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Die Claverings
Anthony Trollope

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Die blutjunge, temperamentvolle Julia gibt sich keinerlei Illusionen hin. Harry Clavering, ihr glühender Verehrer, dem durchaus ih... Weiterlesen
Leinen-Einband (Ln), 896 Seiten
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Beschreibung

Die blutjunge, temperamentvolle Julia gibt sich keinerlei Illusionen hin. Harry Clavering, ihr glühender Verehrer, dem durchaus ihr Herz gehört, ist der Sohn eines Landpfarrers, zwar mit vornehmer Verwandtschaft, aber ohne Aus sicht auf ein nennenswertes Vermögen. So heiratet Julia wild entschlossen statt seiner einen steinreichen, aber liederlichen, trunksüchtigen Adligen. Harry findet schon bald Trost für sein vermeintlich auf ewig gebrochenes Herz. Doch als Julia nach einjähriger Ehehölle unversehens als vermögende Witwe wieder in England auftaucht, droht alles aus den Fugen zu geraten. Mit profunder Menschenkenntnis und einem kräftigen Schuss Ironie schildert Trollope Leben und Treiben des Clavering-Clans. Seinen Protagonisten blickt er so tief ins Herz, dass man sie am Ende zu kennen glaubt, als sei man selbst Teil der Familie. In pointierten, urkomischen Dialogen gewinnen auch Nebenfiguren ein markantes Profil. Dem wankelmütigen Liebhaber Harry Clavering widmet sich Trollope mit besonders innigem Spott. So entstand das gewinnende Porträt eines sympathischen, doch zwischen zwei starken Frauen mitunter sehr unheroischen Helden, der mit seiner Unberechenbarkeit in Liebesdingen den Leser bis zur letzten Seite in Atem hält.

Erstmals auf deutsch! Liebe hin, Liebe her, ohne finanzielles Fundament führt kein Weg in die Ehe: Das ist viktorianischer common sense - und Ursache so mancher Nöte in Anthony Trollopes hinreißend charmantem Familienroman. Von sämtlichen Schriftstellern aller Länder sei Trollope derjenige, der die Rolle des Geldes am besten verstehe, schreibt W. H. Auden: "Verglichen mit ihm ist selbst Balzac ein Romantiker." Die blutjunge, temperamentvolle Julia gibt sich keinerlei Illusionen hin. Harry Clavering, ihr glühender Verehrer, dem durchaus ihr Herz gehört, ist der Sohn eines Landpfarrers, zwar mit vornehmer Verwandtschaft, aber ohne Aussicht auf ein nennenswertes Vermögen. So heiratet Julia wild entschlossen statt seiner einen steinreichen, aber liederlichen, trunksüchtigen Adligen. Harry findet schon bald Trost für sein vermeintlich auf ewig gebrochenes Herz. Doch als Julia nach einjähriger Ehehölle unversehens als vermögende Witwe wieder in England auftaucht, droht alles aus den Fugen zu geraten. Mit profunder Menschenkenntnis und einem kräftigen Schuss Ironie schildert Trollope Leben und Treiben des Clavering-Clans. Seinen Protagonisten blickt er so tief ins Herz, dass man sie am Ende zu kennen glaubt, als sei man selbst Teil der Familie. In pointierten, urkomischen Dialogen gewinnen auch Nebenfiguren ein markantes Profil. Dem wankelmütigen Liebhaber Harry Clavering widmet sich Trollope mit besonders innigem Spott. So entstand das gewinnende Porträt eines sympathischen, doch zwischen zwei starken Frauen mitunter sehr unheroischen Helden, der mit seiner Unberechenbarkeit in Liebesdingen den Leser bis zur letzten Seite in Atem hält.

»Trollope ist gut, er ist sogar unglaublich gut, schon weil er lustiger, nämlich ironischer und selbstironischer ist als die meisten seiner Zeitgenossen.«

Autorentext
Anthony Trollope (1815-1882), in London geboren, entstammte einer vornehmen, aber verarmten Familie. Neben seiner Tätigkeit als Postbeamter begann er zu schreiben und veröffentlichte in rascher Folge Kurzgeschichten, Reisebücher, Essays und zahlreiche Romane. Seine liebevoll-ironischen Porträts der viktorianischen Mittelschicht tragen ihm bis heute die Sympathien der Leser ein.

