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Die schwarzen Juwelen (Band 5): Finsternis
Anne Bishop

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Der Sklave Jared gilt als unberechenbar. Als er an die gefürchtete Graue Lady verkauft wird, scheint sein Schicksal besiegelt. Wel... Weiterlesen
Taschenbuch, 528 Seiten
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Beschreibung

Der Sklave Jared gilt als unberechenbar. Als er an die gefürchtete Graue Lady verkauft wird, scheint sein Schicksal besiegelt. Welches Geheimnis umgibt die Herrscherin, die als größte Feindin Dorothea SaDiablos gilt?

Die Rückkehr in die Welt der "Schwarzen Juwelen" Der Sklave Jared gilt als unberechenbar. Als er an die gefürchtete Graue Lady verkauft wird, scheint sein Schicksal besiegelt. Welches Geheimnis umgibt die Herrscherin, die als größte Feindin Dorothea SaDiablos gilt? Dunkel, magisch und fesselnd

»Erotischer kann Fantasy nicht sein!«

Autorentext
Die New Yorkerin Anne Bishop, seit ihrer Kindheit von Fantasy-Geschichten begeistert, veröffentlichte zahlreiche Kurzgeschichten und Romane, bevor ihr mit dem preisgekrönten Bestseller "Dunkelheit" der internationale Durchbruch gelang. Ihre ebenso ungewöhnliche wie faszinierende Saga "Die schwarzen Juwelen" zählt zu den erfolgreichsten Werken moderner Fantasy.

Klappentext

Die Rückkehr in die Welt der "Schwarzen Juwelen"

Der Sklave Jared gilt als unberechenbar. Als er an die gefürchtete Graue Lady verkauft wird, scheint sein Schicksal besiegelt. Welches Geheimnis umgibt die Herrscherin, die als größte Feindin Dorothea SaDiablos gilt?

Dunkel, magisch und fesselnd



Zusammenfassung
Die Rückkehr in die Welt der Schwarzen Juwelen

Der Sklave Jared gilt als unberechenbar. Als er an die gefürchtete Graue Lady verkauft wird, scheint sein Schicksal besiegelt. Welches Geheimnis umgibt die Herrscherin, die als größte Feindin Dorothea SaDiablos gilt?

