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Das Ende des Fortschritts

  • Kartonierter Einband
  • 349 Seiten
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Beschreibung

Vor mehr als 25 Jahren kritisierte Edward Said die kritische Theorie der Frankfurter Schule dafür, zwar eine aufschlussreiche Analyse der Machtbeziehungen in modernen Gesellschaften vorzulegen, dabei aber über Rassismus oder anti-imperialistischen Widerstand zu schweigen. Was hat sich seitdem verändert? In "Das Ende des Fortschritts" untersucht Amy Allen das Verhältnis großer zeitgenössischer Denker der Kritischen Theorie, Jürgen Habermas, Axel Honneth und Rainer Forst, zu theoretischen Ansätzen der Dekolonisierung aus der zweiten Hälfte des 20. Jhds. Mit einem frischen Blick fragt sich Allen, selbst Vertreterin der Kritischen Theorie, inwiefern die Vorstellung eines kontinuierlichen Fortschritts unweigerlich eurozentrische oder imperialistische Züge trägt. Dass die Kritische Theorie die besten Werkzeuge bereithält, um emanzipatorische Ziele zu erreichen, stellt sie dabei nicht in Frage. Unter Rückgriff auf die Arbeiten Theodor W. Adornos und Michel Foucaults nimmt sie eine "Dekolonisierung" der Kritischen Theorie vor und entwickelt einen radikal selbstkritischen Fortschrittsbegriff. Erstmals führt sie so Postkoloniale und Kritische Theorie zusammen und gibt dem Fortschritt eine Zukunft. Mit einem neuen Vorwort von Amy Allen und einem Nachwort von Martin Saar.

Autorentext
Amy Allen ist Professorin für Philosophie, Frauen- Gender- und Sexualwissenschaften an der Pennsylvania State University und eine der bedeutendsten feministischen Theoretikerinnen der Vereinigten Staaten. Zuletzt erschienen von ihr »The Power of Feminist Theory: Domination, Resistance, Solidarity« (1999) und »The Politics of Our Selves: Power, Autonomy, and Gender in Contemporary Critical Theory« (2008).

Leseprobe
Vorwort zur deutschen Ausgabe von 2019 Während das Schreiben eines Buchs aufgrund der großen, kontinuierlichen, täglichen Anstrengungen, die der Versuch bedeutet, ein wenig Ordnung und Zusammenhang in ein großes Sammelsurium von Gedanken, Schriften, Quellen, Argumenten und Begriffen zu bringen, eine Übung in Sachen Disziplin ist, ist die Veröffentlichung eines Buchs eine Übung im Loslassen. Ist das Buch einmal in die Welt getreten, dann schlägt es seinen eigenen Weg ein, und die Verfasserin hat nur einen geringen Einfluss auf die Richtung, die es nimmt, und vor allem was besonders frustrierend ist darauf, wie es gelesen wird. Und dennoch: Nicht anders als manche Eltern, die sich nicht zurückhalten können, ihren erwachsenen Kindern ungebetene Ratschläge zu erteilen, können auch Autorinnen und Autoren nicht widerstehen, ihre Leserinnen und Leser darüber zu instruieren, wie ihre Werke zu lesen sind. Und so möchte ich, obwohl ich anerkenne, dass ich nicht bestimmen kann, wie mein Buch letztlich interpretiert werden wird, dennoch die Gelegenheit nutzen, anlässlich der deutschen Übersetzung einige Überlegungen über die bisherige Rezeption anzustellen. Als Erstes möchte ich einige Worte darüber sagen, was dieses Buch nicht zu tun versucht. Einige Leserinnen und Leser haben aufgrund meiner Verwendung des Begriffs »Dekolonisierung« im Untertitel angenommen, dass das Ziel meines Projekts entweder eine vollumfängliche Dekolonisierung der kritischen Theorie oder die Neugründung einer dekolonialen kritischen Theorie ist. Unter dieser Voraussetzung muss freilich Irritation darüber entstehen, dass sich das Buch nicht ausreichend mit dekolonialen Autoren und Texten auseinandersetzt und zu sehr auf dem Terrain der europäischen kritischen Theorie verbleibt, um diese Ziele zu erreichen. Ich gebe zu, dass sich das Buch zwar einem breiteren Spektrum nichteuropäischer Autorinnen und Autoren hätte widmen können, halte es aber für wichtig, darauf hinzuweisen, dass mein Ziel doch sehr viel bescheidener ist, als es diese Deutung annimmt. Wie der Untertitel schließlich auch besagt, richtet sich die »Dekolonisierungsabsicht« des Buchs auf einen wesentlich spezifischeren, aber