Manfred Pfister ist Professor für Englische Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Er hat sich vor allem mit seinem Standardwerk zur Dramentheorie einen Namen gemacht. Weitere Schwerpunkte seiner Arbeit sind die Theorie der Intertextualität und die Erforschung interkultureller Gattungen, insbesondere des Reiseberichts und der Übersetzung. Er hat u.a. Bücher zu William Shakespeare, Laurence Sterne und Oscar Wilde veröffentlicht und war Mitherausgeber einer englischen Literaturgeschichte.

Andrea Ott, geboren 1949, hat sich als Übersetzerin englischer und amerikanischer Literatur einen Namen gemacht. Für den Manesse Verlag hat sie Meisterwerke u.a. von Jane Austen, Anthony Trollope, Charlotte Bronte, Elizabeth Gaskell, Henry James, Edith Wharton und Upton Sinclair ins Deutsche gebracht.

Klappentext

Erstmals auf deutsch!

Liebe hin, Liebe her, ohne finanzielles Fundament führt kein Weg in die Ehe: Das ist viktorianischer common sense - und Ursache so mancher Nöte in Anthony Trollopes hinreißend charmantem Familienroman. Von sämtlichen Schriftstellern aller Länder sei Trollope derjenige, der die Rolle des Geldes am besten verstehe, schreibt W. H. Auden: Verglichen mit ihm ist selbst Balzac ein Romantiker.

Die blutjunge, temperamentvolle Julia gibt sich keinerlei Illusionen hin. Harry Clavering, ihr glühender Verehrer, dem durchaus ihr Herz gehört, ist der Sohn eines Landpfarrers, zwar mit vornehmer Verwandtschaft, aber ohne Aussicht auf ein nennenswertes Vermögen. So heiratet Julia wild entschlossen statt seiner einen steinreichen, aber liederlichen, trunksüchtigen Adligen. Harry findet schon bald Trost für sein vermeintlich auf ewig gebrochenes Herz. Doch als Julia nach einjähriger Ehehölle unversehens als vermögende Witwe wieder in England auftaucht, droht alles aus den Fugen zu geraten.

Mit profunder Menschenkenntnis und einem kräftigen Schuss Ironie schildert Trollope Leben und Treiben des Clavering-Clans. Seinen Protagonisten blickt er so tief ins Herz, dass man sie am Ende zu kennen glaubt, als sei man selbst Teil der Familie. In pointierten, urkomischen Dialogen gewinnen auch Nebenfiguren ein markantes Profil. Dem wankelmütigen Liebhaber Harry Clavering widmet sich Trollope mit besonders innigem Spott. So entstand das gewinnende Porträt eines sympathischen, doch zwischen zwei starken Frauen mitunter sehr unheroischen Helden, der mit seiner Unberechenbarkeit in Liebesdingen den Leser bis zur letzten Seite in Atem hält.



Zusammenfassung
Erstmals auf deutsch!

Liebe hin, Liebe her, ohne finanzielles Fundament führt kein Weg in die Ehe: Das ist viktorianischer common sense und Ursache so mancher Nöte in Anthony Trollopes hinreißend charmantem Familienroman. Von sämtlichen Schriftstellern aller Länder sei Trollope derjenige, der die Rolle des Geldes am besten verstehe, schreibt W. H. Auden: »Verglichen mit ihm ist selbst Balzac ein Romantiker.«

Die blutjunge, temperamentvolle Julia gibt sich keinerlei Illusionen hin. Harry Clavering, ihr glühender Verehrer, dem durchaus ihr Herz gehört, ist der Sohn eines Landpfarrers, zwar mit vornehmer Verwandtschaft, aber ohne Aussicht auf ein nennenswertes Vermögen. So heiratet Julia wild entschlossen statt seiner einen steinreichen, aber liederlichen, trunksüchtigen Adligen. Harry findet schon bald Trost für sein vermeintlich auf ewig gebrochenes Herz. Doch als Julia nach einjähriger Ehehölle unversehens als vermögende Witwe wieder in England auftaucht, droht alles aus den Fugen zu geraten.

