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Apokalypse

Die Endzeitstimmung hat KonjunkturFühlen sich Gemeinschaften und Gesellschaften existenziell bedroht, greifen sie bei der Deutung ... Weiterlesen
Kartonierter Einband (Kt), 312 Seiten  Weitere Informationen
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Beschreibung

Die Endzeitstimmung hat Konjunktur

Fühlen sich Gemeinschaften und Gesellschaften existenziell bedroht, greifen sie bei der Deutung dieser Bedrohung oft auf Apokalypsen zurück. Im westlichen Kulturkreis liegen die Quellen der apokalyptischen Deutung vor allem in der jüdisch-christlichen Tradition. Soziologen, Religions- und Geschichtswissenschaftler beleuchten hier historische und aktuelle Entwicklungen, wie die Hamas oder die Zeugen Jehovas. Sie untersuchen den apokalyptischen Tenor der demografischen Debatte sowie apokalyptische Rhetorik in Literatur und Medien. Es geht um Apokalyptik als langfristige Macht in Gesellschaft und Geschichte und um apokalyptische Elemente innerhalb sozialwissenschaftlicher Theorietraditionen.

Autorentext
Bernd U. Schipper ist Professor für Religionsgeschichte, Ansgar Weymann Professor für Soziologie an der Universität Bremen. Alexander K. Nagel ist Juniorprofessor am Centrum für Religionswissenschaftliche Studien der Ruhr-Universität Bochum.

Zusammenfassung
Szenarien des Weltuntergangs "Der Sammelband bietet einen wissenschaftlichen Blick unterschiedlicher Disziplinen auf das Phänomen der Apokalyptik und kommt zu erstaunlichen Ergebnissen." (Deutschlandradio, 08.10.2008) Apokalypse "Ein lesenswerter Band." (Die Welt, 10.01.2009)

Leseprobe
Gesellschaft und Apokalypse Ansgar Weymann Weltbilder Für den Westen scheint ein Goldenes Zeitalter zu Ende zu gehen. Europäische Staaten und Zivilisation waren ein halbes Jahrtausend dem Rest der Welt überlegen in Wirtschaftsleistung, Militärkraft, rationaler Bürokratie, Eliten- und Massenbildung, Wissenschaft, Forschung, Technik, später auch in Rechtsstaatlichkeit, Wohlfahrtsstaat und Demokratie. Existentielle Bedrohungen von außen gab es seit dem Sieg über den expansiven Islam unter Führung des ottomanischen Reiches im 17. Jahrhundert nicht mehr. Die gewohnte Lage änderte sich erstmals zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Mit dem Ersten Weltkrieg ging die westliche Führung an die ebenfalls westlich geprägten USA über. Erst im 21. Jahrhundert aber verliert der Westen insgesamt seine Ausnahmeposition - als Gruppe herrschender Staaten und als Zivilisation. Die Setzung der internationalen Regeln steht nicht mehr in der alleinigen Verfügungsgewalt der westlichen Oligarchie mit ihrer wechselnden internen Hierarchie. Die Herausforderung richtet sich auf Wirtschaft, Bildung, Wissenschaft und Technik. Schon bald wird auch die militärische Dominanz, noch gesichert durch die USA, zu Ende sein. Die ökologischen Probleme des Verbrauchs von Ressourcen und des Ausstoßes an Emissionen können nicht mehr autonom und souverän nach den Vorstellungen der westlichen Staaten gelöst werden. Ebenso ist die Zukunft der kulturellen und intellektuellen Hegemonie offen. Über die erfolgreiche Globalisierung wirken der Export und die Externalisierung der Folgen des europäischen Zivilisationsmodells auf die Urheber zurück. Diese historische Lage ist neu. In Alfred Schütz' Begriffen ist ihre Phänomenologie so zu beschreiben: Die bisherige alltägliche Lebenswelt - unbefragt, natürlich, fraglos gegeben - wird schrittweise fragwürdig. Sie verliert ihre verlässliche räumliche und zeitliche Strukturiertheit, die sichere Planung und Durchführbarkeit der Handlung erlaubt. Sie verliert auch ihre Leitfähigkeit als ideale Sinnstruktur, die Bedeutung und Rang der Dinge und Ziele zweifellos bestimmt, indem sie festlegt, was wirklich wichtig ist. Die Selbstverständlichkeit des "und so weiter" im täglichen Tun, die Sicherheit des "Du kannst immer wieder", gehen verloren. Der Horizont des Alltagswissens muss neu ausgelegt werden. Eine mögliche Neuauslegung des Sinnhorizontes der Welt und des eigenen Handelns geschieht durch die apokalyptische Deutung in religiös symbolhafter Sprache. Im Vordergrund steht in dieser Einleitung die apokalyptische Semantik, die Beobachtung und Beschreibung der Inhalte apokalyptischer Konstruktionen der Wirklichkeit. Die Apokalypse ist eine traditions- und folgenreiche Auslegung von Kontingenz und Krise in jüdisch-christlicher Tradition, eine Reaktionsmöglichkeit auf Bedrohung, Niedergangs- und Untergangsängste. Sie tritt auf bei Gemeinschaften, die sich in ihrer Existenz bedroht sehen. Und sie ist in ihren Konsequenzen real, auch wenn die Ausgangssituation falsch gedeutet wurde: "If men define situations as real, they are real in their consequences." Grundlage der Apokalypse ist eine kompromisslose Trennung von Gut und Böse in Geschichte und Gegenwart. Angesichts des nahenden Endkampfes zwingt die apokalyptische Deutung jeden einzelnen Menschen zur Stellungnahme und zur aktiven Kriegsbeteiligung. Die Gotteskrieger scharen sich um ihren Propheten, um ihr Leben einzusetzen gegen das Böse und dessen Anhänger. Der apokalyptische Krieg liefert ein Füllhorn der Gelegenheiten zu Grausamkeit und Gewaltverherrlichung. Es geschieht eine wunderbare Katharsis, in der bislang tabuisierte Einstellungen und Verhaltensweisen kultisch gefeiert werden als Beitrag zum Endsieg. Die apokalyptische Deutung ist geeignet, die Vernichtungsphantasie der dem Untergang geweihten bestehenden Welt in eine Endsiegphantasie des zukünftigen Reiches zu verwandeln. Aus dem Paradiesversprechen für die Erwählten bez

