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Die Arche

  • Kartonierter Einband
  • 896 Seiten
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Leseprobe
Das 27. Jahrhundert: Mit gigantischen Schiffen breitet sich die Menschheit in der Galaxis aus, nimmt Planet um Planet in Beschlag.... Weiterlesen
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Beschreibung

Das 27. Jahrhundert: Mit gigantischen Schiffen breitet sich die Menschheit in der Galaxis aus, nimmt Planet um Planet in Beschlag. Doch eines Tages stößt sie auf Horchposten einer mächtigen Maschinenrasse - "Unterdrücker" genannt -, die nach Anzeichen expandierender intelligenter Zivilisationen lauschen. Die Maschinen sind darauf programmiert, solche Entwicklungen im Keim zu ersticken, und auf die Menschheit aufmerksam geworden, schmieden sie nun ihre Werkzeuge, um die Emporkömmlinge auszurotten - bauen ganze Welten zu Waffen um, verwandeln Sonnen in tödliche Fackeln. Ihr erstes Ziel ist der Planet Resurgam. Und dessen Bewohner wollen nicht wahrhaben, welche Gefahr ihnen droht . . ..

Gefahr aus den Tiefen des Alls Die Unterdrücker sind geheimnisvolle Maschinenwesen, die seit Milliarden Jahren in der Leere des Alls lauern, um aufkeimendes intelligentes Leben zu vernichten. Nun sind sie auf die Menschheit aufmerksam geworden und bedrohen deren Existenz. Als die Synthetiker trotz ihres langen Krieges gegen die Demarchisten begreifen, in welcher Gefahr sie schweben, beschließen sie zu ihrem Schutz lang verloren geglaubte Waffen aus einem Raumschiff zu bergen, das nahe dem Planeten Resurgam gestrandet ist. Daraus erwächst ein tödlicher Wettlauf gegen die Zeit, denn die Synthetiker sind nicht die einzigen, die in den Besitz der Waffen gelangen wollen.

Autorentext
Alastair Reynolds wurde 1966 im walisischen Barry geboren. Er studierte Astronomie in Newcastle und St. Andrews und arbeitete lange Jahre als Astrophysiker für die Europäische Raumfahrt-Agentur ESA, bevor er sich als freier Schriftsteller selbstständig machte. Reynolds lebt in der Nähe von Leiden in den Niederlanden.

Klappentext

Gefahr aus den Tiefen des Alls

Die Unterdrücker sind geheimnisvolle Maschinenwesen, die seit Milliarden Jahren in der Leere des Alls lauern, um aufkeimendes intelligentes Leben zu vernichten. Nun sind sie auf die Menschheit aufmerksam geworden und bedrohen deren Existenz. Als die Synthetiker trotz ihres langen Krieges gegen die Demarchisten begreifen, in welcher Gefahr sie schweben, beschließen sie zu ihrem Schutz lang verloren geglaubte Waffen aus einem Raumschiff zu bergen, das nahe dem Planeten Resurgam gestrandet ist. Daraus erwächst ein tödlicher Wettlauf gegen die Zeit, denn die Synthetiker sind nicht die einzigen, die in den Besitz der Waffen gelangen wollen.



Zusammenfassung
Gefahr aus den Tiefen des Alls

Die Unterdrücker sind geheimnisvolle Maschinenwesen, die seit Milliarden Jahren in der Leere des Alls lauern, um aufkeimendes intelligentes Leben zu vernichten. Nun sind sie auf die Menschheit aufmerksam geworden und bedrohen deren Existenz. Als die Synthetiker trotz ihres langen Krieges gegen die Demarchisten begreifen, in welcher Gefahr sie schweben, beschließen sie zu ihrem Schutz lang verloren geglaubte Waffen aus einem Raumschiff zu bergen, das nahe dem Planeten Resurgam gestrandet ist. Daraus erwächst ein tödlicher Wettlauf gegen die Zeit, denn die Synthetiker sind nicht die einzigen, die in den Besitz der Waffen gelangen wollen.



