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Adieu Musen

  • Leinen-Einband
  • 315 Seiten
"Die Kunst des Poetismus ist leger, spielerisch, phantasievoll, mutwillig, unheroisch und der Liebe zugewandt. Ihr fehlt jede Roma... Weiterlesen
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Beschreibung

"Die Kunst des Poetismus ist leger, spielerisch, phantasievoll, mutwillig, unheroisch und der Liebe zugewandt. Ihr fehlt jede Romantik. Sie entstand in einer Atmosphäre heiterer Geselligkeit, in einer Zeit, die lacht, wenn auch ihre Augen weinen. Das humorvolle Temperament überwiegt, auf Pessimismus wurde aufrichtig verzichtet." So beschreibt der Theoretiker Karel Teige diese alle Kunstgattungen umspannende Bewegung der zwanziger Jahre. Wie der Expressionismus deutsch, der Surrealismus französisch, der Futurismus russisch und italienisch ist, so ist der Poetismus eine spezifisch tschechische Bewegung im zwanzigsten Jahrhundert. Gedichte, Szenen, Prosa und Manifeste, gesammelt vom mährischen Dichter Ludvik Kundera, bieten erstmals in deutscher Sprache einen Überblick über diese Kunstrichtung.

Klappentext

Wie der Expressionismus deutsch, der Surrealismus französisch, der Futurismus russisch und italienisch ist, so ist der Poetismus eine spezifisch tschechische Bewegung im zwanzigsten Jahrhundert.



Leseprobe
Vitezsiüv Nezval / aufforderung an die freunde / / nur einen schritt und ich kann euren aufenthalt leicht finden / hintreten zwischen euch masken die sich verflüchtigen im wald der hoffnungslosigkeit / freunde verschwörer ihr der einen windfahne die aufgehört zu klappern / mit dem zehn jahre alten lachen so als ob es gestern wär / wir alle kennen die verlegenheit zur weihnacht wenn verwandte kommen / die klinke allzu niedrig oder hoch und bangigkeit das herz umklammert / wieviel empfindsame sind so zurückgekehrt von heimatlichen fenstern / wir gehen nachts auf zehenspitzen blicken das erste zweite dritte mal hinter rollos / sind bleich und mit gesenkten augen / wir alle gaben ausnahmslos uns eine blöße / geringen ehrgeiz dumpfe schuld furcht vor der zukunft liebeleien hier und dort / bei übergroßer scham wird das zur tragik / ich weiß es gut versteh das schweigen eifriger herzlichkeit krampfhafter reue / das weiß ein jeder von uns heute / unnötig der belastungsproben maß zu übertreiben / wer immer von uns hirn der imagination durch süßen schlaf oder durch unfehlbare gegenwart auch war / wir finden mühelos die alten stühle auf demselben platz / es ist april im jahre 22 / ihr seid auf irgendeinem vortrag und ich beobachte euch aus der ferne / zwei tage später inmitten der verstreuten bi / / bliothek des einen / sehe ich bilder ohne rahmen briefschaftenstöße einen diwan der ein bizarrer extrakt dieser bibliothek / ich sitz im schaukelstuhl des chaosateliers und höre aus dem nebenzimmer bach / im hof die klostertöne erinnern mich an mallarmes gedicht in prosa / kamine kuppeln und der graue himmel bilden eine allerseelenstimmungsbude / ich sage fünfmal hundert verse auswendig geschrieben schon vor einem monat / du lächelst schweigst zum zehnten male zündest du den tschibuk an / unwiederholbar in der eigenart des tiers geboren aus kubistischem gemälde / du sitzt nervös und als ich ende erwarten ein paar stirnenfalten mehr / verwirrt gehe ich fort bezaubert von der unordnung des zimmers und der bewegung deiner hände / sie stürzen sich kopfüber ins papier und ziehen immer wieder neue vollständige revuen und kleine zeichnungen heraus / obwohl es fünf uhr ist bringt mutter dir das mittagessen / ihr blick ist zärtlich überfliegt ratlos die barrikaden aus papier / das ist zu haus bei karel teige / zwei tage später überfallt ihr mich in gleicher gasse mit einem blassen liebreizenden freund im spitzen hut / jetzt das wovon du letztesmal geschwiegen ruft laut sein spitzmund mir in ruhe zu / ihr führt mich in das cafehaus union / ich wiederhole auswendig die fünfmal hundert verse / in einer ecke sitzt mit grauen augen imre forbäth lächelt / im andren eck ein seltsam wesen ein fisch ich weiß nicht ob ein schöner jüngling oder weib / doch nach zwei jahren nennt es sich toyen / der freund mit blauen augen und im spitzhut jaroslav seifert heißt / auf ein stück plüsch gestützt als ob er schlafen würde / das ist fast alles / endloses rumstreifen entlang der quais herumsitzen in cafébars und kleine saufereien / Seifert verschwindet manchmal lange zeit er liebt / und so wieder zu zweit ziehn wir herum und sprechen exaltiert auch auf den pissoirs / / was wissen alle die / die in dir sehen nur intelligenz / wer könnte ganz die fleurs du mal wie karel teige rezitieren / oder die kalligramme guillaume apollinaires ein name der bis heute mich zum weinen bringt / wie andere die blicke anziehn verstößt du leute mit nur einer geste / in deiner gegenwart setzte kein dummkopf sich an unsren tisch / sie hassen dich darum und fürchten sich vor dir / etlichen freunden diktierst du deine vorträge / fährst nach paris / ich gehe wieder mal nach langer zeit mit jifi wolker der zurück vom meer / von merkwürdiger gereiztheit sein gesicht / die eifersucht auf unsere neue schöne allianz / vor einem jahr noch machten wir allein ganz lange streifzüge durch prag / begannen eines schönen junitags beim nationa

Produktinformationen

Titel: Adieu Musen
Untertitel: Anthologie des Poetismus
Ausgewählt von:
EAN: 9783421052575
ISBN: 978-3-421-05257-5
Format: Leinen-Einband
Herausgeber: DVA
Genre: Romane & Erzählungen
Anzahl Seiten: 315
Gewicht: 307g
Größe: H176mm x B111mm x T27mm
Jahr: 2004

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