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Gottlosigkeit und Eigensinn

  • Kartonierter Einband
  • 530 Seiten
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"Gottlosigkeit", das war im Zeitalter der Glaubensspaltung einer jener stigmatisierenden Begriffe, mit denen die rechtgl... Weiterlesen
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Beschreibung

"Gottlosigkeit", das war im Zeitalter der Glaubensspaltung einer jener stigmatisierenden Begriffe, mit denen die rechtgläubigen Christen ihre konfessionellen Gegner, aber auch Ehebrecher, Säufer oder Aufrührer belegten. Die Beiträge des Bandes analysieren derartige Diffamierungs- und Stigmatisierungsprozesse methodisch konsequent als soziale Zuschreibungsakte, wobei auch der "Eigensinn" der jeweiligen Akteure, ihre Selbstsicht und ihre Praxen, Berücksichtigung finden soll. Damit eröffnet der Band einen weiten Blick auf den Normenhorizont der Frühneuzeitlichen Gesellschaft.

Autorentext

Gerd Schwerhoff, geb. 1957, studierte Geschichte, Soziologie und Pädagogik an den Universitäten Köln und Bielefeld. Er wurde 1989 mit einer Arbeit zur frühneuzeitlichen Kriminalitätsgeschichte promoviert und habilitierte sich 1996 in Bielefeld mit einer Studie zur Gotteslästerung im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit. Nach Lehrstuhlvertretungen und einem Heisenberg-Stipendium der DFG ist er seit 2000 Professor für Geschichte der Frühen Neuzeit an der Technischen Universität Dresden. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Geschichte der Kriminalität, die Geschichte der Hexenverfolgung, die Geschichte der öffentlichen Räume, die Religions- und die Stadtgeschichte. Eric Piltz, geb. 1978, studierte Geschichte, Politikwissenschaft und Germanistik an der TU Dresden. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter in Dresden am Lehrstuhl für Frühe Neuzeit bzw. am SFB 804. Seine Forschungsschwerpunkte sind Selbstzeugnisse, Stadtgeschichte, Nachbarschaft und Raumwahrnehmung.



Zusammenfassung
"Ein thematisch reicher, in seiner widersprüchlichen Bandbreite faszinierender Band liegt damit vor, der auch als Brückenschlag zwischen der Kirchengeschichte alten Schlags und einer neuen sozialgeschichtlich motivierten Religionsgeschichte, die nach den einzelnen Akteuren fragt, zu verstehen ist." Prof. Dr. Martin Scheutz,in: Zeitschift für Historische Forschung, Band 45, Heft 2/2018 "Demonstrating the complexity of religious deviance in the confessional age, this collection of essays represents both the status quaestionis of early modern religious history in Germany and offers fruitful suggestions for future directions of research." Ronnie Po-chia Hsia, in: Francia rescensio, 3/2017

Inhalt

I. Einleitende Überlegungen Eric Piltz und Gerd Schwerhoff Religiöse Devianz im konfessionellen Zeitalter - Dimensionen eines Forschungsfeldes Harald Maihold »das aus grosser barmhertzickeyt mus unbarmhertzig seyn« - Legitimation und Grenzen der Gottesstrafe in der theokratischen Strafrechtslehre des 16. und 17. Jahrhunderts II. Predigt und Polemik Andreas Holzem Wie falsch Luthers vnnd seines anhangs Meynung sei ... Devianzproduktion in der katholischen Predikt über Martin Luther Marina Münkler Legende / Lügende. Die protestantische Polemik gegen die katholische Legende und Luthers Lügend von St. Johanne Chrysostomo Annemarie Hagmayer Calvinismus als Etikett. Zuschreibungspraktiken in Leichenpredigten auf sächsische landesherrliche Beamte und Kurfürst Christian I. von Sachsen (1589-1613) III. Deliktfelder Gerd Schwerhoff Böse Hexen und fahrlässige Flucher: Frühneuzeitliche Gottlosigkeiten im Vergleich Francisca Loetz Probleme mit der Sünde: Sexualdelikte im Europa der Frühen Neuzeit Johannes Dillinger Attentate und Aufstände. Zur religiösen Bedeutung politischer Kriminalität in der Frühen Neuzeit Sebastian Schmidt Armut als religiöse Devianz in der Frühen Neuzeit Alexander Kästner Wer ist der Täter - wer ist das Opfer? Zur Konstruktion des Verbrechens »Selbstmord« in juristischen und theologischen Texten des 16. und 17. Jahrhunderts IV. Gruppenbezogene Devianz Astrid von Schlachta Erzählungen von Devianz. Die wiedertauffer zwischen interner Absonderung und äußerer Exklusion Daniel Eißner Fromme Devianz. Pietistische Handwerker als religiöse Übererfüller Yvonne Kleinmann Reden oder Schweigen über religiöse Differenz? Kommunikationsfelder eines städtischen Gemeinwesens im frühneuzeitlichen Polen Manja Quakatz Die Sesselträger des Kurfürsten: Muslimisch-osmanische Gefangene aus dem Osmanischen Reich als religiöse Minderheit im München des späten 17. Jahrhunderts Lionel Laborie Sex, Drugs and Rock 'n' Roll: Religiöse Devianz im England des späten 17. Jahrhunderts V. Dissimulation und Eigensinn Martin Skoeries Für und Wider Nikodemismus. Über eine europäische Debatte zwischen Exil und Scheiterhaufen Andreas Pietsch Ekklesiologie jenseits der Kirchen: konfessionelle Grenzarbeiten bei Dirck Volckertszoon Coornhert Jürgen Müller Von Kirchen, Ketzern und anderen Blindenführern - Pieter Bruegels d.Ä. Blindensturz und die Ästhetik der Subversion

Produktinformationen

Titel: Gottlosigkeit und Eigensinn
Untertitel: Religiöse Devianz im konfessionellen Zeitalter
Editor:
EAN: 9783428144815
ISBN: 978-3-428-14481-5
Format: Kartonierter Einband
Herausgeber: Duncker & Humblot GmbH
Genre: Mittelalter
Anzahl Seiten: 530
Gewicht: 700g
Größe: H233mm x B159mm x T30mm
Veröffentlichung: 17.08.2015
Jahr: 2015