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Ein Tag in Bozen

  • Kartonierter Einband
  • 224 Seiten
Das Buch enthält vier Erzählungen und eine Biografie. Die Erzählungen sind mehr oder weniger mit Südtirol verbunden und berichten ... Weiterlesen
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Beschreibung

Das Buch enthält vier Erzählungen und eine Biografie. Die Erzählungen sind mehr oder weniger mit Südtirol verbunden und berichten von den Auswirkungen des ersten Weltkrieges, des Faschismus und der Judenverfolgung auf das Schicksal der jeweiligen weiblichen Hauptfigur. In einer der Erzählungen kommt eine real existierende Person vor, von der die folgende Biografie berichtet. Diese Biografie handelt von einem Wiener Halbjuden, Hans Albala, der in der Nachkriegszeit als Filmemacher in Wien lebte und dessen Filme mit mehreren Staatspreisen ausgezeichnet wurden.

Vier Erzählungen und eine Biografie - eine etwas ungewöhnliche Zusammenstellung, doch geht die Biografie aus einer der Erzählungen hervor. Alle vier Erzählungen aber sind mehr oder weniger mit dem zweiten Weltkrieg verbunden, entweder in den Erinnerungen der Nachkriegsgeneration oder als handfeste Gegenwart, wie in der ersten Erzählung, in der eine Wiener Jüdin in Gossensaß Unterschlupf sucht. Das italienische Original dieser Erzählung erhielt 2013 den ersten Preis für unveröffentlichte Arbeiten des internationalen Literaturwettbewerbs "Il Molinello".

Autorentext

Ada Zapperi Zucker ist in Catania geboren und hat in Rom Klavier und Gesang studiert und dieses Studium an der Musikhochschule Wien beendet. Gleichzeitig hat sie für das "Dizionario Biografico degli italiani dell'Istituto Treccani", für die "Enciclopedia dello Spettacolo" und die "Enciclopedia Universo De Agostini" gearbeitet und für diese Enzyklopädien viele Biographien von Musikern und Sängern verfasst. Als Opernsängerin war sie hauptsächlich außerhalb Italiens tätig, derzeit unterrichtet sie Gesang in Deutschland und in Südtirol und lebt seit vielen Jahren in München. Durch eine Lehrtätigkeit am Bildungszentrum in Bozen kam sie mit Südtirol in näheren Kontakt. Als geborene Italienerin, aber durch ihre Ehe auch mit der österreichischen Kultur vertraut, hat dieses Land ihr immer schon waches Interesse für Politik und Geschichte besonders stimuliert. Die vielen Geschichten, die sie von ihren Südtiroler Gesangsschülern erzählt bekam, führten 2007 zu einem ersten Erzählband "La scuola delle catacombe", der inzwischen auch auf deutsch unter dem Titel "Die Katakombenschule" erschienen ist und sich zu einem Longseller entwickelt hat. Weitere Bücher folgten, vielfach mit Südtiroler Schwerpunkt, viele davon wurden in Italien mit Preisen ausgezeichnet. In dem 2015 erschienene Buch "La Cucchiara" wendet sie sich ihrem sizilianischen Ursprung zu, auch diese sizilianische Familien Saga in Form von Erzählungen hat schon einen ersten Preis erhalten und zwar bei dem renommierten internationalen Literaturwettbewerb "San Domenichino, città di Massa".



Klappentext

Vier Erzählungen und eine Biografie - eine etwas ungewöhnliche Zusammenstellung, doch geht die Biografie aus einer der Erzählungen hervor. Alle vier Erzählungen aber sind mehr oder weniger mit dem zweiten Weltkrieg verbunden, entweder in den Erinnerungen der Nachkriegsgeneration oder als handfeste Gegenwart, wie in der ersten Erzählung, in der eine Wiener Jüdin in Gossensaß Unterschlupf sucht. Das italienische Original dieser Erzählung erhielt 2013 den ersten Preis für unveröffentlichte Arbeiten des internationalen Literaturwettbewerbs "Il Molinello".



