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Arbeit in globaler Perspektive

Durch die weltweite Wirtschaftskrise gewinnen Debatten um die Erosion des Normalarbeitsverhältnisses und die Prekarisierung von Ar... Weiterlesen
Kartonierter Einband (Kt), 240 Seiten  Weitere Informationen
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Beschreibung

Durch die weltweite Wirtschaftskrise gewinnen Debatten um die Erosion des Normalarbeitsverhältnisses und die Prekarisierung von Arbeit hierzulande stark an Bedeutung. In vielen Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas gehören Phänomene informeller Arbeit dagegen schon lange zur gesellschaftlichen Wirklichkeit. Zwischen den verschiedenen regionalen Forschungssträngen kam es bislang jedoch kaum zu einem Austausch. Die Autoren präsentieren Befunde neuer Informalitätsstudien aus Ländern des "globalen Südens", diskutieren ihre Anschlussfähigkeit an aktuelle Prekaritätsdebatten und fragen nach der Rolle internationaler Arbeitspolitik.

Autorentext

Hans-Jürgen Burchardt ist Professor für Internationale und Intergesellschaftliche Beziehungen an der Universität Kassel. Stefan Peters, Dr. rer. pol., und Nico Weinmann sind dort wissenschaftliche Mitarbeiter.



Leseprobe
Prekarität und Informalität - eine Annäherung in globaler Perspektive Hans-Jürgen Burchardt/Stefan Peters/Nico Weinmann Die aktuelle Wirtschaftskrise schlägt sich auf dramatische Weise in der europäischen Arbeitswelt nieder. Vor allem in Südeuropa stieg die Er-werbslosigkeit in den letzten Jahren deutlich an; die Jugendarbeitslosigkeit bewegt sich dort um 50 Prozent und macht soziale Unsicherheit zur prä-genden Erfahrung einer ganzen Generation. Die auf ökonomische Aus-terität angelegten Strukturanpassungen der Europäischen Union stehen nicht nur im Widerspruch zu ILO-Kernarbeitsnormen, sie setzten auch die sozialen Sicherungssysteme unter Druck, die besonders vulnerable Be-völkerungsgruppen vor krisenbedingten Problemlagen schützen sollen. Existenzabsicherung findet vor diesem Hintergrund zunehmend jenseits formalisierter Arbeitsmärkte und wohlfahrtsstaatlicher Politiken statt. All-gemein büßen in Europa - einer Weltregion, der oftmals eine Vorbild-funktion bei der politischen Institutionalisierung und Wohlstandsverteilung attestiert wird (Acemoglu/Robinson 2012: 11ff.) - betrieblich organisierte, abhängige, kontinuierliche und unbefristete Vollzeitbeschäftigungsverhältnisse als Normgröße für Sozial-, Arbeits- und Tarifpolitik signifikant an Bedeutung ein. An ihre Stelle treten oft niedrig entlohnte, zeitlich befristete, ungeschützte Beschäftigungsverhältnisse, immer öfter ohne Absicherung über die Sozialversicherung. Seit ihrem Beginn wird die Krise zusätzlich von Massendemonstrationen und Generalstreiks in Südeuropa, Protesten der spanischen Indignados, der Occupy-Bewegung oder städtischen Unruhen wie in Großbritannien 2011 und Stockholm 2013 begleitet, die auf wachsende gesellschaftliche Verwerfungen hindeuten (Gallas/Nowak 2012; Schmalz/Weinmann 2013). Angesichts dessen gewinnen Zeitdiagnosen an Einfluss, die nicht nur eine Beschleunigung der Prekarisierung der Arbeit konstatieren, sondern in ihr zugleich eine besondere soziale und politische Sprengkraft sehen (Standing 2011). Mit dieser zunehmenden Prekarisierung werden nicht nur Analogien zu dem Pauperismus der Frühphase des Kapitalismus oder zu vorange-gangenen Wirtschaftskrisen gezogen (Castel 2008). Angesichts der zugespitzten sozialen Lage insbesondere an den geografischen Rändern Europas werden gleichzeitig Assoziationen zu den traditionellen Entwicklungsregionen laut. Lange Zeit galten strukturell heterogene Arbeitsmärkte mit einem hohen Anteil marginalisierter, prekärer oder informeller Beschäftigung sowie das "arm trotz Arbeit"-Phänomen als besondere Merkmale der strukturellen Unterentwicklung von Ländern der so genannten "Dritten Welt". Diese konnten nach Ansicht der gängigen Expertenmeinung am ehesten überwunden werden, wenn man europäischen und US-amerikanischen Entwicklungsmustern folgte (z.B.: Parsons 1951; Lerner 1968; Bendix 1969). Vor dem Hintergrund der aktuellen Krise scheint es hingegen so, als würden die Vorzeichen einer solchen modernisierungstheoretischen Lesart umgekehrt: Angesichts der sozialen Verwerfungen in Südeuropa oder den USA wird gar eine "Verdrittweltlichung" (Conte 2009; 2013), ein "Dritte-Welt-Amerika" (Huffington 2011), oder ein "Dritte-Welt-Kapitalismus" (Caballero 2011) ausgemacht. Der globale Norden - so der Tenor dieser These - befinde sich in einem Prozess der Anpassung nach unten, einem krisenbedingten race to the bottom im Sinn einer globalen Ausbreitung von Strukturmerkmalen des globalen Südens. Die Frage nach einer expandierenden Schnittmenge der Arbeits- und Lebenswelten im globalen Norden und Süden ist selbstverständlich nicht neu. Pierre Bourdieu fühlte sich bereits zur Schwelle des neuen Jahrtau-sends an seine Studien über die Kabylen in der algerischen Arbeitsge-sellschaft aus den 1960er Jahren erinnert, als er im Zuge einer Debatte um den Wandel der hiesigen Arbeitsbedingungen für Zentraleuropa "überall" Prekarität diagnostizierte (Bordieu 1998). Ähnlich sp

