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Germanija
Dmitrij Belkin

»[Dmitrij Belkin] verbindet den selbstironischen Humor eines Wladimir Kaminer mit dem etwas erweiterten und geschärften Blick des ... Weiterlesen
Fester Einband, 202 Seiten  Weitere Informationen
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Beschreibung

»[Dmitrij Belkin] verbindet den selbstironischen Humor eines Wladimir Kaminer mit dem etwas erweiterten und geschärften Blick des Historiikers und der persönlichen Ehrlichkeit eines Autors, der nahezu alle Probleme eines Einwanderers in sich bündelt.« Almut Engelien (NDR, 09.09.2016) »Germanija ist ein biografisch-politischer Exkurs durch die mannigfaltigen Umbrüche der jüngsten Vergangenheit, der auch hinsichtlich der aktuellen Migrationsbewegungen von Relevanz ist.« Daniel Windheuser (Der Freitag, 22.09.2016) »Belkin, nach eigenem Bekunden nur in einer Grauzone zwischen Zuschreibungen wie jüdisch, deutsch, russisch oder europäisch wirklich zu Hause, rüttelt an dem Denken in Schubladen.« Robert Kalimullin (Jüdische Allgemeine, 22.09.2016) »Es ist die Geschichte eines jahrzehntelangen Ankommens, einer Suche nach der eigenen Identität, die auch und vor allem eine geistige Sinnsuche ist.« Nadja Erb (Frankfurter Rundschau, 04.10.2016) »Höchst lesenswertes Buch.« (Deutschlandradio Kultur, 04.11.2016) »Die Geschichte des ukrainischen Geschichtsstudenten Belkin zum jüdischen Deutschen mit Heimatgefühl ist kurzweilig, voller Humor, kleinen Anekdoten, die mehr erzählen als ein Seminar bei Politologen oder Soziologen, und auch voller Ernsthaftigkeit.« Robert Probst (Süddeutsche Zeitung, 06.11.2016) »Ein wunderbares Buch.« Almut Engelien (rbb Kulturradio, 27.11.2016) »Wer die Umwälzungen der letzten dreißig Jahre in Deutschland und Osteuropa und ihre Auswirkungen bis heute verstehen will, sollte dieses Buch lesen.« Jannis Panagiotidis (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.2016) »Witzige Perspektive eines Ex-Kontingentflüchtlings auf gestern und heute.« (Die Welt, 03.12.2016)

Autorentext
Dmitrij Belkin, geboren 1971 in der Ukraine (damals UdSSR), kam 1993 als "Kontingentflüchtling" nach Deutschland. In Tübingen schloss er sein bereits in der Ukraine begonnenes Studium der Geschichte und Philosophie mit Promotion ab. Nach Stationen am Max-Planck-Institut für Rechtsgeschichte, beim Jüdischen Museum Frankfurt, beim Fritz Bauer Institut und einem Jahr in den USA ist er heute als Referent beim jüdischen Ernst Ludwig Ehrlich-Studienwerk und als Publizist in Berlin tätig, wo er mit seiner Familie lebt.

Klappentext

Dezember 1993, Dnepropetrowsk, Ukraine. Der 22-jährige Dmitrij Belkin nimmt drei Taschen und sechs Bücher, setzt sich in einen Bus und fährt ins völlig Ungewisse, nach Deutschland, wie eine Viertelmillion andere Juden aus der Ex-UdSSR auch. Er kommt als Einwanderer in ein Land im Umbruch: Postsowjetischer Blick trifft auf alte und neue Bundesrepublik, in der für ihn und seine Familie eine jüdische Selbstentdeckung möglich wird. Deutsche Zeitgeschichte im Spiegel einer sehr persönlichen und zugleich politischen Erzählung, die ihr Licht auch auf die heutige turbulente Zeit der Einwanderung wirft.



