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Dieter Hildebrandt - frei und unformatiert "Es gab", so der Autor, "ein Leben vor dem Fernsehen, es gibt eins nach ... Weiterlesen
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Beschreibung

Dieter Hildebrandt - frei und unformatiert "Es gab", so der Autor, "ein Leben vor dem Fernsehen, es gibt eins nach ihm. Das nach ihm ist freier und fröhlicher, denn es ist nicht 'formatiert'. Vor der feindlichen Übernahme des menschlichen Tagesablaufs durch das Fernsehen haben wir das Wort Format mehr von der Qualität bestimmt verstanden." Nach dem Ausscheiden aus dem Fernsehgeschäft braucht Dieter Hildebrandt sich nur noch um sein eigenes Format zu kümmern, das Format als Buchautor, was er auf seinen Lesungen in den vorangegangenen Jahren mit großem Erfolg getan hat. Aufgetreten ist er in schmucklosen Sälen, ohne Bühnenbild, ohne Kostüm und ohne Rhythmusgruppe, nur er und sein Buch, aber er wusste, dass auch im freudlosesten Saal ein Publikum von Format saß. "Jedes Publikum ist anders. In jeder deutschen Landschaft gibt es andere Voraussetzungen für das Lachen. Einige Vorurteile bestätigen sich alljährlich. Mein bevorzugtes Fortbewegungsmittel ist die Bahn. Sie ist furchtbar. Selbst nachdem Biolek und Witzigmann die PR für die Esskultur in den Speisewagen übernommen haben." Hildebrandt hat viele Strapazen auf sich genommen, um seine Auftrittsorte rechtzeitig zu erreichen. Ist er mit dem Auto unterwegs, dräut ein Stau, wählt er die Bahn, ist die Ankunft wo auch immer ein Glücksfall. Und dass Fliegen schöner sei, ist eine glatte Lüge. Und doch ist er mit seiner ICH-AG zufrieden. Schließlich ist er überall ausgebucht. Dieter Hildebrandt war in den vergangenen Jahren ein eifriger Vorleser seiner Texte. Bei Lesereisen lernte er seine Heimat Deutschland so richtig kennen, und er war fasziniert von den fulminanten Angeboten der Hotellerie, dem begeisternden Service der Bahn AG wie der Lufthansa, von kulinarischen Angeboten in allen deutschen Gauen; und wenn er im Hotelzimmer mal den Fernseher anschaltete, verging ihm auch da der Appetit. Seine Erlebnisse auf diesen Fahrten hat er aufgeschrieben, und seine Schilderungen hat er gespickt mit satirischen Aperçus und politischen Betrachtungen über den Tag hinaus. Sie zeigen den großen Kabarettisten erneut als kritischen und witzigen Erzähler.

"Hildebrandt findet wie immer die treffenden Worte."

Autorentext
Dieter Hildebrandt, geboren 1927 in Bunzlau, Niederschlesien, studierte in München Theaterwissenschaften. Zusammen mit Sammy Drechsel gründete er die Münchner Lach- und Schießgesellschaft, deren Ensemble er bis 1972 angehörte. Von 1974 bis 1982 arbeitete er mit dem Kabarettisten Werner Schneyder zusammen. Seine TV-Serien "Notizen aus der Provinz" und "Scheibenwischer" wurden große Erfolge. Berühmtheit erlangte er auch durch seine Rollen in Kinoproduktionen wie "Kir Royal" und "Kehraus". Hildebrandt erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Grimme-Preis in Gold, Silber und Bronze. Viele erfolgreiche Bücher, darunter als letztes "Nie wieder achtzig!" (2007 bei Blessing). Bis zu seinem Tod im November 2013 lebte Dieter Hildebrandt mit seiner zweiten Frau, der Kabarettistin Renate Küster, in München.

