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Politische Sicherheit
Angela Marciniak

Mit dem Ziel, unser heutiges Verständnis von politischer Sicherheit jenseits tagespolitischer Gefahrendebatten zu schärfen, rekons... Weiterlesen
Kartonierter Einband (Kt), 369 Seiten  Weitere Informationen
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Beschreibung

Mit dem Ziel, unser heutiges Verständnis von politischer Sicherheit jenseits tagespolitischer Gefahrendebatten zu schärfen, rekonstruiert Angela Marciniak an den Werken von Thomas Hobbes, Jeremy Bentham und Hans Joachim Morgenthau eine Ideengeschichte des Phänomens. Zugleich wird Sicherheit als politisches Konzept für die gegenwärtige normative politische Theorie fruchtbar gemacht.

Autorentext

Angela Marciniak ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Marburg und wissenschaftliche Koordinatorin des Sonderforschungsbereichs »Dynamiken der Sicherheit« der Universitäten Marburg und Gießen.



Leseprobe
Einleitung Sicherheit als politisches Konzept steht im Zentrum dieses Buches. Drei bedeutende Konzeptionen desselben - die Sicherheitskonzeptionen von Thomas Hobbes (1588-1679), Jeremy Bentham (1748-1832) und Hans Joachim Morgenthau (1904-1980) - werden im Rahmen der vorliegenden Untersuchung analysiert, dargestellt und diskutiert. Anlass und Ausgangspunkt dieser Konzeptgeschichte der Sicherheit war: eine Unsicherheit meinerseits. Diese Unsicherheit kam zögerlich auf. Sie bildete sich in den Jahren nach dem 11. September 2001 ganz allmählich heraus, in Zeiten also, da die Gefahren der so genannten Weltrisikogesellschaft verstärkt als Bedrohung empfunden und die Rufe nach Sicherheit beständig lauter wurden. Die "Erosion von Sicherheit" würde die politischen Diskurse unserer Tage bestimmen, heißt es seitdem, und es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Sicherheit heutzutage ein wirkmächtiger Topos ist, der nahezu jegliches politische Handeln legitimieren kann - ein fragwürdiger Erfolg, der sich mittlerweile auch in der wissenschaftlichen Literatur widerspiegelt. Die Veröffentlichungen zum Thema sind bereits Legion, man denke nur an die fast schon zerfasernde Debatte um "Sicherheit versus Freiheit" als Reaktion auf diverse Gesetze im so genannten Kampf gegen Terrorismus, welche Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit seit 9/11 gleichermaßen beschäftigt, bewegt und nicht selten spaltet. Um das "Spannungsverhältnis zwischen Freiheit und Sicherheit" geht es da, um den "Widerspruch zwischen Freiheit und Sicherheit" oder um die notwendige Balance zwischen beiden Konzepten, die seit den Anschlägen auf das World Trade Center ins Wanken gekommen sei und neu justiert werden müsse. Sicherheit kann heute vieles sein und vieles umfassen. Sicherheit wird beschrieben als "abstrakter Programmbegriff" oder "soziokultureller Orientierungshorizont", als "sozio-kulturelles Wertsymbol" oder auch - ebenso schlicht wie üppig - als "catch-all-Begriff der modernen Welt". Der Forschung zufolge war das nicht immer der Fall. Zwar herrscht Übereinstimmung, dass Sicherheit - von Beginn der neuzeitlichen Staatenbildung an bis heute - Ziel von Regierungshandeln und Objekt gesellschaftlicher Politikerwartung gewesen sei und damit stets von ungemeiner Bedeutung für die Gestalt(ung) politisch-sozialer Ordnungen. Die "Thematisierung des Sicherheitsproblems" aber sei neueren Datums, schreibt Kaufmann, und eine "Konjunktur des Sicherheitsbegriffs" erst seit Mitte des 20. Jahrhunderts zu beobachten: Die zunehmende Unsicherheit sei "die Mangellage, die sich in der [zunehmenden] Wertschätzung des Begriffs Sicherheit" ausdrücken würde. Es waren diese zahlreichen, oftmals sehr sicher gehandhabten Aussagen und Diskussionsstränge zu Sicherheit, die besagte Unsicherheit bei mir aufkeimen ließen; sie erwuchs aus drei zentralen Punkten heraus: Erstens stellte sich die Frage, ob Sicherheit und Freiheit für eine Gesellschaft denn tatsächlich in erster Linie als konträre Konzepte zu denken sind, als etwas, das immer wieder in die Waage gebracht werden muss. Es erschien mir nicht überzeugend, dass ein Mehr an Sicherheit so oft für ein Weniger an Freiheit verantwortlich gemacht werden soll - oder umgekehrt. Zweitens scheint weitgehend Übereinstimmung zu herrschen, dass das Verlangen, in irgendeiner Weise "sicher" zu sein, in zahlreichen Situationen ein wichtiges Bedürfnis von Individuen darstellt und somit wesentlich mehr ist als eine bloße "Randbedingung" guten, menschenwürdigen Lebens. Warum also sollte das heutige "Streben nach Sicherheit" in seiner Intensität ein eher neues Phänomen sein, warum sollte sich Sicherheit erst ab der Mitte des 20. Jahrhunderts zu einem "gesellschaftliche[n] Wert" von eminenter Bedeutung herausgebildet haben, der "notwendigerweise einen symbolhaften und normativen Inhalt hat" und als Sehnsuchtsbegriff gezeichnet, wenn nicht gar überhöht wird? Um sich diesen beiden Fragen überhaupt angemessen w