Dunkel, magisch und fesselnd



Leseprobe
Lord Krelis, der neue Hauptmann der Wache, versuchte völlig regungslos dazustehen, während er beobachtete, wie Dorothea SaDiablo langsam in ihrem privaten Audienzzimmer auf- und abging. Bei einer anderen Frau hätte er vielleicht unverhohlen die schlanke Figur bewundert und sich gefragt, ob sich das schwarze, elegant hochgesteckte Haar so seidenweich anfühlte, wie es aussah. Vielleicht hätte er es sogar gewagt, eine Hand über die gebräunte Haut gleiten zu lassen, die nicht von ihrem langen roten Kleid verhüllt wurde. Eventuell hätte er es genossen, wie das Kleid im Rhythmus ihrer wiegenden Hüften raschelte, und sich vielleicht gefragt, ob die Art, wie sie sich mit einer großen weißen Feder über das Kinn strich, einem zarten Wink gleichkam, dass sie nichts dagegen hätte, auch auf andere Weise gestreichelt zu werden.
Doch Dorothea SaDiablo war eine Schwarze Witwe, ein Mitglied des Stundenglases, des gefährlichsten und am meisten gefürchteten Hexensabbats im ganzen Reich Terreille. Schwarze Witwen kannten sich mit Giften ebenso aus wie mit den verschlungenen Pfaden des Geistes, mit Schatten und Illusionen, mit Traumlandschaften, in denen sich ein Mann verlieren konnte, bis er in einem endlosen Albtraum gefangen war.
Noch dazu war sie die Hohepriesterin von Hayll und trug ein rotes Juwel. Da es im Territorium von Hayll keine Königinnen gab, deren Macht an die mentalen Kräfte heranreichte, für die dieses Juwel stand, und da sämtliche schwächere Königinnen weder ihr Leben noch ihre Gesundheit aufs Spiel setzen wollten, indem sie die Hohepriesterin herausforderten, herrschte Dorothea, wie es ihr gefiel ein Umstand, den kein Mann in Hayll zu vergessen wagte.
»Bist du in letzter Zeit deinem Vorgänger über den Weg gelaufen?«, fragte Dorothea mit schmeichelnder Stimme, als sie an ihm vorbeiraschelte. Ihr kokettes Lächeln bildete einen eigenartigen Kontrast zu dem grausamen Funkeln in ihren goldenen Augen.
»Ja, Priesterin«, erwiderte Krelis, der sich Mühe gab, unbeteiligt zu klingen. Als er und eine Truppe Männer im Armenviertel von Haylls Hauptstadt Draega auf der Suche nach entbehrlichen Arbeitskräften den dortigen Abschaum ausgehoben hatten, war ihm sein ehemaliger Befehlshaber aus einer schmutzigen Gasse entgegengetorkelt.
Der frühere Hauptmann der Wache war nur noch ein verstümmeltes, gefoltertes Zerrbild des Mannes, der er einst gewesen war. Schlimmer noch: Sein inneres Netz, jener intime Kern des Selbst, der die Angehörigen des Blutes ausmachte, war zerstört worden, sodass er seine Juwelen nicht länger tragen konnte. Wenn überhaupt, konnte er sich höchstens der einfachsten Kunst bedienen. Der flinke, taktisch klug denkende Geist, der Dorothea so viele Jahrzehnte lang beschützt hatte, war wie eine Wassermelone aufgeschlitzt und ausgehöhlt worden. Doch nicht ganz. Den gehetzten Augen in dem narbigen Gesicht nach zu schließen, verfügte er immer noch über genug geistiges Potenzial, um sich erinnern zu können, was er einst gewesen war. Und wer ihm dies angetan hatte.