Leseprobe
rolog
Das tote Schiff war von einer abartigen Schönheit.
Skade umflog es in einem schraubenförmigen Pseudo-Orbit. Die Steuerdüsen ihrer Corvette gaben einen rasanten Trommelwirbel von Korrekturschüben ab. Hinter dem Schiff drehte sich Schwindel erregend die Sternenlandschaft, bei jedem Umlauf verschwand die Sonne des Systems und tauchte wieder auf. Skade beobachtete sie einen Augenblick zu lange. Schon wurde ihr die Kehle bedrohlich eng. Die Raumkrankheit.
Das hatte ihr gerade noch gefehlt.
Ärgerlich rief sie ein dreidimensionales, gläsern durchsichtiges Bild ihres eigenen Gehirns in seiner ganzen Komplexität auf, schälte wie von einer Frucht die Schichten des Neokortex und des Kortex ab und schob die Teile ihres Bewusstseins beiseite, die sie im Moment nicht interessierten. Das Silbergeflecht ihres Netzimplantats, das mit ihrem biologischen Synapsennetz topologisch identisch war, flimmerte nur so von Neuralimpulsen. Informationspakete jagten mit einer Geschwindigkeit von einem Kilometer pro Sekunde, zehn Mal schneller als die schneckenhaft langsamen biologischen Nervensignale, von Neuron zu Neuron. Sie konnte nicht direkt zusehen, wie sich die Signale bewegten dazu hätte sie ihre Denkprozesse beschleunigen müssen, was die Neuralimpulse noch schneller gemacht hätte , aber die Abstraktion ließ immerhin erkennen, welche Teile ihres aufgerüsteten Gehirns am aktivsten waren.
Skade vergrößerte eine bestimmte Hirnregion, die so genannte Area postrema, ein uraltes Geflecht von neuralen Verbindungen, das für Konflikte zwischen Sehvermögen und Gleichgewichtssinn zuständig war. Ihr Innenohr spürte nur die gleichmäßige Beschleunigung des Shuttles, aber ihre Augen sahen ein zyklisch wechselndes Bild des Hintergrundes mit rasender Geschwindigkeit hinter dem Schiff vorbeiziehen. Die primitive Hirnregion konnte die Unstimmigkeit nur auflösen, indem sie annahm, dass Skade halluzinierte. Deshalb schickte sie ein Signal an einen anderen Teil des Gehirns, dessen Aufgabe es war, den Körper vor Giften zu schützen, die mit der Nahrung aufgenommen wurden.
Diese Region löste prompt Übelkeit aus, und Skade konnte es ihrem Gehirn nicht einmal verdenken. Die Assoziation von Halluzinationen mit Gift hatte ihren Vorfahren über Jahrmillionen gute Dienste geleistet und es ihnen ermöglicht, mit einem breiteren Spektrum an Nahrungsmitteln zu experimentieren, als es sonst möglich gewesen wäre. Hier und jetzt, am lebensfeindlichen, eisigen Rand eines fremden Sonnensystems, war sie allerdings nicht sinnvoll. Vermutlich wäre es am besten gewesen, die fundamentale Topologie rasch dahingehend zu verändern, dass solche Verbindungen gekappt wurden, aber das war leichter gesagt als getan. Das Gehirn war holografisch angelegt und so unübersichtlich wie ein hoffnungslos überladenes Computerprogramm. Wenn sie den Teil abschaltete, der die Übelkeit erzeugte, störte sie mit hoher Wahrscheinlichkeit andere Hirnfunktionen, die mit denselben neuralen Schaltkreisen arbeiteten. Aber damit konnte sie leben; sie hatte dergleichen schon tausend Mal gemacht und nur selten unerwünschte kognitive Nebenwirkungen festgestellt.
So. Die betreffende Region pulsierte rosa und verschwand aus dem Netz. Die Übelkeit war wie weggeblasen; sie fühlte sich sehr viel besser.
Was blieb, war der Ärger über sich selbst. Als sie noch als aktive Agentin häufig in feindlichem Territorium tätig war, hätte sie nie so lange gewartet, um diese kleine neurale Anpassung durchzuführen. Sie war nachlässig geworden, und das war unverzeihlich. Besonders jetzt, nachdem das Schiff zurückgekehrt war, ein Ereignis, das für das Mutternest womöglich von nicht geringerer Tragweite war als alle Kriegseinsätze in jüngster Zeit zusammengenommen.
