versetzt hatte. Doch das machte die kleine Zuhörerschaft, die ihm schließlich lauschte, nur geschlossener und exklusiver, hielt sie dort am Kamin in allgemeiner Erregung gefangen.
Die erste dieser Andeutungen machte darauf aufmerksam, dass die schriftliche Aufzeichnung der Geschichte erst zu einem Zeitpunkt einsetzt, da diese gewissermaßen bereits begonnen hatte. Es galt daher, vorab Kenntnis davon zu haben, dass Douglas' alte Freundin, die jüngste von mehreren Töchtern eines armen Landpfarrers, im Alter von zwanzig Jahren zwecks einer ersten Anstellung als Lehrerin mit bangem Zagen nach London gekommen war, um sich persönlich auf eine Annonce hin vorzustellen, die bereits zu einem kurzen Briefwechsel mit dem Inserenten geführt hatte. Dieser erwies sich, als sie sich in einem Haus in der Harley Street einfand, das ihr riesengroß und imposant vorkam - dieser künftige Arbeitgeber erwies sich als ein vornehmer Herr, ein Junggeselle in den besten Jahren, eine Erscheinung, wie sie einem aufgeregten, schüchternen Mädchen aus einem Pfarrhaus in Hampshire außer im Traum oder in einem alten Roman noch nie vor Augen gekommen war. Seine Wesensart ließ sich leicht ausmachen, eine Wesensart, die glücklicherweise nie ausstirbt. Er war gut aussehend, selbstbewusst und von gewinnendem Wesen, ungezwungen, lebenslustig und zuvorkommend. Zwangsläufig fand sie ihn galant und nobel, doch was sie noch mehr für ihn einnahm und ihr den Mut gab, den sie später bewies, war, dass er die ganze Sache als eine Gefälligkeit darstellte, als eine Verpflichtung, die er dankbar einginge. Sie stellte sich vor, er sei reich, aber auch schrecklich verschwenderisch - sah ihn im Abglanz höchster Eleganz, guten Aussehens, kostspieliger Gewohnheiten und charmanter Umgangsformen gegenüber Frauen. In der Stadt bewohnte er ein großes Haus, das mit Reiseandenken und Jagdtrophäen angefüllt war;
sie sollte sich jedoch unverzüglich zu seinem Landhaus, einem alten Familienbesitz in Essex, begeben.
Durch den Tod seiner Eltern in Indien war er zum Vormund eines kleinen Neffen und einer kleinen Nichte geworden, der Kinder seines jüngeren Bruders, der Soldat gewesen war und den er zwei Jahre zuvor verloren hatte. Diese Kinder, infolge der seltsamsten Schicksalsfügungen in seine Obhut gelangt, waren für einen Mann in seiner Lage - einen alleinstehenden Mann ohne entsprechende Erfahrung, ohne ein Quäntchen Geduld - eine schwere Last. Das Ganze war bisher mit reichlich Sorgen und Mühe und zweifellos auch mit einer Reihe von Fehlern seinerseits verbunden gewesen, aber die armen Würmchen taten ihm unendlich leid, und er hatte getan, was er nur konnte; hatte sie vor allem in sein Landhaus geschickt, denn der geeignetste Aufenthaltsort für sie war natürlich das Land, hatte sie dort von Anfang an den besten Leuten anvertraut, die er hatte finden können, damit sie sich um sie kümmerten, hatte sich zu diesem Zweck sogar von seinen eigenen Dienstboten getrennt und fuhr persönlich hin, wann immer es ihm möglich war, um nach den beiden zu sehen. Das Missliche war, dass sie praktisch keine anderen Verwandten hatten und dass seine eigenen Angelegenheiten seine ganze Zeit in Anspruch nahmen. Er hatte ihnen Bly, ein gesundes und sicheres Zuhause, überlassen und an die Spitze ihres kleinen Haushalts - nur der Dienstboten, versteht sich - eine vortreffliche Person gestellt, eine gewisse Mrs Grose ; er war überzeugt, seine Besucherin würde sie, die früher Zofe bei seiner Mutter gewesen war, mögen. Jetzt wirkte sie als Haushälterin und vorübergehend auch als Aufsichtsperson des kleinen Mädchens, das sie, die selbst kinderlos war, zum Glück fest ins Herz geschlossen hatte. Es waren eine Menge Leute da, um zu helfen, aber natürlich sollte die junge Dame, die als Gouvernante hinkäme, die Oberaufsicht haben. In den Ferien müsste sie auch den kleinen Jungen betreuen, der seit diesem Trimester eine Internatsschule besuchte - auch wenn er dafür noch recht jung war, aber was sollte man sonst tun? - und der nun, da der Ferienbeginn unmittelbar bevorstand, von einem Tag auf den anderen zurückkehren würde. In der ersten Zeit sei eine junge Dame für die Kinder da gewesen, die jedoch unglücklicherweise von ihnen gegangen sei. Diese junge Dame, eine äußerst ehrbare Person, habe ihre Aufgabe ganz wunderbar erfüllt - bis zu ihrem Tod, dieser wahrhaft misslichen Wendung, die dann keine andere Wahl gelassen habe, als den kleinen Miles aufs Internat zu schicken. Seitdem habe Mrs Grose in Hinblick auf Umgangsformen und dergleichen für Flora getan, was sie konnte ; zum Haushalt gehörten außerdem eine Köchin, ein Stubenmädchen, eine Milchmagd, ein altes Pony, ein alter Stallknecht und ein alter Gärtner, allesamt ebenfalls höchst ehrbar.
So weit war Douglas mit seinen Ausführungen gekommen, als jemand eine Frage stellte. «Und woran ist die frühere Gouvernante gestorben? An lauter Ehrbarkeit?»
Die Antwort unseres Freundes kam umgehend. «Das wird sich zeigen. Ich will nicht vorgreifen.»
«Verzeihen Sie - ich dachte, genau das täten Sie gerade.»
«Wäre ich an der Stelle ihrer Nachfolgerin gewesen», meldete ich mich zu Wort, «hätte ich bestimmt erfahren wollen, ob die Aufgabe zwangsläufig.
mit Lebensgefahr verbunden sei?», führte Douglas meinen Gedanken zu Ende. «Das wollte sie auch erfahren, und sie erfuhr es. Sie werden morgen hören, was sie erfuhr. Zunächst einmal erschienen ihr die Aussichten natürlich etwas düster. Sie war jung, unerfahren, verunsichert: Der Posten verhieß ernst zu nehmende Pflichten und wenig Geselligkeit, ja genau genommen große Einsamkeit. Sie zögerte - nahm sich ein paar Tage Zeit, um abzuwägen und zu überlegen. Doch das gebotene Gehalt überstieg ihre bescheidenen Erwartungen bei Weitem, und bei einem zweiten Gespräch ließ sie sich auf das Abenteuer ein und sagte zu.»
Hier machte Douglas eine Pause, die ich nutzte, um stellvertretend für unsere kleine Gesellschaft einzuwerfen: «Den Ausschlag gab natürlich die von dem galanten jungen Mann ausgehende Verführung. Ihr ist sie erlegen.»
Douglas stand auf und ging, wie schon am Abend zuvor, zum Feuer, trat mit dem Fuß gegen ein Holzscheit und blieb dann einen Augenblick lang mit dem Rücken zu uns stehen. «Sie hat ihn nur zweimal gesehen.»
«Gewiss, aber das ist gerade das Schöne an ihrer Leidenschaft.»
Daraufhin drehte sich Douglas, ein wenig zu meiner Überraschung, zu mir um. «Das war tatsächlich das Schöne daran. Es gab andere», fuhr er fort, «die dieser Verführung nicht erlegen waren. Er schilderte ihr offen seine Schwierigkeiten - dass nämlich für mehrere Bewerberinnen die Bedingungen unannehmbar gewesen waren. Sie hatten aus irgendeinem Grund einfach Angst gehabt. Die Sache klang undurchsichtig - die Sache klang befremdlich, und dies vor allem seiner Hauptbedingung wegen.»