dennoch wichtigen Adressaten, nämlich auf das Bemühen der kritischen Theorie darum, ihre normativen Grundlagen entweder in teleologischen Theorien historischen Fortschritts oder in fundamentalistischen Vernunftkonzeptionen wurzeln zu lassen. Was soll hier überhaupt unter »Dekolonisierung« verstanden werden? Dekolonisierung heißt, die Verwicklungen dieser Strategien zur Begründung von Normativität mit ideologisch eurozentrischen Auffassungen von Vernunft und Fortschritt einer kritischen Prüfung zu unterziehen. Es heißt, anders ausgedrückt, bestimmte Elemente post- und dekolonialer Kritik (womit die wichtigen Unterschiede zwischen diesen beiden Arten von Kritik nicht übergangen werden sollen, sondern nur gesagt sein soll, dass sie in ihrer Kritik an eurozentrischen Vorstellungen von Vernunft und Fortschritt übereinstimmen) auf die zentralen Strategien zur Normativitätsbegründung in der kritischen Theorie der Gegenwart anzuwenden. Und es heißt, aus dem Inneren der Tradition der kritischen Theorie heraus eine alternative Weise des Nachdenkens über Normativität zu entwickeln, die dieser post- und dekolonialen Art von Kritik gegenüber nicht anfällig ist. Es mag nicht allzu sehr überraschen, dass angesichts der Absicht des vorliegenden Buchs, einen Austausch zwischen der kritischen Theorie der Frankfurter Schule und der post-/dekolonialen Theorie dadurch anzustoßen, dass es eben genau das aus dem Weg räumt, was ich für eines der Haupthindernisse eines solchen Austauschs halte, die kritischen Reaktionen bisher eher geteilt waren. Einige der der gegenwärtigen Frankfurter Schule wohlgesonnene Kritikerinnen und Kritiker hielten meine Ausführungen zu Jürgen Habermas, Axel Honneth und Rainer Forst für so harsch und so wenig wohlwollend, dass sie sie als an eine Strohmann- oder sogar Ad-hominem-Argumentation grenzend verstehen wollten. Es bleibt den Leserinnen und Lesern selbst überlassen, ob meine kritische Diskussion dieser Denker auf einer Rekonstruktion ihrer Ansichten beruht, die tiefgehend, sorgfältig und wohlwollend genug ist, um überzeugend zu sein. Und statt ad hominem zu argumentieren, zielt meine kritische Untersuchung vielmehr auf die (mitunter implizite) Logik der Positionen ab, die sie vertreten. Es sollte zwar selbstverständlich sein, doch ich nutze die Gelegenheit trotzdem, um festzustellen, dass meine Kritik an diesen Autoren in einer enormen Achtung ihnen und ihrem Werk gegenüber gründet. Dem gegenüber waren andere Kritikerinnen und Kritiker, die sich dem Text vom Standpunkt der dekolonialen Theorie aus genähert haben, darüber enttäuscht, dass das Buch nicht noch weiter geht, entweder in seiner Kritik an der kritischen Theorie der Frankfurter Schule oder in seiner Beschäftigung mit der Literatur der post- und der dekolonialen Theorie. Obwohl ich darauf verweisen möchte, dass jedes der zentralen kritischen Kapitel des Buchs sich auf das Werk der bedeutendsten feministischen und queer-postkolonialen Theoretikerinnen und Theoretiker Saba Mahmood, Jasbir Puar und Gayatri Chakravorty Spivak bezieht, scheint es mir dennoch unumgänglich, dass, um den kritischen Punkt zum Ausdruck zu bringen, es kein Kapitel gibt, das sich ausschließlich dem Werk einer einzigen post- oder dekolonialen Theoretikerin widmet. Ebenfalls zutreffend ist, dass ich mich zur »Lösung« des Problems des Fortschritts in der kritischen Theorie nicht Fanon, Dussel, Mbembe, Anzaldúa oder Lugones, sondern Adorno und Foucault zuwende. Was liegt dieser Entscheidung zugrunde? Warum sich nicht stärker mit dem Werk postkolonialer oder dekolonialer Theoretikerinnen und Theoretiker beschäftigen? Warum so tun, als könne die Lösung des Problems des Eurozentrismus der kritischen Theorie im Werk europäischer Denker zu finden sein? Ist das nicht einfach nur eine Rekapitulation genau jenes Problems, das ich zu diagnostizieren behaupte? Vielleicht ist, wie einige Kritiker vorgeschlagen haben, dieses Buch am besten als eine immanente Kritik an der Tradition der kritischen Theorie der Frankfurter Schule zu lesen, die zeigt, welche Aspekte dieser Tradition aus post- oder