Willkommen, schön sind Sie da!
Logo Ex Libris

Überschrift
Armen Avanessian

Was macht heute eigentlich die Studierenden aus? Und ein Studium aus ihnen? Alma Mater Academia: Nurmehr ein Blinder Fettfleck des... Weiterlesen
Kartonierter Einband (Kt), 253 Seiten  Weitere Informationen
20%
26.50 CHF 21.20
Auslieferung erfolgt in der Regel innert 3 bis 4 Werktagen.

Beschreibung

Was macht heute eigentlich die Studierenden aus? Und ein Studium aus ihnen? Alma Mater Academia: Nurmehr ein Blinder Fettfleck des Denkens, eine Seniorenresidenz der Kritik? Was macht heute eigentlich die Kunstbetriebler aus? Und die Kunstbetriebshuberei aus ihnen? Contemporäry Kunstworld: Nurmehr ein Watteweitwurfwettbewerb, eine rostige Junggesellenmaschine, die den Kapitalstrich auf- und abfährt? Und was macht heute eigentlich all das aus dem, der darüber schreibt? "Überschrift" betreibt eine sectio accelerata des systematischen Verschnitts aus Kunstbetrieb und universitärem Diskurs, aus ästhetischer Kritik und kritischer Ästhetik, kurzum: eine Obduktion der politischen Theorie und Ästhetik. Darüberhinaus eine Autopsie des Schreibens über all dies und des Überschreibens darin: Weiter zu einer Politisierung des akademischen Denkens und seiner Settings, einer Politisierung künstlerischen Arbeitens und seiner Rahmen. Zu einer anderen Ethik des Wissens und einer anderen Poetik der Existenz.

Autorentext

Armen Avanessian (*1973), Literaturwissenschaftler und Philosoph. [www.spekulative-poetik.de]



Leseprobe
Wichtig ist nicht, zu wissen, ob der Mensch ursprünglich gut oder böse ist, wichtig ist, zu wissen, was das Buch ergeben wird, wenn es ganz und gar gegessen sein wird. Jacques Lacan Alleine am Schreibtisch sitzend, in einem von der Außenwelt möglichst abgeschirmten Raum, ungestört, konzentriert und geschützt vor den Ablenkungen des alltäglichen Lebens, so ungefähr sieht ein gerne tradiertes Ideal schriftstellerischer Tätigkeit aus. In Wirklichkeit sind wir alle eher ständig unterwegs (auf Forschungsreise, im Urlaub, zu einer Gastprofessur oder auf dem Weg in ein früheres Zuhause wie ich jetzt gerade, schon am Stadtrand von Berlin). Und in dieser unserer Realität arbeiten und schreiben wir in jeder möglichen Situation, machen Notizen, exzerpieren, korrigieren, beenden noch schnell einen Vortrag, oder wie in diesem Moment im Zug beginnen mit einer Einleitung für ein Buchmanuskript, das in den nächsten drei Wochen in Wien aus einem Haufen von Kapiteln entstehen soll, das ich ein paar Freunden zu lesen geben will. Jeder Ort kann zu einer Schreibszene werden, die ganze Welt ist dem Schreibenden ein möglicher Hintergrund, der in den Vordergrund rückt oder in den Text selbst eintritt; dann fließt alles in das Geschriebene ein, ohne notwendig im Text aufzutauchen. Diese zwei Pole halten alles Schreiben wenn auch nicht immer die Schreibenden in Spannung: beim Schreiben auf sich selber zurückgeworfen, aber dadurch zugleich möglichst weit entfernt von sich, von seinem Ich, zu sein. Denn wenn ich schreibe, tausche ich mich potenziell mit allen anderen aus, habe allen etwas zu sagen. Und treibt nicht jede Isolation die seltsame Blüte der Megalomanie hervor, nicht nur zu den anderen über möglichst alles zu sprechen, sondern auch gleich alles zu verändern wer wollte nicht irgendwann einmal mit seinem Schreiben die Welt oder seine Umgebung verändern? Nicht anders als literarisches Schreiben zielt auch Philosophie auf Konversion oder den Eintritt in eine andere Welt, wobei wir den Wirklichkeitsgehalt von Veränderung etwa daran messen können, ob die (uns bis dahin bekannte) Vergangenheit unverständlich und dabei zu einer anderen wird. Ich entwerfe mich in die Zukunft, blicke zurück in die Vergangenheit, in meine Gegenwart, die mir kontingent geworden ist. Dieses Buch wird wieder ein anderes, und ich möchte mit diesem Buch wieder ein anderer werden. Dass alles auch ganz anders hätte wer den können, diese spekulative Erfahrung ist ganz materialistisch zu verstehen, geradezu das Gegenteil jener idealistischen Idee, das Denken könne die Welt aus sich heraus verändern oder sie vollständig begreifen. Wir alle sind Zeitgenossen unterschiedlicher Gegenwarten. Ein zeitgenössisches Buch zu schreiben, unsere contemporaneity zu verstehen, dass es auch meine andere oder andere Gegenwarten gibt, zwingt zu einem genealogischen Blick zurück. Nicht um die eine andere, richtige Vergangenheit zu finden (dann hätte ich ein akademischeres Buch schreiben müssen, in dem sich meine Beobachtungen und Erregung leicht in einer Überfülle an Quellen und Forschungspositionen verloren hätten), sondern um etwas von der Kontingenz einer im heutigen Berlin wirklich gewordenen Vergangenheit ans Licht zu bringen. Und auch wenn ich mich in diesem Buch nicht an den unter Historikern üblichen methodischen Ägyptizismus von der Genealogie spricht Foucault dagegen als Karneval großen Stils halte, sind meine Ausflüge in die Genealogie der (heute noch gültigen) wissenschaftlichen Moral ebensowenig Ausdruck eines unverantwortlichen Relativismus wie mein (wissens)ethisches Experiment, in einer anderen Gegenwart zu leben. Schon beim Schreiben dieses Buches habe ich begonnen, in einer anderen Gegenwart zu leben, mich in eine andere Gegenwart einzuleben und eine andere Zukunft für mich lebbar zu machen. Ethik als Frage nach dem richtigen Leben. Weniger Angst haben: sich von der Kontingenz der Zukunft nicht erpressbar machen, sondern von ihr