Leseprobe
Vorwort In Gurzuf, auf der Krim, die 1995 nicht mehr UdSSR und noch nicht wirklich Ukraine ist, weht eine wundervolle milde Brise. Das Meer ist dunkel (Schwarzes Meer!), aber selten bedrohlich. Die alten tatarischen Straßen wirken romantisch, sie sind kaputt und geheimnisvoll, die Zypressen und Tannen in den sowjetischen Parks stehen Spalier. Meine Frau Ljuda und ich leben seit knapp zwei Jahren in Deutschland. Wir kamen als jüdische Kontingentflüchtlinge aus der Ukraine, die erst seit vier Jahren als ein unabhängiger Staat existiert. Kontingentflüchtlinge heißen in Deutschland die Flüchtlinge, die kein Asyl- oder anderes Anerkennungsverfahren durchlaufen müssen, sondern fast umgehend eine Aufenthaltserlaubnis erhalten. Zu den zahlenstärksten Gruppierungen von Kontingentflüchtlingen zählten die vietnamesischen "Boatpeople", die in den Achtzigerjahren nach Deutschland kamen, sowie Juden aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion, die dieses Land ab 1991 erreichten. Und natürlich ein Teil der Flüchtlinge aus Syrien, die wir erst seit dem Spätsommer 2015 bemerkten, als es so viele wurden - auch von ihnen wird später noch die Rede sein. Kontingentflüchtlinge werden nach dem so genannten "Königsteiner Schlüssel" auf die einzelnen Bundesländer verteilt. Ljuda und ich sind in der beschaulichen Universitätsstadt Tübingen gelandet. Meine Eltern leben zu dieser Zeit noch in der Ukraine. Wir besuchen sie und verbringen zwei Urlaubswochen auf der Krim. Die Krim wirkt mit ihrer leicht lethargischen und majestätischen Natur nicht nur wie eine schlafende Schöne - sie ist in dieser Saison zugleich hochgradig kriminell. Geweckt wird die Schöne regelmäßig und unsanft durch Schüsse und Explosionen. Die Sowjetunion ist soeben zerfallen, viele sind an diversen Filetstücken, die angeblich schlecht und zugänglich umherliegen, interessiert. Auch die gewöhnlichen Diebe. Unsere Ferienanlage wird an diesem frühen Nachmittag, der in der Ex-UdSSR nicht existierenden Siesta, bestohlen, wir haben die Räuber, die durch das Gelände zogen, noch von hinten gesehen. In der Mülltonne vor unserem Häuschen finden wir einen Dietrich, mit dem sie die eher symbolischen Schlösser der Nachbarhäuser ohne Probleme aufgemacht haben. Ein junger, vielleicht 25-jähriger Polizist befragt uns als Zeugen. Am Ende möchte er wissen, wo wir wohnen. "Tübingen, Deutschland", sagen wir. Der Mann macht das Protokoll fertig, unterschreibt es selbst und gibt es uns zum Unterschreiben. "Familie Belkin", lesen wir darin, "wohnhaft in Thüringen, DDR." Womöglich diente er in den späten Achtzigern irgendwo in der DDR, und vielleicht würde er, schon als reifer Mann, 2014 für die auf eine wenig legale Weise wieder russisch gewordene Krim kämpfen. Die Uhr wurde gewaltsam zurückgedreht, und Menschen landeten wieder in ihrem verschwundenen Land. "Thüringen, DDR" anstatt "Tübingen, Deutschland", "Krim, UdSSR (heute "Russland" genannt)" anstatt "Krim, Ukraine", wie es nach dem Zerfall der Sowjetunion hieß. Szenenwechsel. Reutlingen, Baden-Württemberg, 1984, also ein Jahr vor der Krimreise, es sind meine ersten Monate in Deutschland. Ich quäle mich in der reichen schwäbischen Provinz und frage jemanden auf der Straße nach dem Weg. Ein etwa fünfzigjähriger Reutlinger erklärt mir die Route. Er kennt sich gut aus. "Wo kommen Sie her?", fragt mich der Mann anschließend. "Aus der Ukraine", lautet meine Antwort. "Dort, wo es gerade einen Krieg gibt", sagt der Mann verständnisvoll und meint doch die serbische Krajina, dieses politische Gebilde, das zwischen 1991 und 1995, während des Kroatienkrieges, existierte. Wir sind mitten im jugoslawischen Bürgerkrieg, und die groben, fußballerisch starken Jungs, mit denen ich in Reutlingen ab und an kicke, kommen direkt von dort. Noch weiß kaum einer in Deutschland, wo genau die Ukraine überhaupt liegt. Tschernobyl assoziieren die meisten mit der untergehenden Sowjetunion, die Klitschko-Brüder werden erst etwas später gesamtdeutsche Popularität erlangen. Noch spielt es keine Rolle, wo die Grenze des politisch und geografisch Wahrnehmbaren verläuft. "Kraj" heißt Grenze, es ist die Wurzel sowohl des Wortes "Krajina" als auch des Wortes "Ukraine". Wir wurden als Juden nach Deutschland "eingeladen" - so nennen es die Älteren in unserer Einwanderergruppe, vielleicht auch, um die soziale Unterstützung seitens des deutschen Staates, die sie beanspruchen und benötigen, für sich