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Engels und die Schwestern Burns

  • Fester Einband
  • 424 Seiten
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In den meisten Biographien über Friedrich Engels fanden seine Lebensgefährtinnen Marie und Lydia Burns gar keine oder nur Lebensda... Weiterlesen
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Beschreibung

In den meisten Biographien über Friedrich Engels fanden seine Lebensgefährtinnen Marie und Lydia Burns gar keine oder nur Lebensdaten erfassende Erwähnung. Seine Biographen übergingen Engels tiefe Liebe und Leidenschaft für Marie, und nach deren frühem Tode ihre Schwester Lydia. Die beiden Frauen kamen aus Irland und galten schon ihrer Herkunft wegen für einen Fabrikanten als nicht gesellschaftsfähig. Doch nahm vor allem Lydia an den politischen und sozialen Kämpfen ihrer Zeit teil, was einem Engelsschen Freund veranlasste, ihm den "Rat" zu geben, er solle Frau Burns in der Wanne baden, die er ihm aus Frankreich mitgebracht habe, damit er das Feuer der Leidenschaft, das in ihr brenne, löschen könne. Die Schwestern Burns waren liebende Frauen, gefangen in religiösen Traditionen, die sich - wie der Fabrikant Engels - über alle gesellschaftlichen Ressentiment hinwegsetzten.

Autorentext
Mager, Günter Günter Mager erlebte seine Kindheit in einem von den Nazis verfolgten und sozialdemokratisch orientierten Elternhaus, das ihn weltanschaulich prägte und ihn zum Gegner faschistischen Handeln und Denkens macht. Er studierte Geschichte und promovierte an der Martin-Luther-Universität Halle. Er lehrte u.a. als Dozent an einer Fachschule.

Leseprobe
Kapitel 1 Iren sind ein besonderer Menschenschlag. Iren sind Familienmenschen. Familie ist ihr A und O. Zur vollständigen irischen Familie zählen nicht nur die engeren Verwandten, sondern auch die etwas weiteren, z.B. die Enkel der Schwestern und Brüder beider Großmütter und Großväter. Bedenkt man die allgemeine Freude am Kinderzeugen und -kriegen, kommt eine stattliche Verwandtschaft zusammen, die zuweilen auch die Nachfahren der Urgroßeltern einschließt. Verwandtschaft hat Volumen, auch wenn man sich nicht unbedingt persönlich kennt. Schon der Name eint: Burns zum Beispiel. Wer den Namen trägt, muss irgendwie mit jedem Burns verwandt sein, mag er in Ulster. Munster, Connacht oder Leinster sein Leben verbringen. Verwandtschaft zählt und darf auf gemeinsame Freude, gemeinsames Leben, Verständnis für die Schwächen des lieben Verwandten hoffen, aber auch auf Ehrerbietung vor dem Älteren, der Frau vor dem Manne, der Söhne und Töchter vor den Vätern und vor allem auf Hilfe, wenn's einem Verwandten an Hilfe gebricht. Das Leben auf der großen, grünen, mit bescheidenen Bergen, großen Seen, Flüssen, Mooren beschenkten Insel war seit eh und je schwer genug für die Bewohner, denen man rothaarigen Schopf nachsagt, aber nur wenige haben ihn. Von den Iren wird behauptet, im Pub wären sie nach der Arbeit auf dem Felde oder in einer der wenigen Werkstätten häufiger als in den eignen vier Wänden anzutreffen, das ist jedoch die Unwahrheit; denn nicht gar zu wenige Iren sind schon vor der Arbeit auf einen Sprung von einer guten Stunde oder auch etwas mehr im Pub. Dort gibt es die Neuigkeiten, auf die jeder Ire, so wird es ihm nachgesagt, gierig sei wie das Krokodil auf die Beute. Eine Neuigkeit forttragen wie eine Schneeflocke im Winde und sie ausschmückend mitdenken und mitträumen, das wäre es, was den echten Iren auszeichne vorm hergelaufenen Engländer, Schotten oder sonst woher Kommenden und zu dem mache, was eben kein andrer könne: ein wirklicher, verwandtschaftsverbundener Ire sein - ein Burns gar! Burns gibt es in allen Winkeln der Insel. Der Fleiß, verbunden mit tiefem, selbstverständlich katholischem Glauben, und die Kraft und Lust der Lenden muss dem Urvorfahren der Burns, dem der Name David zugelegt wird, von Gott eingegeben worden sein, wie anders sollte man sich sonst die Burnsschwemme erklären können?! Man muss sie nicht erklären! Sie ist da; denn Gott wollte sie und setzt in der männlichen Abfolge der Geschlechter fort, was dem Urvater durch Gottes unergründlichen Ratschluss, aber auch zur Freude und Lust aller männlichen Burns zugekommen worden war: die Treue zur Familie, zur Verwandtschaft, zum Hergebrachten, zum Glauben an die Dreieinigkeit Gottes. Zum Letzteren war dem Michael Burns ein Dämpfer aufgesetzt worden. Er hatte, wie alle Burns vor ihm, ein sechzehnjähriges Mädchen zu seiner Frau gemacht, mit achtzehn gebar sie ihr erstes Kind. Zu einem hellen, blonden Mädchen sollte es heranwachsen, doch starb es schon nach wenigen Monaten. Andere Kinder folgten, aber nur drei blieben. Zwei erreichten als heiratsfähige, aber keineswegs dazu bereite Töchter das Erwachsenenalter, verzichteten fern des Brauches auf den Ehemann. Auch ein Junge war Michael Burns herangewachsen von den neun Kindern, die ihm seine Frau Mary geboren hatte. Danach war einfach Schluss, und so sehr sich Michaels Lenden bäumten, das zehnte Kind wollte bei den Burns nicht geboren werden. Darüber hatte Michael mit dem Pfarrer Hunt gesprochen, der ihn mit den üblichen, hilflosen Reden zurichtete, wie Gottes Wille oder Gottes Ratschluss oder allein Gott weiß, was für die Burns gut ist und dergleichen mehr. Da war der Pfarrer schlecht beraten. So ganz, und selbst für Michael unmerklich, hatten sich gefährliche Denkviren in seinem Hirn eingenistet. Wahrlich, für einen guten Katholiken, wie Michael Burns einer war oder zu sein meinte, eine hinterhältige, schleichende, geheimnisvolle Krankheit: die Suche nach

Produktinformationen

Titel: Engels und die Schwestern Burns
Untertitel: Heraugegeben anlässlich des 200. Geburtstags von Friedrich Engels (1820-1895)
Autor:
EAN: 9783906212531
ISBN: 978-3-906212-53-1
Format: Fester Einband
Herausgeber: WELTBUCH Verlag GmbH
Genre: Briefe & Biografien
Anzahl Seiten: 424
Gewicht: 756g
Größe: H218mm x B156mm x T33mm
Jahr: 2019