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Am Fuß der Mauer
Abel Paz

Jeden Augenblick erwartete ich den tödlichen Moment, doch meine Mörder fanden scheinbar keinen geeigneten Ort und gingen weiter. K... Weiterlesen
Kartonierter Einband (Kt), 493 Seiten  Weitere Informationen
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Beschreibung

Jeden Augenblick erwartete ich den tödlichen Moment, doch meine Mörder fanden scheinbar keinen geeigneten Ort und gingen weiter. Keiner sprach. Nur Stille, Sterne und der Mond und das Gras, auf das wir traten. Sonst nichts. Plötzlich wurde mir signalisiert, in die Knie zu gehen. Sie zwangen mich dazu. Ich kniete mich hin. Ich sah den Mond an und wartete ab. In meinem Nacken spürte ich den Lauf einer Pistole, die Kugel im Patronenlager und ... Neben Feigenkakteen und Skorpione (1921-1939), Anarchist mit Don Quichottes Idea-len (1936-1939) und Im Nebel der Niederlage (1939-1942) ist Am Fuß der Mauer(1942-1954) der letzte Band von Abel Paz Biographie.

Was kommt hinter dem Nebel? Die Niederlage nach dem Spanischen Bürgerkrieg war für die Besiegten eine Demütigung. Über eine halbe Millionen Menschen gingen ins Exil, bis zu 1,5 Millionen Menschen wurden zu Gefängnis und Zwangsarbeit verurteilt und an die 250.000 Menschen wurden von Standgerichten zum Tode verurteilt, weitere 150000 Menschen fielen dem "blauen Terror" zum Opfer - die gezielte Liquidierung politischer Gegner außerhalb von Städten und Dörfern und die Beseitigung der Leichen in anonymen Massengräbern. Für die emanzipierten Menschen, die trotz Francos Sieg sich seinem Regime nicht unterwerfen wollten, ging es in den Widerstandsbewegungen und Guerillagruppen nicht nur ums nackte Überleben, sondern in erster Linie um die Würde und das Recht auf den "aufrechten Gang", wie Abel Paz einmal sagte. Franco stabilisierte sein Regime, gestützt auf die Hochfinanz, seine Nationale Bewegung, Militär und katholische Kirche, von Anfang an mit Gewalt und Repression. Nach dem Spanischen Bürgerkrieg lag das Land politisch wie ökonomisch danieder. Politisch weitgehend isoliert, konnte sich die Wirtschaft, bedingt durch den Exodus der Facharbeiter, von den Folgen des Krieges nur sehr langsam erholen. In der Landwirtschaft wurden die Agrarreformen wieder aufgehoben und die Großgrundbesitzer bekamen ihre alten autoritären Rechte zurück. Als Folge brach die Produktion landwirtschaftlicher Güter zusammen. Es begannen die sogenannten Hungerjahre, die bis in die Mitte der 1950er Jahre anhalten sollten. Der Schwarzmarkt blühte und trieb die Preise ins Unbezahlbare. Durch das Industriegesetz von 1939 wurde die Wirtschaft direkt vom Staat gesteuert, aber nicht Fachleute wurden auf Führungsposten gesetzt, sondern franquistische Parteigänger. Trotz dieser wirtschaftlich schwierigen Situation, die die Bevölkerung immer wieder zum aktiven wie passiven Widerstand anregte, konnte sich Franco innenpolitisch, durch die Repression, wie außenpolitisch, durch den Kalten Krieg, halten. Ein 1946 verhängter UNO-Boykott wurde 1955 wieder aufgehoben. 1953 unterzeichnete Franco ein Truppenabkommen mit der USA - und wurde somit zu einem wichtigen Verbündeten im Kampf gegen den Kommunismus. Um den wirtschaftlichen Bankrott zu verhindern - zudem zwangen zahlreiche Streiks zu Beginn der 1950er Jahre die Regierung zum Handeln -, änderte das Regime seine partei-protektionistische Wirtschaftspolitik. Mit Hilfe eines wirtschaftlichen Stabilisierungsprogramms wurden die Steuern- und Zinsabgaben erhöht. Angeregt und unterstützt wurde das ganze mit den weltlichen Vertretern der katholischen Kirche - Opus Die. Diese entzogen 70 Prozent des Außenhandels der staatlichen Kontrolle und das machte Spanien auf internationaler Ebene wieder kreditwürdig. Spanien, mit seinen niedrigen Löhnen und einem gesetzlichen Streikverbot, wurde zu einem Wirtschaftswunderland für multinationale Konzerne. Bis 1975 stieg der Lebensstandard der Lohnabhängigen nur gering. Als Franco starb, kontrollierten etwa 100 Familien über 90 Prozent der spanischen Wirtschaft.