dekolonialer Sicht problematisch sein können und welche Ressourcen sie bereithalten mag, die einen Beitrag zu einem grundsätzlicher angelegten Projekt einer Dekolonisierung der kritischen Theorie leisten könnten. Wie bereits gesagt, würde ich gewiss nicht so tun, als hätte ich das Projekt in diesem Buch vollständig realisiert, noch würde ich behaupten, dass dies durch die Beschäftigung mit dem Werk europäischer Denker allein gelingen könnte. Wie andere Stränge der europäischen Philosophie bedarf auch die kritische Theorie dringend einer Ausweitung der Texte, Autorinnen und Traditionen, mit denen sie sich über ihren europäischen Horizont hinaus befasst, und wird von einer solchen Ausweitung sehr profitieren. Ich hoffe in diesem Sinne, dass mein Buch einen bescheidenen Beitrag zu diesem Ziel leistet, da es Raum für einen solchen Dialog über Traditionen und Formen der kritischen Theoriebildung hinweg eröffnet, indem es einen Strang der kritischen Theorie der Frankfurter Schule identifiziert, der selbst an einer Kritik des Eurozentrismus mitzuwirken in der Lage ist. Doch obwohl ich fest davon überzeugt bin, dass sich die kritische Theorie der Frankfurter Schule mit anderen, auch außereuropäischen kritischen Traditionen auseinandersetzen muss was ein ethisches wie auch ein politisches Gebot ist, sowohl deshalb, weil es richtig ist, als auch, weil es für das Überleben und die fortwährende Bedeutsamkeit unseres Felds entscheidend ist , müssen wir gleichzeitig auch darauf Acht geben, philosophische Positionen oder Texte nicht auf ihren geografischen Ort zu reduzieren. Schließlich gibt es sowohl zutiefst eurozentrische philosophische Werke, die an der Peripherie entstehen, als auch von Euro-Amerikanern verfasste Werke, die den Imperialismus und den Eurozentrismus prägnant und produktiv kritisieren. Trotzdem könnte sich die post- oder dekoloniale Kritikerin die Frage stellen, warum man sich überhaupt mit dieser immanenten Kritik an der Frankfurter Schule beschäftigen sollte. Warum also all diese Anstrengungen unternehmen, um zu zeigen, dass es eine Interpretation der Tradition gibt, die eine Brücke zur post- oder dekolonialen Kritik schlagen kann? Warum nicht einfach post- und dekoloniale Kritik lesen und sich mit diesen Autorinnen und Autoren befassen? Warum versuchen, die Hauptvertreter der Frankfurter Schule und ihre Anhänger davon zu überzeugen, dass wir hier mit einem Problem konfrontiert sind? Eine Teilantwort auf die Frage nach dem »Warum« lautet, dass ich der Meinung bin, dass die kritische Theorie der Frankfurter Schule für ihre eigenen blinden Flecken verantwortlich gemacht werden kann und sollte, besonders, weil sie sich bisher nicht klargemacht hat, wie ihre bevorzugten Strategien zur Normativitätsbegründung (vermutlich immer) in neokoloniale und imperialistische Auffassungen und Logiken verstrickt sind. Meiner Meinung nach ist dies jedoch notwendig, wenn die kritische Theorie wahrhaft kritisch sein, das heißt über ihre eigene Einbettung in sozial, kulturell und historisch spezifische Situationen und Macht- und Beherrschungsverhältnisse nachdenken soll. Zudem wird diese Forderung nicht nur von außen an die kritische Theorie herangetragen. Es geht, mit anderen Worten, nicht nur darum, dass sie diese Arbeit leistet, damit sie mit anderen kritischen Theorien, die stark von den Postcolonial Studies beeinflusst worden sind (wie den Cultural und den Gender Studies), in einen Austausch treten kann, in dem ihre Verteidigung von Ideen des Fortschritts und einer Kontexttranszendenz der Normativität die Frankfurter Schule dann altmodisch oder realitätsfremd wirken lässt. So wichtig dieses Engagement auch sein mag, es ist auch so, dass diese Art der kritischen Reflexion aus ihr selbst hervorgeht, in dem Sinne, dass sie von der spezifischen Methodologie der kritischen Theorie der Frankfurter Schule selbst verlangt wird. Was die kritische Theorie methodisch sowohl von der idealen Theorie und der normativen politischen Philosophie einerseits und den empirischen Sozialwissenschaften andererseits unterscheidet, ist ihr