Willkommen, schön sind Sie da!
Logo Ex Libris

Der Witwer von Venedig
Gabrielle Wittkop

Alvise Lanzi ist zum vierten Mal Witwer geworden, innerhalb von nur dreißig Jahren. Im Venedig des ausgehenden 18. Jahrhunderts is... Weiterlesen
Fester Einband, 112 Seiten  Weitere Informationen
20%
19.50 CHF 15.60
Auslieferung erfolgt in der Regel innert 3 bis 4 Werktagen.

Andere Kunden kauften auch

Beschreibung

Alvise Lanzi ist zum vierten Mal Witwer geworden, innerhalb von nur dreißig Jahren. Im Venedig des ausgehenden 18. Jahrhunderts ist nichts so, wie es scheint. Die Stadt gleicht einem berauschenden Fest, es ist niemandem zu trauen. Gabrielle Wittkops Roman ist eine Hommage an die untergehende Stadt Venedig und zugleich ein raffiniertes ästhetisches Vergnügen.

Leseprobe

Sie hat birnenfö;rmige, aber sehr feste Brü;ste, einen kleinen, knabenhaften Hintern, schmale Hü;ften, jedoch edle Schultern und einen schö;nen Halsansatz. Man kö;nnte sagen, sie habe alte Hä;nde, weil sie knochig sind. Sie liebt es, lachend mit Zeige- und Mittelfinger ihre Nymphen zu spreizen. Sie tanzt nackt durch das Zimmer. Sie liebt es, im Bett zu trinken. Wenn sie geschwitzt hat, ü;berzieht sich ihre Haut mit einem Perlmuttschimmer und riecht nach Wild. Sie liebt es, bei der Liebe zu reden, Dinge zu sagen, die hart und gepfeffert sind wie sie selbst. Sie kann ihre Spitzen selbst ausbessern. Sie besitzt eine groß;e Dose mit malvenfarbenem Puder und drei Phiolen eines Geheimelixiers. Sie lü;gt, daß; kein Blau mehr am Himmel bleibt. Die Lampe ist schwach. Irgendwo rennt eine Ratte. Das Wasser gurgelt. Sie liegen nebeneinander, reglos, den Blick an die bemalte Decke gerichtet. Man hö;rt eine Barke ü;ber den Rio San Barnaba gleiten. Man hö;rt im Flur das Parkett knarren. Jemand weiß; zuzuhö;ren, zu beobachten, abzuleiten, zu folgern und zu schließ;en. Jemand mit einem neugierigen Geist beginnt den Mechanismus der gesamten Intrige zu durchschauen. Jemand weiß; jetzt, daß; es nicht dabei bleiben wird. Das ist ein sehr gefä;hrliches Wissen, sofern man etwas davon ahnen lä;ß;t. Zumal man sich vielleicht selbst in einer schwierigen Situation befindet. Die Lampe ist schwach und irgendwo rennt eine Ratte und das Wasser gurgelt, wä;hrend Alvise neben Luisa liegt und ihr beim Atmen zuhö;rt. Er hä;tte sie leicht haben kö;nnen, ohne sie zu heiraten, da seine Leidenschaft sich im Grunde auf ein paar simple Gesten beschrä;nkt. Er hä;tte eine weniger auffallende Frau heiraten kö;nnen, die sich besser zu benehmen weiß; und Bü;cher liebt. Bü;cher zu lieben, das ist der Punkt, und in siderischer Ferne, in Nebel gehü;llt, in einem jener Sekundentausendstel, die nur unser Urinnerstes kennt, ziehen ein Haarknoten nach rö;mischer Art und ein Jakonettkleid vorü;ber. Er hä;tte fü;r Luisa eine kleine Wohnung mieten, sie jeden Tag besuchen kö;nnen, und die rechtmä;ß;ige Gattin, der er entweder gar kein Gesicht oder gleich mehrere leiht, hä;tte keinen Anstoß; daran genommen. Um solche Dinge macht man in Venedig nicht viel Aufhebens. Er hat einen Fehler begangen und fragt sich, wohin diese absurde Verbindung fü;hren wird. Er weiß;, daß; sein Liebeshunger ebenso schnell wieder erlö;schen wird, wie er entbrannt ist, daß; Luisa nichts und niemanden halten kann. Eine Anwandlung von Leidenschaft. Die Ermü;dung des Geschlechts, die Langeweile der Sattheit, er spü;rt sie schon. Allerdings verleiht ihm die Calmo ein schwarzes Prestige, eine verderbte Aura, vielleicht sogar die majestä;tische, schmerzliche Krone der Lä;cherlichkeit, und vor allem einen Nimbus von Verhä;ngnis, der ihm trotz seiner seriellen Witwerschaft noch fehlte. Die Vorstellung dieses eigentü;mlichen Renommees beglü;ckt und beunruhigt ihn. Tü;ckisch schnü;rt die Angst ihm das Herz zusammen. Und die Angst ist in Venedig stets mit der Vorstellung von Messer Grande verbunden, ohne daß; man sich dessen immer bewuß;t wä;re und auch fü;r die, wenn es sie denn gibt, die glauben, sie hä;tten sich nichts vorzuwerfen. In Wahrheit hat man sich immer etwas vorzuwerfen. Man kann jeden Tag vorgeladen werden. Messer Grande weiß; alles, was im Schatten der Flure, im Schatten der Kirchen, im Schatten der Alkoven vor sich geht, er sieht die einsame Hand, kennt die heimliche Sehnsucht und liest die Gedanken. Daher hat man stä;ndig irgendeinen Grund zum Fü;rchten, bis in die Trä;ume hinein. Es schwinden einem vor Angst die Sinne. Manchmal verschwindet man auch selbst, ohne Spuren zu hinterlassen, wie ein Stü;ck Zucker in Wasser.