Mit profunder Menschenkenntnis und einem kräftigen Schuss Ironie schildert Trollope Leben und Treiben des Clavering-Clans. Seinen Protagonisten blickt er so tief ins Herz, dass man sie am Ende zu kennen glaubt, als sei man selbst Teil der Familie. In pointierten, urkomischen Dialogen gewinnen auch Nebenfiguren ein markantes Profil. Dem wankelmütigen Liebhaber Harry Clavering widmet sich Trollope mit besonders innigem Spott. So entstand das gewinnende Porträt eines sympathischen, doch zwischen zwei starken Frauen mitunter sehr unheroischen Helden, der mit seiner Unberechenbarkeit in Liebesdingen den Leser bis zur letzten Seite in Atem hält.



Leseprobe
Kapitel 1
Julia Brabazon
Der Blumengarten von Clavering Park lag etwa dreihundert Yards entfernt von dem großen, klotzigen, düster wirkenden steinernen Herrenhaus, dem Landsitz von Sir Hugh Clavering, dem elften Baronet dieses Namens, und in diesem nur wenig schönen und reizvollen Garten möchte ich meinen Lesern zwei jener Personen vorführen, mit denen ich sie in der folgenden Geschichte näher bekannt machen will. Es war Ende August, und die französischen Anlagen, Blumenbeete und Rasenflecken waren infolge einer langen Trockenheit verdorrt, verunstaltet, ja geradezu häßlich. In sorgfältig und fleißig gepflegten Gärten sind die Blumenbeete schön und das Gras grün, gleichgültig, welches Wetter herrscht, aber auf die Gärten von Clavering wurden nur unzureichend Sorgfalt und Mühe verwandt, und alles war gelb, dürr und verbrannt. Über den versengten Rasen spazierte eine Dame auf ein Tor zu, das zum Haus führte, und an ihrer Seite ging ein Gentleman.
«Sie gehen also jetzt hinein, Miss Brabazon», sagte der Herr, und sein Tonfall verriet deutlich, daß diese Worte als bitterer Vorwurf gedacht waren.
«Natürlich gehe ich hinein», antwortete die Dame. «Sie haben mich gebeten, mit Ihnen spazierenzugehen, und ich habe abgelehnt. Sie haben mir aufgelauert, und deshalb fliehe ich nun es sei denn, ich werde gewaltsam daran gehindert.» Bei diesen Worten blieb sie einen Augenblick stehen und sah ihm mit einem Lächeln ins Gesicht, das zu sagen schien, falls er solche Gewalt in vernünftigem Ausmaß anwenden würde, geriete sie nicht gerade in rasenden Zorn.
Doch mochte sie auch zum Scherzen aufgelegt sein, er war es keineswegs. «Und warum haben Sie abgelehnt?» fragte er.
«Aus zwei Gründen. Zum einen, weil ich es besser fand, jedes Gespräch mit Ihnen zu vermeiden.»
«Sehr höflich gegenüber einem alten Freund!»
«Aber hauptsächlich», und nun richtete sie sich auf, verbannte das Lächeln aus ihrem Gesicht und senkte den Blick, «hauptsächlich, weil ich dachte, Lord Ongar werde es lieber sein, wenn ich hier in Clavering nicht allein mit einem jungen Herrn durch den Park wandere, und daß er erst recht Einwände gegen meine Streifzüge mit Ihnen erheben würde, wenn er erführe, daß Sie und ich alte Bekannte sind. Nun war ich sehr offenherzig, Mr. Clavering, das sollte wohl reichen.»
«Sie haben also schon Angst vor ihm?»
«Ich habe Angst, jemanden zu verletzen, den ich liebe, und besonders jemanden, dem ich verpflichtet bin.»
«Reichen! Das reicht keineswegs. So wie Sie mich kennen halten Sie es für wahrscheinlich, daß mir das reicht?» Er stand nun vor ihr, zwischen ihr und dem Tor, und sie gab sich keine Mühe, ihm zu entkommen.
«Was wollen Sie? Sie werden sich wohl kaum mit Lord Ongar schlagen wollen, und wenn, kämen Sie damit nicht zu mir.»
«Schlagen! Nein, ich habe keinen Grund, mich mit ihm zu streiten. Ein Duell würde zu nichts führen.»