Sie fühlte sich jetzt hellwach. Die alte Skade war noch nicht tot; man musste sie nur hin und wieder vom Staub befreien und nachschleifen wie ein stumpf gewordenes Messer.
[Skade, du musst sehr vorsichtig sein. Das Schiff hat eine sehr ungewöhnliche Reise hinter sich, das sieht man sofort.]
Die Stimme war leise, weiblich und ausschließlich in ihrem eigenen Kopf zu hören. Skade antwortete stumm.
Ich weiß.
[Hast du es schon identifiziert? Kannst du sagen, welches von den beiden es ist oder war?]
Es ist Galianas Schiff.
Nachdem Skade das Schiff vollends umkreist hatte, bildete sich in ihrem visuellen Kortex ein dreidimensionales Abbild davon, umgeben von einem Gewirr von eidetischen Anmerkungen, die sich mit jeder neuen Information, die dem Rumpf entlockt wurde, veränderten.
[Galiana? Die Galiana? Bist du ganz sicher?]
Ja. Es gab kleine Unterschiede zwischen den drei Schiffen, die gemeinsam starteten, und nach den Übereinstimmungen zwischen diesem Schiff und den beiden, die noch nicht zurückgekehrt sind, muss es das ihre sein.
Die Stimme antwortete nicht sofort, das passierte manchmal. [Auch wir sind zu diesem Schluss gekommen. Aber diesem Schiff muss nach dem Verlassen des Mutternestes etwas zugestoßen sein, meinst du nicht auch?]
Nicht nur einmal, wenn ihr mich fragt.
[Fangen wir vorne an und gehen wir zurück. Es sind Schäden zu registrieren in größerem Umfang: Risse und Schrammen, ganze Teile des Rumpfs scheinen entfernt worden zu sein wie krankes Gewebe. Glaubst du, es ist die Seuche?]
Skade rief sich ihre letzte Reise nach Chasm City in Erinnerung und schüttelte den Kopf. Ich habe aus der Nähe gesehen, was die Schmelzseuche anrichtet. Das hier kommt mir nicht so vor.
[Du hast Recht. Es ist etwas anderes. Dennoch sollte das Schiff unter strenge Quarantäne gestellt werden: vielleicht ist der Erreger ja noch aktiv. Siehst du dir bitte das Heck genauer an?]
Die Stimme, die immer etwas anders klang als die Stimmen der übrigen Synthetiker, schlug einen spöttischen, schulmeisterlichen Ton an, so als wären ihr die Antworten auf ihre Fragen bereits bekannt. [Was hältst du von den regelmäßigen Einbettungen im Rumpf, Skade?]
An mehreren Stellen waren Gruppen von unterschiedlich großen und unterschiedlich ausgerichteten Würfeln in den Rumpf hineingepresst worden wie in feuchten Lehm, so tief, dass sie zur Hälfte im Rumpfmaterial verschwanden. Von diesen Kernen wölbten sich kleinere Würfel in eleganten fraktalen Bögen strahlenförmig nach allen Seiten.
Ich würde sagen, man hat verschiedentlich versucht, diese Gebilde herauszuschneiden. Aber man war offensichtlich zu langsam, um sie alle zu erwischen.
[Wir pflichten dir bei. Was immer sie sein mögen, man sollte sie mit äußerster Vorsicht behandeln, auch wenn sie vielleicht längst nicht mehr aktiv sind. Vielleicht konnte Galiana verhindern, dass sie sich ausbreiteten. Immerhin hat es das Schiff, wenn auch nur mit Autopilot, bis hierher geschafft. Bist du ganz sicher, dass an Bord niemand mehr lebt, Skade?]
Nein, um das sagen zu können, müssen wir das Schiff öffnen. Aber ich habe wenig Hoffnung. Keine Bewegung im Inneren, keine ausgeprägten Wärmesignaturen. Der Rumpf ist zu kalt für alle lebenserhaltenden Prozesse, es sei denn, das Schiff wäre mit einer kryo-arithmetischen Anlage ausgestattet.
Skade hielt kurz inne, während im Hintergrund ihres Bewusstseins weitere Simulationen abliefen.
[Skade ?]
Zugegeben, eine kleine Zahl von Überlebenden wäre möglich aber der Löwenanteil der Besatzung kann allenfalls aus Gefrierleichen bestehen. Vielleicht lassen sich ein paar Erinnerungen trawlen, aber selbst das ist wahrscheinlich schon allzu optimistisch.