Erneut raschelte Dorothea an Krelis vorbei. Schweißperlen traten ihm auf die Stirn, während er versuchte, an nichts zu denken, und zur Dunkelheit betete, dass Dorothea nichts spüren würde, das sie dazu veranlassen könnte, seine inneren Barrieren zu öffnen und sich eine Kostprobe seiner Gedanken zu Gemüte zu führen.
»Ich hatte deinen Vorgänger mit einer wichtigen Aufgabe betraut, und er hat mich enttäuscht.« Dorothea blieb vor ihm stehen und strich ihm lächelnd mit der Feder über die Wange. »Jetzt gehört er der gefiederten Bruderschaft an.«
Krelis erschauderte. Mutter der Nacht! Wenn man abrasiert bekam, was einen Mann zu einem Mann machte, und man fortan einen dieser gewaltigen Federkiele brauchte, um
»Wirst du mich enttäuschen?«, säuselte Dorothea, die sich nun nahe zu ihm beugte.
»Nein, Priesterin«, stammelte Krelis. »Sag mir, was du von mir erwartest, und ich werde es tun.«
»Ein kluger Mann.« Sie fuhr ihm mit der Feder über die Lippen, bevor sie sich wieder abwandte. »Du hast von der Grauen Lady gehört?«
War er bereits dabei, sie zu enttäuschen? Zwar hatte er vor ein paar Monaten unbestimmtes Geflüster vernommen, doch damals war er noch Wächter im Dritten Kreis gewesen und die Befehlshaber pflegten ihren Männern nur das absolut Notwendige zu sagen. Ein Gefühl der Übelkeit stieg in ihm auf. Er musste hart schlucken, bevor er flüsternd hervorbrachte: »Nein, Priesterin.«
Dorothea warf ihm einen ebenso heimtückischen wie amüsierten Blick zu, bevor sie wieder in dem Zimmer auf und ab ging. »Sie ist eine gefährliche Feindin. Eine Königin mit grauem Juwel, die über das Territorium Dena Nehele jenseits des Tamanaragebirges herrscht. Seitdem sie vor vierzig Jahren ihren Hof gegründet hat, ist sie mir ein Dorn im Auge, denn sie kämpft gegen meine Versuche an, dem Reich Terreille die wohltätige Führung von Hayll angedeihen zu lassen.«
Zögernd sagte Krelis: »Da sie keinem der langlebigen Völker entstammt, muss sie mittlerweile ziemlich alt sein.«
»Aber sie ist immer noch stark«, versetzte Dorothea unwirsch. »Solange sie am Leben ist, wird sich Dena Nehele Haylls Einfluss entziehen können, und die angrenzenden Territorien werden weiterhin durch diesen Widerstand gestärkt werden. Selbst wenn sie morgen sterben würde, bräuchte es mindestens eine Generation, um ihren Einfluss ganz auszulöschen.«
»Du hast vor, dieser Grauen Lady den Krieg zu erklären?« Dorotheas goldene Augen nahmen einen harten gelblichen Farbton an. »Hayll lässt sich nicht zu solch barbarischen Akten wie Krieg herab. Worin bestünde der Nutzen, ein Territorium zu erlangen, das von einem Krieg gebeutelt wurde, wie die Angehörigen des Blutes ihn führen?« Sie strich sich erneut mit der Feder übers Kinn. »Es gibt subtilere Wege, dafür zu sorgen, dass ein Territorium reif für die Ernte ist. Aber das ist nicht deine Angelegenheit.«
Krelis starrte zu Boden. »Nein, Priesterin.«
»Deine Aufgabe besteht darin, die Graue Lady aus dem Weg zu räumen.«
Ohne nachzudenken, stieß er hervor: »Wie denn?«