«Zu gar nichts. Er würde sich nicht mit Ihnen duellieren, wenn Sie ihn fragten, und Sie könnten ihn nicht fragen, ohne mich zu hintergehen.»
«Dafür hätte ich immerhin ein Vorbild.»
«Unsinn, Mr. Clavering. Meine Treulosigkeit, wenn Sie es so nennen wollen, ist ganz anders beschaffen und findet vor jedem Gericht der Welt Gnade.»
«Sie haben Ihr Wort gebrochen.»
«Kommen Sie, Harry, keine Beschimpfungen.» Sie legte ihm sacht die Hand auf den Arm. «Schauen Sie mich an, so wie ich bin, und dann sich selbst, und sagen Sie mir, ob aus einer Ehe zwischen uns beiden etwas anderes als Unglück erwüchse. Dem Taufregister nach sind wir gleich alt, aber der Erfahrung nach bin ich zehn Jahre älter als Sie. Ich habe zweihundert Pfund im Jahr und zur Zeit sechshundert Pfund Schulden. Sie haben vielleicht doppelt so viel und verlieren die Hälfte, wenn Sie heiraten. Sie sind Hilfslehrer.»
«Nein, Madam, nicht Hilfslehrer.»
«Gut, gut, ich will Sie ja nicht erzürnen.»
«Im Augenblick bin ich Lehrer, und wenn ich es bliebe, könnte ich durchaus mit einem ansehnlichen Einkommen rechnen. Aber ich werde diese Arbeit aufgeben.»
«Sie werden nicht geeigneter für die Ehe, wenn Sie Ihren Beruf aufgeben. Lord Ongar hatweiß der Himmelvielleicht sechzigtausend im Jahr.»
«In meinem ganzen Leben habe ich keine solche Taktlosigkeit erlebt, solch unverblümten, schamlosen Materialismus!»
«Warum sollte ich nicht einen Mann mit einem hohen Einkommen lieben?»
«Er ist alt genug, um Ihr Vater zu sein!»
«Er ist sechsunddreißig, und ich bin vierundzwanzig.»
«Sechsunddreißig!»
«Schauen Sie im Adelskalender nach. Aber, lieber Harry, merken Sie nicht, daß Sie mich und sich ganz umsonst aus der Ruhe bringen? Es war dumm genug von mir, daß ich nach Papas Tod aus Nizza hierherkam und mir von Ihnen ein paar Monate lang Albernheiten erzählen ließ.»
«Haben Sie geschworen, daß Sie mich lieben, oder nicht?»
«O Mr. Clavering, ich hätte nicht gedacht, daß Sie sich soweit vergessen und die Schwäche eines Weibes ausnutzen. Ich kann mich an keinerlei Schwüre erinnern, und welche törichten Behauptungen ich auch immer von mir gegeben habe, ich werde sie nicht wiederholen. Es muß Ihnen doch in diesen zwei Jahren klargeworden sein, daß es nur eine Liebelei war. Wenn es Ihnen Freude macht, sich daran zu erinnern, kann ich Ihnen diese Freude nicht nehmen. Vielleicht blicke auch ich manchmal zurück. Aber ich spreche nie mehr über diese Zeit, und wenn Sie so edelmütig sind, wie ich Sie eingeschätzt habe, sprechen auch Sie nicht davon. Ich weiß, Sie wollen mir nicht weh tun.»
«Ich möchte Sie vor dem Leid bewahren, das Sie über sich bringen.»
«Das müssen Sie schon mir überlassen. Lord Ongar braucht eine Frau, und ich gedenke ihm treu zu sein und mich nützlich zu machen.»
«Wie steht es mit der Liebe?»
« und ihn zu lieben, Sir. Glauben Sie denn, ein Mann kann die Liebe einer Frau nur erlangen, wenn er vor lauter Poesie überläuft, einen Hals wie Lord Byron hat und so hübsch wie Euer Gnaden ist? Sie sehen sehr gut aus, Harry, auch Sie sollten sich auf den Markt begeben und das Beste aus sich machen. Warum sollten Sie sich nicht in ein hübsches Mädchen verlieben, das Sie mit Geld unterstützen kann?»
«Julia!»
«Nein, Sir, nennen Sie mich nicht Julia. Ich bin sonst beleidigt und lasse Sie sofort stehen. Ich darf Sie Harry nennen, weil Sie eine Art Vetter und soviel jünger sind als ich wenn auch im selben Monat geboren. Aber ich tue es heute zum letzten Mal.»
«Sie haben also die Kühnheit, zu behaupten, Sie hätten mich nicht schlecht behandelt?»