zu legitimieren. Diese Formulierung, "als Juden in Deutschland, im Land des Holocaust" willkommen zu sein, hat mich von Anfang an zerrissen. Etwa eine Viertelmillion Juden kommt zwischen 1990 und 2005 auf diesem "jüdischen Ticket" nach Germanija, in das wiedervereinigte Deutschland, das die Schuldgefühle und die staatlich sanktionierte und finanzierte Erinnerungskultur an den Holocaust zwar schon länger pflegt, aber in den frühen Neunzigerjahren mit ganz anderen Themen beschäftigt ist - zum Beispiel mit der Abwicklung der DDR, mit der Annäherung zwischen Ost und West, mit dem Finden einer neuen Rolle in Europa. Die Juden reisen in ein wiedervereinigtes Land, das sich in einem großen Umbruch befindet. Juden?! Viele Deutsche dachten, es würde reichen, einen Teil der zwei bis zweieinhalb Millionen Juden aus der späten Sowjetunion zu holen, um in einem zivilisierten, von Schuldgefühlen geplagten Deutschland wieder jüdisches Leben zu ermöglichen. Sie dachten, sie retten uns vor Antisemitismus und Totalitarismus und tun damit etwas für ihr Gewissen. Für uns Neuankömmlinge stellte sich das anders dar. Wir hatten in unserem Sowjetleben ein durchaus funktionierendes politisches und ideologisches System gehabt, das aktiv und vital war - für diejenigen, die sich mit ihm arrangiert haben. Die Menschenrechte und die politische Gewaltenteilung waren dabei leider nicht entscheidend, menschliche Gefühle und menschliche Nähe dagegen schon. Wir wärmten uns an uns selbst, draußen und in den Wohnungen war es ja kalt. Oft war diese menschliche Wärme unerträglich, meistens war sie ermüdend und distanzlos, doch sie war auch rettend. Genauso wie das Gefühl, einem Sechstel der Erde anzugehören, das von außen "Reich des Bösen" genannt wurde. "Selber böse!", wollte man laut schreien. Doch wir schrien nicht, es war eine schweigsame Zeit - Facebook und Twitter existierten noch nicht. Wir lebten, hofften, liebten - wie überall sonst, auch in Deutschland. Und, ja: Wir waren jung, aber schon "Veteranen" des Kalten Krieges. Der Eiserne Vorhang war Teil unseres Lebens und verschwand auch nach der Perestrojka nicht gleich. Ein erstes Missverständnis der Einladung von deutscher Seite an die so genannten Kontingentflüchtlinge bestand darin, dass man Juden erwartete, aber Sowjetmenschen bekam: häufig atheistisch, arm, belesen und müde. Der staatliche und vor allem der Alltagsantisemitismus hielten uns zusammen und verbaten uns, unser tatsächliches oder imaginiertes jüdisches Naturell zu vergessen. Denn viele von uns - wie auch ich - waren das Produkt einer Ehe zwischen einem Juden und einer Nichtjüdin. Das heißt, jüdisch genug, um nach Germanija einzureisen, aber nicht jüdisch genug, um dem deutschen Stereotyp eines Juden zu entsprechen. Wir kannten zwar die jüdischen Namen sowjetischer Schriftsteller (Ilja Erenburg, Josef Brodsky) und Musiker (Isaak Dunajewsky, David Ojstrach) und freuten uns, dass es sie gab. Wir konnten auf Jiddisch schimpfen und erlaubten uns ab und zu "Geheimaktionen", die für die übrige sowjetische Öffentlichkeit verborgen blieben. Wir konnten etwa in einem Lebensmittelgeschäft fragen: "Hast du GELD?" (anstelle des russischen den'gi) oder durch eine Frage - "Ist sie meschugge?" - einem jüdischen Gesprächspartner ein geheimes Verständnis ermöglichen, das den anderen verborgen blieb. Viel mehr aber nicht. Wir hatten uns russifiziert: Viele Juden waren die größten Liebhaber der russischen Kultur. Sowjetisiert: Hunderttausende haben sich mit dem System identifiziert, ja dieses bewusst mitaufgebaut. Auch christianisiert: buchstäblich und in jedem Fall intellektuell. Waren diese Wirren der Assimilation ausschlaggebend für die damalige Entscheidung vieler Juden, nach Deutschland zu kommen? In ein Land, in dem es nach Vorstellung vieler nie wieder ein jüdisches Leben hätte geben dürfen? In ein Land, das von uns irgendwo zwischen Goethe und Hitler imaginiert wurde? Ich kann das nur für mich selbst beantworten: Ich wollte frei sein, ich wollte in Europa Geisteswissenschaften studieren, ich wollte die Welt kennen lernen, die jenseits des oben erwähnten Eisernen Vorhangs lockte. Ich glaube nicht, dass ich einem weit verbreiteten Vorurteil über die jüdische Emigration entsprach: Demnach seien die Jüdischsten (Natan Scharanski, der israelische Politiker) nach Israel, die Dynamischsten (Sergey Brin, Co-Gründer von Google) nach Amerika und die anderen nach Deutschland emigriert. Vielleicht