Autorentext

Abel Paz

Geboren wurde Abel Paz 1921 in Almería. 1934 trat er der anarchosyndikalistischen Gewerkschaft CNT bei und arbeitete als Lehrling in einer Textilfabrik. Als er 15 Jahre alt war, begann der spanische Bürgerkrieg. Abel Paz erlebte den Sommer der Anarchie sowie den Bürgerkrieg auf Seiten der CNT und der FAI. Er kämpfte gegen das Franco-Regime und für die Soziale Revolution. Nach dem Sieg der Faschisten flüchtete er 1939 vor den Truppen General Francos nach Frankreich. Dort wurde er mit anderen antifaschistischen SpanienkämpferInnen in verschiedenen Lagern interniert. Nach dem Einmarsch der deutschen faschistischen Armee in Frankreich kehrte Abel Paz 1942 nach Spanien zurück, um dort im Untergrund gegen das Franco-Regime zu kämpfen. Im Dezember 1942 wurde er verhaftet und bis 1953 inhaftiert.
Abel Paz starb am 13. April 2009 um vier Uhr nachmittags in Barcelona. Er ist dort auf dem Friedhof Tanatorio de Sancho de Avila beigesetzt.



Leseprobe
"Vorwort Bisher habe ich noch nie ein Vorwort zu einem Buch geschrieben. Doch dieses Mal tue ich es, weil mir ein Freund seine Hände um die Kehle legt: wenn ich nicht nachgebe, ersticke ich, und weil mir kein anderer Ausweg bleibt, bin ich hier und schreibe das Vorwort für meinen Freund Ricardo Santany. Ricardo Santany1 lernte ich im Jahre 1942 im Modelo-Gefängnis von Barcelona kennen, und es war an mir, ihm als Schatten, der an seinem Körper klebte, die zehn Jahre zu folgen, die ich von Gefängnis zu Gefängnis durch das franquistische Paradies ging. Wir hatten sogar das Glück, gemeinsam aus der Gefängnisheilanstalt für Tuberkulose-Kranke in Cuellar (Segovia) in die Freiheit entlassen zu werden. Zusammen wurden wir im April 1952 nach Porcuna, ein Dorf bei Jaén, verbannt. Da es uns unmöglich war, in diesem Dorf zu leben, wussten wir uns zu helfen, dass die "Junta de Libertad Vigilada", die Bewährungsstelle, uns einen Umzug nach Barcelona genehmigte, ein Ort, an dem wir dachten, unser Leben als ehemalige Gefangene organisieren zu können, was sich uns ebenfalls als unmöglich erwies, und so mussten wir einen Beschluss fassen: Abstand zwischen uns und dem Franquismus zu gewinnen. Doch mein Freund antwortete, dickköpfig wie er ist, als ich ihm vorschlug, nach Frankreich ins Exil zu gehen, da er aus dem Nichts gekommen sei, würde er sich wieder ins Nichts auflösen. Ich ließ ihn zurück und ging ins Exil. Es war das Jahr 1954 und seitdem habe ich bis heute nichts mehr von meinem Freund Ricardo Santany gehört. Oft habe ich an ihn gedacht (wie könnte man auch einen Freund vergessen, der einem wie ein Schatten gewesen ist?), doch ich bekam von ihm direkt nicht das geringste Lebenszeichen. Indirekt erfuhr ich, dass er im Jahr 1956 verurteilt worden war, Urheber des Aufbaus einer klandestinen Druckerei in Barcelona zu sein, in der die Zeitungen "Solidaridad Obrera"2 und "CNT"3 gedruckt wurden. Doch sonst nichts von ihm. Ich dachte, er wäre gestorben. Aber so war es nicht. Hier steht er vor mir, quicklebendig und putzmunter. Sein Besuch verpasste mir einen Stromschlag. Die ganze Vergangenheit wurde wieder präsent. Hier ist er, er sitzt mit mir am selben Tisch mit seiner ewigen Zigarette zwischen den Lippen