Klappentext

chen Betrachtungen über den Tag hinaus. Sie zeigen den großen Kabarettisten erneut als kritischen und witzigen Erzähler. Dieter Hildebrandt - frei und unformatiert "Es gab", so der Autor, "ein Leben vor dem Fernsehen, es gibt eins nach ihm. Das nach ihm ist freier und fröhlicher, denn es ist nicht formatiert. Vor der feindlichen Übernahme des menschlichen Tagesablaufs durch das Fernsehen haben wir das Wort Format mehr von der Qualität bestimmt verstanden." Nach dem Ausscheiden aus dem Fernsehgeschäft braucht Dieter Hildebrandt sich nur noch um sein eigenes Format zu kümmern, das Format als Buchautor, was er auf seinen Lesungen in den vorangegangenen Jahren mit großem Erfolg getan hat. Aufgetreten ist er in schmucklosen Sälen, ohne Bühnenbild, ohne Kostüm und ohne Rhythmusgruppe, nur er und sein Buch, aber er wusste, dass auch im freudlosesten Saal ein Publikum von Format saß. "Jedes Publikum ist anders. In jeder deutschen Landschaft gibt es andere Voraussetzungen für das Lachen. Einige Vorurteile bestätigen sich alljährlich. Mein bevorzugtes Fortbewegungsmittel ist die Bahn. Sie ist furchtbar. Selbst nachdem Biolek und Witzigmann die PR für die Esskultur in den Speisewagen übernommen haben." Hildebrandt hat viele Strapazen auf sich genommen, um seine Auftrittsorte rechtzeitig zu erreichen. Ist er mit dem Auto unterwegs, dräut ein Stau, wählt er die Bahn, ist die Ankunft wo auch immer ein Glücksfall. Und dass Fliegen schöner sei, ist eine glatte Lüge. Und doch ist er mit seiner ICH-AG zufrieden. Schließlich ist er überall ausgebucht. Dieter Hildebrandt war in den vergangenen Jahren ein eifriger Vorleser seiner Texte. Bei Lesereisen lernte er seine Heimat Deutschland so richtig kennen, und er war fasziniert von den fulminanten Angeboten der Hotellerie, dem begeisternden Service der Bahn AG wie der Lufthansa, von kulinarischen Angeboten in allen deutschen Gauen; und wenn er im Hotelzimmer mal den Fernseher anschaltete, verging ihm auch da der Appetit. Seine Erlebnisse auf diesen Fahrten hat er aufgeschrieben, und seine Schilderungen hat er gespickt mit satirischen Aperçus und politis "Scharfzüngig, angriffslustig, polarisierend." Münchner Merkur "Und nach 256 Seiten möchte man als Leser auch ein bisschen mit Dieter Hildebrandt verheiratet sein: So schön sind die in zarte Ironie verpackten Liebeserklärungen an seine Frau Renate." tz

Zusammenfassung
Dieter Hildebrandt frei und unformatiert

Es gab, so der Autor, ein Leben vor dem Fernsehen, es gibt eins nach ihm. Das nach ihm ist freier und fröhlicher, denn es ist nicht formatiert'. Vor der feindlichen Übernahme des menschlichen Tagesablaufs durch das Fernsehen haben wir das Wort Format mehr von der Qualität bestimmt verstanden. Nach dem Ausscheiden aus dem Fernsehgeschäft braucht Dieter Hildebrandt sich nur noch um sein eigenes Format zu kümmern, das Format als Buchautor, was er auf seinen Lesungen in den vorangegangenen Jahren mit großem Erfolg getan hat. Aufgetreten ist er in schmucklosen Sälen, ohne Bühnenbild, ohne Kostüm und ohne Rhythmusgruppe, nur er und sein Buch, aber er wusste, dass auch im freudlosesten Saal ein Publikum von Format saß.
Jedes Publikum ist anders. In jeder deutschen Landschaft gibt es andere Voraussetzungen für das Lachen. Einige Vorurteile bestätigen sich alljährlich. Mein bevorzugtes Fortbewegungsmittel ist die Bahn. Sie ist furchtbar. Selbst nachdem Biolek und Witzigmann die PR für die Esskultur in den Speisewagen übernommen haben. Hildebrandt hat viele Strapazen auf sich genommen, um seine Auftrittsorte rechtzeitig zu erreichen. Ist er mit dem Auto unterwegs, dräut ein Stau, wählt er die Bahn, ist die Ankunft wo auch immer ein Glücksfall. Und dass Fliegen schöner sei, ist eine glatte Lüge. Und doch ist er mit seiner ICH-AG zufrieden. Schließlich ist er überall ausgebucht.

