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Sport im Betrieb der Fahrradkuriere: Die Entstehung einer sportlichen Subkultur

  • Kartonierter Einband
  • 96 Seiten
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Nach ethnographischen Gesichtspunkten ist das Phänomen Sport ein typisches Teilgebiet moderner Lebenswelten und damit eine Art Son... Weiterlesen
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Beschreibung

Nach ethnographischen Gesichtspunkten ist das Phänomen Sport ein typisches Teilgebiet moderner Lebenswelten und damit eine Art Sonderkultur. Diese wiederum umfasst zahlreiche Subkulturen, die sich um die unterschiedlichen Varianten und Arten des Sports sammeln. Aber wie treten solche Subkulturen in Erscheinung? Wo bestehen Gemeinsamkeiten und worin unterscheiden sie sich? Und was sind überhaupt die kennzeichnenden Elemente, die eine Subkultur zu einer Subkultur des Sports machen? Antworten auf solche und weitere Überlegungen liefert dieses Buch. Im Zentrum steht die Frage, ob Fahrradkuriere eine sportliche Subkultur repräsentieren. Da ebendiese Gruppierung seitens der Sportwissenschaften bisher nur geringfügig beachtet wurde, liegt ein besonderes Augenmerk auf der Frage, welchen Sinn Fahrradkurierer mit ihrer Aktivität verbinden.

Autorentext

Alexander Kralj, Diplom-Sportwissenschaftler, wurde 1977 in Klagenfurt geboren. Das Studium der Sportwissenschaften an der Technischen Universität schloss der Autor im Jahre 2005 erfolgreich ab. Vor und während der gesamten Zeit seines Studiums sammelte der Autor umfassende praktische Erfahrungen als Fahrradkurier. Fasziniert vom Rausch der Geschwindigkeit und des Freiheitsgefühls auf zwei Rädern war der Autor zeitgleich für mehrere Münchner Fahrradkurierzentralen aktiv und finanzierte sich auf diese Art und Weise parallel sein Studium.



Klappentext

Nach ethnographischen Gesichtspunkten ist das Phänomen "Sport" ein typisches Teilgebiet moderner Lebenswelten und damit eine Art Sonderkultur. Diese wiederum umfasst zahlreiche Subkulturen, die sich um die unterschiedlichen Varianten und Arten des Sports sammeln. Aber wie treten solche Subkulturen in Erscheinung? Wo bestehen Gemeinsamkeiten und worin unterscheiden sie sich? Und was sind überhaupt die kennzeichnenden Elemente, die eine Subkultur zu einer Subkultur des Sports machen? Antworten auf solche und weitere Überlegungen liefert dieses Buch. Im Zentrum steht die Frage, ob Fahrradkuriere eine "sportliche Subkultur" repräsentieren. Da ebendiese Gruppierung seitens der Sportwissenschaften bisher nur geringfügig beachtet wurde, liegt ein besonderes Augenmerk auf der Frage, welchen Sinn Fahrradkurierer mit ihrer Aktivität verbinden.



