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Venusatmosphäre

  • Kartonierter Einband
  • 48 Seiten
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Eine Frau erwacht eines Morgens orientierungslos und ohne Erinnerung an die vergangene Nacht. Nur langsam erkennt sie die Umrisse ... Weiterlesen
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Beschreibung

Eine Frau erwacht eines Morgens orientierungslos und ohne Erinnerung an die vergangene Nacht. Nur langsam erkennt sie die Umrisse ihres eigenen Schlafzimmers. Dann bemerkt sie, dass jemand neben ihr liegt. Aus Angst vor einer Konfrontation bleibt sie mit geschlossenen Augen liegen und hofft, ihr Übernachtungsgast möge so schnell wie möglich verschwinden. Während sie regungslos abwartet, beginnen ihre Gedanken zu kreisen. Die Frage, wer der Fremde neben ihr eigentlich ist, rückt dabei immer mehr in den Hintergrund. Hanno Millesi führt uns virtuos die Konsequenzen einer verlorenen Nacht vor und hält eine faustdicke Überraschung bereit.

Autorentext

Hanno Millesi, 1966 in Wien geboren, Studium an der Universität Wien und an der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien. Buchveröffentlichungen (zuletzt): Granturismo (2012), Das innere und das äußere Sonnensystem (2010), Der Nachzügler (2008), alle im Luftschacht Verlag, Wien. Neben verschiedenen anderen Veröffentlichungen auch Arbeiten fürs Radio (zuletzt): Der (internationale) Peng-Klub (Hörspiel ORF, 2012)



Zusammenfassung
"Die Lesenden bleiben mit der Protagonistin unter dem Laken zurück und werden Zeugen einer atemlosen Innenschau, in der sich Angst und Lust über den möglichen Ausgang der Geschichte abwechseln." - Gabriele Wild, Furche

Leseprobe
Der erste Gedanke war exakt einen Augenaufschlag vom zweiten entfernt. Dabei handelte es sich gar nicht um zwei Gedanken, sondern um ein Traumbild, eine vom trägen Bewusstsein gespeiste Illusion und das zunächst immer mit Schrecken, einem Erschrecken, Aufschrecken oder beruhigendem Zurückschrecken verbundene Erwachen. Ein Erwachen im eigenen Bett, in den eigenen vier Wänden, und wenn ihr diese Umgebung an jenem Morgen auf den ersten Blick fremd, ungewohnt, mysteriös vorkam, lag das daran, dass sie nicht die geringste Ahnung hatte, wie sie gestern Abend, gestern Nacht hier gelandet sein mochte. Auch ihr Körper fühlte sich anders an, und dennoch bezweifelte sie nicht einen Moment lang, dass es sich um den ihren handelte. Alles tat weh. In ihrem Schädel schien sich ein Feuerkern entzündet zu haben. Ihre Pupillen ächzten mangels Flüssigkeit auf dem Weg durch das Zimmer. Mit der vertrauten Beziehung, die an einzelne Gegenstände geknüpft war, kehrte schemenhaft auch so etwas wie Erinnerung zurück. Beispielsweise entdeckte sie den aus ihrer Position im Bett - an eine Bewegung war zu diesem Zeitpunkt nicht zu denken - sichtbaren Fauteuil, der sich nach anfänglichem Zögern als ihr Fauteuil zu erkennen gab und damit einen geringfügigen Beitrag zur Rekonstruktion der gestrigen Nacht, der unmittelbaren Vergangenheit leistete. Gewöhnlich legte sie abends ihre Kleider auf diesem Fauteuil, seiner Lehne, seiner Sitzfläche und den Armstützen ab, faltete sie, tauschte sie gegen ein Nachthemd oder einen Pyjama. An diesem verschwommenen und unter Schmerzen Gestalt annehmenden Morgen befand sich jedoch kein einziges Kleidungsstück an den vertrauten Stellen. Sollte das heißen, sie sei immer noch angezogen? Auf ihre Erinnerung gestützt, ließ sich das nicht mit Sicherheit sagen. Sie versuchte es zu überprüfen, indem sie sich ins Bettzeug schmiegte, aber an seiner Außengrenze fühlte sich ihr gesamter Körper taub an. Vom Schmerz narkotisiert. Für nichts anderes aufnahmebereit als für die im Körper vom Körper für den Körper produzierten Schmerzen. Unzugänglich für eine Empfindung jenseits des dröhnenden Kopfes. Das Fehlen der Kleider stellte ein Rätsel dar. Als handle es sich bei ihr um zwei Personen, die lediglich durch einen Augenaufschlag, durch eine Tat und den Versuch, diese nachzuvollziehen, voneinander getrennt wären, setzte der hilflos erwachte, morgendliche Rest die offenbar außerhalb jeglicher Zurechnungsfähigkeit entschlafene Abendausgabe unter Druck. Druck, sich zu erinnern, einen Teil an einen anderen zu fügen, um sich irgendwann wieder in einem Zusammenhang zu befinden, wie die Sehkraft mit der Zeit die Gesetze der Finsternis akzeptiert und vertraute Silhouetten aus ihrer Uneinsehbarkeit löst. Die Türe zum Wohnzimmer war nur angelehnt, und so konnte sie sehen, dass es mit Helligkeit und Sonnenschein prall gefüllt war. Ihrer Erinnerung half das zwar nicht auf die Sprünge, aber ein ängstlicher Widerwille fuhr ihr durch den Leib. Instinktiv verbarg sie den Kopf unter der Bettdecke und wurde so mit dem Umstand konfrontiert, dass sie keinerlei Kleidung trug. Weder eine für tagsüber, die sie bequemlichkeits- oder vergesslichkeitshalber anbehalten hatte, noch irgendetwas für die Nacht. Sie verstand immer noch nicht. Eine solche Konstellation war ungewöhnlich. Sie, nackt, am sonnendurchfluteten Tagsüber erwachend. Schmerzerfüllt. Bewegungsunfähig. Als allein lebender Mensch hatte sie gelernt, auf verschiedene Umstände mit Beunruhigung, ja mit Furcht zu reagieren. Ihr Alltag hatte eine gewisse Routine herausgebildet, unter dieser litt sie und sehnte sich bisweilen danach, sie zu durchbrechen. Geriet diese Routine allerdings nur vorübergehend außer Sichtweite, bekam sie es mit der Angst.

Produktinformationen

Titel: Venusatmosphäre
Untertitel: Novelle
Autor:
EAN: 9783903005068
ISBN: 978-3-903005-06-8
Format: Kartonierter Einband
Herausgeber: Edition Atelier
Genre: Sonstige Literatur
Anzahl Seiten: 48
Gewicht: 56g
Größe: H180mm x B116mm x T7mm
Veröffentlichung: 19.01.2015
Jahr: 2015
Land: AT