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Der Tod als existenzielles Phänomen bei Lev Nikolaevic Tolstoj und Anton Pavlovic Cechov

  • Kartonierter Einband
  • 76 Seiten
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Der Tod ist eines der zentralen Themen der russischen Geistesgeschichte. Das russische Verständnis der Opposition von Leben und To... Weiterlesen
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Beschreibung

Der Tod ist eines der zentralen Themen der russischen Geistesgeschichte. Das russische Verständnis der Opposition von Leben und Tod unterscheidet sich stark von dem westlichen. Dies resultiert aus der besonderen Identität der russischen Kultur, die aus westlichen, östlichen, vor allem aber byzantinischen Einflüssen amalgiert wurde. Das folkloristische Verständnis des Todes lässt, auch wenn es durch die Christianisierung Russlands in den Hintergrund gedrängt wurde, den russischen Menschen in dem Glauben, dass die Toten in eine Welt gehen, die der der Lebenden ähnlich ist und dass die Verstorbenen das irdische Leben mitbestimmen können. Bei Lev Nikolaevic Tolstoj steht der Tod unmittelbar im Zusammenhang mit der Frage nach dem Sinn des Lebens. Einerseits: Wer aus dem Leben auszuscheiden wünscht, hat nach Tolstoj den Glauben an den Sinn des Lebens verloren. Anderseits: Man stirbt, wie man lebt. Nach den Werken Tolstojs geht es nicht einfach um den Tod, sondern um eine Abrechnung. Die Abrechnung mit dem gelebten Leben findet statt, indem die dem Tod geweihten Helden ihr Leben neu bewerten und so eine erlösende geistige Wahrheit finden. Für den religiös wenig motivierten Literaten Anton Pavlovic Cechov ist der Tod ein Teil des natürlichen Prozesses. Oft kommt der Tod in seinen Erzählungen vor, in vielen seiner späteren Werke wird die Todesthematik zum Hauptthema. Als Arzt hat Cechov, der selbst an Tuberkulose erkrankt war und mit 44 Jahren daran starb, ständig mit dem Tod zu tun. Im Gegensatz zu Tolstoj hat er seinen Frieden mit dem Tod geschlossen, der für ihn nicht moralische Besserung, sondern Erlösung von menschlichem Leid verspricht. In der vorliegenden Studie werden ausgewählte Texte Tolstojs und Cechovs unter der zentralen Fragestellung untersucht, wie der Tod als existenzielles Phänomen literarisch ganz ausgestaltet werden kann.

Leseprobe
apos;Textprobe: Kapitel 2.1.3 Die Verdrängung der Todesangst: Eng verwandt mit dem Topos des Todes ist die Angst, die als Todes- und Versagensangst den gesamten Erzählzyklus durchzieht. Deutlich wird dies beispielsweise an dem jungen Offizier Volodja, "ein so angenehmer, hübscher Jüngling". Er betet: "Wenn ich sterben muss, wenn es sein muss, dass ich vergehe, lass es geschehen, Herr, dachte er, lass es schneller geschehen; bedarf es aber der Tapferkeit, bedarf es der Standhaftigkeit, die ich nicht habe, so gib sie mir, aber rette mich vor Schmach und Schande, die ich nicht ertragen kann, und lehre mich, was ich zu tun habe, um deinen Willen zu erfüllen." Der junge Offizier hat Angst zu versagen, "______ ________". An der Front überkommt Volodja Todesangst: "Wolodja bekam plötzlich furchtbare Angst: es schien ihm ständig, jeden Augenblick könnte eine Kanonenkugel oder ein Bombensplitter geflogen kommen und ihn gerade am Kopf treffen. Dieses feuchte Dunkel, alle diese Geräusche, besonders das grollende Plätschern der Wellen, schienen ihm zu sagen, er solle nicht weitergehen, ihn erwarte hier nichts Gutes, sein Fuß würde den russischen Boden jenseits der Bucht nie wieder betreten, er möge auf der Stelle umkehren und fliehen - weit, weit weg von dieser furchtbaren Stätte des Todes". Die Angst, als Feigling zu gelten, beschäftigt auch Praskuchin. Angesichts des Todes erschreckt Praskuchin und sieht "mit egoistischer Befriedigung, daß Michailow [...] unbeweglich und an ihn gedrückt, dicht zu seinen Füßen auf dem Bauche lag." Jedoch als er begreift, dass die Bombe gleich explodieren würde: "Entsetzen - kaltes, alle anderen Gedanken und Gefühle lähmendes Entsetzen - ergriff sein ganzes Wesen; er bedeckte das Gesicht mit beiden Händen und sank in die Knie." Der Schrecken des Todes streift den Mantel der Eitelkeit ab und der blanke Mensch, allen gesellschaftlichen Status beraubt, beugt sich vor ihm nieder."Die Angst ... vor dem Tode ist ein angeborenes Gefühl des Menschen..." liest ein Soldat aus dem Buch auf der Bastion. Das erinnert den aufmerksamen Leser an den vom Erzähler suggerierten Selbsterhaltungstrieb, mit dem er im ersten Teil des Erzählungszyklus konfrontiert wurde. Der Trieb wird plötzlich wach, aus dem Bewusstsein heraus, sich in der vordersten Linie zu befinden. "Das nahe Pfeifen einer Kanonenkugel oder Bombe, gerade da wir den Berg zu besteigen beginnen, überrascht uns unangenehm. Wir begreifen auf einmal, und ganz anders, als wir es vorher begriffen, die Bedeutung der Kanonenschüsse, die wir in der Stadt gehört haben. [...] unser eigenes Ich beginnt uns mehr zu beschäftigen als die Wahrnehmungen; die Aufmerksamkeit für alles, was uns umgibt, nimmt ab, und da überkommt uns plötzlich ein unangenehmes Gefühl der Unentschlossenheit". Dieser Selbsterhaltungstrieb wird in der Kriegssituation zugunsten der großen Sache unterdrückt und sublimiert: "Aber wir hören nicht auf diese schändliche Stimme, die sich plötzlich beim Anblick der Gefahr in unserem Innern vernehmen lässt, und bringen [...] diese Stimme zum Schweigen." Angst - gerade Todesangst - dient sozusagen als natürlicher Schutzmechanismus dem Überlebensdrang des Menschen. Tolstoj hat diese Regung poetischer formuliert:"Aber der Anblick des klaren Himmels, der strahlenden Sonne, der schönen Stadt, der offen stehenden Kirche und des Militärs, das sich nach allen Richtungen hin bewegt, versetzt unsern Geist schnell in den normalen Zustand des Leichtsinns, der Alltagssorgen und des Genusses der Gegenwart". Die Konzentration auf die Alltagsroutinen drängt die Angst - auch die Angst vor dem Tode - in den Hintergrund. Ohne diese Verdrängungsleistung ist normales Leben schlechterdings unmöglich. Nur so läßt sich die lähmende Angst überwinden, indem man die tödlichen Gefahren ausblendet. Während sich bei Tolstoj die aristokratischen Offiziere selbst am Vorabend des Tod bringenden K

Produktinformationen

Titel: Der Tod als existenzielles Phänomen bei Lev Nikolaevic Tolstoj und Anton Pavlovic Cechov
Autor:
EAN: 9783959348812
ISBN: 978-3-95934-881-2
Format: Kartonierter Einband
Herausgeber: Bedey Media GmbH
Genre: Slawische Sprach- und Literaturwissenschaft
Anzahl Seiten: 76
Gewicht: 136g
Größe: H221mm x B154mm x T7mm
Veröffentlichung: 01.01.2016
Jahr: 2016