Dieter Hildebrandt war in den vergangenen Jahren ein eifriger Vorleser seiner Texte. Bei Lesereisen lernte er seine Heimat Deutschland so richtig kennen, und er war fasziniert von den fulminanten Angeboten der Hotellerie, dem begeisternden Service der Bahn AG wie der Lufthansa, von kulinarischen Angeboten in allen deutschen Gauen; und wenn er im Hotelzimmer mal den Fernseher anschaltete, verging ihm auch da der Appetit. Seine Erlebnisse auf diesen Fahrten hat er aufgeschrieben, und seine Schilderungen hat er gespickt mit satirischen Aperçus und politischen Betrachtungen über den Tag hinaus. Sie zeigen den großen Kabarettisten erneut als kritischen und witzigen Erzähler.



Leseprobe
M CHEN, HAUPTBAHNHOF, 9.43 UHR

Zehn Minuten zu fr h. Das liegt an meiner Frau Renate. Sie wird Stunden vor der Abreise schon unruhig. Wenn wir gemeinsam reisen, kommt regelm g eine gereizte Stimmung auf. Nicht deswegen, weil ich irgendetwas Unpassendes sage, nein, meine Ruhe macht sie w tend.
Heute reise ich allein. Sie schaut auf die Uhr.
Du musst los.
Ich brauche nur f nf Minuten.
Es entsteht eine Pause, und ich wei sofort, dass ich f r diesen Morgen ihre Toleranz verbraucht habe. Auf solche und liche Weise entsteht selten ein bertriebener Abschiedsschmerz.
Sie sagt nichts mehr.
Und weil mich irgendwas reitet, sage ich: Ich habe bei Robert Neumann gerade einen sch nen j dischen Witz gelesen.
Ich trau mich nicht nach Hause , sagt der eine.
Warum nicht? , fragt der andere.
Wegen meiner Frau , sagt der eine.
Was macht sie denn? , fragt wieder der andere.
Noja, sie redt und redt und redt.
Was redt sie denn?
Das sagt sie nicht.
Die S-Bahn habe ich nat rlich verpasst, habe ein Taxi genommen. Der Fahrer war ein etwas erer Herr, der sehr gem lich fuhr. Ich kaufte mal ein Auto, das als sensationelle Neuerung eine Wegfahrsperre eingebaut hatte. Sie funktionierte so gut, dass ich, wenn ich am n sten Morgen wegfahren wollte, am Abend vorher starten musste.
Dieser Taxifahrer war die personifizierte Wegfahrsperre. Zun st einmal starrte er mich an. Das dauerte und dauerte, und ich dr te: Bitte fahren Sie los, ich verpasse den Zug.
Er lie sich in keiner Weise beirren, hob langsam den Zeigefinger und sagte triumphierend: Eahna kenn i.
Das mag sein, aber bitte fahren Sie jetzt , flehte ich ihn f rmlich an.
Momeent , sagte er dann, k nnen S mir a Autogramm geben?
Aber er lie sich berreden und bewegte sein Auto sehr langsam vorw s.
Es war nicht mehr zu schaffen. Als ich am Bahnhof sehr hastig ausstieg, rief er mir noch nach: Sie san der Hildenbrand, gell?
In diesem Jahr bin ich unter vielen verschiedenen Namen aufgetreten: Hillenbrand, Hillebrand, doch das sch nste Missverst nis geschah auf der Insel R gen. Im dortigen Kulturheft erschien ich mit dem Namen Dieter Hildegard.
Auf Bahnsteig 14 stand der ICE nach Hamburg. F nf Minuten sp r fuhr er los. Ich hatte es geschafft. Um ein Haar aber nicht! Renate w rde vor Schadenfreude gl hen, wenn sie es w sste. Sofort taucht die Frage auf: Warum hat der Zug schon Versp ng, bevor er berhaupt losgefahren ist?
Das ist zutiefst undankbar, ich wei denn diese Versp ng hat mir wahrscheinlich die Vorstellung am Abend in Erfurt gerettet. In Fulda umsteigen. Daf r sind noch sechs Minuten Zeit, um den anderen Bahnsteig zu erreichen. Es wird knapp, aber noch ist es m glich.
Nach f nf Minuten halten wir in M nchen-Pasing. Nach zehn Minuten stehen wir immer noch da. 25 Minuten sp r meldet sich der Zugsprecher mit der Mitteilung, dass sich die Weiterfahrt noch ein wenig verz gern k nnte. Wir hatten also nach einer Fahrt ber f nf Kilometer, von M nchen nach M nchen-Pasing, 40 Minuten Versp ng. Sp r wurden wir dann umgeleitet ber vorher noch nie gesehene Nebenstrecken, die eingleisig waren. Viele kleine beschauliche D rfer waren zu sehen, unbeschrankte Bahn berg e mit winkenden Bahnvorstehern, aber keinen Zust igen, der uns informiert h e, wie es denn nun weitergeht. Sp r meldete sich der Sprecher mit der Mitteilung, dass wegen eines Stellwerkschadens in Lochham das interessierte keinen Menschen mehr, die Anschlussz ge waren weg.
Um mich zu beruhigen bl erte ich in der Bahnillustrierten Mobil und war fasziniert von dem pr tigen Titelbild, aus dem heraus zwei strahlende Meisterk che versprachen, sich um die gef rchtete Esskultur in den Speisewagen der Bahn zu k mmern.