Sie blickte ihn voller Abscheu an. Bereute sie es, dem alten Hauptmann übel mitgespielt und auf diese Weise seinen taktisch klugen Verstand verloren zu haben? Doch dann änderte sich ihre Miene.
»Armer Junge«, murmelte sie und streichelte ihm sanft über die Wange. »Ich bin grausam zu dir gewesen, nicht wahr? Nein, Liebling« sie legte ihm die Finger auf die Lippen »du brauchst es nicht zu leugnen. Schließlich kannst du von den Gewohnheiten dieses Miststücks nichts wissen.« Sie trat einen Schritt zurück und seufzte. »In ihrem eigenen Territorium ist Grizelle zu gut beschützt, als dass du dort an sie herankommen könntest. Doch in den letzten paar Jahren ist sie zweimal im Jahr aus ihrer Höhle hervorgekrochen, um den Sklavenmarkt in Raej zu besuchen.«
»Ein Sklavenmarkt.« Krelis' goldene Augen leuchteten auf.
Dorothea schüttelte den Kopf. »Raej gilt als neutraler Boden. Wenn dort aus irgendeinem Grund eine Königin umgebracht wird, könnte es passieren, dass andere in Zukunft fernbleiben. Und wie sollte man dann Spielzeuge verkaufen, derer man überdrüssig ist, und sich neue zulegen?«
»Ein Sklave könnte mit einem treu ergebenen Diener ausgetauscht werden, und dann «
»Sie kauft niemanden aus Hayll, und außerhalb unseres Volkes gibt es keine treu ergebenen Diener. Manchmal nicht einmal innerhalb unseres Volkes.«
Krelis musste seine Frustration niederkämpfen. Dies war die erste wichtige Aufgabe, die sie ihm übertrug, seitdem er vor ein paar Monaten zum Hauptmann der Wache aufgestiegen war. Er wollte sie nicht enttäuschen. Auf keinen Fall. »Was soll ich dann tun, Priesterin?«
Dorothea blieb stehen. »Lord Krelis, du bist der Hauptmann der Wache. Es liegt ganz bei dir, wie du es anstellst, sie zu beseitigen.« Ihr Gesichtsausdruck hellte sich ein wenig auf. »Wenn du es allerdings möchtest, werde ich meine besondere Kunst einsetzen, um dir auf jede erdenkliche Art behilflich zu sein.«
Er atmete erleichtert auf. »Danke, Priesterin.«
Dorothea musterte ihn unangenehm lange. Dann lächelte sie. »Ich wusste, dass ich die richtige Wahl getroffen habe, was den neuen Hauptmann meiner Wache betrifft. Deinem Vorgänger habe ich das gleiche Angebot unterbreitet, doch er wollte meine Hilfe nicht. Dass das Miststück seiner Falle recht leicht entkommen konnte, war Grund genug, an seiner Loyalität zu zweifeln, meinst du nicht auch?«
Bei dem Gedanken daran, wie das Gesicht des ehemaligen Hauptmanns jetzt aussah, durchlief Krelis ein Zittern. »Ja, Priesterin.«
»Um deine Treue werde ich mir doch wohl keine Sorgen machen müssen, oder?«
»Nein, Priesterin.«
Dorothea trat auf ihn zu und schlang ihm die Arme um den Hals. »Weißt du, Liebling, ich bin sehr großzügig zu einem Mann, der mich zufriedenstellt.« Sie rieb ihre Brüste an seinem Oberkörper und küsste ihn leidenschaftlich. Dann gurrte sie: »Das soll dich an die Belohnung erinnern, die dir winkt, wenn du mir brav dienst. Und das hier« sie klemmte ihm die große weiße Feder in den Gürtel »soll dich an die Strafe erinnern, die dir blüht, solltest du mich enttäuschen.«

