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PARTISANEN

  • Kartonierter Einband
  • 167 Seiten
Kultur müsse in Belarus erst die Voraussetzung dafür schaffen, dass die politische Krise des Landes lösbar wird, sagt der Künstler... Weiterlesen
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Beschreibung

Kultur müsse in Belarus erst die Voraussetzung dafür schaffen, dass die politische Krise des Landes lösbar wird, sagt der Künstler, Autor und Zeitschriftenmacher Artur Klina. Für ein deutsches Publikum aber trägt die Krise von Belarus vor allem den Namen Lukaschenka. Klina ist Herausgeber der Kunst-Zeitschrift pARTisan. Das anspruchsvolle Blatt versucht, eine kulturelle Elite im Land zu stärken. Welche Rolle spielen Kunst & Kultur bei einer Nationenbildung? Kann Kunst bei solcherart Aufbau wirklich helfen? Ein Essay und andere Beiträge aus einem Land in der Krise.

Der Partisan, sagt Artur Klinau, ist nicht nur der heroische Typ mit der Waffe in der Hand. "Er ist auch eine Diagnose: pathologischer Bewusstseinszustand mit tief sitzenden Ängsten als Reaktion auf historisch bedingte Traumata." Der Partisan ist eine für Belarus typische Figur. Heute aber, so Klinau und die Macher seiner Zeitschrift pARTisan, ist eine Partisanen-Strategie der Kunst der einzige Weg aus der tiefen Misere seines Landes. Denn Politik hilft gegen das Regime eines Lukaschenka nicht weiter. Wie diese Strategie aussieht, davon handelt dieses Buch.

Autorentext

Artur Klinau, Geboren 1960 in Minsk, wo er lebt und arbeitet. Schriftsteller, Künstler, Architekt. Leitet seit mehr als zehn Jahren die belarussische Zeitschrift pARTisan. Arbeit mit Kunst-Installationen, Fotoserien und zahlreichen Essays, außerdem ist er Autor von drei Büchern, davon erschien 2006 auf Deutsch Minsk. Sonnenstadt der Träume.