«Natürlich. Meine Güte, was für eine Närrin würden Sie aus mir machen! Schauen Sie mich an, und dann sagen Sie mir, ob ich die richtige Frau für einen Mann wie Sie wäre. Wenn Sie ins Leben hinausgehen, bin ich schon eine alte Frau und habe mein Leben hinter mir. Selbst wenn ich mich zur Gefährtin für Sie geeignet hätte, als wir hier zusammen lebten wäre ich es auch jetzt noch, nach allem, was ich in den letzten zwei Jahren getan und gesehen habe? Glauben Sie, es würde wirklich jemandem nützen, wenn ich gegenüber Lord Ongar, wie Sie es nennen, wortbrüchig würde und allen Ihrem Vetter Sir Hugh, meiner Schwester und Ihrem Vater erklärte, ich würde mich aufbewahren und Sie heiraten, sobald Sie bereit sind für mich?»
«Sie wollen damit sagen, daß das Unheil schon geschehen ist.»
«Nein, durchaus nicht. Zur Zeit habe ich sechshundert Pfund Schulden und weiß nicht, an wen ich mich deswegen wenden soll, damit mein Mann nicht gleich zur Zahlung aufgefordert wird, sobald er mich geheiratet hat. Was für eine Frau hätte ich also für Sie abgegeben!»
«Ich könnte die sechshundert Pfund mit meinem selbstverdienten Geld zurückzahlen auch wenn Sie mich als Hilfslehrer bezeichnen und würde vielleicht weniger Fragen stellen als Lord Ongar mit all seinen Tausenden.»
«Lieber Harry, verzeihen Sie mir den Hilfslehrer. Natürlich weiß ich, daß Sie Fellow an Ihrem College sind und daß St. Cuthbert's, wo Sie unterrichten, eine der bedeutendsten Schulen Englands ist; und ich hoffe nein, ich glaube, Sie werden eines Tages Bischof, Sie müssen es nur wollen.»
«Ich habe den Gedanken an eine kirchliche Laufbahn ganz aufgegeben.»
«Dann werden Sie eben Richter. Sie würden bestimmt ein bedeutender, ausgezeichneter Richter, und zwar ganz aus eigener Kraft. Sie sind schon jetzt ausgezeichnet. Wenn Sie nur wüßten, wie unendlich viel lieber ich Ihr Schicksal auf mich nähme als das meine! O Harry, ich beneide Sie! Ich beneide Sie so sehr! Sie haben große Chancen, die Welt steht Ihnen offen, und Sie können alles erreichen.»
«Aber ohne Ihre Liebe bedeutet mir alles nichts.»
«Pah! Liebe! Was kann die schon anderes bewirken als Sie zu ruinieren? Das wissen Sie so gut wie ich; aber Sie sind selbstsüchtig genug, eine Romanze fortsetzen zu wollen, die mich völlig zugrunde richten würde, selbst wenn sie Ihnen vielleicht kurzfristig eine angenehme Erholung von Ihrem ernsten Studium bietet. Harry, Sie können im Leben draußen wählen. Für Sie gibt es Theologie, Jura, Literatur, Kunst. Und wenn die Anforderungen der Arbeit Sie heute an der Liebe hindern, so sind Sie in zehn Jahren dafür noch genauso geeignet wie jetzt.»
«Aber ich liebe jetzt.»
«Dann seien Sie ein Mann und behalten Sie es für sich. Die Liebe darf uns nicht beherrschen. Sie können wählen, wie ich schon sagte, aber ich hatte keine Wahl keine andere Wahl, als mich gut zu verehelichen, sonst verlösche ich wie eine Kerzenschnuppe. Und da ich Schnuppen nicht mag, werde ich mich gut verehelichen.»
«Und das genügt Ihnen?»
«Es muß genügen. Warum auch nicht? Sie sind sehr unhöflich, Cousin, und ganz anders als der Rest der Welt. Jedermann beglückwünscht mich zu meiner Heirat. Lord Ongar ist nicht nur reich, sondern auch ein Mann mit guten Manieren und Talent.»
«Mögen Sie denn Pferderennen?»
«Ja, sehr.»
«Und diese Art zu leben?»
«Sehr. Ich gedenke alles zu mögen, was Lord Ongar mag. Ich weiß, daß ich ihn nicht ändern kann, deshalb versuche ich es erst gar nicht.»
«Da haben Sie recht, Miss Brabazon.»
