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Schnee in der Sahara

  • Fester Einband
  • 260 Seiten
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Amor Ben Hamida wurde wegen einer Namensverwechslung im Herbst 2004 im Flughafen Djerba verhaftet. Diesen Anlass nimmt der Autor, ... Weiterlesen
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Beschreibung

Amor Ben Hamida wurde wegen einer Namensverwechslung im Herbst 2004 im Flughafen Djerba verhaftet. Diesen Anlass nimmt der Autor, um seine Kindheit im südtunesischen Medenine, seinen Aufenthalt als Halbwaise in einem tunesischen Kinderdorf und schliesslich wie er es nennt den Sechser im Lotto zu beschreiben, den er vom Schicksal erhielt, als er im Alter von 12 Jahren ins Kinderdorf Pestalozzi im schweizerischen Appenzell kam. Zwischen Kindheitserinnerungen und aktuellen Ereignissen erzählt Ben Hamida über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der westlichen und orientalischen Kulturen. Ganz besonders behandelt er in dieser autobiographischen Erzählung die Thematik von Migration und Integration und schlägt zwischen beiden Welten eine Brücke von Verständnis und Respekt. Der westliche Leser taucht in eine Parallelwelt ein, voller Märchen, Weisheiten und Anekdoten, die Amor Ben Hamida als seine Heimat betrachtet. Gleichzeitig erfährt der Leser die Ansichten eines Migranten über die Schweiz und Europa, die für den Autor die zweite Heimat darstellen. Ein Buch voller Sehnsüchte. Ein Leben voller Zweifel und Hoffnungen. Eine Geschichte über hier und dort. Und eine Brust, in der zwei Herzen schlagen.

Autorentext
Amor Ben Hamida, geboren 1958 in Medenine Südtunesien), lebt und arbeitet in Zürich-Adliswil. Er wuchs im Kinderdorf Pestalozzi, Trogen, auf, wo er mit Kindern aus vielen verschiedenen Nationen, Religionen und Sprachen zusammengelebt und schöne Kindheitserinnerungen behalten hat. Seine Erfahrung mit Migration, Integration, Religionskonflikten, Rassismus und bikultureller Beziehung gibt er in Büchern, Referaten und Lesungen weiter.

Klappentext

Ich wurde am 10. oder 15. April 1958 in Medenine/Südtunesien geboren. Als ich fünf Jahre alt war, verstarb mein Vater und im Alter von zehn kam ich in ein Bourguiba-Kinderdorf für Waisenkinder nach Gafsa. Ein Sechser im Lotto ist wohl einfacher zu erreichen, als das, was mir im April 1970 passiert ist: ich kam in die Schweiz, genoss eine Ausbildung, heiratete und durfte zwei Söhne haben. Mein Leben ist für Migranten nichts Besonderes. Aber meine vielen Freundschaften in Europa, die ich schliessen durfte, mein grosses Netzwerk weiss trotz meiner TV-Auftritte, meiner Zeitungsartikel und Radio-Interviews wenig über mich persönlich. Ich wollte darum nach meinen zehn Romanen, die ich zum Thema Migration und Integration geschrieben habe, etwas von mir bekannt geben. Aber eine Autobiographie konnte ich es nicht nennen, denn als ich diese Idee hatte, war ich gerade mal vierundvierzig Jahre alt. Der erste Teil dieser autobiographischen Erzählung datiert denn auch von 2004. Damals wurde ich am Flughafen Djerba verhaftet. Dies gab mir den Anstoss für die Erzählung. Dann aber liess ich das Manuskript über zehn Jahre liegen, um es im Herbst 2014 fertig zu schreiben.