Nichts, was man ihm im Laufe der letzten neun Jahre angetan hatte, tat so weh wie die bittere Erkenntnis, dass er selbst schuld daran war. Ein einziges Fehlurteil hatte dazu geführt, dass der achtzehnjährige Junge, der er einst gewesen war, jener junge großspurige Geck, einen Weg voller Schmerzen eingeschlagen hatte. Ein Weg, der bald mit der Brutalität enden würde, die Männer in den Salzminen von Pruul erwartete.
Während er die letzten Tage darauf gewartet hatte, auf den Sklavenmarkt gebracht zu werden, hatte er versucht, jenem Jungen zu vergeben, der damals die Warnungen seiner Freunde und der älteren Krieger in den Wind geschlagen hatte, als jene Hexe den Gasthof betreten hatte. Er hatte versucht, ihm zu vergeben, dass er sich von dem schönen Gesicht und dem üppigen Körper hatte blenden lassen, dass er die Fäulnis nicht gespürt hatte, die unter der Oberfläche existierte, dass er mit solchem Eifer nach dem Moschusgeruch verströmenden Köder gegriffen hatte. Wie hatte er den geflüsterten Worten Glauben schenken können, die ihm eine Ewigkeit voll süßer nächtlicher Eskapaden versprachen? Wie hatte er so sehr Gefangener der heißen Begierde zwischen seinen Beinen sein können, dass er der Frau gestattete, ihm jenen goldenen Ring um den Schwanz zu legen? Bloß weil sie ihm mit geschürzten Lippen von all den unanständigen Dingen erzählt hatte, die sie mit ihm und für ihn tun wollte doch erst, sobald er einen Ring des Gehorsams trug, denn sie brauchte ein klein wenig Kontrolle über seine Leidenschaft.
Einen Tag lang hatte sie mit ihm gespielt, bevor er schließlich herausfand, wie grausam ein Ring des Gehorsams sein konnte, wenn er von einer Frau benutzt wurde, der es Vergnügen bereitete, anderen Schmerzen zuzufügen.
Nach neun Jahren als Lustsklave konnte er sich nicht mehr erinnern, warum er jemals mit einer Frau hatte ins Bett steigen wollen.
Und er machte dem Jungen Vorwürfe. Bittere Vorwürfe. Da nun die Salzminen von Pruul auf ihn warteten, machte er diesem Jungen Vorwürfe. Er konnte ihm nicht verzeihen.
»Was hat ein Krieger mit rotem Juwel in diesem Pferch zu suchen?«, flüsterte einer der Sklaven. »Für gewöhnlich sperren sie seinesgleichen nicht hier unten zu uns.«
Ein anderer Sklave spuckte aus. »Es ist gleichgültig, welche Juwelen er trägt, solange er hier ist.«
»Stimmt schon, aber ich habe ihn schon mal gesehen. Ich dachte, er sei ein Lustsklave.«
»Das ist er auch gewesen«, antwortete ein dritter Mann, »bis er zum Königinnenmörder wurde.«
»Ein Königinnenmörder!«
Königinnenmörder. Königinnenmörder.
Jared blieb in der Ecke des Sklavenpferches, die er in Beschlag genommen hatte. Er achtete nicht auf das Geflüster, das sich um ihn her erhoben hatte, und tat, als fiele ihm gar nicht auf, dass die anderen Männer ihn mieden. Selbst hier, im schlimmsten Pferch, wollten die Männer, denen man aufgrund ihres Ungehorsams nur noch die niedersten Arbeiten zutraute, nichts mit einem Mann zu tun haben, an dessen Händen das Blut einer Königin klebte.
Dafür hatte er Verständnis. Als sich die blinde Wut wieder so weit gelegt hatte, dass er die Leichen der Königin und ihres prinzlichen Bruders wahrnahm, als er begriff, was geschehen war, hatte ihn angesichts seiner eigenen Tat Entsetzen gepackt.
Ihm stockte der Atem, als ihn erneut quälende Gefühle durchzuckten und in Stücke zu reißen drohten.
Ein Teil von ihm war entsetzt gewesen, das stimmte der Teil, der von seinem Vater den Ehrenkodex der Krieger beigebracht bekommen hatte, der dazu erzogen worden war, dem weiblichen Geschlecht zu dienen. Doch ein anderer Teil, ein primitiver Teil, von dessen Existenz er nichts geahnt hatte, hatte ein Triumphgeheul ausgestoßen.
Die Schmerzen ließen wieder nach, während der wilde Fremde in seinem Innern unruhig an den Rändern seines Geistes und seines Herzens entlangstrich.
Er vertraute diesem Fremden nicht, ja er fürchtete dessen Gegenwart sogar. Das war nicht er! Doch er würde sich aus einem ganz bestimmten Grund noch einmal dessen primitiver Wildheit bedienen: Er wollte, musste lange genug nach Hause zurückkehren, um seine Mutter aufzusuchen und die Worte zurückzunehmen, die er nun schon seit Jahren bereute. Danach
Es hatte keinen Sinn anzunehmen, dass es wirklich ein danach gab. Doch das würde reichen. Es musste reichen.
Also musste ihm noch in dieser Nacht die Flucht gelingen. Morgen würde in Raej der Herbstsklavenmarkt beginnen. Die Hexen, die auf die Insel kamen, um zu kaufen und zu verkaufen, würden auf dem Auktionsgelände unter dem Geleitschutz von angeheuerten Wächtern unterwegs sein. Und die Wachen, welche die Pferche beaufsichtigten, würden ausgesprochen nervös sein und allzu schnell auf alles reagieren, was ein Sklave tat.
Deshalb würde er in dieser Nacht nahe genug an den offiziellen Landeplatz außerhalb des Marktgeländes gelangen müssen, um auf einen der Winde aufspringen zu können; jene Netze aus mentalen Bahnen, die es den Angehörigen des Blutes ermöglichten, durch die Dunkelheit zu reisen. Er würde auf einem Wind reisen und so den ganzen Weg bis zum Ranonwald zurücklegen.
Nachdem Jared diesen Entschluss gefasst hatte, beobachtete er, wie die Sonne unterging und der Viertelmond langsam emporstieg. Dabei dachte er an seine Mutter, seinen Vater und seine Brüder, sein Zuhause und an den Jungen, der er einst gewesen war.