Inhalt

Inhalt Dank9 Einleitung 11 1. Sicherheit konzipieren, Sicherheit analysieren - Theoretische und methodische Überlegungen18 1.1 Einführung18 1.2 Abgrenzungen: Zur Konzeptualisierung einer Idee und zum Verständnis von (politischer) Sicherheit22 1.3 Reflexionen: Aspekte eines pluralistischen Ansatzes zur Erforschung des Konzepts Sicherheit43 1.3.1 Begriffsgeschichte: "Alles Verstehen ohne zeitlichen Index bleibt stumm."46 1.3.2 Cambridge School: "bringing buried intellectual treasure back to the surface."60 1.3.3 Michel Foucault: "Der Diskurs ist Unruhe und Ordnungsmuster zugleich."71 1.4 Schluss80 2. Sicherheit vor Freiheit - Das Konzept Sicherheit im Werk von Thomas Hobbes83 2.1 Einführung83 2.2 Die ungeheure Anziehungskraft eines Ungeheuers89 2.2.1 "[...] the end, namely security": Die Politische Theorie Thomas Hobbes' als Sicherheitskonzeption89 2.2.2 Bellum omnium contra omnes: Anmerkungen zu Hobbes' Wirken und Wirkungsgeschichte103 2.3 Schutz im Schatten des Friedensfürsten - Zur Sicherheitskonzeption des Thomas Hobbes117 2.3.1 Den Mitmenschen fürchten (Sicherheit durch Furcht I)117 2.3.2 Den Souverän fürchten (Sicherheit durch Furcht II)140 2.4 Schluss158 3. Sicherheit für Freiheit - Die Sicherheitskonzeption des Jeremy Bentham162 3.1 Einführung162 3.2 Gute Gesetze für das größte Glück: Eine erste Annäherung an Bentham169 3.2.1 Gesetzgeber der Welt: Benthams Leben und Wirken169 3.2.2 Größtes Glück der größten Zahl: Benthams Utilitarismus174 3.2.3 Grundsätzlich liberal? Kontroverse Ansätze der Bentham-Interpretation183 3.3 Sanktion, Schutz und Sorge, aber vor allem System: Zur Sicherheitskonzeption des Jeremy Bentham196 3.3.1 Die Anderen in Schach halten: security against offences200 3.3.2 Die Zukunft in Sicherheit wiegen: security against disappointment218 3.3.3 Die Herrscher im Blick haben: security against misrule238 3.4 Schluss255 4. Unsicherheit in Freiheit - Hans Joachim Morgenthaus Sicherheitsverständnis260 4.1 Einführung260 4.2 Zwischen den (Welt-)Mächten266 4.2.1 Die Theorie des struggle for power: Morgenthaus politischer Realismus und dessen Rezeption266 4.2.2 Die Erfahrung des struggle for power: Einflüsse auf Morgenthaus Wirken274 4.3 Die Welt in der Waage halten - Hans Joachim Morgenthau zu (Un)Sicherheit282 4.3.1 Unsicherheit aushalten (international security)292 4.3.2 Unsicherheit wagen (individual security)308 4.3.3 Sicherheit diskutieren (domestic security)323 4.4 Schluss343 Schluss347 Literatur352

Produktinformationen

Titel: Politische Sicherheit
Untertitel: Zur Geschichte eines umstrittenen Konzepts
Autor: Angela Marciniak
EAN: 9783593503134
ISBN: 978-3-593-50313-4
Format: Kartonierter Einband (Kt)
Herausgeber: Campus Verlag GmbH
Genre: Medien & Kommunikation
Anzahl Seiten: 369
Gewicht: 461g
Größe: H213mm x B139mm x T27mm
Veröffentlichung: 03.02.2015
Jahr: 2015

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