«Dass sie ihn niemals behelligen sollte - niemals und unter keinen Umständen: Sie sollte ihn weder um etwas bitten noch sich beklagen noch sich wegen irgendetwas schriftlich an ihn wenden, sondern sollte alle Probleme selbst lösen, alle Gelder von seinem Anwalt erhalten, die ganze Angelegenheit allein in die Hand nehmen und ihn in Ruhe lassen. Das versprach sie, und sie erwähnte mir gegenüber, dass sie sich schon belohnt gefühlt habe, als er, erleichtert und erfreut, einen Augenblick lang ihre Hand hielt, um ihr für ihr Opfer zu danken.»
«War das ihr ganzer Lohn?», fragte eine der Damen.
«Sie sah ihn nie wieder.»
«Oh!», sagte die Dame, was, da unser Freund uns gleich darauf wieder verließ, das einzige weitere Wort von Bedeutung zu dem Thema war, bis er, am nächsten Abend, in der Kaminecke im besten Sessel den verblassten roten Deckel eines dünnen altmodischen Albums mit
Goldschnitt aufschlug. Die ganze Sache nahm freilich mehrere Abende in Anspruch, doch bei der ersten Gelegenheit schon stellte dieselbe Dame abermals eine Frage. «Wie lautet der Titel Ihrer Geschichte?»
«Sie hat keinen.»
«Oh, ich wüsste einen!», sagte ich. Doch Douglas hatte, ohne mich zu beachten, schon zu lesen begonnen, mit schöner, klarer Stimme, als wollte er dem Ohr die Schönheit der Handschrift vermitteln.
l
In meiner Erinnerung erscheint mir der Anfang des Ganzen als eine Abfolge von Höhen und Tiefen, als ein ständiges Hin und Her zwischen begründetem und grundlosem Herzklopfen. Nachdem ich mich in London dazu durchgerungen hatte, seiner Bitte nachzukommen, hatte ich jedenfalls ein paar sehr schlimme Tage - ich fühlte den Stachel des Zweifels wieder in mir, ja ich war mir sicher, einen Fehler begangen zu haben. In dieser Gemütsverfassung verbrachte ich die langen Stunden in der dahinholpernden, schaukelnden Kutsche bis zu der Poststation, an der ich von einem Gefährt des Hauses abgeholt werden sollte. Dies sei, so sagte man mir, zu meiner Bequemlichkeit angeordnet worden, und tatsächlich fand ich, gegen Ende jenes Juninachmittages, einen für mich bereitstehenden geräumigen Einspänner vor. Die Fahrt zu dieser Stunde und an einem schönen Tag durch eine Landschaft, deren sommerliche Lieblichkeit wie ein freundlicher Willkommensgruß auf mich wirkte, gab mir neue Zuversicht, die sich, als wir in die Allee einbogen, zu einem Höhenflug aufschwang und damit wohl nur bewies, wie tief mein Mut zuvor gesunken war. Wahrscheinlich hatte ich etwas so Trostloses vorzufinden erwartet - oder befürchtet -, dass der Anblick, der sich mir dann bot, eine wohltuende Überraschung war. Ich erinnere mich, dass die breite, klar gegliederte Fassade, die offenen Fenster, die frisch gewaschenen Vorhänge und die beiden Stubenmädchen, die aus den Fenstern herausschauten, einen äußerst erfreulichen Eindruck auf mich machten. Ich erinnere mich an den Rasen und die bunten Blumen, an das Knirschen der Räder auf dem Kies und die dicht aneinandergedrängten Baumwipfel, über denen am goldenen Himmel die Krähen kreisten und krächzten. Der Anblick war von einer Großartigkeit, die keinen Vergleich mit meinem eigenen bescheidenen Zuhause gestattete; sofort tauchte an der Tür eine adrette Person mit einem kleinen Mädchen an der Hand auf; die Frau machte vor mir einen so artigen Knicks, als wäre ich die Hausherrin oder eine vornehme Besucherin.

Produktinformationen

Titel: Die Drehung der Schraube
Untertitel: Novelle - Bibliothek der Weltliteratur
Autor:
Nachwort von:
Übersetzer:
EAN: 9783717523307
ISBN: 978-3-7175-2330-7
Format: Leinen-Einband
Herausgeber: Manesse
Genre: Romane & Erzählungen
Anzahl Seiten: 304
Gewicht: 190g
Größe: H157mm x B101mm x T22mm
Jahr: 2010
Land: DE