Inhalt

EINLEITUNG I. GENEALOGIE DER WISSENSCHAFTLICHEN MORAL KRITISCHE LEGITIMITÄT Ich kriegt die Krise WISSEN, WOLLEN, WIRTSCHAFT Ökonomie des Begehrens DIE KUNST DER WISSENSCHAFT Vom Versprechen kritischen Forschens FRÜHER WAR ALTES BESSER Die Nostalgie der zeitgenössischen Universität UNI(VERSELLE) DEPRESSION Forschung am Rande des Nervenzusammenbruchs WIDERSTAND UND MINORITÄT Von der Außenseite der Macht KRITISCHE ÄSTHETIK Der Siegeszug einer wissenschaftlichen Disziplin SPEKULATIVE POETIK UND POETISIERUNG DER PHILOSOPHIE Zeitgenössische Formen der Temporalität II. RÄUME DES SCHREIBENS UND SPRECHENS KONTEXTE Qualifikation und (Selbst-)Evaluation VOM NUTZEN UND NACHTEIL DER FORMEL FÜR DAS DENKEN Der Unidiskurs lässt dem Hass freien Lauf (Lacan) ANTIDEPRESSIVUM FETISCHISMUS Lob des Konflikts ABDUCTIO AB NIHILO Der Witz und seine Beziehung zum Über-Ich SELBSTBILDUNG UND SPEKULATIVE ETHIK Bedürfnis, Anspruch, Begehren OTHERING DES ICH Das Begehren des Anderen SETTING Wider die lokale Amnesie ZU-ZWEIT-SCHREIBEN Du musst es wissen EPILOG: POETISCHE EXISTENZ

Produktinformationen

Titel: Überschrift
Untertitel: EthikdesWissens PoetikderExistenz
Autor: Armen Avanessian
EAN: 9783883963655
ISBN: 978-3-88396-365-5
Format: Kartonierter Einband (Kt)
Herausgeber: Merve Verlag GmbH
Genre: Allgemeines & Lexika
Anzahl Seiten: 253
Gewicht: 222g
Größe: H170mm x B121mm x T20mm
Veröffentlichung: 29.11.2014
Jahr: 2018

Filialverfügbarkeit

PLZ, Ort, Name Es wurde kein Treffer gefunden. Bitte geben Sie eine gültige PLZ oder einen gültigen Ort ein. Bitte geben Sie eine PLZ oder einen Ort ein. Dieses Produkt ist in NUMBER Filialen verfügbar Dieses Produkt ist momentan nur im Online-Shop verfügbar. NUMBER Stk. verfügbar Kein aktueller Lagerbestand verfügbar. Detailkarte Detailkarte in einem neuen Fenster anzeigen Route berechnen Route in einem neuen Fenster berechnen Adresse Telefon Öffnungszeiten NUMBER Stk. verfügbar Nicht an Lager Die nächste Filiale finden Es gibt keine Geschäfte in 20 Kilometer Reichweite
  • Geben Sie die Postleitzahl, den Ortsnamen oder den Namen einer Filiale in das Suchfeld ein
  • Klicken Sie auf den "Pfeil"-Button, rechts neben dem Eingabefeld
  • Wählen Sie eine Filiale in der Trefferliste aus

Die nächste Filiale auch mobil finden Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Samstag Sonntag
Die nächste Filiale finden
  • Geben Sie die Postleitzahl, den Ortsnamen oder den Namen einer Filiale in das Suchfeld ein
  • Klicken Sie auf den "Pfeil"-Button, rechts neben dem Eingabefeld
  • Wählen Sie eine Filiale in der Trefferliste aus

Die nächste Filiale auch mobil finden
Zuletzt angesehen
Verlauf löschen