Produktinformationen

Titel: Der Witwer von Venedig
Untertitel: Roman. Aus d. Französ. v. Claudia Kalscheuer
Autor: Gabrielle Wittkop
Übersetzer: Claudia Kalscheuer
EAN: 9783446202252
ISBN: 978-3-446-20225-2
Format: Fester Einband
Herausgeber: Hanser C.
Genre: Romane & Erzählungen
Anzahl Seiten: 112
Gewicht: 218g
Größe: H214mm x B122mm x T14mm
Jahr: 2002
Auflage: 4. A.

Filialverfügbarkeit

PLZ, Ort, Name Es wurde kein Treffer gefunden. Bitte geben Sie eine gültige PLZ oder einen gültigen Ort ein. Bitte geben Sie eine PLZ oder einen Ort ein. Dieses Produkt ist in NUMBER Filialen verfügbar Dieses Produkt ist momentan nur im Online-Shop verfügbar. NUMBER Stk. verfügbar Kein aktueller Lagerbestand verfügbar. Detailkarte Detailkarte in einem neuen Fenster anzeigen Route berechnen Route in einem neuen Fenster berechnen Adresse Telefon Öffnungszeiten NUMBER Stk. verfügbar Nicht an Lager Die nächste Filiale finden Es gibt keine Geschäfte in 20 Kilometer Reichweite
  • Geben Sie die Postleitzahl, den Ortsnamen oder den Namen einer Filiale in das Suchfeld ein
  • Klicken Sie auf den "Pfeil"-Button, rechts neben dem Eingabefeld
  • Wählen Sie eine Filiale in der Trefferliste aus

Die nächste Filiale auch mobil finden Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Samstag Sonntag
Die nächste Filiale finden
  • Geben Sie die Postleitzahl, den Ortsnamen oder den Namen einer Filiale in das Suchfeld ein
  • Klicken Sie auf den "Pfeil"-Button, rechts neben dem Eingabefeld
  • Wählen Sie eine Filiale in der Trefferliste aus

Die nächste Filiale auch mobil finden
Zuletzt angesehen
Verlauf löschen