und dem Glas Wein bei der Hand. Er starrt mich an. Auf dem Tisch liegt ein umfangreiches, in Zeitungspapier eingewickeltes Paket. Er sieht mich weiter ironisch an und sagt schließlich:"Was hast du denn geglaubt? Dass ich tot bin? Du wusstest doch zur Genüge, dass ich nicht hätte sterben können, ohne dass du es mitbekommen hättest. Wir sind Zwillingsbrüder, soweit der eine auch weg wäre, würde der andere doch den tödlichen Schlag ebenfalls mitbekommen...""Aber, verdammt noch mal! Warum hast du denn bisher nichts von dir hören lassen?"Er sieht mich immer noch genauso an, mit einem bitteren Lächeln auf den Lippen. Ich halte seinen Blick nicht aus, denn er gleicht so sehr dem meinen, dass ich glaube, mich selbst zu sehen. Wenn man immer sich selbst sieht, macht einen das wütend. Und so fühle ich mich auch, wütend. Er antwortet mir:"Ich habe mich im Nebel aufgelöst. Ich bin in den Untergrund der Nichtexistenz abgetaucht. Ha! Ha! Du weißt nicht, wie gut man in der Nichtexistenz lebt. Wenn man existiert, ohne zu existieren, kann einem niemand die Hand auf die Schulter legen. Verstehst du? Dank dieser Situation konnte ich 1954 eine klandestine Druckerei aufbauen, und als die Polizei sie 1956 entdeckte, zack!, schlüpfte ich ihnen durch die Finger. Ich bin immateriell. Ich existiere nicht; und doch gibt es mich. Seitdem wir uns 1954 getrennt haben, war mein Kampf der Kampf des Geistes gegen die Materie ..."Nervös hörte ich mir seinen Sermon an, denn alles, was er mir erzählte, stimmte natürlich; mein Freund war ein Gespenst. Doch trotz allem war er hier, sah mich ironisch an, mit seiner Zigarette, dieses Mal zwischen den Fingern, und an seinen Lippen das Glas Wein, das er Schluck für Schluck leerte, und das auch noch elegant ..."Gut. Und was willst du von mir?", fragte ich ihn und ließ dabei meiner schlechten Laune freien Lauf."Ruhig, Mann, ruhig! Ich will kein Geld. Ich weiß, dass du keine Pesete hast. Ich möchte nur, dass du ein Vorwort zu meinen Memoiren schreibst. Du weißt ja, dass ich ein Niemand bin, eine Null vor dem Komma, aber ich habe ein Leben, das weder unbedeutend ist noch aus "schnellen Stunden"4 besteht, sondern meine Jahre sind ziemlich langsam vergangen, und ich möchte mein Vermächtnis bekannt geben. Als ich die Idee dazu hatte, habe ich mich an dich erinnert ...""Und warum gerade an mich? Du bist dir noch selbst genug, und das bis zum Überdruss. Willst du eine bessere Einleitung als dein Leben?""Das stimmt. Aber Vorworte sind in Mode. Du bist ein bekannter Schriftsteller, wenn du auch, wie ich weiß, nicht sehr von denen geschätzt wirst, aus denen die literarische Republik Spaniens besteht. ... Entschuldige, ich wollte sagen, die literarische Monarchie...."

Produktinformationen

Titel: Am Fuß der Mauer
Untertitel: Widerstand und Gefängnis (1942 - 1954). Eine Biographie, Band 4
Autor: Abel Paz
Editor: Andreas W. Hohmann
Übersetzer: Andreas Löhrer
EAN: 9783868410334
ISBN: 978-3-86841-033-4
Format: Kartonierter Einband (Kt)
Herausgeber: Edition AV, Verlag
Genre: Politik, Gesellschaft & Wirtschaft
Anzahl Seiten: 493
Gewicht: 665g
Größe: H211mm x B138mm x T41mm
Jahr: 2010

Filialverfügbarkeit

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