«Sie wollen unverschämt sein, Sir, aber ich gehe darüber hinweg. Das ist unser letztes Treffen unter vier Augen, und ich werde nicht zugeben, daß ich mich beschimpft fühle. Aber damit muß es gut sein, Harry. Ich bin nun lange mit Ihnen durch den Garten spaziert, trotz meiner vorherigen Weigerung. Ich will sie nicht wiederholen, sonst fallen noch Worte, die ich nicht gesagt haben möchte. Leben Sie wohl, Harry.»
«Leben Sie wohl, Julia.»
«Gut, dies eine Mal lasse ich es durchgehen. Und denken Sie daran: Ich habe Ihnen all meine Hoffnungen und meine einzige Sorge geschildert. Ich war so offen zu Ihnen, weil ich dachte, es würde Ihnen helfen, die Dinge im richtigen Licht zu sehen. Ich vertraue auf Ihre Ehre als Gentleman, daß Sie nichts von dem Gesagten weitererzählen.»
«Ich neige nicht dazu, solche Dinge weiterzuerzählen.»
«Das glaube ich. Und Sie mißverstehen hoffentlich nicht den Geist, in dem sie gesagt wurden. Ich werde nie bereuen, was ich Ihnen soeben erzählt habe, wenn es Sie erkennen läßt, daß wir beide unsere frühere Bekanntschaft als Romanze betrachten müssen, mit der wir nach dem unbedingten Gebot der Stunde umgehen müssen wie mit einem Traum, den wir geträumt, oder einem Gedicht, das wir gelesen haben.»
«Sie können damit umgehen, wie Sie wollen.»
«Alles Gute, Harry; möge es Ihnen immer wohl ergehen. Es soll mich freuen, wenn ich von Ihrem Erfolg höre. Kommen Sie am Donnerstag zur Jagd?»
«Wie, mit Hugh? Nein. Hugh und ich, wir verstehen uns nicht. Wenn ich auf Clavering jagen wollte, so dürfte ich dies nur als eine Art oberster Wildhüter. Das ist zwar angesehener als Hilfslehrer, ich weiß, aber es paßt mir trotzdem nicht.»
«O Harry! Sie sind grausam! Aber Sie kommen doch ins große Haus? Lord Ongar trifft am einunddreißigsten ein, übermorgen.»
«Selbst dieses verlockende Angebot muß ich ablehnen. Ich gehe nie ins Herrenhaus, wenn Hugh da ist, außer zweimal im Jahr auf seine feierliche Einladung hin damit es keinen Familienstreit gibt.»
«Dann leben Sie wohl.» Sie reichte ihm die Hand.
«Leben Sie wohl, wenn es denn sein muß.»
«Ich weiß nicht, ob Sie mir die Ehre erweisen, auf meiner Hochzeit zu erscheinen?»
«Bestimmt nicht. Ich werde fern von Clavering sein, so daß die Hochzeitsglocken mir nicht in den Ohren gellen. Und im übrigen bin ich dann in der Schule.»
«Wir werden uns sicher eines Tages in London treffen.»
«Das ist sehr unwahrscheinlich. Meine Wege und die von Lord Ongar werden sich kaum kreuzen, selbst wenn es mir gelingen sollte, nach London zu kommen. Falls Sie Hermione hier besuchen, sehe ich Sie vielleicht im Herrenhaus. Doch Sie kommen gewiß nicht oft, das Haus ist so langweilig und reizlos.»
«Der alte Park hat es mir angetan.»
«Als Lady Ongar werden Sie sich nicht mehr viel aus alten Parks machen.»
«Sie haben keine Ahnung, woraus ich mir als Lady Ongar etwas machen werde, aber als Julia Brabazon sage ich jetzt zum letzten Mal auf Wiedersehen.» Sie trennten sich, und die Dame kehrte ins Herrenhaus zurück, während Harry Clavering durch den Park zum Pfarrhaus ging.
Drei Jahre vor dieser Szene im Garten von Clavering Park war Lord Brabazon in Nizza gestorben und hatte eine unverheiratete Tochter hinterlassen, die Dame, die der Leser soeben kennengelernt hat. Eine weitere Tochter war damals schon mit Sir Hugh Clavering verheiratet, und diese Lady Clavering war die bereits erwähnte Hermione. Lord Brabazon, der die Peerswürde in direkter Linie aus der Zeit der Plantagenets geerbt hatte, gehörte zu jenem unseligen, lästigen Grüppchen von englischen Adligen, die keinen ihrem Rang entsprechenden Besitz haben. Er hatte spät geheiratet und war ohne männlichen Erben gestorben. Der Titel aus der Zeit der Plantagenets war damit erloschen, und nach dem Tod des letzten Lords teilten sich seine beiden Töchter ungefähr vierhundert Pfund pro Jahr. Die ältere hatte, was das Vermögen betraf, mit Sir Hugh Clavering bereits eine hervorragende Partie gemacht, und die jüngere stand nun im Begriff, durch ihre Verbindung mit Lord Ongar eine noch weit glänzendere zu machen. Viel mehr gibt es, denke ich, im Augenblick nicht über die beiden zu sagen.