[Unser Interesse gilt eigentlich nur einer einzigen Leiche, Skade.]
Ich weiß nicht einmal, ob Galiana an Bord ist. Und selbst wenn selbst wenn wir alles täten, um sie ins Leben zurückzuholen wir würden es nicht unbedingt schaffen.
[Wir verstehen. Wir leben in unruhigen Zeiten. So ruhmreich ein Erfolg wäre, zu scheitern wäre schlimmer, als hätte man es nie versucht. Zumindest in den Augen des Mutternests.]
Ist das Nachtkonzil zu diesem Schluss nach reiflicher Überlegung gelangt?
[Wir äußern uns immer erst nach reiflicher Überlegung, Skade. Ein offenkundiger Misserfolg wäre nicht tragbar. Das heißt jedoch nicht, dass wir nicht alles versuchen werden. Wenn Galiana an Bord ist, werden wir uns nach Kräften bemühen, sie zurückzuholen. Aber das muss unter absoluter Geheimhaltung geschehen.]
Wie absolut?
[Man wird dem Rest des Mutternestes nicht verheimlichen können, dass das Schiff zurückgekehrt ist. Aber wir können den anderen die Qualen der Hoffnung ersparen, Skade. Man wird verbreiten, sie wäre tot, und es wäre aussichtslos, sie wiederbeleben zu wollen. Lassen wir die Trauer unserer Nestgenossen so rasch und grell aufflammen wie eine Nova. Das wird sie anfeuern, noch energischer gegen den Feind vorzugehen. Indessen werden wir uns mit liebevollem Eifer um Galiana bemühen. Gelingt es uns, sie ins Leben zurückzuholen, so wird man von einem Wunder sprechen. Und man wird uns verzeihen, dass wir die Wahrheit zuvor ein wenig gebeugt hatten.]
Skade musste sich beherrschen, um nicht laut herauszulachen. Die Wahrheit gebeugt? Für mich klingt das wie eine faustdicke Lüge. Und wie wollt ihr sicherstellen, dass sich Clavain an eure Geschichte hält?
[Wieso glaubst du, dass Clavain Schwierigkeiten machen könnte, Skade?]
Sie antwortete mit einer Gegenfrage. Soll das heißen, ihr wollt auch ihm nichts davon erzählen?
[Wir befinden uns im Krieg, Skade. Es gibt einen alten Sinnspruch über die Wahrheit als erstes Opfer des Krieges, mit dem wir dich jetzt nicht belästigen wollen, aber du begreifst sicher, worum es geht. Clavain ist ein wichtiger Bestandteil unseres taktischen Arsenals. Er denkt anders als der gewöhnliche Synthetiker, mit ihm sind wir dem Feind immer einen Schritt voraus. Er wird trauern wie alle anderen, sein Schmerz wird jäh und heftig sein. Doch danach, wenn wir ihn am nötigsten brauchen, wird er wieder der Alte sein. Ist das nicht besser, als ihm erst über längere Zeit Hoffnungen zu machen, um ihm dann höchstwahrscheinlich eine vernichtende Enttäuschung zu bereiten?]
Die Stimme schlug einen neuen Ton an, vielleicht spürte sie, dass Skade noch nicht vollends überzeugt war. [Clavain ist sehr emotional, Skade mehr vielleicht als wir anderen. Er war nicht mehr jung, als er zu uns kam, sein neurologisches Alter war höher als bei allen anderen Neulingen, die wir jemals angeworben hatten. Er ist noch fest in alten Denkstrukturen verhaftet. Das dürfen wir niemals vergessen. Er ist so empfindlich wie eine zarte Treibhauspflanze und muss pfleglich behandelt werden.]
Aber ihn anzulügen, wenn es um Galiana geht
[Dazu muss es nicht unbedingt kommen. Wir greifen den Ereignissen voraus. Zuerst müssen wir das Schiff untersuchen womöglich ist Galiana ja gar nicht an Bord.]
Skade nickte. Das wäre das Beste, nicht wahr? Dann wüssten wir, dass sie immer noch irgendwo da draußen ist.
[Gewiss. Trotzdem müssen wir herausfinden, was dem dritten Schiff zugestoßen ist.]