waren es eher die Europäischsten, die nach Germanija gingen. Es gab da diesen vielversprechenden Wind der Veränderung, der in den Neunzigerjahren einen unheimlichen Sog entwickelte, dem auch ich mich nicht entziehen konnte: Es zog förmlich in Europa, das sich bald vom Atlantik bis zum Ural erstrecken sollte, die Türen schlugen auf und zu. Man witterte eine Chance, ohne diese rational definieren zu können - oder an die Folgen dieser Chance zu denken. Auf wen ich in der Fremde treffen würde, interessierte mich zunächst wenig. Ich ging einfach davon aus: In Deutschland leben die Deutschen. Diese Erkenntnis genügte fürs Erste, auch wenn sie nach dem Holocaust nichts Gutes implizierte. Zwanzig Jahre später entsteht nun dieses Buch, und erstaunlicherweise muss ich heute feststellen: O Schreck, ich mag Germanija! Darf ich das denn? Um dies herauszufinden, habe ich mich aufgemacht auf eine Erinnerungsreise von der Vergangenheit bis in die Gegenwart, in der ich nachspüre, wie ich in Deutschland jüdisch und erwachsen wurde. I. GERMANIJA BEGINNT Dnepropetrowsk - Krim - Moskau - Kiew - Karlsruhe - Reutlingen Deutsche Botschaft: Herr Schatz entscheidet Den ersten Besuch einer deutschen Botschaft unternahm ich, indem ich das Land wechselte: Ich fuhr von Kiew nach Moskau. Das war 1992, Moskau war zwar die Hauptstadt - aber inzwischen die eines anderen Landes, denn die Ukraine war im Jahr zuvor ein unabhängiger Staat geworden. In Moskau ging ich von Botschaft zu Botschaft: USA, Kanada, Australien. Man braucht direkte Verwandte (USA) oder gewisse Geldsummen, um Punkte für die Aufnahme zu sammeln (Kanada). Ich fragte afrikanische Studenten, deren Länder ich gar nicht kannte, ob auch bei ihnen eine Aufnahme möglich sei. Sie wussten es nicht. Die Mitarbeiterin in der deutschen Botschaft, sie blieb mir als "Frau Heike" in Erinnerung, teilte mir in einem Deutsch mit, das ich halbwegs verstand: Hitler habe auch Juden väterlicherseits verfolgt (und ich bin einer), deswegen werde das Land auch diesen Personenkreis aufnehmen. Doch als Neu-Ukrainer musste ich mit allen meinen Fragen in eine für mich zuständige Botschaft: in die der Bundesrepublik in der Ukraine. Mein Deutschland begann also in Kiew. Eine zentral gelegene, ruhige Straße in der Nähe des Hauptbahnhofs, aber jenseits seiner schmuddeligen Ecken. Alte Kiewer Bäume, die Tschernobyl überstanden haben, "Stalinhäuser" - das Beste, was es in der UdSSR zum Wohnen gab. Die Tschkalow-Straße - nach einem Piloten der Stalin-Zeit benannt, ein sowjetischer Mythos - wurde noch in den Neunzigerjahren umbenannt. Sie trug jetzt den Namen des guten, zerrissenen, trinkenden, 1995 verstorbenen ukrainisch-sowjetischen Schriftstellers Oles Hontschar. Heute, im Zuge einer radikalen Dekommunisierung in der Ukraine, der Tausende von Straßen- und Städtenamen zum Opfer fallen, hätte sich der Autor, der vor allem die Erfahrungen der sowjetischen Kriegsgeneration beschrieb, nicht mehr für einen Straßennamen qualifiziert. Auf der linken Seite, vom Bahnhof kommend, liegt die Botschaft des wiedervereinigten Deutschland. Anfang der Neunzigerjahre baute man auf der gegenüberliegenden Seite ein provisorisches Häuschen, in dem der konsularische Mitarbeiter Kurt Schatz arbeitete, einer der wenigen Ostdeutschen, die von der nach der Wende entstandenen gesamtdeutschen Botschaft übernommen wurden. Schatz entschied mit über unsere Zukunft - die der neu-ukrainischen Juden. Er schaffte es, mehr als 40 000 Anträge aufzunehmen und etwa genauso viele Gespräche zu führen. Schatz sprach ein sehr passables Russisch und verwaltete, verwaltete, verwaltete die Emotionen, Papiere und Geschichten - echte und erfundene - der ukrainischen, de facto natürlich auch sowjetischen Juden. Viele Jahre später traf ich Kurt Schatz wieder. Er erzählte aus seiner Perspektive, was ich vor zwei Jahrzehnten selbst erlebt hatte: von den Geldern, die ihm angeboten wurden und die er angeblich nie angenommen hat, vom Chaos vor der Botschaft und von der Mafia dort, die Plätze in der Schlange verkaufte, von den Ausreisewilligen aller Nationalitäten der ehemaligen UdSSR und der Notwendigkeit, in dieser Schlange "seine" Juden zu finden. Wie er aus seinem Häuschen heraustrat und laut rief: "Jüdische Bürger, zu mir!" Und wir kamen, die jüdischen Bürger. Zu einem deutschen Beamten, der mitten in Kiew die Juden zusammenrief. Meine Ausreise verdanke ich dem paradoxen 20. Jahrhundert und den