Leseprobe
Die französische Gouvernante Am 4. Dezember 1938 traf Louise Raffelsberger mit dem Zug am kleinen Bahnhof von Gossensaß2 ein. Sie war der einzige Fahrgast, der ausstieg. Von mittlerer Statur, schlank, ziemlich mager gar, war sie ganz nach der neuesten Pariser Mode, aber zu leicht gekleidet: durchsichtige Strümpfe, weit ausgeschnittene Schuhe mit hohen Absätzen, ungeeignet für diese schneebedeckten Straßen und um den Hals eine sogenannte Boa aus Straußenfedern oder von wer weiß welch exotischem Vogel. Aus den Federn ragte ein kleiner Kopf mit schwarzem, kurzem Haar und nacktem Hals, zwei Schmalzlocken, wie auf die Wangen gepinselt, so perfekt waren sie, und glatte, glänzende, halblange Stirnfransen. Ein winziges Hütchen hielt sich, die Gesetze der Schwerkraft herausfordernd, auf wundersame Weise auf diesem kapriziösen Kopf. Die Augen reichlich geschminkt, den Mund auf ein rot gefärbtes Herzchen reduziert, tiefstes dunkelrot, was an Vampire denken ließ, schien sie, von einem anderen Planeten kommend, in diesem Bergnest auf die Erde gefallen zu sein. "Kann es sein, dass das alles echt ist?", fragte sich in der Tat der Bahnhofsbeamte. "Schade, denn sie scheint mir ein schönes Frauenzimmer zu sein, eine, die einem Mann den Kopf zu verdrehen weiß. Vorher aber sollte sie sich das Gesicht waschen." Die junge Frau hatte inzwischen ihre große Leinentasche auf den Boden gestellt und sah sich erwartungsvoll um. Der Zug war sofort weitergefahren, und, halb erfroren, rührte sie sich nicht von der Stelle. Der Bahnhofsbeamte näherte sich: 'Warten sie auf jemanden?', fragte er, von den kalten Augen der Frau eingeschüchtert, die ihn von Kopf bis Fuß musterte. 'Monsieur Pichler. Je lui écrit... il n'est pas ici. Vous le connaissais?' Ihre Stimme war ziemlich gereizt, wie von einem kurz vor einem Nervenzusammenbruch stehenden Menschen. Sie sprach ein eigenartiges Französisch mit breitem wienerischen Akzent. Der Mann, obwohl des Französischen nicht mächtig, begriff und lächelte: 'Gewiss kenne ich ihn. Wer kennt ihn hier nicht?' In diesem Augenblick kam gerade Herr Pichler daher, atemlos wegen der Eile. 'Excusez-moi Mademoiselle. je suis en retard ...' Die Frau reichte ihm mit ausgesuchter Eleganz, mit Mühe eine gewisse Ungeduld verbergend, ihre kleine, in schwarzes Leder gekleidete Hand. Der Bahnhofsbeamte verfolgte aufmerksam die ganze Szene, fasziniert, ganz in die Betrachtung des Händchens versunken, das so schutzbedürftig aussah. Wie alt mochte dieses derart graziöse Persönchen denn sein? Kaum älter als dreißig, obwohl sie jünger aussieht, dachte er, während Herr Pichler sich tief hinunterbeugte, um das nervöse Pfötchen zu küssen, das heißt, es kaum mit den Lippen zu streifen. Eine wahrhaft vornehme Geste, die niemand besser als Herr Pichler hätte vorführen können, auch das bemerkte der Bahnhofsbeamte, und er überlegte lange, wie man sich so verbeugen und gleichzeitig die Hand mit derartiger Eleganz reichen konnte. Er kam zum Schluss, dass es großer Übung bedurfte. Sowie die beiden den Bahnhof verlassen hatten, versuchte er dieselbe Geste vor seinem Schreibtisch nachzuahmen, und es fehlte nicht viel, und er hätte sich den Kopf an der Tischkante angeschlagen. Zu tief, kommentierte er, auf das richtige Maß kommt es an. So begann die Geschichte der Französin in Gossensaß, so wurde sie in der Tat im Dorf genannt, zuerst wegen ihres exotischen, in diesem Bergdorf völlig unangebrachten Aussehens, und später, weil man erfuhr, dass sie direkt aus Paris gekommen war. Die Frau, die im Hause Pichler diente, hatte die Nachricht wenige Stunden später im Dorf eilig verbreitet. Mademoiselle Louise war die neue Gouvernante. Herr Pichler war darauf erpicht eine Französin für seine drei verwaisten Kinder zu haben, und niemand begriff den Grund dafür. Gewiss, die Frau sprach französisch, zumindest sagte man das, doch war sie österreichischer Herkunft. Daran zweifelte niemand. Mademoiselle Lou

Inhalt
Die französische Gouvernante 11 Ein Tag in Bozen 84 Eine kleine minimalistische Geschichte 130 Ein Spaziergang 154 Auf den Spuren einer verlorenen Generation 181 Fragmente einer Biografie

Produktinformationen

Titel: Ein Tag in Bozen
Untertitel: Auf den Spuren einer verlorenen Generation
Übersetzer:
Autor:
EAN: 9783943810073
ISBN: 978-3-943810-07-3
Format: Kartonierter Einband
Herausgeber: Verlag ohne Geld
Genre: Romane & Erzählungen
Anzahl Seiten: 224
Gewicht: 267g
Größe: H208mm x B128mm x T20mm
Jahr: 2014

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