Nachdem Krelis die kleine Holzschatulle geschlossen hatte, die Dorothea ihm gegeben hatte, ließ er sie mithilfe der Kunst verschwinden.
Sämtliche Pläne waren geschmiedet. Ihm blieb nichts weiter übrig, als abzuwarten.
Da er sich in seiner Hauptmannskammer zu eingeengt fühlte, verließ er das Gebäude, in dem die Wächter des Ersten Kreises untergebracht waren, und wanderte ziellos über das Übungsgelände.
Der Dunkelheit sei Dank, dass Dorothea am heutigen Abend nicht auf seiner Anwesenheit beim Essen bestanden hatte. Obgleich sich seine Blutlinien bis zu zweien von Haylls Hundert Familien zurückverfolgen ließen, stammte seine Familie väterlicher- wie mütterlicherseits nur von niederen Zweigen ab. Er war in einem kleinen Dorf aufgewachsen und fühlte sich in der dekadenten, schillernden Adelsgesellschaft, die sämtliche soziale Macht in Hayll innehielt, immer noch unwohl. Ein Mann, der bei einem dieser Anlässe Wachdienst hatte, konnte die Verführungen und Spielchen mit ansehen, konnte den zweideutigen Gesprächen lauschen und den Tanz aus Reichtum und Eitelkeit beobachten, ohne daran teilnehmen zu müssen. Doch beim Hauptmann der Wache handelte es sich um einen der drei wichtigsten Männer bei Hofe, und wenn nötig, wurde von ihm erwartet, dass er sich unter das Volk mischte, das sich um seine Lady scharte. Er hatte sich mit den anderen Männern zu unterhalten und musste mit den Frauen tanzen, wobei er ausreichend flirten sollte, um niemanden zu kränken, allerdings nicht so viel, dass daraus der Dienst im Schlafzimmer resultierte.
Er hatte bereits im Schweiße seines Angesichts zwei kleineren Anlässen beigewohnt. An diesem Abend blieb es ihm jedoch glücklicherweise erspart, auf Messers Schneide zu tanzen.
Krelis ließ das Übungsgelände hinter sich und folgte einem Saumpfad, bis er einen kleinen Teich erreichte, in dem sich das Mondlicht spiegelte. Er setzte sich auf eine steinerne Bank in der Nähe des Teiches und beobachtete das stille Wasser.
Entweder hatte Arroganz den früheren Hauptmann der Wache zu törichtem Verhalten verleitet, oder er war tatsächlich zum Verräter geworden. Nur so konnte Krelis sich den fehlgeschlagenen Angriff auf die Graue Lady erklären, als sie vom Frühlingsmarkt auf Raej nach Dena Nehele zurückgekehrt war.
Es war nicht verwunderlich, dass der Hauptmann den Angriff nicht persönlich angeführt hatte. Zusammen mit dem Haushofmeister und dem Gefährten verließ der Hauptmann den Hof nur selten, es sei denn, er begleitete seine Lady. Seine Pflichten lagen nicht länger auf dem Schlachtfeld. Doch eine seiner Aufgaben bestand darin, die richtigen Männer für einen Auftrag auszuwählen.
Der alte Hauptmann hatte eine Handvoll Wächter aus dem Fünften Kreis mit hellen Juwelen sowie eine kleine Räuberbande losgeschickt, um einer Königin mit grauem Juwel an der Kutschstation aufzulauern und deren Geleitschutz umzubringen. Vor der Ankunft des Miststücks hatte es keine Gelegenheit gegeben, ihre Krieger zu überwältigen. Es hatte keinerlei Verstärkung für den Fall gegeben, dass sie versuchte, auf den Winden zu entkommen. Es hatte überhaupt keine Rückversicherung gegeben.
Nur einer jener hayllischen Wächter mit den hellen Juwelen war zurückgekehrt und hatte vom Misslingen des Plans Bericht erstatten können.
Mehr hatte Dorothea nicht gebraucht.
Tja, Krelis hatte nicht den gleichen Fehler begangen. Er hatte Räuberbanden, die seinen Befehlen folgten, an den Kutschstationen postiert, welche die Graue Lady bei ihrer Rückkehr vom Sklavenmarkt am wahrscheinlichsten benutzen würde. Sie würden jeglichen Geleitschutz, der dort auf sie wartete, aus dem Weg räumen und einen Boten an seinen Stellvertreter Lord Maryk schicken. Maryk würde zusammen mit sorgfältig ausgesuchten, erfahrenen Wächtern aus dem Ersten und Zweiten Kreis kurz vor der Grauen Lady an der Station eintreffen, um das Attentat zu Ende zu bringen. Sollte dieser Hinterhalt nicht zum gewünschten Erfolg führen, und Maryk und die Männer umgebracht werden, hielt er immer noch einen Trumpf in der Hinterhand, um das Miststück ausfindig zu machen und den Diebesbanden eine Spur zu weisen, der sie folgen konnten. Die Jagd würde weitergehen, bis die Graue Lady tot war.