dramatischen, oft tragischen Wirren um die ewige Frage: Wer ist Jude? Kurt Schatz stand in engem Kontakt zum Oberrabbi in Kiew. Dieser, einer der ersten Lubawitscher Rabbiner in der Ukraine, erklärte Kurt Schatz, dass Jude sei, wer eine jüdische Mutter habe. Schatz handelte nach diesen Regeln, die mir, dem Sohn eines jüdischen Vaters, kaum eine Ausreisemöglichkeit geboten hätten. Doch in der neu formierten gesamtdeutschen Botschaft war ein Telegramm eingetroffen, das über ein Treffen zwischen Bundeskanzler Helmut Kohl und dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Heinz Galinski, informierte. Im Gespräch mit dem Bundeskanzler habe auch Heinz Galinski die traditionelle Auffassung vertreten: Jude sei, wer eine jüdische Mutter habe. Zugleich, wusste Schatz, habe sich Galinski aber auch gegen eine weitere mögliche "Selektion" von Juden gewehrt. Helmut Kohl habe daraufhin angedeutet, die Nationalsozialisten hätten nicht zwischen der Herkunft mütter- oder väterlicherseits unterschieden, also seien auch die Kinder jüdischer Väter aufzunehmen. 2009 in Berlin hingegen erzählen mir die Mitarbeiterinnen der jüdischen Gemeinde, wie hart Galinski gegen Kohl um "alle Juden" gekämpft habe. Nun, sei's drum - wie es wirklich war, werden wir heute nicht mehr feststellen. Die Kompromissentscheidung der ewigen Frage - "Wer ist Jude?" - fiel jedenfalls zu meinen Gunsten aus. Mein Schicksal war besiegelt. Mein Gespräch mit Kurt Schatz an jenem Herbsttag des Jahres 1992 drehte sich vor allem um den Antisemitismus, von dem ich aus meiner persönlichen Biografie zur Genüge zu berichten wusste, ohne übertreiben zu müssen. Das "jüdische Aussehen" ist in Deutschland kein Thema, da hoffnungslos nationalsozialistisch besetzt. Anders in der UdSSR, wo sowohl Juden als auch Antisemiten gut wussten (oder zu wissen glaubten), wie ein Jude auszusehen hat. Was im Deutschland des 21. Jahrhunderts zu den für mich bis heute leicht lästigen, aber auch durchaus lustigen Fragen von Unbekannten - "Dmitrij, sind Sie eigentlich Grieche, Iraner oder Italiener?" - führt und auf mein "südländisches" Aussehen zurückgeht, lief in der späten Sowjetunion auf die eindeutige Diagnose hinaus: "Ein Jude!" So erlebte ich zum Beispiel, wie der Stürmer einer gegnerischen Mannschaft im Jahr 1984, nach der Niederlage seines Teams in unser Mannschaftszimmer kam und ein Glas Marmelade brachte. Aus Respekt vor der Leistung unserer Mannschaft. "Aber gebt nichts dem Juden", ergänzte der unserer siegreichen Mannschaft gegenüber so respektvolle Gast, den ich vorher im Spiel gänzlich ausgeschaltet hatte. War das antisemitisch? Eine rhetorische Frage. Es gab noch viele andere Geschichten, die ich Schatz erzählen konnte. Mein Bericht schien (und offen gestanden scheint) mir etwas ambivalent - mit eigener Betroffenheit als Argument erreicht man eher nicht die eigenen Ziele, zumal im verwaltungstechnischen Bereich, in dem es sachlich zugehen soll. Doch ich musste weg. Ich wollte die kurzfristige Gelegenheit nutzen, Germanija kennen zu lernen, dort zu studieren, die "europäische Bildung" zu genießen und dennoch jede Minute zurückgehen zu können. Das waren meine Pläne, von denen ich Kurt Schatz an diesem Kiewer Morgen des Jahres 1992 und nach einer gnadenlosen Schlange vor der Kiewer Botschaft nicht erzählen konnte und durfte. Zu groß war meine Sorge, dass diese Vorstellung das Bild vom verfolgten Juden zunichte machen und das ersehnte und schon so greifbar nahe Visum gefährden würde. Und so spiegelte mein Gespräch mit Kurt Schatz in gewisser Hinsicht meine eigene Ambivalenz gegenüber dem deutsch-jüdischen Thema wider, war ich mir doch selbst nicht so recht im Klaren über meine religiöse Identität, über meine Gefühle gegenüber Deutschland und seiner Bürokratie, die sich zumindest hier von ihrer freundlichen Seite zeigte. Abschied von der UdSSR Meine ersten Berührungen mit Deutschland hatte ich noch vor dem Besuch in der Moskauer Botschaft: Bereits 1991 - als ich über die Ausreise nachdachte - beschloss ich, zunächst schon mal Deutsch zu lernen, zumal ich mir damit auch die Sprache meiner Lieblingsdichter und -philosophen aneignen würde. Wenn ich ihre Texte erst im Original lesen könnte, so meine Hoffnung, dann würde ich auch ihr Leben und ihre Bücher besser verstehen. Also machte ich mich auf in die 14. Etage des hässlichen Uni-Hochhauses von Dnepropetrowsk - für mich, den Historiker aus dem 5. Stock, ein weiter Weg. Dort, bei den