Man vermutet, dass sich das Niveau um mindestens 20 Prozent erh hen wird. Das hei , von den verkohlten sechs N rnberger Rostbratw rsten wird man zwei halbwegs genie n k nnen.
er die Bordsprechanlage meldet sich ein sehr schlechter Sprecher. Er br llt in das Mikrophon, verschluckt die Silben und hat einen erheblichen Sprachfehler. Vermitteln m chte er folgenden Text:
Meine Damen und Herren, in wenigen Minuten erreichen wir W rzburg. Sie haben Anschluss an den Regionalexpress nach N rnberg um 11.15, Gleis sieben, und den Regionalexpress nach Fulda um 11.46, Gleis vier.
Zu verstehen ist ungef : amen n eigenuttenneichen urrzurch schuss g onalexess berch eissiebn g naleszessssulda zwrvirz heisshier.
Wo steht der Zug nach Fulda also? Verwirrung. Alle Z ge fahren von anderen Bahnsteigen, weil alle ICEs, die aus dem S den kommen, ber eine Stunde Versp ng haben. Die Regionalz ge konnten leider nicht warten. Auf Deutschlands Bahnh fen herrscht Ratlosigkeit. Der Sprecher kl uns auf warum. Wegen eines Stellwerkschadens in Lochham.
An diesem Abend komme ich zehn Minuten vor dem Beginn der Vorstellung in Erfurt an. Nat rlich benutze ich die Gelegenheit, Herrn Mehdorn zu beschimpfen, den Herrn mit den neuen genialen Tarifen. Wir sollen dann mit seinen Z gen fahren, wenn er will. Und wenn man sich ganz fr h entscheidet, bekommt man die Fahrkarte billiger. Wenn jemand einen Notanruf bekommt: Komme sofort, Oma ist krank!! , muss er f r seinen spontanen Reiseentschluss b n. Ich m chte mich bei der Beurteilung dieser Tarifgestaltung der h lichen Formulierung, dass diese Leute nicht ganz dicht sein k nnen, nicht bedienen, neige aber dazu, dieser Art von Managern ein paar undichte Stellen zuzutrauen.
Die gro n Chefs, wie Herr Bl orn auch, w en die Verantwortung f r derartige Streiche in der Regel mit einer kurzen, l igen Bemerkung auf die Untergebenen ab. Die haben inzwischen versucht, diese Blamage zu verniedlichen, sind mit Bergungsarbeiten besch igt, aber im Prinzip bleibt alles so: Es wird dazu geraten, Reisen auf lange Sicht hin zu planen. Wenn ich heute meine Fahrkarte f r den 1. Oktober 2007 abholen w rde, zahlte mir die Bahn noch was zu. Wer da nun behauptet, er verst nde berhaupt nur noch Bahnhof, kann auch nicht so sicher sein, ob er unter Bahnhof das Gleiche versteht wie die Beh rden.
Da muss einmal ein Missverst nis aufgekommen sein und zwar zwischen dem Bundesfinanzministerium und dem Bayerischen Finanzministerium. Vielleicht hat der BUFIMI ge ert, dass er da nur Bahnhof verstehen k nne, worauf der BAYFIMI sofort eine Begriffsanalyse in Arbeit gab, die dann eine eigens daf r zusammengestellte Begriffsfindungskommission, die sofort eine Beratungsgesellschaft kontaktierte, ausgef hrt hat. Nach einer eingehenden etymologischen erarbeitung erhielt der BUFIMI vom BAYFIMI folgende Analyse:
An das Bayerische Staatsministerium der Finanzen
34 S 3206 2 / 290 51126
Die Frage, was man unter Bahnhof zu verstehen habe, besch igt die Bev lkerung weit ber das steuerliche Bewertungsproblem hinaus. Es w daher empfehlenswert, bei der Definition des Begriffs eine Stellungnahme der Gesellschaft f r deutsche Sprache einzuholen.
Nach bayerischem Verst nis geh rt zum Kern des Bahnhofsbegriffs jedenfalls eine Schienenanbindung.
Traditionell ist auch ein regelm ges Anfahren durch schienengebundene Fahrzeuge kennzeichnend. Wobei diese Fahrzeuge mit einer gewissen Regelm gkeit auf der dem Bahnhofsbereich zuzuordnenden Schienenstrecke einen Halt von mindestens der Dauer einlegen, die es den Zielort erreichenden bzw. den Abgangsort verlassenden Personen und G tern erm glicht, aus dem bzw. in das Schienenfahrzeug zu wechseln.
Es w rde die Arbeit erleichtern, wenn diese Anforderungen in dem verwendeten Bahnhofsbegriff wiedergefunden werden k nnten.
Es muss also, bevor diese helfende Definition gefunden worden ist, schwer gewesen sein f r die Lokf hrer, den Bahnhof berhaupt zu finden.
Noch eine erlegung liegt nahe, dass n ich dieser Text eine im Hause des Bayerischen Finanzministeriums hergestellte Satire war. Meine Zuversicht reicht nicht so weit, diese Version zu glauben. Tr sie allerdings zu, z ge ich den Hut vor so viel Talent.