Versuch, das ambivalente Verhältnis von Vernunft und Macht zu durchdenken, ohne diese Spannung in die eine oder andere Richtung aufzulösen. In der frühen Frankfurter Schule begegnet man einer komplexen und anspruchsvollen Reflexion über das, was Foucault gerne als die Spirale von Rationalität und Macht bezeichnet hat. Über diese Spirale nachzudenken erfordert es, zwei scheinbar widersprüchliche Gedanken gleichzeitig im Sinn zu behalten: zum einen den, dass die Rationalität ein Werkzeug ist, das wir als Gesellschaftskritikerinnen und -kritiker nutzen, um uns an der Arbeit der Kritik zu beteiligen, und zum anderen den, dass die von uns in Anschlag gebrachte Rationalität und die von ihr ermöglichte Subjektposition des Kritikers beide durch Machtverhältnisse konstituiert werden. Für Foucault wie für die frühe Frankfurter Schule gibt es keinen Ausweg aus dieser Spirale und zwar nicht nur keinen einfachen, sondern gar keinen Ausweg , und das bedeutet, dass die Arbeit der Kritik darin besteht, sie weiterhin neu zu durchdenken. Ein wichtiger Teil dieser Arbeit ist das Durchdenken und Problematisieren der eigenen Position als kritischer Theoretiker, der selbst in diversen Machtverhältnissen verortet ist. Diese Arbeit heute, zu diesem geschichtlichen Zeitpunkt und in der Entwicklung der kritischen Theorie als intellektuellem Projekt zu verrichten erfordert eine Klärung des Verhältnisses der kritischen Theorie zum »Postkolonialen«. Und dennoch möchte ich betonen, dass ich dieses Buch dezidiert als einen Beitrag zum Projekt der Frankfurter Schule verstehe, vielleicht sogar als einen Aufruf zu seiner Erneuerung. Auch wenn ich mit Blick auf die Strategien zur Normativitätsbegründung im Werk einiger der Hauptakteure der Tradition sehr andere Auffassungen zum Ausdruck bringe, so sollte dies doch keineswegs so verstanden werden, dass ich ihr Werk als Ganzes ablehne. Angesichts meines Verständnisses der Beziehung zwischen den metanormativen und den substanziellen normativen Analyseebenen erster Ordnung lässt das kritische Argument dieses Buchs einen Großteil des wesentlichen Gehalts der starken und produktiven Theorien der Diskursethik, der Anerkennung und der sozialen Freiheit, wie Habermas, Honneth und Forst sie konzipiert haben, unangetastet. Es gibt viel Wertvolles in diesen Theorien, und wenn sie zusätzlich noch in einer Weise artikuliert werden könnten, die sich nicht auf teleologische oder fundamentalistische Vorstellungen von Normativität stützen würde, könnten sie für die Forscherinnen und Forscher in den Postcolonial Studies attraktiver werden. Eine konsequenter kontextualistische, antiteleologische und antifundamentalistische Ausarbeitung dieser Theorien könnte für die (zugegebenermaßen sehr unterentwickelte) Idee einer Kritikalisierung der postkolonialen Theorie, die ich auf den letzten Seiten kurz diskutiere, einen weiteren Weg eröffnen. Da sich dieses Buch so ausführlich mit einer wichtigen deutschen philosophischen Tradition beschäftigt, freue ich mich und bin zugleich ein wenig beängstigt , dass es nun seine ersten Schritte im deutschsprachigen Raum unternimmt. Und obwohl ich weiß, dass ich seine deutsche Rezeption ebenso wenig kontrollieren kann wie die englischsprachige, so hoffe ich doch, dass die Leser und Leserinnen im Hinterkopf behalten, dass die hierin entwickelten Argumente, so kritisch sie auch sein mögen, einem tiefen Respekt und einer ebensolchen Bewunderung für die Tradition der Frankfurter Schule und dem Glauben an ihre anhaltende Bedeutung entspringen. Amy Allen, Juni 2019, State College, Pennsylvania, USA Vorwort und Dank Dieses Buch möchte einen Beitrag zu dem fortlaufenden Projekt einer kritischen Theorie leisten. Das Ziel dieses Buch auf diese Weise zu definieren wirft allerdings sofort ein Problem auf, da der Begriff »kritische Theorie« umstritten und instabil ist und sich auf eine große Vielzahl theoretischer Vorhaben und Programme beziehen kann. In seiner spezifischsten Verwendungsweise bezeichnet der Ausdruck »kritische Theorie« jene deutsche Tradition interdisziplinärer Gesellschaftstheorie, die in