2. Adventsüberraschung: 30% Rabatt auf Bücher (DE)! Mehr erfahren.
Willkommen, schön sind Sie da!
Logo Ex Libris

Novotnys Mumie

  • Kartonierter Einband
  • 184 Seiten
(0) Erste Bewertung abgeben
Bewertungen
(0)
(0)
(0)
(0)
(0)
Alle Bewertungen ansehen
Alfred Bittner (1914-1989) lebte in Wien. "Novotnys Mumie" führt zurück in die letzten Kriegsjahre in Wien. Die Lebensbe... Weiterlesen
30%
29.90 CHF 20.95
Auslieferung erfolgt in der Regel innert 4 bis 5 Werktagen.

Beschreibung

Alfred Bittner (1914-1989) lebte in Wien. "Novotnys Mumie" führt zurück in die letzten Kriegsjahre in Wien. Die Lebensbedingungen in der bombardierten Stadt bilden die Folie für eine grotesk-skurrile Erzählung. Im Mittelpunkt steht die Geschichte eines arisierten Chemiebetriebes, in dem der neue Inhaber ein Rezept seines jüdischen Vorgängers entdeckt, das nicht nur für die SS, sondern auch für den alliierten Geheimdienst von höchstem Interesse ist. Leseprobe: Nach den Schilderungen jener Einwohner von Neulengbach, die bei der Auffindung von Nathan und von Nora Nachtmann zugegen gewesen waren, mußten die Leichen des jüdischen Ehepaares, wie sie da friedlich in den Ehebetten gelegen hatten, genauso ausgesehen haben: ausgezeichnet konserviert, wie lebendig, doch wenn man sie anfaßte, beinhart, wie aus Holz. Nathan Nachtmann in einem hellblau-dunkelblau gestreiften Pyjama, Nora Nachtmann in einem langärmeligen rosa Flanell-Nachthemd mit kleinem Blumenmuster - als könnten sie jeden Augenblick gähnend und blinzelnd aufwachen und nach dem Wecker tasten, um ihn zum Schweigen zu bringen, oder auch nach dem Porzellan-Nachttopf unter dem Bett (ebenfalls mit kleinem Blumenmuster) - doch hölzern starr, wie gesagt, wenn auch etwas elastisch, leicht federnd zum Beispiel die Arme, die Hände und die Finger. Dementsprechend soll es dann auch bei der Ein-äscherung ungewöhnlich zugegangen sein. Nämlich hätten sich die Leichen nicht wie üblich aufgebäumt, aufgebläht oder überhaupt bewegt, sondern wären ohne sich zu rühren mit ruhiger, gleichmäßiger Flamme verbrannt - eben wie Holz. Genauso, genauso also sahen die Flöhe, Läuse und Wanzen aus, deren Kadaver - aber wie noch lebendig, als könnten sie jederzeit davonkriechen oder -hüpfen - auf den weißen Karton hinter der Glasscheibe geklebt waren; geklebt, weil sie dem usuellen Aufgespießtwerden starken Widerstand geleistet hatten und dabei vielleicht zersplittert wären. Stolz und zufrieden hielt Novotny die kleine Vitrine, den kleinen Schaukasten hoch und betrachtete noch einmal die toten Insekten, ehe er den Schaukasten einpackte. Beim Einpacken überlas er auch noch einmal die Beschriftung, die aussagte, daß die - mit ihren wissenschaftlichen Namen angeführten - Insekten durch eine nur sekundenlange Einwirkung der Dämpfe von Rigorin getötet worden waren. In Ordnung. Den verpackten Schaukasten stellte er dann in eine Ecke des stillen Labors, wo auch schon ein verpackter 10-Liter-Kanister mit Rigorin stand. Hübsch, wie die milden Strahlen der frühherbstlichen Morgensonne auf die beiden Pakete fielen. Danach kratzte Novotny sich das sorgfältig rasierte Doppelkinn und überlegte, welchen Anzug er anziehen sollte - oder gar keinen Anzug, sondern besser die schwarze SS-Uniform? Er entschied sich für die Uniform, denn schließlich war das heute ein hochpolitischer Anlaß. Schon möglich, daß die Herren im Generalkommando XVII keine besondere Vorliebe für SS-Uniformen hatten, aber er brachte durch die Uniform zum Ausdruck, daß er nicht als irgendein Geschäftemacher zur Besprechung kam, welcher der Wehrmacht irgendwas andrehen wollte, sondern als Gefolgsmann des Führers, der sein Scherflein zum Endsieg beitragen wollte. Scherflein? Das war wohl allzu bescheiden ausgedrückt. Während Novotny zu seiner Privatwohnung hinaufstieg, festigte sich in ihm noch die Überzeugung, daß dieser Sonntag, der 10. September 1944, ausersehen war, zu einem bedeutenden Tag in seinem Leben zu werden. Ausersehen, ganz richtig. Wenn sich die Vorsehung des Führers bediente, um ihre Absichten zu verwirklichen - und erst vor knapp zwei Monaten, am 20. Juli, hatte sie ihn wieder einmal vom Tode errettet, um ihn weiter für Deutschland tätig sein zu lassen -, warum sollte sie dann ihr Auge nicht auch auf die Getreuen des Führers haben? Befreite sich die Wehrmacht mit seiner, Novotnys, Hilfe von den Flöhen, Läusen, Filzläusen und Wanzen, die in einem nicht zu unterschät

Produktinformationen

Titel: Novotnys Mumie
Untertitel: Erzählung
Autor:
EAN: 9783706622592
ISBN: 978-3-7066-2259-2
Format: Kartonierter Einband
Herausgeber: Skarabäus Verlag
Genre: Romane & Erzählungen
Anzahl Seiten: 184
Gewicht: 224g
Größe: H195mm x B134mm x T15mm
Jahr: 2001