ERFURT, LESEB NE, 20.40 UHR
Ich befinde mich auf einer wundersch nen B hne, die direkt neben der Th ringischen Staatskanzlei liegt. Als ich mit einem Taxi vorbeifuhr, fragte ich den Fahrer: War das jetzt das Theater?
Nee, das hei , schon, aber das falsche. Das war die Regierungskanzlei.
Der Ministerpr dent Th ringens, Bernhard Vogel, war kurz zuvor aus seinem Amt geschieden. Leute, die mit Theater, Oper, Malerei und nlichem zu tun haben, weinen ihm nur wenige Tr n nach. Mit seinem g tigen Rat verschwand das Erfurter Schauspiel. Aus Einsparungsgr nden, nat rlich. Mit dem gesparten Geld wurde eine nagelneue Oper gebaut.
Es ist sicherlich nicht vern nftig, das eine gegen das andere auszuspielen und sofort den Verdacht zu hegen, hier wolle man ein Zeichen daf r setzen, dass die niedere Kunst des Sprechens der h heren der Gesangskunst weichen muss, weil sie auch h here Einnahmen verspricht und gro Stars in die Stadt lockt, aber fragen muss man mal, ob das im ganzen Lande richtungweisend werden soll. Das Erfurter Sprechtheater hatte einen gl enden Ruf, war meistens ausverkauft, und der Spielplan war auf der H he der Zeit. Kann es sein, dass da Menschen, die Entscheidungen treffen, einfach keine Ahnung haben? Von Bernhard Vogel wusste man, dass er das Schicksal von mindestens f nf Sprechtheatern, wie es hie zu seiner Chefsache gemacht hatte.
Diese H er sind heute entweder zu oder zusammengeworfen. Das hei , diese B hnen stehen heute geschlossen hinter ihm. Wom glich hatte der Taxifahrer Recht, als er meinte, die Th ringische Staatskanzlei h e sich das Theater ganz allein vorbehalten.
Und von ganz hinten schleicht sich eine alte Vermutung wieder an, dass n ich das Theater als politische Institution in der DDR eine andere Rolle eingenommen hat, dass durch diese einsch chternden Einsparungsma ahmen den Sprechb hnen klar gemacht werden soll, dass ihre Zeit vorbei ist. Es ist eine hinterlistige Art von feindlicher ernahme in einer Zeit, die immer deutlicher entpolitisiert wird.
Die Kunst ist das Gewissen der Menschheit , sagt Hebbel. Ja , sagt Egon Friedell, aber das b se.
Und was ist Kultur? Das, was so wahnsinnig teuer ist in Zeiten der unverk lichen 4-Liter-Autos. Aber auch in solchen Zeiten kommt wieder Hoffnung auf. Wenn zum Beispiel eine gro Autofirma in sommerlicher Nachtw e ein Open-Air-Konzert mit Opernarien vor der Feldherrnhalle in M nchen veranstaltet und M nchens Megamodegiggerl Mooshammer mit seinem Miniwauwau Daisy an der Puderbacke das Kultfeld betritt und begeisterten Applaus des Publikums erh , glaube ich wieder an Deutschland, an die Kunst, an die Kultur, an Hebbel, an Stoiber und seine Frau Karin, die sich bei Wohlt gkeitskonzerten f r hungernde Kinder im Opernhaus mitverbeugt, w end die begeisterte Society mit Leberkn deln und Nierensteinen wirft und hysterische, schlappgelebte und altgetrunkene Oldiestars selbst den furchtbarsten Bariton hochschreien. Das ist die Kultur, die sich auch selbst bezahlt. Es ist nur noch eine Frage von Jahren, bis wir das genauso auch in Erfurt, Halle, Merseburg oder am Kyffh er haben.
Das waren die einleitenden S e an diesem Abend, der besonders anschlie nd noch sehr sch n wurde. Erfurt ist eine lebendige Stadt geworden, eine lustige und studentenreiche, eine Stadt, die im Sommer zul t, dass die Gastwirte die St hle und Tische auf die Stra stellen. Wo Maler und Keramiker wohnen und wohnen bleiben. Wenn Politiker die Stadt in Ruhe lassen, hat sie Zukunft.