Inhalt
Inhalt Vorwort Apokalypse und Apokalyptik Gesellschaft und Apokalypse Ansgar Weymann Ordnung im Chaos - Zur Systematik apokalyptischer Deutung Alexander K. Nagel Apokalyptik und Apokalypse - Ein religionsgeschichtlicher Überblick Bernd U. Schipper Apokalyptik in der klassischen Gesellschaftstheorie Das apokalyptische Moment im "pursuit of happiness" und die Nützlichkeit der Tugend Ansgar Weymann Marx - ein Apokalyptiker der Moderne? Lothar Peter Apokalypse und klassische Moderne - Radikales Kontingenzbewusstsein und konstruktivistische "tabula rasa" Michael Makropoulos Apokalypse als Geschichtsmacht: Deutung und Diskurse Die Faszination der Apokalypse Klaus Vondung "Dreißig Jahre nach Zwölf"? Der apokalyptische Bevölkerungsdiskurs im 20. Jahrhundert Thomas Etzemüller Wer glaubt, wird selig? Enttäuschungsresistenz und letale Apokalypse - Die Zeugen Jehovas und der People´s Temple Volkhard Krech "Die Zeit ist heute bitter ernst" - Apokalyptik als Redeform im politischen Diskurs des Nationalsozialismus Anna Neumaier Vom Quietismus zum Aktivismus - Apokalyptische Pragmatik, überprüft anhand des Falles Hamas Hans G. Kippenberg Die Apokalypse in den Medien - Etwas zur Soziologie der Übertreibung Jürgen Kaube Schlusswort Apokalypse - Zur religiösen Konstruktion gesellschaftlicher Krise Autorinnen und Autoren

Produktinformationen

Titel: Apokalypse
Untertitel: Zur Soziologie und Geschichte religiöser Krisenrhetorik
Editor: Alexander K. Nagel Ansgar Weymann Bernd U. Schipper
Schöpfer: Thomas Etzemüller Jürgen Kaube Hans G. Kippenberg Volkhard Krech Michael Makropoulos Alexander K. Nagel Anna Neumaier Lothar Peter Bernd U. Schipper
EAN: 9783593387574
ISBN: 978-3-593-38757-4
Format: Kartonierter Einband (Kt)
Herausgeber: Campus Verlag GmbH
Genre: Soziologie
Anzahl Seiten: 312
Gewicht: 388g
Größe: H214mm x B141mm x T22mm
Jahr: 2008
Auflage: 1. Aufl. 09.2008

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