Philologen, lernte ich zu meinem Glück Jelena Adamowna kennen. Sie wurde meine Deutschlehrerin, und das in einer Zeit, in der Sprachkurse absolute Mangelware waren, da immer mehr Ausreisewillige sich vorbereiten wollten und Kurse immer teurer und immer schlechter wurden. Jelena Adamowna war eine der wenigen deutschen Muttersprachlerinnen in unserer Stadt und stammte aus einer deutschen Familie. Wegen dieser Herkunft litt sie unter den allseits bekannten Schwierigkeiten. Dass sie trotzdem an der Universität tätig war und uns pünktlich um 18 Uhr zweimal pro Woche zum Deutschkurs begrüßte, grenzte an ein Wunder. Das Deutschland, das Jelena Adamowna uns zeigte, war freundlich und hatte sehr viel mit Alltag zu tun. Mit dem Alltag, den wir, die jungen Intellektuellen aus ihrem Kurs, verachteten, da er bei uns einfach zu furchtbar war. Jelena Adamowna kannte Deutschland, weil sie schon einige Delegationen in die BRD begleitet hatte - sie mochte das Land und wahrte in ihren Beschreibungen gleichzeitig eine gewisse Distanz dazu. Deshalb war das Bild, das sie uns vermittelte, sehr viel glaubwürdiger als alles, was wir in der Schule gehört hatten, was wir in der Zeitung darüber lasen oder was uns die Kriegsveteranen erzählt hatten. Mit ihrer zurückhaltenden Art, aber auch mit ihrer Ruhe und Verlässlichkeit, brachte unsere Lehrerin mir nicht nur die Sprache nahe, sondern zeigte auch Charakterzüge, die ich bis heute für eine spezifisch deutsche Mentalität halte: Pünktlichkeit, Genauigkeit und eine gewisse Hartnäckigkeit. Jahre später landete Jelena Adamowna als Spätaussiedlerin in der badischen Provinz, an der Grenze zur Schweiz, weit entfernt von ihrer Familie und ohne Arbeit für die inzwischen Sechzigjährige - sie wurde traurig und depressiv, während wir, ihre einstmals faulen Schüler, in Deutschland eine gewisse Dynamik entwickelten. Wir waren jung, das war der entscheidende Vorteil. Da vor meinen Augen gerade das große Land, die UdSSR, zerfiel und alles ziemlich in Bewegung war, wurden auch die Bilder von Deutschland denkbar unübersichtlich. Die Unübersichtlichkeit begann schon in meiner Familie: Meine Mutter war der Hauptmotor meiner Auswanderung und riet mir zu; obwohl sie eigentlich nicht wollte, dass ich in die Ferne ging, wünschte sie sich - wie vermutlich die meisten Mütter - eine bessere Zukunft für mich als das, was unser Land für uns bereithielt. Auch mein Vater riet mir zur Ausreise, doch er äußerte ähnliche Bedenken wie meine Großmutter: "Sie werden euch (Juden) wieder alle versammeln, und dann geht die Geschichte von vorne los", warnten beide. Mein Bild von Deutschland hatte sich zunächst gespeist aus den Bekanntschaften mit DDR-Studentinnen, die noch vor der Wende in unsere Stadt gekommen waren: Sie trugen tolle, für uns unerschwingliche Klamotten, waren aber meist riesengroß und entsprachen, nicht nur deshalb, so gar nicht meinem Geschmack. Ansonsten war mir nur noch aufgefallen, wie solide das Geländer vor der deutschen Botschaft wirkte: echte deutsche Qualitätsarbeit, die mich beeindruckte, aber auch ein bisschen einschüchterte. Was war das für ein Land, in das ich mich nun verabschieden wollte? Ich musste jemanden finden, der mir etwas konkretere Information über Deutschland aus erster Hand liefern konnte. Also traf ich mich mit einem Ukrainer, der seit einem Jahr als Kontingentflüchtling in Deutschland lebte und zu Besuch in seiner Heimat war. Er hatte sich bereit erklärt, mir von Deutschland zu erzählen. Wir trafen uns vor dem erst kürzlich abgerissenen Lenin-Denkmal am Kirow-Prospekt, der in Kürze umbenannt werden sollte. Der Mann wirkte still, aber souverän. Er lobte, ohne zu loben, wollte begeistern, ohne begeistert zu sein. Er erzählte, dass man in Deutschland nicht arbeiten muss. Wenn man nicht will, könne man einfach so leben und eine staatliche Unterstützung kassieren, die höher, viel höher als das durchschnittliche Gehalt in unserem kaputten Land sei. All das hörte ich im Jahr 1992, dem Jahr des totalen Untergangs - der Sowjetunion, der Wirtschaft der neuen Ukraine, der Lebensmittelversorgung, der sozialen Infrastruktur. In den Wohnungen war es kalt, das öffentliche Leben funktionierte nur noch unzureichend, die Verwaltung war unzuverlässig, und auch an der Uni wusste man nicht, ob der Kurs, für den man angemeldet war, in der nächsten Woche noch stattfinden würde. So kam dieser Bericht für mich einem Wunder gleich und schien mir doch etwas