LEIPZIG, HOTELZIMMER, 8.00 UHR
Ich werde geweckt. P nktlich. Es klappt. Meistens klappt in diesen etwas besseren Hotels fast alles.
Es ist ein Viersternehotel. Wo das Haus sich die zwei zu vielen Sterne hergeholt hat, wei man nicht. Das Zimmer hat nicht einmal einen. Die Inneneinrichtung besteht aus M beln, die man in ungeliebten Zweitwohnungen in Urlaubsl ern abstellt. Dort, wo man im Winter Hochwasser zu erwarten hat. Ein Bett, ein Schrank, zwei schief h ende Bilder, Drucke, die einen erschossenen F rster oder einen ruhenden Sch r oder so etwas nliches zeigen, ein kleiner Schreibtisch, an dem man nicht sitzen, und ein kleines Badezimmer, in dem man kaum baden kann.
Beim Einchecken stehen zwei junge Damen an der Rezeption, die gelernt haben, Freundlichkeit zu vermitteln. Sie knipsen das Gesicht an wie eine Notbeleuchtung und fragen: Was kann ich f r Sie tun? Wenn man Nichts sagt, knipsen sie die Lampe wieder aus. Es ist schnell zu erkennen, dass man ihnen schnurzegal ist. Wenn man Pech hat, l et in die Kampfhandlungen w end des Eintragens in das Anmeldeformular das Telefon. Dann telefoniert die Dame in aller Breite und mit sichtlicher Genugtuung, dass man warten muss, und wenn man gro s Pech hat, telefonieren beide. Ein junger Mann kommt hinzu, den das alles gar nichts angeht und der offenbar ganz andere Aufgaben hat. Dann str men viele Menschen in die Hotelhalle, ein Club, der Bridge spielt oder Bowling oder ein Theaterabonnement in der Stadt hat, und man steht blitzschnell inmitten von Koffern, Kisten, Taschen und umrauscht von einem unglaublichen L . Sehr oft finden sich Japaner ein, die sich in jeder Lebenslage wie wild gegenseitig fotografieren, und man f hlt sich aus dem Bild geschubst, hat aber den Zimmerschl ssel noch nicht, und das Gep ist nicht in Sicherheit, hoffen kann man nur, dass es nicht auf einem der vielen Zimmer dieser Gesellschaft abgeladen wird. Es dauert Tage, bis solche Irrt mer aufgekl sind.
Wenn man am n sten Tag Zeit hat, trifft man sie bis zu viermal am Tag wieder, die Reisegesellschaft. Beispielsweise am V lkerschlachtdenkmal, bei dem ich beim ersten Anblick froh war, dass ich es nicht j lich einmal besuchen muss. Meine Vorbehalte gegen Denkm r sind nicht kleiner geworden. Man glaubt nicht, dass der Vorgang, also die Schlacht, wirklich dort stattgefunden hat, man glaubt nicht, dass die Menschen beim Anblick dieser gro annss chtigen Anlage an die Leichenberge, die dieses St ck Erde nach der Schlacht bedeckt haben, denken, und man glaubt nicht, wie h lich so ein Denkmal sein kann.
Aber gleichzeitig f t einem ein, dass es an Zeiten erinnert, in denen Kriege erkl wurden, Menschen in Uniformen auf die Schlachtfelder marschierten, um sich erschie n zu lassen oder auch nicht, und die namentlich f r etwas oder wen oder was gefallen waren. Das Sterben f r das Vaterland hatte eine Ordnung. Und es war ein Krieg zwischen Soldaten. Er hatte einen Schauplatz. Einen Kriegsschauplatz.