Leseprobe
Textprobe: Kapitel 2, Fahrradkurier Was ist das?: 2.1, Äußere Sichtweise: 2.1.1, Auftreten: Nahezu jeder, der sich zeitweilig in größeren Städten aufhält, hat sie schon einmal gesehen, nicht wenige hatten auch schon direkt mit ihnen zu tun: entweder als Mitteilnehmer im Straßenverkehr oder sogar im persönlichen Kontakt bei eiligen Zustellungen. Die Rede ist von den Fahrradkurieren zum einen und von der wahrnehmenden Öffentlichkeit zum anderen. Dabei geht es allerdings zunächst nicht in erster Linie darum, wie Fahrradkuriere glauben, in der Allgemeinheit gesehen zu werden, sondern wie Fahrradkuriere tatsächlich durch die Augen der Allgemeinheit gesehen werden, also von außen. Sie erzeugen durch ihr Auftreten, ihre Fahrweise und ihren Kleidungsstil in der Öffentlichkeit ein Bild, das teilweise bewusst und gewollt, teilweise aber auch unbeabsichtigt erzeugt wird: Direkt abgeleitet von der Tätigkeit werden Attribute wie Sportlichkeit, Schnelligkeit, Jugendlichkeit, Tüchtigkeit, aber auch Rücksichtslosigkeit, deviantes Verhalten, Stress (Recher, 2002, S.39). Juan Moreno (2004), Kolumnist und Satiriker der Süddeutschen Zeitung schrieb kürzlich in der Wochenendausgabe über ein Zusammentreffen mit einem ortsansäßigen Fahrradkurier: Gestern habe ich [...] etwas gemacht, worauf ich stolz bin, und worum mich viele Menschen beneiden werden, die wie ich morgens mit ihrem Fahrrad zur Arbeit fahren, über ihr Leben nachdenken und davon träumen, etwas Großes zu tun. Gestern war ich ein Held, nur kurz, ich allein ich habe einen Berliner Fahrradkurier überholt. Der Fahrradkurier hat zwar garnicht gemerkt, dass wir ein Rennen fuhren, zudem habe ich mich total verausgabt, [...] aber es hat sich gelohnt. Ich hatte einen Fahrradkurier überholt. Hinter den Worten findet man zunächst Bewunderung für den Fahrradkurier, der sich offensichtlich für den Autor mit relativ hoher Geschwindigkeit fortbewegt. Überholen eines anderen Verkehrsteilnehmers im Straßenverkehr steht häufig symbolisch für eine Art Bezwingen eines Gegners. Der Stolz des Autors erklärt sich dadurch, einen Fahrradkurier zumindest für Augenblicke bezwungen zu haben. Die Bewunderung findet seine Fortsetzung in der näheren Beschreibung des Fahrradkuriers: Mein Gegner war ein junger, fantastisch aussehender Mann. Er hatte durchtrainierte Beine, eine riesige, blonde Rastafrisur [...] und ein Renntrikot der amerikanischen Post (Moreno, 2004). In der Öffentlichkeit gilt der Fahrradkurier als sportlich, jung, dynamisch. Fahrradkuriere werden häufig von Fremden angesprochen und gefragt, wieviele Kilometer sie denn schon gefahren wären und welche Distanzen pro Tag zurücklegt werden. Für viele Menschen ist es nur schwer vorstellbar, Tag für Tag mehrere Stunden auf dem Fahrrad zu verbringen und dabei oft mehr als hundert Kilometer zurückzulegen, Fahrradkuriere gelten daher als [...] Freaks, Fahrradfreaks natürlich. Bei ihnen dreht sich alles ums Rad. Ihre Wohnungen ähneln Werkstätten: Überall liegen Fahrradteile rum. Sie bewegen sich immer mit dem Rad fort, egal, ob sie nebenan zum Bäcker wollen, in den Urlaub ans Mittelmeer fahren oder eben arbeiten. Sie lesen die Tour oder Mountainbike, und ihre Gespräche drehen sich meist um Fahrradteile (John, 2002, Abs. 5). Durch seine funktionelle und hochspezialisierte Ausrüstung erzeugt der Fahrradkurier Neugierde, wirkt aber teilweise auch befremdlich und manchmal dadurch sogar ein wenig angsteinflößend: Er hatte eine etwas sperrige, wasserdichte Tasche mit der Telefonnummer seiner Agentur umgehängt. Links an der Hüfte hingen gleich zwei Handys, rechts ein Funkgerät, auf dem Rücken eine Wasserflasche und ein Schweizer Messer. Der geht nicht zur Arbeit, der zieht in den Krieg [...] (Moreno, 2004). An belebten Orten bleiben Fußgänger unvermittelt stehen oder gehen langsamer, sobald sie einen Fahrradkurier erblicken. Das typische Knacken und Rauschen des Funkgerätes bei der Kontaktaufnahme mit d

Produktinformationen

Titel: Sport im Betrieb der Fahrradkuriere: Die Entstehung einer sportlichen Subkultur
Autor:
EAN: 9783959345118
ISBN: 978-3-95934-511-8
Format: Kartonierter Einband
Herausgeber: Diplomica Verlag
Genre: Ethnologie
Anzahl Seiten: 96
Gewicht: 169g
Größe: H221mm x B154mm x T10mm
Jahr: 2015
Auflage: Erstauflage