seltsam: ein Land des ewigen Urlaubs? Und keiner tut dir was? Doch warum wirkte der Mann so wenig glücklich? Der August 1993 war ein sehr heißer Monat. Die Hitze in der Ukraine ist eine drückende Hitze, eine, die nicht enden will. Wie in Israel. Mein baldiger Aufbruch nach Deutschland war amtlich und stand nun fest. Meine Ausreise rückte immer näher. Ich absolvierte mein Geschichtsstudium, schrieb umfangreiche Arbeiten und bestand komplexe Prüfungen. Abends spazierte ich stundenlang mit Freunden durch die Stadt und redete. Dnepropetrowsk ist eine Millionenstadt am Dnepr-Ufer, eine dynamische südliche Industriestadt, die laut und selbstbewusst ist und in der viele Juden leben. Eine Art industrielles und kommerzielles Odessa mit vielen Gesichtern und vielen Gerüchen: nach Essen, nach Fabrikschloten, nach Schweiß (Deodorants sind gerade erst im Kommen). Bis heute liebe ich diese Stadt und finde sie wunderschön: Zerfall und Bürgerkrieg liegen in der Luft, das macht Dnepropetrowsk noch feiner, aber auch noch verletzlicher. Ein Abend ist mir noch besonders in Erinnerung: Mit meinem Freund lief ich durch das Bahnhofsviertel unserer Stadt, auf der Treppe des Kulturpalasts mit seinen Säulengängen saßen Verkäufer, sie verkauften frischgekochten Mais und Sonnenblumenkerne. Aus jedem zweiten Kiosk tönte der aktuelle Hit: "Ich setze mich in ein Cabrio und fahre irgendwohin". Die Fingerhutspieler auf der Straße suchten sich die einfachen Leute aus und luden sie ein, genau aufzupassen, unter welchem Fingerhut das Bällchen ist. "Wer ein richtiges Bällchen erwischt", rief einer der Männer, "der bekommt einen Geldgewinn!" Doch es gab keinen Geldgewinn, denn das Spiel war ein Bluff. Eine Frau verlor vor unseren Augen und weinte bitterlich. Wir blieben stehen, beobachteten die Spieler und Banditen und sprachen darüber, dass es unsere Aufgabe als Historiker ist, diese Bilder festzuhalten - "so geht ein Weltreich unter, und das passiert nicht alle Tage", sagte mein Freund, und tatsächlich habe ich bis heute keine ähnliche Stimmung mehr erlebt. Auf dem Weg nach Hause, in mein Wohnviertel "Kommunar", weinte ich: Ich wusste, dass ich nach Germanija gehen würde, schon allein, weil ich die Chance dazu hatte, aber ich wusste auch, dass ich eigentlich gar nicht weg wollte aus Dnepropetrowsk. Hier spielte das Leben und hier waren die Menschen, die ich liebte. Hier am Dnepr-Ufer stand das Haus, in dem meine Frau Ljuda wohnte, ein fast leeres halbzerstörtes Jugendstilhaus aus dem frühen 20. Jahrhundert. Wenn ich in Deutschland, in diesem Land der Dichter und Philosophen, ein paar Jahre studiert habe, dann wollte ich hierher zurückkehren und in diesem Haus eine geisteswissenschaftliche Universität gründen und mein Wissen weitergeben. So gut, so unendlich konkret waren meine Pläne vor der Emigration. Ljuda und ich waren noch nicht sehr lange ein Paar gewesen, und als die Abreise nach Deutschland immer näher rückte, fragte ich mich, wie es mit uns beiden weitergehen wollte. Ich dachte über die möglichen Alternativen nach: Entweder wir würden bald heiraten, quasi auf der Stelle, dann würde ich, sozusagen als Vorhut, in die Fremde reisen. Ljuda hingegen würde erst noch ihr Studium absolvieren und mir dann folgen. Oder aber wir würden auf ein schönes und nicht unbedingt einfaches Jahr zurückblicken, uns für immer voneinander verabschieden und dann schauen, dass jeder mit seinem Leben klarkommt: "Danke, war nett, bis dann. Vielleicht." Die zweite Option war für mich undenkbar, also fasste ich einen Entschluss. "Willst du mich heiraten und mit mir nach Deutschland kommen?", fragte ich sie eines Abends. "Ja, ich will dich heiraten und mit dir nach Deutschland kommen", sagte meine künftige Frau einfach, ungeschminkt, ohne lange nachzudenken. Wir waren beide 21, und um uns herum war alles eine riesige Ruine. Das glückliche gemeinsame Leben konnte also beginnen - die Umstände waren geradezu ideal. Es wurde durch zwei symbolische Aktionen besiegelt. Evgenij Abramowitsch Tschernow, dessen Zirkel an der Universität Dnepropetrowsk wir gemeinsam besuchten, erfuhr die Nachricht von unserer geplanten Heirat und schenkte uns nach einer Zirkelsitzung zwei Bubliki, die runden russischen Brötchen mit einem Loch in der Mitte: "Eure Eheringe. Ich segne euch, meine Kinder", sagte der atheistische sowjetische Jude Tschernow zu uns und umarmte uns. Die Bubliki sind bis heute unsere einzigen Eheringe geblieben. Der