Leseprobe
Der Partisan tritt dort in Erscheinung, wo Widerstandsgeist weht, aber keine Möglichkeit gegeben ist, den Gegner im offenen Kampf zu besiegen. Wenn das Kräfteverhältnis gar zu einseitig verteilt ist, lässt einem der Gegner zwei Optionen: Tod oder Tod. Im ersten Fall handelt es sich um den heroischen Märtyrertod, allerdings ist anschließend der Gegner der unangefochtene Herr im fremden Haus, da niemand mehr da ist, der für sein Recht auf Autonomie streiten könnte. Im zweiten Fall kommt man zwar physisch mit dem Leben davon, verliert aber sein Ich, das man auch gar nicht mehr braucht, würde es einem doch nur immerfort quälend ins Bewusstsein rufen, dass man ein Sklavendasein fristet. Doch man kann auch aus sich heraus beide Angebote des Gegners ausschlagen und einen dritten Weg gehen, der für ihn besonders gefährlich ist: den Weg des Partisanen. Die Belarussen haben alle drei Wege eingeschlagen. Manche haben sich der Herausforderung gestellt und sind gefallen. Andere haben sich mit dem Leben als Insekten abgefunden und sich in gefügige Biomasse verwandelt. Wieder andere haben sich für die einzig mögliche Form der Selbsterhaltung entschieden- das Karma des Partisanen. Eine Chronik des belarussischen Partisanentums wäre in diesem Text fehl am Platze. Daher soll der Hinweis genügen, dass es mit dem Kociuszko-Aufstand seinen Anfang nahm und bis heute in unterschiedlichster Ausprägung fortlebt, im Politischen (Zianon Paniak) genauso wie im Kulturellen (Siarhiej Dubaviec), in der Aktion (Miron) und anderswo. Hier soll es weniger um einzelne Vertreter des belarussischen Parti sanen-Pantheons gehen (zu dem die Mehrzahl herausragender belarussischer Kulturschaffender gezählt werden darf), sondern um die Grundzüge, die den Aktivisten der résistance nationale gemein sind, sei es im bewaffneten Widerstand (Kastu Kalinoski, Stanisa Buak-Baachovi) oder in der Kultur- und Bildungsarbeit (Franciak Bahuevi, Vaca astoski, Uadzimir Karatkievi). Allgemein gesprochen, lässt sich der Partisan als Mensch außerhalb des herrschenden Systems beschreiben, der keine passive Haltung einnimmt, sondern aktiven Widerstand bis hin zum bewaffneten Aufstand leistet. Dabei ist der Partisan a priori außer Stande, mit dem System zu kollaborieren, es sei denn rein äußerlich. Jede darüber hinaus gehende Kollaboration mit dem System hebt die Definition des soziokulturellen Phänomens Partisan auf. Aufgabe des Partisanen ist es nicht, das System zu stürzen. Sicher verfolgt er langfristig auch diesen Zweck, rückt der aber zu stark in den Vordergrund, entfernt sich der Partisan ebenfalls von der Partisanen- definition und gliedert sich in ein Alternativsystem ein, sobald sein Tun in einer regulären Bewegung aufgeht. Die Hauptaufgabe des Partisanen besteht darin, seinen kulturellen Code zu bewahren, sein Territorium möglichst weit auszudehnen, das System maximal zu dekonstruieren und den Moment der gegenseitigen Auflösung herbeizuführen. Mitunter mag das Ziel des Partisanen unerreichbar oder nur in ferner Zukunft realisierbar scheinen, dann wird sein Widerstand zur persönlichen Mission, zur Großtat eines Helden, der darum weiß, dass er den Sieg nicht mehr erleben wird. Die Aneignung von Räumen, in die das System nicht vorzudringen vermag, macht die Stärke des Partisanen aus. Diese Räume, die Zonen des Irrationalen, sind für das System unzugänglich, da es sich a priori im Rahmen des rationalen Diskurses bewegt. Gleichzeitig findet sich der Partisan in den Labyrinthen des Systems bestens zurecht. Weil er die Schwachstellen kennt, kann er dem System empfindliche Nadelstiche versetzen und anschließend in seinen sicheren Hafen auf der anderen Seite des Spiegels verschwinden. So kann er zu einem wahren Albtraum für das System werden, zur Sublimation der unbewussten Angst, die sich überall dort ausbreitet, wo das Gebiet der Reflexion endet und die Zone des Unbekannten und Uner

Inhalt

6 Prolog: Die Mauer
14 Artur Klinau
Partisan und Antipartisan
28 Der Partisan auf der Suche nach sich selbst
32 Der Partisan auf der Suche nach der Stadt
34 Benjamin Cope
Marx' Gespenster
47 Artur Klinau
Die Stadt der Götter
52 Der Partisan auf der Suche nach Helden
56 Alaksandr Su kou
Kim
63 Dzmitry Strocau
Jod
77 Juras Barysievic
Frag' nicht, wem die Schüssel scheppert
88 Der Partisan auf der Suche nach dem Platz
91 Artur Klinau
Altglas
102 Almira Usmanava
Anarchist, Partisan, Künstler
112 Der Partisan und Dostojewski
118 Siarhiej Dubaviec
Dostojewskis belarussische Wurzeln
126 Der Partisan auf der Suche nach der Gegenwart
132 Taciana Arcimovic
Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer
144 Volha paraha
Das Politische ist das Private
150 Epilog: Eine Idee von der Zukunft?
153 Valancin Akudovic
Wir brauchen einen radikalen Strategiewechsel
160 Anmerkungen
161 Register

Produktinformationen

Titel: PARTISANEN
Untertitel: Kultur_Macht_Belarus
Editor:
Übersetzer:
Autor:
EAN: 9783940524263
ISBN: 978-3-940524-26-3
Format: Kartonierter Einband
Herausgeber: edition Fototapeta
Genre: Zeigeschichte (1946 bis 1989)
Anzahl Seiten: 167
Gewicht: 244g
Größe: H223mm x B129mm x T17mm
Jahr: 2014
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