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Yi-jing in der Lyrik Else Lasker-Schülers

  • Kartonierter Einband
  • 169 Seiten
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Rezension:Aihong Jiang untersucht die Lyrik Eise Lasker-Schülers aus einer neuen Perspektive, indem sie das traditionelle chinesi... Weiterlesen
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Beschreibung

Klappentext

Rezension:

Aihong Jiang untersucht die Lyrik Eise Lasker-Schülers aus einer neuen Perspektive, indem sie das traditionelle chinesische ästhetische Konzept Yi-jing anwendet und so zu interessanten Interpretationen gelangt. Zuerst stellt Jiang das Konzept als solches sowie seine beiden Komponenten vor, dann zeigt sie auf, daß der " y7-/7ng-Effekt", die "dynamische Lebendigkeit", in Lasker-Schülers Lyrik ausgesprochen stark ist.
Eise Lasker-Schüler's Poems from a Chinese Point of View
Aihong Jiang looks at Eise Lasker-Schüler's poems from a new point of view, using the traditional Chinese aesthetic concept of Yi-jing. This enables her to develop interesting interpretations. Firstly, the concept äs such äs well äs its two components are introduced. Then Jiang shows that the "effect of Yi-jing", the "dynamic liveliness", is extraordinarily strong in Lasker-Schüler's poems.
Es sind vor allem Gedichte der mittleren Schaffensperiode Eise Lasker-Schülers, aus den Bänden Der siebente Tag (1905), Meine Wunder (1911) und den Zyklen von Widmungsgedichten (1920, Cassirer-Verlag), die Aihong Jiang in ihrer Dissertation untersucht; die "Hebräischen Balladen" zieht sie nicht in Betracht. Dabei geht sie von dem klassischen chinesischen poetischen und allgemein ästhetischen Konzept Yi-jing aus, auch als Theorie oder Lehre bezeichnet (nicht zu verwechseln mit dem antiken Orakelbuch Yi-jing bzw. Yijing, l Ging o.a., das mit anderen Schriftzeichen geschrieben wird). Bei diesem Konzept, das auch in anderen Bereichen der Kunst Anwendung findet, besonders in der Malerei, geht es um die Korrespondenz zwischen Subjekt und Objekt, Innen und Außen, Gefühlen des lyrischen Ich und umgebender Natur, im weitesten Sinne zwischen Individuum und Welt. Jiang nennt es auch "die Darstellungsmethode der Verbindung des Virtuellen mit dem Reellen". In der chinesischen Dichtung wird die Verschmelzung beider angestrebt, um so die innere Welt des Dichters oder der Dichterin äußerlich sichtbar und spürbar zu machen; dennoch läßt sich das Konzept auch in seine beiden Einzelteile aufspalten.
Im ersten Teil der Arbeit stellt Jiang das Konzept des Yi-jing in seinen Grundzügen innerhalb der klassischen Literaturtheorie vor und erörtert die Herkunft der Bezeichnung und ihre Bedeutung in der Literaturkritik. Das Konzept wird auf seine Ursprünge und Vorläufer zurückgeführt und im Vergleich zu anderen chinesischen poetischen und ästhetischen Kategorien diskutiert. Jiang nennt die Wirkungen des Yijing in der Lyrik und die verschiedenen Möglichkeiten, diese Effekte zu erzielen. Zur Illustration führt sie (größtenteils eigene) Übersetzungen berühmter chinesischer Gedichte aus verschiedenen Epochen an.
Im zweiten Teil wird dieses Konzept auf die Lyrik Lasker-Schülers übertragen; Jiang zeichnet auch die Entwicklung von der früheren zur späteren Lyrik nach. Dazu werden die beiden Komponenten V7und Jing, die Innenwelt und die Außenwelt, zuerst jeweils einzeln auf Lasker-Schülers Lyrik angewendet. Dabei stellt Jiang fest, daß das Yi, die innere Welt, aufgrund der absoluten Ichbezogenheit und der dominierenden Rolle des Gefühls bei Lasker-Schüler stark ausgeprägt ist. Das Jing dagegen, die äußere Welt, ist eigentlich nur auf dem Umweg über das Yi erfahrbar; es ist bruchstückhaft, dunkel und irreal.
Zeit und Raum bilden normalerweise den Rahmen für das Jing und bestimmen, welche Gegenstände aus der Natur bzw. der Umgebung des lyrischen Ich herangezogen werden. In der chinesischen Lyrik werden sie meist am Anfang schon indirekt mitgeteilt, an einer Schlüsselstelle des Gedichts, indem aus der Erwähnung von Sonne, Mond, Regen, Wind oder anderen Naturphänomenen, Bäumen oder Blumen, die Jahreszeit, die Tageszeit, das Wetter und das Klima (und somit die geographische Lage) hervorgehen. Doch bei Lasker-Schüler gibt es kaum Naturerleben. Da sie fast ausschließlich die Innenwelt im Blick hat, setzt sie sich auch über die Grenzen von Zeit und Raum hinweg. Dazu sind ihre Verse locker aneinandergereiht, sie fallen sinngemäß auf den ersten Blick oft auseinander; verbunden sind sie nur durch eine starke innere Spannung. Gerade in dieser "Disparatheit der Bilder", in der Verknüpfung nicht zusammengehöriger Elemente, sieht Jiang jedoch die Übereinstimmung mit der Praxis des Yi-jing, die "Verbindung des Virtuellen mit dem Reellen" (S. 93, S. 98).
Bei der Untersuchung der Mittel, durch die Lasker-Schüler den starken Yi-jing- Effekt erzielt, geht Jiang nicht nur auf Aufbau, Struktur und Sprache der Gedichte ein, sondern sie veranschaulicht beispielsweise anhand der Gedichte "Von weit" ("Du denkst an mich - es bleiben alle Sterne stehen") und "Chaos" ("Die Sterne fliehen schreckensbleich / Vom Himmel meiner Einsamkeit") die Personifizierung der Natur, die eine Überschreitung der Grenzen zwischen der Außenwelt und der Innenwelt ermöglicht (S. 87). Diesem Zweck dient auch die Synästhesie, die Aufhebung der Unterschiede zwischen den verschiedenen Sinneswahrnehmungen, die Lasker-Schüler oft einsetzt. Bei ihr können Farben Töne von sich geben und an Gerüche erinnern, Klänge strömen ihrerseits Farben aus. Die Naturgesetze werden außer Kraft gesetzt. Auch die immer wieder auftauchenden Bilder, "Gestalten", werden untersucht, wie der "Weg" oder "Pfad", der das lyrische Ich in eine imaginäre Heimat führen soll, das Herz, das bei ihr u. a. für Ehrlichkeit steht, aber auch für Ungeschütztheit, Nacktheit, ferner Gold und Stern; bei letzteren geht Jiang allerdings auf die verschiedenen Bezüge zum Judentum nicht ein.

Produktinformationen

Titel: Yi-jing in der Lyrik Else Lasker-Schülers
Autor:
EAN: 9783897128989
ISBN: 978-3-89712-898-9
Format: Kartonierter Einband
Herausgeber: Cuvillier Verlag
Genre: Geisteswissenschaften allgemein
Anzahl Seiten: 169
Gewicht: 232g
Größe: H211mm x B147mm x T20mm
Jahr: 2000

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