Leseprobe
Es muss Februar des Jahres 1970 gewesen sein, als mein Dorfdirektor mich vom Fussballspiel zu sich rief. Fussball nannten wir es, weil wir es mit den Füssen spielten, nicht wegen des Balls, denn diesen haben wir aus einer alten Socke und Papier und Stoffresten gebastelt. Er war kleiner als ein Handball, als Tor stellten wir zwei Steine hin, der beste Torwart war jener, der es schaffte, unbemerkt den Abstand der Steine zu reduzieren. Aber zurück zu meinem Dorfdirektor. Er rief mich in sein Haus und erklärte mir, ich könnte, wenn ich wollte und meine Mutter zustimmte, in die Schweiz, vorausgesetzt, ich bestünde im Auswahlverfahren. Ich glaube, ich sagte ja, und ging wieder Fussball spielen. Was für ein Glück, dass das menschliche Gedächtnis seine Grenzen hat: ich könnte es nicht ertragen, wenn ich noch heute fühlen würde, wie es meinen kleinen Brüdern damals erging, als ich sie alleine liess. Einer hatte Zahnweh, das weiss ich noch heute, der Kleinere war krank, ass wenig und nahm stark ab. Wir haben über diesen Abschied niemals mehr gesprochen, vielleicht weil wir nicht nachempfinden wollten, wie es für sie und mich war. Vielleicht müssen wir diese Phase, diesen Moment unseres Lebens mal als erwachsene Männer und mehrfache Väter ansprechen, auch wenn vielleicht dabei ein gewisser Schmerz und eine gewisse Trauer über unser gemeinsames Schicksal herauf beschworen werden. Einige Tage später bekam meine Mutter einen Brief, denn Telefon war damals so eine Sache... Sie sollte entscheiden. Meine arme Mutter wusste damals absolut nichts über die Schweiz, einige Bekannte erzählten ihr von Neutralität, guten Ausbildungsmöglichkeiten und dass die Schweiz auf der anderen Seite des Mittelmeers lag, sie hätte doch diese Leute im Fernsehen meines Grossvaters gesehen, die auf Brettern den weissen Hang eines Berges rutschten, ja, das sei die Schweiz. Einige Wochen später liess ich meine zwei jüngeren Brüder in diesem Kinderdorf zurück und nahm den Bus nach Tunis. Mir machte es schon Sorgen, die Verantwortung für meine Brüder abzugeben; wie würden sie zurecht kommen? Würde sich der Kleinere durchsetzen? Würde er genug essen? Und was ist, wenn einer von ihnen krank würde? Ich war damals zwölf, und meine Brüder zehn und acht Jahre alt! Ich bekam einen kleinen Koffer, an dessen Inhalt ich mich nicht mehr erinnere, vermutlich Kleider, ein Stück Seife, ein Tuch, viel mehr war es nicht, und wurde in einen Bus gesetzt mit der Instruktion an den Fahrer, er solle mich in Tunis an einem gewissen Ort abladen, ich würde erwartet. In Tunis wurde ich an einen Sammelort gebracht, ein kleines Kinderdorf, wo ich die anderen Kandidatinnen und Kandidaten kennen gelernt habe. Ich glaube nicht, dass irgend jemand von uns damals genau wusste, um was es ging. Wir waren Waise oder Halbwaise, wir genossen lediglich die angenehme Atmosphäre, vor allem meine Kameraden aus dem Süden. Wir stellten uns vor, erzählten über unsere Herkunft, unsere Vergangenheit, und einige Pädagogen schrieben mit, machten gelegentlich einfache Tests mit uns, nichts Besonderes. Auf die Frage, was wir werden wollten, kam meistens dieselbe Antwort: Arzt oder Lehrer . Ich wollte Lehrer werden. Das wollte ich, seit ich etwa sieben Jahre alt war. Ich bildete eines Tages hinter unserem Haus, im Schatten eines grossen Eukalyptusbaumes, meine Klasse nach: 48 Steine habe ich mühsam und sorgfältig gesammelt und in einer Achterreihe so neben- und hintereinander gestellt, dass ich mit meinem Langen Stock jeden der Schüler beim Schwätzen oder Spicken sehen konnte. Ich lehrte die Steine Was kannten wir schon für andere Berufe? Maurer wollte niemand werden, und Ansehen hatten nur Lehrer und Ärzte. Einige von uns wurden ein paar Tage später wieder nach Hause geschickt. Ich weiss nicht mehr, ob sie enttäuscht waren oder froh, in ihre gewohnte Umgebung und ihren Freundeskreis zurückzukehren. Wir glücklichen sieben Auserwählten, drei Mädchen und vier Ju

Produktinformationen

Titel: Schnee in der Sahara
Untertitel: Eine autobiografische Erzählung
Autor:
Illustrator:
Editor:
EAN: 9783906021423
ISBN: 978-3-906021-42-3
Format: Fester Einband
Herausgeber: Ben Hamida International
Genre: Romane & Erzählungen
Anzahl Seiten: 260
Gewicht: 751g
Größe: H216mm x B144mm x T27mm
Jahr: 2015
Auflage: 1. Aufl.