Inhalt

Inhalt

Vorwort7

Prekarität und Informalität - eine Annäherung in globaler Perspektive Hans-Jürgen Burchardt/Stefan Peters/Nico Weinmann9

Prekarität - ein System ständiger Bewährungsproben Klaus Dörre29

Prekär, informell - weiblich? Zur Bedeutung von "Gender" für die Aushöhlung arbeitspolitischer Standards Nicole Mayer-Ahuja55

Aspekte einer Globalgeschichte der Arbeitspolitik Andreas Eckert79

Politikzyklen der In-Formalität? Dynamiken informeller Arbeit in Lateinamerika Nico Weinmann/Hans-Jürgen Burchardt97

Das Ähnliche speist den Unterschied: Die globale Wohlfahrtsdebatte und die Erzeugung "informeller Arbeit" im Indien des 20. Jahrhunderts Ravi Ahuja123

Informalität, Geschlecht und die globalen Auswirkungen der großen Rezession Martha Alter Chen149

Globalisierung und Arbeitsbeziehungen in Lateinamerika zwischen Prekarisierung und der Utopie der "employability" Juan Pablo Pérez Sáinz173

Dimensionen der Informalität: Der Wandel der Arbeitsbeziehungen in Südafrikas Platingürtel Asanda Benya/Edward Webster191

Sklavenarbeit: Marginal oder modern? Eine kritische Analyse der Diskurse zu Zwangsarbeit und Menschenhandel in Brasilien Lisa Carstensen217

Autorinnen und Autoren239

Produktinformationen

Titel: Arbeit in globaler Perspektive
Untertitel: Facetten informeller Beschäftigung
Schöpfer: Ravi Ahuja Asanda Benya Hans-Jürgen Burchardt Lisa Carstensen Martha Alter Chen Klaus Dörre Andreas Eckert Nicole Mayer-Ahuja Juan Pablo Pérez Sáinz
Editor: Hans-Jürgen Burchardt Stefan Peters Nico Weinmann
EAN: 9783593399645
ISBN: 978-3-593-39964-5
Format: Kartonierter Einband (Kt)
Herausgeber: Campus Verlag GmbH
Genre: Medien & Kommunikation
Anzahl Seiten: 240
Gewicht: 309g
Größe: H213mm x B144mm x T20mm
Jahr: 2013
Auflage: 1. Aufl. 10.2013

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