zweite symbolische Akt, der unser späteres gemeinsames Leben in Deutschland besiegelte, hatte mit dem Untergang der spätsowjetischen Wirtschaft zu tun. Um einen Heiratstermin beim Standesamt zu bekommen, musste man die jeweiligen Mitarbeiterinnen bestechen. Das übernahm mein Vater, der den Damen zwei Flaschen Shampoo - damals eine Rarität - schenkte. Nun konnten wir heiraten. Unsere Hochzeit fand an einem traumhaften Herbsttag im Oktober 1993 statt; die Straßenbahn fuhr uns zum Standesamt in der seit knapp zwei Jahren unabhängigen Ukraine. Diese Ehe war postmodern, wie Evgenij Abramowitsch Tschernow, unser Unilehrer, scherzte: In der Zeit der Vormoderne sei man gemeinsam nach der Hochzeit abgereist; in der Zeit der Moderne reiste man nicht selten gemeinsam, ohne vorher geheiratet zu haben; in der Zeit der Postmoderne jedoch heiratete man, und dann reiste einer von beiden ab. Und genauso war es bei uns: Einen Monat nach der Hochzeit emigrierte ich tatsächlich, nicht ohne zuvor gemeinsam mit Ljuda ihre Papiere bei der Botschaft in Kiew abzugeben, damit wir irgendeines fernen Tages "die Familie wiedervereinigen" könnten - was für eine schöne Bezeichnung für diesen Veraltungsakt. Ljuda lebte die acht Monate unserer Trennung bei meinen Eltern. Wir haben uns Briefe geschrieben, die wir sorgfältig aufbewahrten, und wir haben telefoniert, während wir hörten, wie die Münzen durch die Apparate dieser verdammten gelben Telefonzellen fielen. Wenn man nur 200 Mark im Monat hat, dann sind fünf oder sechs Mark für jedes Telefonat unglaublich viel Geld, doch diese Mathematik blieb für mich gänzlich ohne Relevanz. Also haben wir in den Hörer geweint, etwas geflüstert, aber kaum geredet - es war schlicht zu teuer, sich lange auszutauschen. Manchmal rief meine Frau mich an - ich habe ihr vorab die zwanzigstelligen Telefonnummern der gelben Zellen diktiert und mich dann bemüht, pünktlich da zu sein. Das Problem war nur, dass oft ein betrunkener Obdachloser in der warmen Zelle saß und nicht darüber amüsiert war, dass ein seltsamer Typ zu einem bestimmten Zeitpunkt seine Ruhe störte. Acht Monate später wurde unsere junge Familie "wiedervereinigt". Vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise des Herbstes 2015 heißt dieser Prozess inzwischen "Zusammenführung" und wird heiß diskutiert. Lasst die engsten Familienmitglieder rein, sage ich aus Erfahrung und mit Nachdruck: Ohne diese Perspektive gehen die Einwanderer unter! Manche glauben bis heute irrtümlicherweise, Ljuda sei mir auf meinen Wegen gefolgt, als wäre ich eine Art Lokomotive unserer Familie: "Sind Sie zufällig die Frau von Herrn Belkin?", wird sie oft gefragt. Die an sich blöde Frage enthält ein sehr richtiges Wort: "Zufällig" ist das alles so geworden, mit dem Dnepropetrowsker Büchermarkt, wo wir uns vor fast 25 Jahren zufällig getroffen haben. Doch was ist schon Zufall, und wer glaubt daran, dass es ihn in seiner chaotischen Dimension gibt? Dass der Zufall wirklich zufällig ist, glaube ich nicht. Vielmehr denke ich an Tolstojs Helden Nikolaj Rostov aus Krieg und Frieden, der sich fragte: "Aber liebt man denn seine Frau?" Seine Antwort an sich selbst lautete: "Nun, liebe ich etwa meinen Finger? Nein, gar nicht, aber versuche einmal, ihn abzuschneiden " Völlig unmöglich - Nikolaj Rostov hatte Recht!

Inhalt
Vorwort 9 I. Germanija beginnt Dnepropetrowsk - Krim - Moskau - Kiew - Karlsruhe - Reutlingen 15 II. Das christliche Abendland macht fertig - und jüdisch Reutlingen - Tübingen 47 III. Deutscher Staatsbürger - was nun? Tübingen - Moskau - Dnepropetrowsk - Israel - USA - Stuttgart - Leipzig - Frankfurt 75 IV. Wie hart ist es, als Jude in Deutschland zu leben?" Frankfurt - Berlin - USA 117 V. Deutsches Judentum 2.0 Frankfurt - Berlin 153 VI. Angekommen? Berlin 167 VII. Brief an einen fortgeschrittenen Einwanderer Verfasst im angetrunkenen Zustand in einer Bar in Berlin-Mitte 175 VIII. "Denn fremd warst du im Land Ägypten" 179 Statt eines Nachwortes Mögliche Heimat: Deutsches Judentum zwei 191

Produktinformationen

Titel: Germanija
Untertitel: Wie ich in Deutschland jüdisch und erwachsen wurde
Autor: Dmitrij Belkin
EAN: 9783593505800
ISBN: 978-3-593-50580-0
Format: Fester Einband
Herausgeber: Campus Verlag GmbH
Genre: Politik, Gesellschaft & Wirtschaft
Anzahl Seiten: 202
Gewicht: 384g
Größe: H221mm x B146mm x T20mm
Veröffentlichung: 02.09.2016
Jahr: 2016

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