In den fünfundneunzig Jahren seit dem Ausbruch der Schmelzseuche hatten die Synthetiker gelernt, mit ansteckenden Krankheiten umzugehen. Als eine der letzten Menschheitsgruppierungen, die noch in nennenswertem Umfang über Technologie aus der Zeit vor der Seuche verfügten, nahmen sie es mit der Quarantäne sehr ernst. In Friedenszeiten wäre es am einfachsten und sichersten gewesen, das Schiff an Ort und Stelle zu untersuchen, also im Weltraum am Rand des Systems. Doch jetzt liefe man Gefahr, dabei die Aufmerksamkeit der Demarchisten zu erregen, deshalb musste man im Verborgenen arbeiten. Das Mutternest hatte die erforderlichen Einrichtungen für die Aufnahme verseuchter Schiffe, deshalb war es das logischste Ziel.
Dennoch galt es, Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen, und dazu mussten gewisse Arbeiten im All erledigt werden. Zunächst durchtrennten Servomaten mit Laserbrennern die Holme zu beiden Seiten des konisch zulaufenden Lichtschiffrumpfs, an denen die Triebwerke angebracht waren. Eine Triebwerksexplosion könnte das Mutternest zerstören. Auch wenn sie so gut wie ausgeschlossen war, wollte Skade kein Risiko eingehen, solange sie noch nicht wusste, was dem Schiff zugestoßen war. Außerdem ließ sie mit Schleppraketen große Stücke unsublimiertes schwarzes Kometeneis heranschaffen. Die Servomaten klebten das Eis rasch, und ohne jemals mit den Schiffswänden in direkte Berührung zu kommen, auf den Rumpf, bis ein meterdicker Panzer entstanden war. Der ohnehin schon dunkle Schiffskörper war jetzt schwärzer als die Nacht.
Anschließend umgab Skade den Rumpf mit Schleppraketen, die sie mit Greifhaken im Eis verankerte. Beim Transport des Schiffs hatte das Eis gewaltige Spannungen auszuhalten, deshalb waren tausend Schlepper erforderlich, um zu verhindern, dass ein Teil des Panzers brach. Es war ein herrlicher Anblick, als sie alle zündeten und tausend winzige, eisig blaue Flammenpünktchen rings um den schmalen schwarzen Schiffsrumpf nach außen schossen. Skade hielt die Beschleunigung niedrig. Ihre Berechnungen waren so exakt gewesen, dass sie beim letzten Anflug auf das Mutternest nur einen einzigen kleinen Korrekturschub benötigte. Solche Schübe wurden zeitlich stets so gelegt, dass sie genau in die Lücken in der Sensorüberwachung fielen, von denen die Demarchisten glaubten, sie seien den Synthetikern nicht bekannt.
Im Innern des Mutternestes wurde der Rumpf in eine fünf Kilometer breite, mit Keramik ausgekleidete Andockbucht geschleppt, die eigens für Seuchenschiffe gebaut und groß genug war, um ein Lichtschiff aufzunehmen, wenn die Triebwerke demontiert waren. Die Keramikwände waren dreißig Meter dick, und alle technischen Geräte innerhalb der Bucht waren gegen die bekannten Seuchenstämme eigens abgeschirmt. Sobald das Schiff festgemacht hatte, wurde der Raum hermetisch abgedichtet. Skades handverlesenes Untersuchungsteam wurde mit eingeschlossen. Da die Bucht nur die allernötigsten Datenverbindungen zum Rest des Mutternestes hatte, musste das Team in der Lage sein, auf den Kontakt zu der Million anderer Synthetiker im Mutternest zu verzichten. Dank dieser Bedingung bekam man nicht immer die psychisch stabilsten Agenten aber Skade durfte sich darüber nicht beklagen, war sie doch selbst die größte Ausnahme überhaupt: ein Synthetiker, der ganz allein tief in feindlichem Territorium eingesetzt werden konnte.
Nun wurde die Bucht unter Argon mit zwei Atmosphären Druck gesetzt. Das Eis wurde bis auf eine dünne Schicht vorsichtig abgetragen. Der Rest schmolz über einen Zeitraum von sechs Tagen ab. Sensoren umschwärmten das Schiff wie eine Schar Möwen und untersuchten das Argon auf Spuren von Fremdmaterie. Doch bis auf feine Splitter Rumpfmaterial wurde nichts Ungewöhnliches entdeckt.