Krelis betastete das Abzeichen des Hauptmanns, das sich an seiner linken Schulter befand.
Mithilfe der Zauber, die Dorothea gewoben hatte, würde seine Strategie aufgehen, und er würde ihre gefährlichste Rivalin zu Fall bringen. Das würde den adeligen Bastarden im Ersten und Zweiten Kreis beweisen, dass er kein Emporkömmling aus dem Dritten Kreis war, der eine begehrte Stelle bei Hofe durch Einsatz seines Schwanzes ergattert hatte.
Natürlich kannte er keinen einzigen Mann, der nicht Sex einsetzen würde, um seine eigenen Ziele zu erreichen.
Doch es war nicht immer so gewesen.
Er konnte sich noch gut an jene Nacht vor so vielen, vielen Jahren erinnern. Damals hatte er aufbleiben dürfen, als ein paar Freunde seines Vaters zu Besuch gekommen waren, um sich wie jede Woche die Zeit mit Schachpartien und Männergesprächen zu vertreiben. Es war spät geworden, und er hatte auf dem Sofa geschlummert. Sein Vater, der sich rege für Haylls Geschichte, insbesondere für die der Angehörigen des Blutes, interessierte, hatte leise seine Besorgnis über Veränderungen geäußert, die sich in den letzten paar Jahrhunderten in ihrer Gesellschaft vollzogen hatten. Olvan hatte keinerlei Anschuldigungen erhoben, hatte keine Namen genannt, sondern lediglich auf Unterschiede in der Art hingewiesen, wie Männer behandelt wurden, die nicht an einem Hof dienten.
Am nächsten Tag, als Vater und Sohn eine Landstraße in der Nähe ihres Dorfes entlangwanderten, kamen ihnen die Königin der Provinz und zwölf ihrer Wächter entgegen geritten. Die Königin hatte Olvan ein paar ungehaltene Fragen gestellt und war über seine respektvollen Antworten immer mehr in Rage geraten.
Ein paar Minuten später baumelte Olvan an einem Ast. Die verzauberten Seile an seinen Handgelenken hinderten ihn daran, die Knoten mithilfe der Kunst zu lösen oder die Stricke zu zerreißen. Selbst wenn es ihm gelungen wäre, sich zu befreien, wären seine Juwelen nicht dunkel genug gewesen, um es allein mit der Königin und ihren Wachen aufzunehmen.
Sie ließen ihn dort hängen, während er die Königin anflehte, ihm zu verraten, auf welche Weise er ihr Missfallen erregt habe. Als das Flehen schließlich verstummte, zückten sechs der Wachen ihre Peitschen und entrollten sie.
Die Kraft der Hiebe ließ Olvan immer wieder hin- und herschwingen.
Auf den Gesichtern der Wachen hatte sich keinerlei Mitleid abgezeichnet, und die starken Arme, welche die Peitschen schwangen, hatten nicht die geringste Gnade gekannt. In den Blicken der Männer hatte höchstens ein Hauch Angst gelegen, als würde es sie auf irgendeine Weise beschmutzen und in den Augen ihrer Königin weniger begehrenswert machen, wenn sie mit einem Mann in Berührung kamen, der nicht zu gehorchen verstand.
Während der ganzen Prozedur hatte ein anderer Wächter Krelis festgehalten und dafür gesorgt, dass der Junge die Bestrafung mit ansah.
Als sie davonritten, ließen sie seinen Vater halbtot an dem Baum hängen.
Krelis konnte sich noch daran erinnern, wie er verzweifelt zum nächsten Haus gelaufen war, um Hilfe zu holen.

Produktinformationen

Titel: Die schwarzen Juwelen (Band 5): Finsternis
Untertitel: Die Schwarzen Juwelen 5 - Roman
Autor: Anne Bishop
Editor: Natalja Schmidt
Übersetzer: Ute Brammertz
EAN: 9783453522503
ISBN: 978-3-453-52250-3
Format: Taschenbuch
Herausgeber: Heyne Taschenb.
Genre: Science Fiction & Fantasy
Anzahl Seiten: 528
Gewicht: 419g
Größe: H186mm x B119mm x T37mm
Jahr: 2007
Land: DE

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