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Poetik des Fussballs

  • Kartonierter Einband
  • 180 Seiten
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Mehr als ein Kampf um Tore...Fußball ist nicht nur sportlicher Wettkampf und Geschäft, sondern ein Spiel, in dem körperliche Leist... Weiterlesen
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Beschreibung

Mehr als ein Kampf um Tore...

Fußball ist nicht nur sportlicher Wettkampf und Geschäft, sondern ein Spiel, in dem körperliche Leistung so wichtig ist wie taktische Intelligenz und in dem Rohheit ebenso zu sehen ist wie tänzerische Eleganz.Wer im Spiel mit dem Ball das Publikum verzaubert, wird zum Star.

Autorentext
Gunter Gebauer ist Professor für Philosophie und Sportsoziologie an der Freien Universität Berlin. Er ist Sprecher des Interdisziplinären Zentrums für Historische Anthropologie und Leiter des Forschungsprojekts »Die Aufführung der Gesellschaft in Spielen«

Zusammenfassung
Mit dem Kopf "Dieser kleine Band ist auf sympathisch unspektakuläre Weise eine Art Kulturanthropologie des Fußballs, die die politisch umworbene und ökonomisch so ungemein gefräßige Sportart gewissermaßen von innen durchdringt." (Frankfurter Rundschau, 16.03.2006) Poetik des Fußballs "Lesenswert ist die 'Poetik des Fußballs' allemal. Gebauer hält eine wohltuende Distanz zu einem Gegenstand, den zu betrachten nicht selten die Vermengung mit privater Hingabe bedeutet." (Freitag, 19.05.2006) Rein ins Paradies "Sieben Essays, die zum Besten gehören, was zum Thema erschienen ist. Gebauer gelingt es, die Perspektive auf vertraute Phänomene so zu verschieben, dass sich neue Aspekte auftun." (Berliner Morgenpost, 02.06.2006)

Leseprobe
Vorwort Fußball stellt die Gesellschaft, in der dieser gespielt wird, unter einem ungewöhnlichen Blickwinkel dar. In seinen Spielen geht es um Macht und Zufall, Gewalt und Ohnmacht, Regelfolgen und Regelbrechen, um die Heroisierung des Subjekts und das Wiedererkennen der eigenen nationalen Identität, um die neue Rolle des Heiligen in der Gesellschaft und die Geschlechterbeziehungen. Fußball ist mit allen seinen Fasern in die Gegenwartskultur und in das Leben seiner Liebhaber eingewoben. Seine genaue Betrachtung lässt Aspekte erkennen, die sonst entweder unbemerkt oder bedeutungslos bleiben würden. Alle Spieler werden gleichermaßen von den Leistungen der Hände und der Sprache ausgeschlossen. Das Geschehen im Fußball spielt sich am Boden ab, nicht in Augenhöhe; der Kopf dient zum Stoßen. Auf den Fuß werden Aufgaben der Gewalt übertragen; im Spiel werden sie zu einer Kunstfertigkeit veredelt. Der Fuß wird eingesetzt, um zu dominieren, aber der Ball entzieht sich der Machtausübung. Im Fußball braucht man, neben der Bereitschaft zur Gewalt, eine Intuition für den Lauf des Balls und das Spiel. Die Spieler dürfen gegenüber dem Ball keinen Stolz haben, sondern müssen ihn hinnehmen wie ein Schicksal. Dennoch ist er nicht übermächtig: Es gibt herausragende Spieler, die ihn bezwingen können. Dies ist ein Ideal der Moderne: Alles wird zwischen den Menschen entschieden; man kann das Schicksal meistern. Der Spielraum, den sich ein Spieler verschafft, gibt diesem Größe. Darin liegt etwas Aristokratisches, aber auch etwas Verschlagenes. Der Fußballheld ist ein gemischter Charakter, zusammengesetzt aus dem Hohen und dem Niedrigen, ein zweideutiger Held, eine Kippfigur. Fußball lebt vom Heldentum. Die Frage, ob dieses echt oder angemaßt ist, geht an der Sache vorbei. Sie verkennt, dass ein Held keine objektive Wirklichkeit besitzt, sondern eine Figur ist, die Werte, Stimmungen, Gefühle und den Glauben einer geschichtlichen Epoche in ihrem Handeln bündelt. Ein Held ist, wer Zeit in Taten fasst. Das Einmalige, das ihn auszeichnet, kommt im Vergehen der Zeit an die Oberfläche, wie aus den Strudeln eines sich entfernenden Schiffs. Seine Bedeutung entsteht aus der Erinnerung seiner Getreuen; sie ist von Sehnsucht nach Größe geprägt, die diese in ihrer Gegenwart vermissen. Ihre Erzählungen von der Poesie des Fußballs haben den Ton der Melancholie. Im Fußball findet man etwas, was der Welt verloren gegangen ist (wenn sie dieses jemals besessen haben sollte) - eine Herrschaft, die sich nicht nur auf Macht, sondern auch auf Ästhetik gründet. Sie entsteht, wenn das Spiel mit dem rohen Fuß in einem glücklichen Augenblick mit Rhythmus und Grazie zusammentrifft. Eine solche Vereinigung ist ein unwahrscheinliches Ereignis. Es sind so viele Widrigkeiten zu überwinden: die Tücke des Balls, der Widerstand der Gegner, die Enge des Platzes, die Wortlosigkeit der Verständigung. Wenn der unwahrscheinliche Augenblick mit einem Schlag doch in die Wirklichkeit eintritt, wird er für alle Beteiligten zur Ursache unbeschreiblicher Empfindungen. Wie immer man diese nennt, ist er ein Moment erlebter Poesie. Anders als in der Kunst, kann er auch Quelle von Unglück sein, wenn er nämlich von der gegnerischen Mannschaft hervorgebracht wird. Die Poesie des Fußballs entsteht nicht aus einem freien Spiel der Ein bildungskraft, sondern ist an einen Standpunkt gebunden. Sie ist parteiisch und wirkt unmittelbar auf ihre Liebhaber. Sie beflügelt deren Fähigkeit, glücklich zu sein, und bestärkt ihre Neigung, sich unglücklich zu machen. Sie greift in ihr Leben ein, wenn sie fähig sind, sich in ein Spiel zu verlieren. Auch wenn Fußball von Menschen gespielt wird, entsteht seine Poesie nicht durch menschliche Handlungen allein. In die unvergesslichen Spiele mischt sich etwas ein, was über den Menschen hinausgeht. Der Zufall lässt unfassbare Dinge entstehen: übermenschliches Gelingen, aber auch unbegreifliches Versagen. Ei

Inhalt
Vorwort Einleitung Ein gemeines Spiel 1 Poetik des Fußballspiels 2 Faszination und Initiation 3 Was interessiert Frauen am Fußball? 4 Bewegte Gemeinden Über das Heilige im Fußball 5 Das deutsche Fußballtheater Fußball als nationales Gedächtnis 6 Die Regeln und die List 7 Hooligans und der Mythos des Bösen Nachwort - Meine Helden, mein Leben Literatur Bildnachweis Drucknachweis

Produktinformationen

Titel: Poetik des Fussballs
Autor:
EAN: 9783593379463
ISBN: 978-3-593-37946-3
Format: Kartonierter Einband
Herausgeber: Campus Verlag GmbH
Genre: Politik, Gesellschaft & Wirtschaft
Anzahl Seiten: 180
Gewicht: 235g
Größe: H213mm x B141mm x T15mm
Jahr: 2006
Auflage: 1. Aufl. 03.2006
Land: DE