Skade ließ sich Zeit, traf alle nur erdenklichen Vorsichtsmaßnahmen und wartete, so lange es irgend ging, bis sie das Schiff direkt berührte. Zunächst schwirrte ein ringförmiger Gravitationsscanner am Rumpf entlang, tastete die Innenkonstruktion ab und zeigte die ersten verschwommenen Einzelheiten. Vieles, was Skade auf den Bildern sah, deckte sich mit dem, was sie nach den Plänen erwartet hatte, aber es gab auch seltsame Gebilde, die hier nichts zu suchen hatten: längliche schwarze Massen, die sich vielfach verzweigt durch das Schiffsinnere schraubten und an Schussbahnen auf forensischen Bildern oder an die Muster subatomarer Teilchen auf dem Weg durch die Nebelkammer erinnerten. Wo immer diese schwarzen Gebilde die Außenwände berührten, fand Skade eines der Nester aus tief eingebetteten Würfeln.
Trotz alledem blieb im Schiff genügend Raum, dass Menschen hätten überleben können, auch wenn alles darauf hinwies, dass es kein Leben mehr gab. Mit Neutrino-Radar und Gammastrahlenscannern konnte Skade zwar tiefer ins Innere vordringen, aber die wichtigen Details waren noch immer nicht zu erkennen. So leitete sie zögernd die nächste Phase der Untersuchung ein: den physischen Kontakt. Sie befestigte Dutzende von Presslufthämmern am Rumpf und klebte hunderte von Mikrofonen dazwischen. Dann begannen die Hämmer gegen den Rumpf zu schlagen. Das Argon leitete den Schall, so dass sie die Schläge in ihrem Raumanzug hören konnte. Es klang, als wäre in einer weit entfernten Gießerei ein Heer von Grobschmieden mit Feuereifer an der Arbeit. Die Schallwellen durchdrangen das Schiff, und die Mikrofone fingen die zurückgeworfenen Echos auf. Eines von Skades älteren Neuralprogrammen entschlüsselte die in den Ankunftszeiten verborgene Information und erstellte daraus ein tomographisches Dichteprofil.
Ein Bild in gespenstischem Graugrün entstand, das keine Widerspruche zu den bisherigen Erkenntnissen enthielt, ihr aber verschiedene neue Einsichten vermittelte. Mehr konnte sie nicht mehr in Erfahrung bringen, ohne sich selbst ins Innere zu begeben, aber das erwies sich als nicht so einfach. Alle Luftschleusen waren von innen mit Schweißpunkten aus flüssigem Metall verschlossen worden. Während sie langsam und nervös mit Lasern und Hyperdiamantbohrern diese Punkte durchschnitt, glaubte sie die Angst, die Verzweiflung der Besatzung förmlich zu spüren. Als die erste Schleuse offen war, schickte sie einen Erkundungstrupp aus besonders widerstandsfähigen Servomaten hinein, Krebse mit Keramikpanzern, die gerade so viel Intelligenz besaßen, wie für diesen Auftrag nötig war. Die Servomaten leiteten Bilder in ihren Kopf.
Skade war entsetzt.
Die Besatzung war brutal abgeschlachtet worden. Einen Teil der Leute hatte man auseinander gerissen, zerquetscht, zerschnitten, zertreten und zerfetzt. Andere waren verbrannt, erstickt oder erfroren. Und es war kein schneller Tod gewesen. Skade fügte die Eindrücke zu einem Szenarium zusammen: in verschiedenen Teilen des Schiffs hatten heftige, ja verzweifelte Kämpfe stattgefunden, die Mannschaft hatte sich vor den Eindringlingen hinter notdürftigen Barrikaden verschanzt. Das Schiff selbst hatte sich nach Kräften bemüht, die Menschen in seiner Obhut zu schützen, indem es immer wieder die Innenaufteilung veränderte, um den Feind auf Abstand zu halten. Manche Bereiche hatte es mit Kühlmittel geflutet oder unter Druckluft gesetzt, und dort fand Skade leblose Maschinen, fremdartige, unästhetische Gebilde, zusammengesetzt aus tausenden von schwarzen geometrischen Körpern.

Produktinformationen

Titel: Die Arche
Untertitel: Roman, Der Inhibitor-Zyklus 2
Autor:
Übersetzer:
EAN: 9783453522886
ISBN: 978-3-453-52288-6
Format: Kartonierter Einband
Herausgeber: Heyne Taschenb.
Genre: Science Fiction & Fantasy
Anzahl Seiten: 896
Gewicht: 528g
Größe: H188mm x B118mm x T47mm
Veröffentlichung: 01.07.2007
Jahr: 2007
Land: DE

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