den 1930er Jahren in Frankfurt am Main begründet wurde und bis heute von Denkern wie Jürgen Habermas, Axel Honneth und Rainer Forst in Deutschland und von Theoretikerinnen wie Thomas McCarthy, Nancy Fraser und Seyla Benhabib in den Vereinigten Staaten fortgeführt wird. In einem etwas weiteren Sinne referiert der Ausdruck auf politisch informierte Spielarten von Kultur-, Gesellschafts- und Politiktheorien aller Art, die kritische, progressive oder emanzipatorische Ziele verfolgen. So verstanden, umfasst »kritische Theorie« einen Großteil, wenn nicht sämtliche derjenigen Arbeiten, die unter dem Banner der feministischen Theorie, der Queer-Theorie, der Critical Race Theory und der postkolonialen und dekolonialen Theorie geleistet werden. Ein anderer, aber ähnlich weitgefasster Gebrauch des Begriffs bezieht sich auf jenen Theoriebestand, der in den Literaturwissenschaften und in den Cultural Studies mobilisiert wird und der ansonsten lediglich unter der Bezeichnung »Theorie« firmiert. Hier meint kritische Theorie hauptsächlich einen französischen Theoriefundus, der sich vom Poststrukturalismus bis zur Psychoanalyse erstreckt und Denker wie Michel Foucault, Jacques Derrida, Gilles Deleuze und Jacques Lacan umfasst. Selbstredend gibt es viele Überlappungen und gegenseitige Befruchtungen besonders zwischen den beiden letztgenannten Bedeutungen des Begriffs, und meine Absicht ist es an dieser Stelle auch nicht, sie eindeutig voneinander abzugrenzen.

Inhalt

Vorwort zur deutschen Ausgabe von 2019 11 Vorwort und Dank 17 Siglenverzeichnis 27 Kapitel 1: Kritische Theorie und die Idee des Fortschritts 31 Fortschritt und die Normativität der kritischen Theorie 37 Die Kolonialität der Macht. Die politisch-epistemologische Kritik am Fortschritt als »Tatsache« 48 Die Problematisierung des Fortschritts 59 Überblick über das Buch 69 Kapitel 2: Von der sozialen Evolution zu den multiplen Modernen. Geschichte und Normativität bei Habermas 73 Der letzte Marxist? Soziale Evolution und die Rekonstruktion des Historischen Materialismus 76 Moderne und Normativität in der Theorie des kommunikativen Handelns 87 Von Hegel zu Kant und wieder zurück. Habermas' Diskursethik 100 Eurozentrismus, multiple Modernen und historischer Fortschritt 106 Kapitel 3: Die Unhintergehbarkeit des Fortschritts? Honneths hegelianischer Kontextualismus 121 Fortschritt und kritische Theorie 125 Soziale Freiheit als Fortschritt 132 Die Unhintergehbarkeit des Fortschritts? 139 Historischer Fortschritt und Normativität 153 Kapitel 4: Vom hegelianischen Rekonstruktivismus zum kantischen Konstruktivismus. Forsts Theorie der Rechtfertigung 169 Fortschritt in Richtung der Gerechtigkeit 172 Konstruktivismus versus Rekonstruktivismus, Universalismus versus Kontextualismus. Das grundlegende Recht auf Rechtfertigung 176 Praktische Vernunft, Autoritarismus und Unterordnung 185 Das Wichtigste zuerst. Macht und die Methodologie der kritischen Theorie 196 Kapitel 5: Von der Dialektik der Aufklärung zur Geschichte des Wahns. Foucault als Adornos anderer »anderer Sohn« 217 Die Dialektik des Fortschritts. Adorno und die Geschichtsphilosophie 221 Hegel entdialektisieren. Foucault und das historische historische Apriori 232 Kritik als historische Problematisierung. Adorno und Foucault 243 Adorno, Foucault und das »Postkoloniale« 257 Kapitel 6: Schluss: »Wahrheit«, Vernunft und Geschichte 265 Verlernen, epistemische Bescheidenheit und metanormativer Kontextualismus 270 Die Unreinheit der praktischen Vernunft (Reprise) 282 Fortschritt, in der Geschichte 290 Coda. Eine Kritikalisierung der postkolonialen Theorie 295 Nachwort von Martin Saar 297 Anmerkungen 307 Literatur 337

Produktinformationen

Titel: Das Ende des Fortschritts
Untertitel: Zur Dekolonisierung der normativen Grundlagen der Kritischen Theorie
Autor:
Übersetzer:
Nachwort von:
EAN: 9783593510859
ISBN: 978-3-593-51085-9
Format: Kartonierter Einband
Herausgeber: Campus
Genre: 20. & 21. Jahrhundert
Anzahl Seiten: 349
Gewicht: 442g
Größe: H213mm x B140mm x T22mm
Jahr: 2019
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