Interessierte B rger standen auf angrenzenden H geln, waren dort mit ihren Kutschen hingefahren und verfolgten das Kriegsgeschehen, wie es hin- und herwogte, und z ten die Verluste der aufmarschierten Regimenter. Heute macht man das bei Verkehrsunf en oder Fu allspielen. Man nannte diese B rger, die das Geld f r Pferd und Kutsche aufbringen konnten und sich die daf r verwendete Zeit leisteten, Schlachtenbummler. Wenn man privilegiert war, konnte man auch direkt neben dem Feldherrn stehen, der als solcher nat rlich auf seinem Feldherrnh gel stand. Auf dem H gel des Napoleon soll w end der V lkerschlacht die Zahl der Schlachtenbummler sp ich gewesen sein. Sehr viele feine Herrschaften hat man auf dem Bl cherbergerl sehen k nnen. Sagt man.
Schon 100 Jahre sp r hat man begonnen, mit Granaten St e zu beschie n, in denen Zivilisten wohnten. Es war f r damalige Zeiten eine ungeheuerliche Brutalit Wenn man sich an die Er ffnung des Zweiten Weltkriegs erinnert, der nicht 1939 mit dem erfall auf Polen beginnt, sondern mit der totalen Zerbombung der spanischen Stadt Guernica im Baskenland im Jahre 1937, kann man behaupten, dass damit der totale Krieg begonnen hat. Hitler hatte dem Faschisten Franco Beistand gegen die Republikaner versprochen. Die Legion Condor flog ohne Vorwarnung, ohne deutsche Kriegserkl ng an die spanische Republik, also mitten im Frieden nach Spanien und t tete nahezu die gesamte Bev lkerung Guernicas. Von 18 000 Einwohnern haben 3400 berlebt.
Nimmt man den Brockhaus aus dem Jahre 1956, so wird man nur lesen k nnen, dass Guernica 3400 Einwohner hat und im B rgerkrieg 1937 zerst rt worden sei. Von wem? Kein Wort.
Die Legion Condor hat dem Feldherrn Hitler, der im Krieg brigens nie auf einem H gel stand, sondern im Gegenteil sich in Bunkern unter der Erde verkroch, die Gewissheit verschafft, dass die brutale Vernichtung der Zivilbev lkerung eine ungeheuere demoralisierende Wirkung hat. Jahre sp r erlitt das die Bev lkerung von Coventry, und kurze Zeit darauf erlitten auch wir es, und die Reihenfolge sollten wir nicht durcheinander bringen. Und auch nicht glauben, dass Dresden das Finale in diesem Horrorkrieg gewesen ist. Das absolute Finale hat in Vietnam stattgefunden. Hiroshima und Nagasaki waren H hepunkte auf dem Wege zum Zivilistenmord.

Produktinformationen

Titel: Ausgebucht
Untertitel: Mit dem Bühnenbild im Koffer
Autor:
Zeichnung von:
EAN: 9783896672674
ISBN: 978-3-89667-267-4
Format: Fester Einband
Herausgeber: Blessing
Genre: Cartoon & Humor
Anzahl Seiten: 256
Gewicht: 449g
Größe: H224mm x B145mm x T27mm
Jahr: 2004
Land: DE