Und Harry Clavering zu beschreiben ist vielleicht auch nicht unbedingt notwendig. Der aufmerksame Leser wird schon erfaßt haben, was man von ihm wissen muß, bevor er sich durch seine Taten selbst vorstellt. Er war der einzige Sohn von Reverend Henry Clavering, dem Pfarrer von Clavering, Onkel des jetzigen Sir Hugh Clavering und Bruder des verstorbenen Sir Hugh. Hochwürden Henry Clavering und seine Frau Mrs. Clavering sowie seine beiden Töchter Mary und Fanny Clavering lebten seit jeher im Pfarrhaus von Clavering am Rand von Clavering Park, eine ganze Meile entfernt vom Herrenhaus. Die Kirche befand sich im Park, etwa auf halbem Wege zwischen den beiden Wohnsitzen. Wenn ich nun noch einen weiteren Clavering anführe, Captain Clavering, Captain Archibald Clavering, Sir Hughs Bruder, wenn ich darüber hinaus berichte, daß Sir Hugh wie auch Captain Clavering das Vergnügen und das Geld liebten, so habe ich alles gesagt, was es im Augenblick über die Familie Clavering im allgemeinen zu sagen gibt.
Julia Brabazon hatte in Erinnerungen an romantische, nun hinter ihr liegende Zeiten geschwelgt, als sie Harry Clavering als Cousin bezeichnete. Ihre Schwester war die Frau von Harrys Vetter, aber zwischen Julia und Harry gab es keinerlei Blutsverwandtschaft. Nachdem der alte Lord Brabazon in Nizza gestorben war, kam Julia nach Clavering Park und sorgte unter denen, die Sir Hugh kannten, für einige Aufregung, weil es ihr gelang, sich in seinem Hause einzunisten. Er war nicht der Mann, der aus Nächstenliebe oder Familiensinn eine Schwester seiner Frau in seinem Hause aufnahm. Zweifellos hatte Lady Clavering, eine schöne und zudem elegante Frau, ihren Einfluß geltend gemacht, aber Sir Hugh neigte gewöhnlich dazu, seinen eigenen Kopf durchzusetzen. Man darf also vermuten, daß Julia Brabazon sich dort angenehm und wahrscheinlich auch nützlich gemacht hatte. Zweimal war sie während der Saison nach London mitgenommen worden und hatte sich dort tapfer geschlagen. Und sie durfte mit ihnen auf Reisen gehen Sir Hugh hielt sich nämlich abgesehen von den sechs Wochen der Rebhuhnjagd nicht gern in Clavering Park auf. Sie kam mit nach Newmarket, war zu Besuch auf dem Schloß eines gewissen leichtlebigen, jagdversessenen Herzogs, eines engen Freundes von Sir Hugh, fuhr mit ihrer Schwester nach Brighton, während Sir Hugh lieber allein beim Herzog blieb, und begab sich dann wieder nach London, wo sie sich schließlich mit Lord Ongar einig wurde. Alle Freunde der beiden Familien, ja, ich darf sagen, der drei Familien, der Brabazons, der Claverings und der Courtons (Lord Ongars Familienname war Courton) mußten zugeben, daß Julia Brabazon sehr schlau vorgegangen war. Von Harry Clavering war in Verbindung mit ihr niemals die Rede gewesen. Wenn sie und Hermione jemals ein Wort über dieses Thema gewechselt hatten, so waren die beiden Schwestern verschwiegen genug, nichts davon nach außen dringen zu lassen. In den wenigen Monaten von Julias Romanze weilte Sir Hugh fern von Clavering, und Hermione war damit beschäftigt, einem Erben das Leben zu schenken. Julia war über ihre einzige, kurze poetische Phase hinaus, sie hatte ihr einziges Sonett geschrieben und war nun bereit für den Handel und Wandel der großen Welt.

Kapitel 2
Harry Clavering wählt einen Beruf
Harry Clavering war vielleicht kein Hilfslehrer, aber er hatte Ferien und war zu Hause. Wer kann schon sagen, wo der Hilfslehrer aufhört und der Schulmeister beginnt? Wenn ein Privatlehrer jemanden zu seiner Unterstützung anstellt, so darf man diesen Mann mit Fug und Recht als Hilfslehrer bezeichnen, doch Harry Clavering war von einem öffentlichen Gremium aus hundert Kandidaten mit allerlei echten oder angeblich echten Qualifizierungsbescheinigungen ausgewählt worden. Er war ganz gewiß kein Hilfslehrer, da er für seine Arbeit dreihundert Pfund im Jahr bezahlt bekam was entschieden über der Gehaltsgrenze eines Hilfslehrers liegt. Soviel war sicher; dennoch hatte sich das Wort in ihm festgebissen und verdroß ihn. Er wollte nicht darüber nachdenken, daß er Ferien hatte und zu Hause war.

Produktinformationen

Titel: Die Claverings
Untertitel: Roman. Nachw. v. Manfred Pfister
Nachwort von: Manfred Pfister
Übersetzer: Andrea Ott
Autor: Anthony Trollope
EAN: 9783717521389
ISBN: 978-3-7175-2138-9
Format: Leinen-Einband (Ln)
Herausgeber: Manesse
Genre: Sonstige Literatur
Anzahl Seiten: 896
Gewicht: 406g
Größe: H157mm x B98mm x T40mm
Veröffentlichung: 01.09.2007
Jahr: 2007
Land: DE

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